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Fahr- und Bedienerlaubnisse

Meine beiden ältesten Enkelkinder haben vor Kurzem ihren PKW-Führerschein gemacht. Hierfür mussten sie einen ganztägigen Erste-Hilfe—Lehrgang, sowie erst einmal vierzehn Stunden theoretischen Unterricht absolvieren. Erst danach erfolgte die erste praktische Fahrstunde. Als sogenannte Pflichtstunden sind dreißig bis vierzig Fahrstunden, die Stunde zu 35.- Euro, vorgesehen. Mit allen Gebühren, wobei einmal durch die Prüfung zu fallen wohl nicht als etwas Besonderes angesehen wird, kommt man dann auf 1.500,- bis 2.000,- Euro. Das ist der Monatslohn eines Handwerkers!

Lebhaft erinnere ich mich an den Erwerb meines ersten Führerscheins. Wir, meine Eltern, Geschwister und ich, wohnten in Quickborn. Von dort aus musste ich jeden Tag mit der Altona-Kaltenkirchen-Neumünster Eisenbahn AG (AKN) zu meiner Lehrstelle zur Schlieker-Werft auf Steinwerder fahren. Die Hamburger Endstation der Bahn war in der Nähe der Holstenstraße, dort, wo heute das Paket-Postamt ist. Ich war im zweiten Lehrjahr und wurde bald achtzehn Jahre alt. Da fiel mir die handgeschriebene Werbung einer Fahrschule in der Nähe des Bahnhofs auf: PKW- Führerschein ab 100.- D-Mark. Die Fahrschule lag also auf meinem Heimweg und die hundert D-Mark würde ich schon auftreiben. Als Lehrling bekam ich zwar nur 75.- Mark Ausbildungsbeihilfe, und davon gingen noch 35.- Mark für die Monatskarte der Bahn ab, aber ich hatte ja noch andere Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. Eine davon war bei der Firma meines Freundes Jochen, er lernte Fliesenleger. Wenn wir an den Samstagen Terrazzo-Stufen in Neubauten verlegten, bekamen wir pro Stufe eine Mark. Oder ich konnte Fliesen, die in der Woche verlegt worden waren verfugen. Allerdings musste ich damals zu der in Arbeit befindlichen Baustelle erst einmal 12 Kilometer bis nach Pinneberg mit dem Rad fahren.

Eine andere Möglichkeit, um Geld zu verdienen, gab es gerade jetzt gegen Ende des Sommers bei einem Bauern in Quickborn, bei der Rüben- und Kartoffelernte. Da diese Arbeiten aber in der Woche erfolgten, musste ich einen kleinen Trick, der unter uns Lehrlingen kursierte, anwenden. Wir hatten bei Schlieker einen Ausbildungs-Ingenieur, der sich aber nur mal bei irgendwelchen Feiern sehen ließ, die Arbeit machte eine ältere Dame, seine Sekretärin. Wir wurden während unserer Ausbildung alle drei Monate in eine andere Abteilung versetzt und diese Versetzungslisten wurden von der Sekretärin erstellt. Wenn man nun krank war, konnte man seine Krankmeldung direkt beim jeweiligen Meister der Abteilung abgeben, oder sich bei der Sekretärin melden, die dann den Meister informierte. Der ging natürlich davon aus, dass die Krankmeldung im Büro abgegeben wurde. Ein Kumpel mit einer etwas tieferen Stimme war schnell gefunden, der dann den Anruf bei der Sekretärin machte. Auch zu Hause fiel es nicht auf, ich ging ja pünktlich aus dem Haus. Aber eben nicht zur Werft, sondern zu dem Bauern, der sich freute, dass ich so früh da war und mit dem Trecker schon mal die Anhänger auf den drei Kilometer entfernten Rübenacker bringen konnte. Trecker- und Autofahren konnte ich ja schon, auch weil mein Vater einen Volkswagen hatte, noch den mit der geteilten Heckscheibe , mit dem ich auf unserem einhundert Meter langen Gartenweg das Anfahren üben konnte. Außerdem durfte ich meinen Vater oft am Freitag, wenn er sich auf ein paar Bier in der Dorfkneipe mit den Handwerkern traf, nach Hause fahren. Es fehlte also nur noch der offizielle Führerschein.

