© Copyright by Erinnerungswerkstatt Norderstedt 2004 - 2017
https://www.ewnor.de / http://erinnerungswerkstatt-norderstedt.de
Ausdruck nur als Leseprobe zum persönlichen Gebrauch, weitergehende Nutzung oder Weitergabe in jeglicher Form nur mit schriftlichem Einverständnis der Urheber!
Diese Seite anzeigen im

Auf den Spuren der Urgroßeltern

Kapitel 2: Historischer Rückblick

Das folgende Kapitel beschreibt die Geschichte der Familie meiner Frau, wie sie uns aus überlieferten Dokumenten und Erzählungen bekannt ist. Die historischen Daten sind aus Wikipedia übernommen.

Der Hamburger Brand war ein großer Stadtbrand in Hamburg, der zwischen dem 5. Mai und dem 8. Mai 1842 große Teile der Altstadt zerstörte. Im Zusammenhang mit der Hamburger Geschichte wird häufig auch nur vom Großen Brand gesprochen. Das Feuer war noch in einer Entfernung von über 50 Kilometern sichtbar.
Quelle: Wikipedia.org

Die Eltern von Thedor und Maria, also die Ur-Urgroßeltern meiner Frau, hatten beim großen Brand von Hamburg 1842 alles verloren, da sie direkt hinter der Jacobi Kirche wohnten. Sie fanden auf der Elbinsel Kehrwieder eine neue Wohnung. Hier wuchsen Theodor und Maria auf. Ihre Kinder Ernst und Carl wurden beide auf der Elbinsel Kehrwieder im Jahr 1875 geboren, waren aber keine Zwillinge. Die Wohnverhältnisse waren sehr beengt und die Kinder öfter krank, wahrscheinlich durch das schlechte Wasser, welches der Elbe entnommen wurde, in die auch gleichzeitig die Fäkalien entsorgt wurden.

Sie wohnten hier aber umgeben von kleineren Werften und dem Hafen dicht an ihrer Arbeitsstätte. 1881 wurde vom Kaiser Wilhelm II. und vom Reichskanzler Otto von Bismarck der Zollanschluss ans Deutsche Reich für Hamburg beschlossen. Die Elbinseln Kehrwieder und Wandrahm sollten nun Freihafengebiet werden. Der Baubeginn sollte 1885 sein. Bis dahin mussten alle Häuser abgerissen werden. Die 24.000 Bewohner wurden aus ihren Wohnungen vertrieben. Es gab weder eine Entschädigung noch Hilfe beim Suchen nach neuen Wohnungen. Hamburg war zu der Zeit überlaufen von Fremden, die auswandern wollten. Das waren Mecklenburger, Hessen, Bayern, aber auch Tschechen, Polen und sogar Russen, die nach Amerika wollten. Die Organisation hierfür übernahmen die Schankwirte am Hafen, sie verdienten sich damit eine goldene Nase. Sie verkauften den Auswanderern nicht nur Ausrüstungen die man angeblich brauchte, sondern manchmal sogar Besitzurkunden für Land in Amerika, das es gar nicht gab. Auch für die Unterbringung der Auswanderer sorgten die Wirte in angemieteten Wohnungen bis zur Abfahrt der Schiffe, was sich meistens so lange hinzog, bis von den Leuten nichts mehr zu holen war.

Wie sollten da Theodor und Maria mit ihren beiden Kindern eine neue Wohnung finden? So reifte auch bei ihnen langsam der Gedanke ans Auswandern. Aber die Reisekosten für sie und die beiden inzwischen neunjährigen Kinder nach Amerika konnten sie nicht aufbringen. Da erfuhren sie in ihrer Kirchengemeinde, dass es hier eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten gab. Ein Anwerber machte verlockende Angebote nach Argentinien. Das Land brauchte dringend europäische Einwanderer und war deshalb sogar bereit, die Überfahrt zu bezahlen. Allerdings auf einem Segelschiff wegen der geringeren Kosten und nicht auf einem Dampfschiff. Er verkaufte ihnen für wenig Geld auch gleich Grundstücke in Azul, einer Provinz von Buenos Aires in Argentinien. Sogar einen Schutzbrief für die lange, gefahrvolle Reise konnte man bei ihm erwerben. Dieser würde jeden, der den Brief bei sich trug vor allen Gefahren schützen, sogar Gewehrkugeln konnten ihm nichts mehr anhaben.

