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Kindheit und Jugend in Weimarer Republik und NS-Diktatur

Kapitel 4 — Meine Schulzeit

Die Schule begann am 1. April. Ich, Mai-Geborener, musste noch ein Jahr warten, bis ich fast siebenjährig 1923 in der Seminarschule Wallstraße 22 eingeschult wurde. Die Schule war nicht für einen Ortsbereich zuständig, sondern gebietsübergreifend. In der Schule wurden die Seminaristen (Lehramtskandidaten) unter Anleitung erfahrener Lehrer für den Beruf ausgebildet. Wer in die Schule aufgenommen werden wollte, musste eine kleine Aufnahmeprüfung beim ehrfurchtgebietenden Schulleiter, Herrn Jaacks, machen. Mein Vater hatte es schon erreicht, dass meine älteren Brüder Hans und Heinrich aufgenommen wurden, während Grete in die Volksschule am Grevenweg ging. Ich ging an Vaters Hand vergnügt und erwartungsvoll zur Prüfung. Herr Jaacks wollte von mir wissen, wie es kommt, dass eine Straßenbahn ohne Pferd fahren kann. Ich begann mit einer erschöpfenden Erklärung und war als Schüler angenommen.

Die Schule machte Spaß. Ich wüsste nicht, dass ich jemals geschlagen worden wäre. Die Unterrichtsmethoden aber waren nicht modern. Der Unterricht bei 50 Kindern geschah frontal, und es war unbedingt ruhig in der Klasse.
Tagsüber spielten wir viel. Meine Schularbeiten erledigte ich schnell und ohne Nötigung. Das Fensterbrett diente mir als Schreibtisch. Ich erinnere mich noch, dass ich einmal für das Ergebnis meiner Schularbeiten getadelt wurde. Das war in der ersten Klasse. Wir hatten die Aufgabe, unseren Namen zu schreiben. Also schrieb ich meinen Namen: Kartel Malsch. So wie die Leute es aussprachen. Und sie lachten mich alle aus.

Wir blickten zu unserem Klassenlehrer, Herrn Meinke, auf. Er war väterlich und streng. Ich hatte großes Vertrauen zu ihm und beschlagnahmte ihn anfangs, zumal wir denselben Schulweg hatten: Wallstraße, Bürgerweide, Stoeckhardtstraße, Mittelstraße. Ich legte meine kleine Hand in seine große, und so schritten wir beide fürbass, zweieinhalb Kilometer, eine gute halbe Stunde. Später verkürzten wir ab und zu diesen Weg, indem wir hinten auf die Plattform der Straßenbahn aufsprangen. Wenn der Schaffner kam, machten wir eine unschuldige Miene und er schmiss uns wieder raus. Aber wir hatten eine Station gespart.
Der weite Schulweg wurde natürlich auch von den Jüngeren immer wieder zum Spielen benutzt, dann dauerte er etwas länger. Mein Bruder Heinrich sah das nicht gern, und wenn er mich erwischte, dann griff er hinten in meinen Ranzen, hob mich daran hoch und zerrte mich mit sich.
Als ich älter war und es nicht mehr zu solchen Übergriffen kam, gingen wir zusammen, er zum Technikum, ich zur Wallstraße bzw. nach St. Georg zur Oberrealschule. Da machten wir unseren weiten Weg und er beobachtete mich: Geh‘ grade!, Latsch‘ nicht so! Ich hab‘ dir gesagt, du sollst grade gehen! Latsch‘ nicht so! Und so ging es immer und immer wieder! Er war ein sehr penetranter Lehrer. Aber vielleicht verdanke ich es ihm, dass ich nicht ganz krumm gegangen bin, sondern nur halb krumm.