Zu meiner ersten Fahrstunde war ich am Eingang zu Planten un Blomen verabredet. Pünktlich erschien auch der Fahrschulwagen, zu meiner Freude ein Volkswagen. Der Fahrlehrer, ein wohl vierzigjähriger Mann, war auch erst seit Kurzem bei der Fahrschule angestellt. Wie er mir später erzählte, war er vorher Fahrlehrer bei der Bundeswehr und er war es leid, dass dort seine Fahrschüler zwar hervorragend fahren konnten, bei den Prüfungen aber gerne durchfielen, da sie den Lehrgang dann noch einmal machen konnten und sich so vor dem Kasernendrill drückten. Ob ich mich in Hamburg auskenne, war seine erste Frage, was ich bestätigen konnte. Na dann man Richtung Altona zur Palmaille. Nach einem ruckfreien Anfahren war ich schon vor der ersten Ampel in der Feldstraße im dritten Gang. Nun musste ich runterschalten, um mit dem Motor zu bremsen, was ich natürlich mit Zwischengas machte, wie ich es auf dem VW meines Vaters gelernt hatte. Zwischengas bedeutet, das man beim Herunterschalten der Gänge erst auskuppelt, den Gangschalter in Leerlauf stellt, das Getriebe wieder einkuppelt und nach Gehör Gas gibt, um auf die Drehzahl des vorherigen Ganges zu kommen. Dann kuppelt man wieder aus und schaltet in den niedrigeren Gang. Alter Schwarzfahrer war der Kommentar des Fahrlehrers und er klärte mich auf, dass die neueren Autos ein synchronisiertes Getriebe haben, sodass man direkt in den nächst niedrigeren Gang schalten kann. Nachdem ich die Fahrstunde problemlos beendet hatte, machte er mir den Vorschlag, dass ich noch ein paar Theoriestunden mache und dann kurz vor der Prüfung noch mal eine Fahrstunde nehme. Bei der Prüfungsfahrt kam es dann aber doch zu einer heiklen Situation. In einer Straße mit einem Stoppschild sollte ich nach rechts abbiegen, vor mir stoppte aber schon ein anderes Auto. Da auf beiden Seiten der Straße abgeräumte Trümmergrundstücke waren, hatte ich auch als zweites Auto ja gute Einsicht in die Vorfahrtstraße, also fuhr ich dem zweiten Auto direkt hinterher, ohne noch einmal anzuhalten. Prompt kam die Frage vom Prüfer: Was war das für ein Schild und wo müssen Sie halten?. Da, wo ich Einsicht in die Straße habe war meine Antwort. Na wenn Sie meinen, dann fahren Sie mal rechts ran. Das war es dann wohl mit dem Führerschein dachte ich, aber er sagte: Sonst war es ja recht ordentlich und wir wollen das nicht länger diskutieren und unterschrieb meinen ersten Führerschein.

In der Fahrschule gab es dann aber doch noch Ärger. Die Chefin kam bei der Abrechnung mit zwei Fahrstunden und allen Gebühren auf eine Summe von Neunundneunzig Mark und ich bestand auf der Rückzahlung von einer Mark meiner Anzahlung von hundert Mark. Erst mein Vorschlag, sie könne ja jetzt damit werben: Führerschein für unter Hundert Mark, konnte sie dazu bewegen mir die Mark zurück zu geben. Im Vergleich mit den Kosten meiner Enkel für ihren Führerschein war dies der Wochenlohn eines Handwerkers!