Schutzbrief !

In Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes Amen.
S. J. T. H. B. X. N Kr. Die Buchstaben der Gnade.

Im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.
So wie Christus im Ölgarten stille stand, so soll auch alles Geschütz stille stehen. Wer diesen Brief bei sich trägt den wird nichts treffen von des Feindes Geschütz und Er wird von Dieben und Mördern gesichert sein. Er darf sich nicht fürchten vor Degen Gewehren und Pistolen.

Denn so mann auf Ihn anschlägt, so müsen durch den Befehl und Tot Jesu Christi alle Geschütze stille stehen, ob sichtbar oder unsichbar, alles durch den Befehl Engel Michaelis. Im Namen Gottes des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes Amen. Gott sei mit Dir.

Wer diesen Segen gegen die Feinde bei sich trägt, der wird von den Feindligen Kugeln geschütz bleiben.
Wer diesen nicht glaubt, der schreibe Ihn ab, hänge Ihn einen Hund um den Hals, und schieße auf Ihn, so wird Er sehen daß der Hund nicht getroffen wird, und daß es wahr ist, auch wird der geniger, der an Ihn glaubt, nicht von den Feinden gefangen werden. So war es ist daß, Jesu Christus auf Erden wandelt und gen Himmel gefahren ist. So war ist es daß jeder der diesen Brief glaubt, von allen Gewehren und Waffen geschützt wird. In Namen des lebendigen Gottes des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes, unbeschätigt bleiben Ich bitte in Namen unsern Herrn Jesu Christi Blut daß mich keine Kugel treffen möge Sie sei von Gold Silber oder Blei, Gott im Himmel halte mich von allen frei, im Namen Amen. Mit diesen Brief ist der Engel Michaelis von Himmel gesand und im Holsteinischen gefunden worden in Juda Kirche ano 1724 Er war mit golden Buchstaben geschrieben betitelt Bonodone. Er schwebt über der Taufe, wär Ihn angreift angreifen wollte, den wich er zurück bis ano 1791.

Da sich jemand mit den Gedanken näherte, Ihn abzuschreiben und Welt mitzuteilen. Zu diesen näherte sich der Brief. Ferner stand darauf. Wer am Sonntag arbeitet, der ist von mir verdamt. Ihr sollt an den Tage nicht arbeiten, sondern mit Andacht beten und von Euren Reichtum den Armen geben. Ich gebiete 6 Tage zu Arbeiten den 7ten sollt Ihr Gottes Wort hören, Werdet Ihr daß nicht tun, so gebiete ich denn Eure Zeit, Pestilenz und Krieg. Jedermann Er sei jung oder alt. Er soll für seine Sünden betten daß Sie Ihn vergeben werden. Schwöret nicht bei meinen Nammen, begehrt nicht Gold oder Silber. Seid mit der Zunge nicht falsch, sondern ehr Vater und Mutter, und redet nicht falsch Zeugnis wieder Euren Nächsten. Denn gebe ich Gesundheit und Frieden der danach tut.

Wer diesen Brief nicht glaubt oder danach tut der ist von mir verlassen und er soll weder Glück noch Segen haben. Ich sage Euch, daß Jesu Christus diesen Brief geschrieben hat, und wär den wieder spricht, der ist verlassen und wird keine Hilfe haben. Wer diesen Brief in Hause hat, oder bei sich trägt, den wird kein Donnerwetter treffen. Haltet meine Gebete die ich Euch durch meinen Engel Michaelis gesendet habe in Namen Jesu Amen.

Mane.Übertragung durch die Sütterlinstube Hamburg e.V. von Gerhard Koerth.

1884 war es dann so weit, die Gruppe der Kirchengemeinde mit Theodor und Maria schifften sich mit ihren Kindern Ernst und Carl auf einer Drei-Mast-Bark ein. Acht lange, beschwerliche Wochen dauerte es, bis sie endlich Buenos Aires erreicht hatten. Hier wurden sie erst einmal in einem Einwanderungs-Haus untergebracht und ihre weitere Reise organisiert. Die Gruppe kaufte sich einen Planwagen und zwei Ochsen, um ihre persönlichen Sachen in das vierhundert Kilometer entfernte Azul zu transportieren. Alle Menschen mussten zu Fuß gehen. Nach einem Monat durch die ebene, nur spärlich bewachsene Pampa hatten sie endlich ihr Ziel erreicht. Was war die Welt doch groß, dachten nicht nur Ernst und Carl. Azul (blau) war 1832 mit einem Fort gegen die Indianer gegründet worden und hatte sich inzwischen zu einem kleinen Dorf entwickelt. Als die deutsche Gruppe dort eintraf und ihr Anrecht auf das in Deutschland erworbene Grundstück einforderte, lachte man sie nur aus. Alles Land weit und breit wurde von einem Rinderfarmer beansprucht. Sie durften bei ihm arbeiten, die Männer als Gauchos und die Frauen in der Küche.

