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Der 17. Juni 1953 darf nicht vergessen werden.

Günter Matiba

Am 17. Juni 1953 schossen und walzten Brigaden modernster sowjetischer Panzer einen Volksaufstand in der jungen DDR, vornehmlich in Berlin, mit äußerster Brutalität nieder.

Ihre Gegner: Hauptsächlich Arbeiter, aber auch viele andere Menschen aus allen Schichten des Volkes. Aus einem Streik der Bauarbeiter in der damaligen Stalinallee in Berlin gegen willkürlich erhöhte Arbeitsnormen entstand rasend schnell ein allgemeiner Volksaufstand in - lt. Zeitzeugen - nahezu 500 Städten.

Ihre Bewaffnung: Bloße Fäuste, Stöcke und Steine wie schon bei den Urmenschen, vielleicht hier und da ein Molotow-Cocktail als modernste Waffe.
Ihre schärfste und unbesiegbare Waffe jedoch: Unbändiger Freiheitswille und Zorn über das verhasste, diktatorische Regime, das sich nicht auf die Mehrheit des Volkes, sondern auf die sowjetische Besatzungsmacht stützen konnte, immer höhere Arbeitsnormen bei gleicher Bezahlung fordernd. Es kürte linientreue Hennecke-Typen zu Helden der Arbeit.

Das vorläufige Ende: Ein Blutbad mit vielen Toten und Verwundeten, Verhaftungen, Zuchthaus und Hinrichtungen, Menschenverachtung, Willkür und dumpfe Knechtung des Geistes - weitere quälende 36 Jahre lang..

Aber es war Gott sei Dank nicht das endgültige Ende des Freiheitskampfes, denn am 9. November 1989 trugen die freiheitsliebenden Menschen mit dem Fall der blutgetränkten Mauer ihren überwältigenden Sieg über die Unterdrücker davontrug. Millionen weinten vor Freude und Rührung, weil Hunderttausende unbeirrt, unermüdlich und vor allem friedlich demonstriert hatten. Ihre Waffen: Wir sind das Volk! Keine Gewalt! Deutschland einig Vaterland! Montagsgebete und Kerzen gegen Maschinenpistolen.

Willy Brandt am Brandenburger Tor: Hier wächst zusammen, was zusammengehört.

Für mich ein Weltwunder. Eine siegreiche Revolution ohne einen einzigen Schuss. Ein Triumph des Geistes. Wann gab es das?

Wie gut, dass die Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland damals den 17. Juni zum Tag der deutschen Einheit und zum gesetzlichen Feiertag erklärt hatte. Somit ist über Jahrzehnte hinweg immer wieder an die Hoffnung und den Wunsch nach Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit erinnert worden.

Der 17. Juni 1953 – ein Symbol der Hoffnung.

Günter Matiba, 17. Juni 2013