Gleich nach der Lehre als Schiffsmaschinen-Mechaniker bin ich dann zur See gefahren und war nach über einem Jahr das erste Mal wieder in Hamburg. Nun hatte ich jede Menge Urlaub, nicht nur die 14 Tage Tarifurlaub, sondern auch für jeden auf See verbrachten Sonntag einen Urlaubstag, das waren insgesamt über einen Monat Urlaub. Für diese Zeit quartierte ich mich bei meiner Tante Else am Großneumarkt im Bäckerbreitergang ein. Das hatte den Vorteil, dass ich in Hafennähe wohnte und außerdem war Tante Else eine hervorragende Köchin im Ruhestand, die sich einen Spaß daraus machte, mich zu verwöhnen. Wenn ich ihr zwei Mark fürs Essen gab, kochte sie für fünf Mark. Meine Kumpels von früher mussten ja tagsüber arbeiten, so dass wir uns nur abends in einer der zahlreichen Kneipen treffen konnten. So bummelte ich über Tage ziemlich ziellos durch die Gegend. Das muss wohl einem Fahrlehrer aus der Nachbarschaft aufgefallen sein, denn er sprach mich eines Tages an und schlug mir vor, doch den Führerschein Klasse Zwei zu machen. Dann hast du praktisch einen zweiten Beruf und den kann man immer mal gebrauchen meinte er, womit er Recht behalten sollte. Geld hatte ich genug, sodass ich jetzt tagsüber in seine Fahrschule ging, um LKW-Technik zu lernen. Fahrstunden sollte ich erst bekommen, wenn ich die theoretische Prüfung bestanden hatte. Da ich genug Zeit zum Lernen hatte, war das aber kein Problem. Zwei Tage nach der Prüfung klingelte es morgens um halb sieben Sturm an der Tür meiner Tante, der Fahrlehrer stand vor der Tür, stürmte in mein Zimmer und holte mich aus dem erst wenige Stunden dauernden Schlaf. Der Prüfer für die LKW-Führerscheine geht morgen in den Urlaub und bevor er wieder da ist, ist dein Urlaub zu Ende. Also los, komm um neun, dann ist Prüfungsfahrt. Unten auf der Straße stand ein großer Reisebus, der Fahrschulwagen. Bis zum Fischmarkt fuhr der Fahrlehrer, dann wechselten wir die Plätze. In den engen Straßen habe ich dann auch beim Rechtsabbiegen zahlreiche Bürgersteigecken mitgenommen. Anfahren am Berg, vorwärts und rückwärts wurde geübt. Rückwärts einparken ging mehr schlecht als recht, aber zu weiteren Übungen hatten wir keine Zeit mehr. Pünktlich um neun Uhr waren wir dann an der Süderstraße, um den Prüfer abzuholen. Offensichtlich kannten der Fahrlehrer und der Prüfer sich recht gut, denn der Fahrlehrer sollte dem Prüfer für seinen Urlaub ein Zelt leihen. Die beiden waren so in ihr Gespräch vertieft, dass der Fahrlehrer sich hinter den Fahrersitz setzte und der Prüfer sich auf den vorderen Sitz mit den Doppelpedalen. Kann der fahren? fragte der Prüfer nur, was mein Fahrlehrer mit voller Überzeugung bejahte. Nun sollte ich zurück zum Großneumarkt fahren, wo der Prüfer dann das Zelt bekommen sollte. Der Prüfer saß die ganze Zeit schräge auf dem Sitz und unterhielt sich mit dem Fahrlehrer. Ich hatte nur eine Heidenangst, die Bremse zu berühren, hatte ich doch noch nie ein Fahrzeug mit Luftdruckbremse gefahren. Wenn ich jetzt zu doll bremse, geht der Prüfer mit Sicherheit durch die Scheibe, war meine Sorge. Aber alles ging gut, bloß vor lauter Gerede über Urlaub und Zelt hätte der Prüfer fast vergessen, meinen Führerschein zu unterschreiben.

Nach einem weiteren Jahr bei der christlichen Seefahrt waren wir mal wieder in Hamburg. Bei seinem Rundgang durch den Maschinenraum sprach mich der Technische Inspektor an: Herzog, kommen Sie morgen mal in mein Büro, sagte er im Vorbeigehen. Wieso kannte er meinen Namen? Was habe ich mir in letzter Zeit zuschulden kommen lassen?, waren meine ersten Gedanken. Wenn er mir den Sack geben wollte (Abmustern/ Kündigen), das hätte er auch gleich vor Ort machen können. Ich ging also am nächsten Tag ins Afrika-Haus an der Palmaille. Von der pompösen Eingangshalle gingen die verschiedenen Büros ab. Der Inspektor war keineswegs mit mir unzufrieden, im Gegenteil, er forderte mich auf, am nächsten Dienstag zu Vater Lellmann in die Schiffsingenieur-Schule zu gehen, um die Prüfung zum Seemaschinisten abzulegen. Dann könnte er mich als vierten Wachingenieur auf der Afrikaroute einsetzen. Herr Lellmann war der älteste Dozent an der Schule, mit sehr praxisnahem Unterricht. Bei ihm hatten schon mein Vater und mein Onkel ihre Prüfungen zum Schiffsingenieur abgelegt. Bei der Prüfung hatte ich auch keine Schwierigkeiten, solange es um Mechanik, Anlagen, Öl und Wasserkreisläufe oder Ausrüstung und Bevorratung ging. Aber bei der Elektrik scheiterte ich kläglich, schon bei der ersten Frage nach dem Ohmschen Gesetz. Hatten wir doch an Bord immer einen Blitz (Elektriker), der sich um alle elektrischen Probleme kümmerte. Also musste ich erstmal den achtwöchigen Kurs bei Herrn Lellmann absolvieren. Nach der Prüfung hatte ich nun den Führerschein / Befähigung für Schiffsanlagen als alleiniger Maschinist auf Fischdampfern, Küstenschiffen oder als Wachingenieur auf Seeschiffen.