In Hamburg hatten sich die Verhältnisse noch immer nicht wesentlich verbessert. Nach der Cholera-Epidemie von 1892 war zwar mit dem Bau von Abwasserleitungen begonnen worden, aber die Wohnverhältnisse waren durch die nicht abflauende Schar der Auswanderer immer noch sehr beengt. So entschloss sich Minna, die inzwischen einundzwanzigjährige Cousine von Ernst und Carl, ihnen 1906 nach Azul zu folgen. Ernst, aus dem in Südamerika Ernesto geworden war, und Minna wurden auch schnell ein Paar. 1907 war Minna dann schwanger. Der Friedensrichter, der auch gleichzeitig Standesbeamter war, kam nur alle drei Monate nach Azul. Zu dieser Zeit war aber Ernesto gerade auf einem vierwöchigen Kontrollritt entlang der Zäune der Farm. Das Kind sollte aber auf keinen Fall unehelich geboren werden, so dass Carl, aus dem inzwischen Carlos geworden war, mit Minna vor den Friedensrichter trat. Das ganze Dorf wusste natürlich Bescheid, nur der Friedensrichter nicht. Die kleine Johanna kam 1908 zur Welt.

Nun baute sich die kleine Familie in dem langsam wachsenden Ort ein bescheidenes Haus in der Belgrano-Straße. Hier wurde 1910 meine Schwiegermutter Emma Maria geboren. Im nächsten Jahr war Minna wieder schwanger. Bei der Geburt bekam sie schweres Kindbettfieber. Die Hazienda schickte zu ihrer Pflege eine sehr schwarze Mexikanerin, die sich auch um die beiden anderen vier und ein Jahre alten Kinder kümmern sollte. Als Minna nach einigen Tagen aus ihrem Fieber erwachte, war das Kind, Detta sollte es heißen, verschwunden. Ernesto war die ganze Zeit mal wieder auf einer weit entfernten Außenstation der Rinderfarm. Die Mexikanerin behauptete, dass das Kind zu schwach gewesen und daher gestorben sei. Minna war sich aber sicher, dass sie das Kind an der Brust gehabt hat. Auch konnte die Mexikanerin keine Grabstätte benennen. Minna war bis zu ihrem Tode davon überzeugt, dass der Säugling verkauft wurde. Aber Minna hatte auch Heimweh. Die langen, heißen, trockenen Sommer, die schwere Arbeit und die oft lange Abwesenheit ihres Mannes, wenn er auf der Hazienda mit den Rindern unterwegs war, belasteten sie sehr. So wurde dann eisern für die Rückfahrt nach Deutschland gespart und 1913 schifften sich Ernst und Minna mit den beiden Kindern Johanna und Emma in Buenos Aires für die Reise nach Deutschland ein, obwohl Minna wieder schwanger war. Bruder Carlos und die Eltern blieben in Argentinien und sind auch dort verstorben. Die Familie fand dann in Hamburg St. Georg eine kleine Wohnung. Hier wurde im gleichen Jahr auch die dritte Tochter Käthe geboren.

Wieder waren sie in schwierige politische und wirtschaftliche Verhältnisse gekommen. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war Ernst aber schon 40 Jahre alt und wurde darum nicht zum Militär eingezogen. 1920 wurde die Strecke der Hamburger Hochbahn bis nach Ochsenzoll ausgebaut. Ab 1925 gab es dann auch einen regelmäßigen, halbstündigen Betrieb von Ohlsdorf nach Ochsenzoll. Endlich konnten Ernst und Minna sich ihren Traum von der eigenen Scholle doch noch erfüllen. So kauften sie 1928 ein Stück Heideland in Friedrichsgabe (heute Norderstedt). Hier wollten sie ein Haus bauen, dann konnte Ernst seinen Arbeitsplatz im Hafen in eineinhalb Stunden erreichen und sie würden mit einem Garten Selbstversorger sein. So ging es dann jedes Wochenende mit der ganzen Familie nach Friedrichsgabe, um aus dem Heideland Gartenland zu machen. 1931 baute Ernst, inzwischen 56 Jahre alt, auf dem Grundstück ein neun Quadratmeter großes Gerätehaus aus Holz. Jetzt konnte Ernst in seiner freien Zeit hier auch übernachten und mit dem Bau eines eingeschossigen Siedlungshauses beginnen. Es dauerte aber noch bis 1935, bis das Haus fertig wurde und die Familie mit ihren drei Töchtern einziehen konnte. Ernst ist dann aber 1938 im Alter von nur 63 Jahren verstorben. Minna lebte hier noch mit zwei Töchtern und fünf Enkelkindern bis 1964.