Heinrich und andere Freunde vom Jugendbund gingen jeden Montagmorgen um 7 Uhr zum Lübecker Tor in die Badeanstalt, um eine halbe Stunde zu schwimmen. Ich war dabei. Das war immer eine Überwindung, morgens früh! Aber wir schafften es eine lange Zeit. Ich glaube, es war der einzige Sport, den wir betrieben, abgesehen vom Mannschaftssport, Fußball und Handball. Ich bekam in der Volksschule zum Abschluss eine Eins für den Mannschaftssport. Und als wir dann in der Oberrealschule waren, blamierte ich mich entsetzlich. Die Staffel trat an, und der Lehrer fragte: Wer hatte eine Eins? Ich meldete mich und er befahl: Die Einser ans Tau! Klettern! Ich blieb unten hängen wie ein nasser Sack. Frustrationen muss man eben auch erleben und überleben.

Schulfreunde? Ich erinnere mich nur, dass ich einmal Heinz Eggers und Egon von Topolsky zum Geburtstag einladen durfte. Heinz brachte seinen kleinen Bruder Jonny mit und eine Tafel Schokolade. Egon kam mit einem Schneeball-Blumenstrauß, den er offensichtlich in Vorgärten gepflückt hatte. Die Eggers-Brüder machten hochmütige Anmerkungen und beschämten den armen Egon. Aber darüber war ich verärgert. Ich glaube, dass ich da zum ersten Mal ein Gefühl für die Unterlegenheit der Armen empfand. Ich teilte sogleich die Eggerssche Schokolade in vier Teile. Gleichheit und Brüderlichkeit. Die Französische Revolution wirkte bei mir, dem Neunjährigen. Der Wunsch nach Freiheit folgte!
Ich hatte in der Schule ein gemütliches Leben, während draußen auf der Straße die 16er-Reihen des StahlhelmsDer Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten war ein paramilitärisch organisierter Wehrverband zur Zeit der Weimarer Republik, der kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges im Dezember 1918 von dem Reserveoffizier Franz Seldte in Magdeburg gegründet worden war. Dieser galt als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). So stellte der Stahlhelm bei Parteiversammlungen vielfach den (bewaffneten) Saalschutz. Quelle: Wikipedia[1], der kommunistischen RotfrontDer Rote Frontkämpferbund (RFB) - auch Rotfrontkämpferbund - war ein paramilitärischer Kampfverband unter Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in der Weimarer Republik. Quelle: Wikipedia.de[2], des Reichsbanners und der Nationalsozialisten demonstrierten. In 16er-Reihen! Die einen brüllten, und die anderen brüllten genauso. Sie schlugen sich in den Straßen, und sie nahmen sich gegenseitig das Leben. Der Hintergrund dieser Zeit ist bekannt: Eine große Arbeitslosigkeit.

Nach vier glücklichen Schuljahren stand die Umschulung bevor. Herrn Meinke verdanke ich, dass mein Vater mich in der Oberrealschule St. Georg in der Bülaustraße anmeldete. Inzwischen (1927) waren wir in der Hasselbrookstraße 160 eingezogen. Der halbstündige Schulweg hielt mich weiter am Laufen. Ich brauchte oft mehr als eine halbe Stunde. Es gab so viel Interessantes zu sehen. Wie oft bin ich gegen Briefkästen und Laternenpfähle gelaufen, weil ich unachtsam zurückschaute. Aber außer einigen Beulen ist mir nichts passiert.