Nach meiner Hochzeit bin ich dann an Land geblieben und habe bei der Deutschen Lufthansa eine Umschulung zum Flugzeugwart gemacht. Da ich in der Teilüberholung und Wartung der Flugzeuge eingesetzt war, habe ich dann Führerscheine für alle Bodenfahrzeuge, die zum Abfertigen von Flugzeugen benötigt werden, gemacht. Jetzt kam mir der Führerschein Klasse zwei zugute, er war die Voraussetzung zum Führerschein für das Schleppen von Flugzeugen. Wir hatten drei verschieden große Schlepper. Den Deutz 6,6 Tonnen und den noch größeren Schopf F206 sowie den Schopf 246, einen Turbinenschlepper. Für folgende Fahrzeuge habe ich dann noch eine Einweisung und Prüfung gemacht: E-Muli, Anlassturbine zum Starten der Flugzeuge, Paletten-Hubwagen zum Verladen von Ausrüstungen, Gabelstapler, Vorwärmer zum Heizen der Kabine, Enteiser für den Winter und den Fliegenden Teppich, eine Hubplattform zum Arbeiten unter der Tragfläche. In jeweils vier bis sechswöchigen Lehrgängen mit anschließender Prüfung habe ich die Qualifikation zum Flugzeugwart für die Flugzeugtypen Boeing 707, 727, 737, Airbus A300/A320 und Boeing 747 erworben. Da ich im Dreischichtendienst einschließlich der Wochenenden gearbeitet habe, war die Freizeitgestaltung etwas schwierig. Meine Begeisterung für alles, was mit Wasser und Schifffahrt zu tun hat, gab dann den Ausschlag. Wir kauften uns bei Barmeier an der Alster ein altes Holzkanu, damit waren wir unabhängig von irgendwelchen Terminen und konnten jederzeit in der Woche, wenn ich frei hatte, herrliche Touren auf den Alsterkanälen machen. Bald reichte mir das aber nicht mehr und so ergab es sich eines schönen Sommertages auf einem Hamburgrundgang, den mein Freund Dieter und ich zwei- bis dreimal im Jahr machten, um Neues und Altbekanntes zu erkunden, dass wir auf dem Anleger des Bootsverleihers Pries an der Alster landeten.