Schutzbrief !

In Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes Amen.
S. J. T. H. B. X. N Kr. Die Buchstaben der Gnade.

Im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.
So wie Christus im Ölgarten stille stand, so soll auch alles Geschütz stille stehen. Wer diesen Brief bei sich trägt den wird nichts treffen von des Feindes Geschütz und Er wird von Dieben und Mördern gesichert sein. Er darf sich nicht fürchten vor Degen Gewehren und Pistolen.

Denn so mann auf Ihn anschlägt, so müsen durch den Befehl und Tot Jesu Christi alle Geschütze stille stehen, ob sichtbar oder unsichbar, alles durch den Befehl Engel Michaelis. Im Namen Gottes des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes Amen. Gott sei mit Dir.

Wer diesen Segen gegen die Feinde bei sich trägt, der wird von den Feindligen Kugeln geschütz bleiben.
Wer diesen nicht glaubt, der schreibe Ihn ab, hänge Ihn einen Hund um den Hals, und schieße auf Ihn, so wird Er sehen daß der Hund nicht getroffen wird, und daß es wahr ist, auch wird der geniger, der an Ihn glaubt, nicht von den Feinden gefangen werden. So war es ist daß, Jesu Christus auf Erden wandelt und gen Himmel gefahren ist. So war ist es daß jeder der diesen Brief glaubt, von allen Gewehren und Waffen geschützt wird. In Namen des lebendigen Gottes des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes, unbeschätigt bleiben Ich bitte in Namen unsern Herrn Jesu Christi Blut daß mich keine Kugel treffen möge Sie sei von Gold Silber oder Blei, Gott im Himmel halte mich von allen frei, im Namen Amen. Mit diesen Brief ist der Engel Michaelis von Himmel gesand und im Holsteinischen gefunden worden in Juda Kirche ano 1724 Er war mit golden Buchstaben geschrieben betitelt Bonodone. Er schwebt über der Taufe, wär Ihn angreift angreifen wollte, den wich er zurück bis ano 1791.

Da sich jemand mit den Gedanken näherte, Ihn abzuschreiben und Welt mitzuteilen. Zu diesen näherte sich der Brief. Ferner stand darauf. Wer am Sonntag arbeitet, der ist von mir verdamt. Ihr sollt an den Tage nicht arbeiten, sondern mit Andacht beten und von Euren Reichtum den Armen geben. Ich gebiete 6 Tage zu Arbeiten den 7ten sollt Ihr Gottes Wort hören, Werdet Ihr daß nicht tun, so gebiete ich denn Eure Zeit, Pestilenz und Krieg. Jedermann Er sei jung oder alt. Er soll für seine Sünden betten daß Sie Ihn vergeben werden. Schwöret nicht bei meinen Nammen, begehrt nicht Gold oder Silber. Seid mit der Zunge nicht falsch, sondern ehr Vater und Mutter, und redet nicht falsch Zeugnis wieder Euren Nächsten. Denn gebe ich Gesundheit und Frieden der danach tut.

Wer diesen Brief nicht glaubt oder danach tut der ist von mir verlassen und er soll weder Glück noch Segen haben. Ich sage Euch, daß Jesu Christus diesen Brief geschrieben hat, und wär den wieder spricht, der ist verlassen und wird keine Hilfe haben. Wer diesen Brief in Hause hat, oder bei sich trägt, den wird kein Donnerwetter treffen. Haltet meine Gebete die ich Euch durch meinen Engel Michaelis gesendet habe in Namen Jesu Amen.

Mane.

Übertragung durch die Sütterlinstube Hamburg e.V. von Gerhard Koerth.