In der Oberrealschule fühlte ich mich zuerst isoliert. Ich war der Einzige aus der Wallstraße, die meisten Mitschüler kamen von der Borgesch-Volksschule. Sie waren laut und angeberisch. Sie machten sich auch über mich lustig: Was will der denn hier?. Aber ich schaffte mir bald Anerkennung und Respekt durch schulische Überlegenheit. Werner Scheel zahlte schulische Hilfe mit Lakritzen, von denen er immer eine Menge besaß. Karl-Heinz Preuß lud mich sogar zu seinem Geburtstag ein. Ein herrlicher Geburtstag mit Luftgewehrschießen und vielen kleinen Wettspielen. Ich war glücklich, und ich war akzeptiert.
Meine Schulfreunde waren Walter Burbenker und Ulrich Miljes. Letzterer war der Sohn eines Tischlermeisters in Hohenfelde, Güntherstraße 96. Manchmal nahm er mich mit nach Hause. Wir machten unter Aufsicht seiner strengen Mutter Schularbeiten. Sie machte uns wunderbares Abendessen mit warmer Milch und Butterbroten. Ulrich wurde im Krieg Kommandant eines Schnellbootes und starb in der Themsemündung. Ich stand seiner Mutter nach dem Krieg bei, bis sie 1952 starb.
Walter Burbenker war bei den Pfadfindern. Die Nazis haben ihn einmal aus dem Unterricht zum Verhör geholt. Er hatte schauspielerische Fähigkeiten. Im Krieg war er UK-gestelltAus dringenden Gründen kann eine Person, die den Wehr- oder Zivildienst antreten soll, sich unabkömmlich bzw. zurückstellen lassen., spielte auf kleinen Bühnen vor Soldaten. 1945(!) zog er freiwillig in den Krieg und ist an der Westfront gefallen.
Wir drei Sextaner blieben beim Abitur die Einzigen, die ohne Halt die Schule durchlaufen hatten. Als ich 1987 ein Abituriententreffen organisierte, da fehlten sie mir. Etwas Farbe hätten sie wohl in die Gruppe der elf alten Herren gebracht, die mir merkwürdig stumm erschienen — oder besser sprachlos. Es war sehr dürftig, was sie von der Vergangenheit in Schule, HJ bzw. SA und Krieg wussten. Ist das meine Generation, die der nächsten nichts mitzuteilen hatte, der Aufbaugeneration? — Ich sagte, ich hatte gehofft, den zu treffen, der mich bei der Schulleitung denunziert hatte. Robert Leineweber kam später zu mir! Hast du mich gemeint? — Nein. — Er erzählte von seinem Enthusiasmus als HJ-Führer. Erklärung: Er sei Auslandsdeutscher gewesen aus Böhmen.

In der Quinta war ich 1928 bei Herrn Dr. Klindworth Vorleser. Außerdem half ich ihm, die Klassenarbeiten zu korrigieren, während die Klasse sich beschäftigen musste. Er nahm sich die Freiheit und ich hatte Spaß daran. — Aber ich war kein Musterschüler. Heiter und nahezu unbeschwert in den ersten Jahren in der Oberrealschule konnte ich mit guten Zensuren den zweiten Klassenplatz vier Jahre halten.

Dann kam 1933, und meine Opposition gegen die Lehrer stieg. Spreu schied sich vom Weizen. Fast alle Lehrer waren angepasst an den neuen politischen Weg. Einige rühmliche Ausnahmen waren Hoffmann, Kiehn und Dietrich, sie blieben wackere Demokraten. Magin (Mathematik) zeigte auf verblüffende Weise seine Opposition. Seine Schnacks waren immer willkommen, er liebte das Ausgefallene. Plötzlich setzte er sich in die letzte Reihe, bequem, einen Fuß auf der Schulbank. Kinder, wisst ihr, was eine Großkundgebung ist? — Wenn ein kleiner Junge mit einer großen Fahne über einen großen Platz geht. Seine große Bulldogge nannte er David, seinen kleinen Schoßhund Goliath. Anspielung auf die Biblische Geschichte, verdeckte Anerkennung der Juden. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Kant hatte in seinem Garten eine große deutsche Eiche. Sein Nachbar rechts lobte die Eiche; sein Nachbar links schlug die Eiche. Er war Kommunist. Kein Kommentar! — Er mochte mich. Das sah so aus: Geh mal an die Tafel. Mal‘ mal ein Integral, weiter, f(x)dx, ja mach schon. Berthauer (Mathe-Ass), steh‘ er nicht da wie ein nasses Handtuch. Geh, hilf ihm. — Berthauer hatte sich 20 Minuten verspätet, die Klassentür einen Spalt weit geöffnet und höflich gefragt: Muss ich mich entschuldigen? Nun komm schon rein. — Berthauer ging zur Tafel, half aber nicht. Er nahm mir die Kreide aus der Hand und rief: Ich habe da ein ganz interessantes Problem. Magin kam zur Tafel. Beide vergaßen problemorientiert, dass ich noch nutzlos dastand; jetzt hatte ich meine Ruhe und die Mathematiker hatten ihre Freude. — Im mündlichen Abitur sorgte Magin dafür, dass meine Zensur verbessert wurde. — Im Abiturzeugnis heißt es: In der Mathematik zeigte er nicht immer die erforderliche Teilnahme. Seine Klassenleistungen waren meist genügend. In der mündlichen Prüfung genügte er.