Es war strahlendblauer Himmel und ein leichtes Lüftchen war auch zu spüren. Kurz entschlossen mieteten wir uns eine Segeljolle und paddelten aus der Anlegebucht. Der Bootsmann rief uns noch hinterher:Wollt ihr paddeln oder segeln, man hoch mit den Plünn. Nach zwei Stunden hatte uns der hartnäckige Segelvirus erfasst. Im Betriebssportverein der Lufthansa gab es seit Neuestem auch die Sparte Segeln mit zunächst fünf Jollen (Conger) auf der Alster. Im Winter wurde von sachkundigen Kollegen theoretischer Unterricht gegeben und ab Mai dann auch praktischer Unterricht, sodass wir schon Anfang des Sommers unseren Segelschein A machen konnten. Nun trafen wir uns mit mehreren Kollegen jeden Dienstagmorgen auf der Alster. Bald reichte mir aber das auch nicht mehr, nun wollte ich auf die Elbe. Dazu brauchte ich jedoch den Motorbootführerschein See. Wiederum nach Schulung von Kollegen machte ich die Prüfung in Lübeck. Dazu gibt es eine nette Anekdote. Nach der Prüfung verteilte ein Korvettenkapitän der Marine in voller erster Geige (Ausgehuniform bei der Marine) die Führerscheine. Bei jedem Kandidaten sagte er: Glückwunsch Herr Kapitän, der Spaßvogel in unserer Truppe sagte dann auch prompt: Danke Herr Kollege. Damit war es natürlich mit den Glückwünschen für den Rest der Prüflinge leider vorbei. Weil ich nun schon mal im Stoff war, machte ich gleich die Prüfung Motorbootführerschein Binnen hinterher. Auf der Elbe schaffte ich es mit der Jolle bis Brunsbüttelkoog zu segeln, was im Verein zunächst nicht geglaubt wurde, aber ich hatte sorgfältig Logbuch geführt, so dass die Reise nachvollziehbar war. Bald reichte mir das aber nicht mehr, ich wollte auf die Ostsee. Dazu brauchte ich den Führerschein BR (Führerschein für Yachten auf küstennahen Gewässern), sonst hätte ich kein Segelboot chartern können.

Also wieder Schulung bei den Lufthansa Kollegen und Prüfungsfahrt auf der Elbe. Dazu kam dann noch ein Wochenendlehrgang zum Erwerb des Allgemeinen Sprechfunk-Zeugnisses und eine Prüfung zum Umgang mit Signalmunition und Rettungsmitteln.

Die erste Reise ging mit der Familie in den Limfjord, bei herrlichem Wetter ein unvergessliches Erlebnis. Von nun an charterte ich zweimal im Jahr ein Segelboot auf der Ostsee, einmal für das Familiensegeln und einmal für eine Crew von Arbeitskollegen zum Meilenfressen. Das war Segeln bei Tag und Nacht und bei fast jedem Wetter, um in einer Woche von Kiel nach Anholt oder Bornholm und pünktlich zurück zu kommen. Immer mehr Kollegen wollten gerne einmal mit mir segeln, das endete dann mit dem Chartern einer 20-Meter-Yawl (mit zwei Masten) und 12 Crewmitgliedern. Aus versicherungstechnischen Überlegungen wurde mir empfohlen, bei so großen Schiffen als Skipper noch eine bessere Ausbildung zu machen. Also meldete ich mich zum BK-Schein (Befähigung zum Führen von Yachten in der Küstenfahrt) Lehrgang an. Nach der vierstündigen Prüfung beim Blankeneser Segelverein und der praktischen Prüfung auf der Elbe hatte ich nun die Befähigung zum Führen von Yachten in der gesamten Nord- und Ostsee, sowie im gesamten Mittelmeer. Was wir mit noch zwei anderen Ehepaaren von Jugoslawien aus im nächsten Sommer auch gleich nutzten. 1990 wurden nun die ostdeutschen Gewässer für Sportboote freigegeben. Meiner Frau war das Segeln sowieso langsam zu stressig und so kauften wir uns ein 10-Meter-Kajütmotorboot, um die vielen Seen, Flüsse und Kanäle zu erkunden. Wir nannten es Klüntche.

Damit machten wir nun fünf Jahre lang Touren durch die fast unberührte Seelandschaft und haben trotzdem noch nicht alles gesehen. Es gab nur einen Wermutstropfen dabei. Ich hatte in Hamburg noch den Fischereischein zum Angeln gemacht, mit der Erwartung auf ertragreiches Angeln auf den vielen Seen. Dem war aber leider nicht so, überall, wohin wir  kamen ,waren die Angelrechte vergeben, entweder an einen Fischer oder an die örtlichen Angelvereine. Man konnte zwar eine Erlaubnis einholen, aber beim Angelverein nur einmal die Woche oder beim Fischer zu Preisen, das wir uns den Fisch gleich selber bei ihm kaufen konnten. Von den 28 Prüfungen bin ich nur einmal, bei der Prüfung zum Seemaschinisten, zu der ich vollkommen unvorbereitet geschickt wurde, durchgefallen. 

Für Pferdefuhrwerke brauchte man noch keinen Führerschein. [siehe meine Geschichte: Urlaub mit 2 PSWir machen Urlaub mit Pferd und Wagen]