Wenig Eindruck machte Mausch (französisch) auf uns. Er präparierte sich und uns so kräftig auf das Abitur, indem er Vokabeln auf die Tafel schrieb, bis wir in der Literatur die dazugehörige Seite fanden. Wir wurden alle in Französisch geprüft und hinterließen bei dem Oberschulrat einen sehr guten Eindruck. — Mausch bekannte Farbe: Schwarze SS.
In der Schule machten wir eine Art alberner Opposition, indem wir zum Beispiel den Hitler-Gruß mit nach unten abgebogener Hand vornahmen und deswegen schwer in die Mangel genommen wurden.
Ich habe an verschiedenen Stellen Einspruch erhoben. Mit dem Klassenlehrer Sperling, Deutsch, Geschichte, Religion, hatte ich 1935 mehrere Auseinandersetzungen. Er führte plötzlich Czech-Jochberg Deutsche Geschichte, nationalsozialistisch gesehen in den Unterricht ein. Ich widersprach, da mich mein Freund Walter Drefahl gerade eine Woche vorher darüber aufgeklärt hatte, dass das Buch überhaupt nicht nationalsozialistisch sei. Und nun behauptete ich das kühn im Unterricht. Einige Tage später zog die Behörde das Buch offiziell zurück. Ich hatte Recht behalten.

Im Religionsunterricht diffamierte mich Sperling, indem er Matthäus 5 Vers 3Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.
Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie…
Selig sind, die da geistig arm sind auf mich bezog und feststellte, dass die Bibel nur für Dumme sei. Ich widersprach …die da geistlich arm sind. Es gelang ihm nicht, mich klein zu machen, auch nicht mit Rosenbergs Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Und wieder fühlte ich mich veranlasst zu widersprechen. Meine immer wiederholte Aufmüpfigkeit veranlasste Sperling, mich als Obermeckerer zu bezeichnen; denn ich vertrat auch Mitschüler als (nicht gewählter!) Klassensprecher. Mein Vater wurde mehrfach zur Schulleitung zitiert. Er ging zagend, trug das Band des EK II und des Hanseatenkreuzes im Revers und schwieg bei den Anklagen des Schulleiters. Zu mir sagte er wiederholt, ich möge doch vorsichtig sein. Er tadelte mich nicht; er wollte nur Eines: Dass ich das Abitur bestehe.

Es war eine klägliche Zeit, und ich wurde immer unlustiger im Hinblick auf die Schule. Eine hohe Stunde hatte ich noch, als wir statt Unterricht einen 20 km-Gepäckmarsch mit 20 Pfund im Tornister machten: Burbenker und ich waren die Ersten — ohne Blasen zu laufen! Diese Leistung wurde in der NS-Schule hoch angerechnet. Es galt, die vormilitärische Wehrertüchtigung zu forcieren! Ich wüsste nicht, dass unsere Schule gute wissenschaftliche Leistungen vollbrachte: Bei der Abiturprüfung, die mit Sport begann, wurde die Riesenwelle von Hans Dally bewundert, und Heinz Beckmann, der sich wie ein nasser Sack vom Reck fallen ließ, übersehen. Er hinkte listig lächelnd davon.

Als 14-jähriger habe ich mir selbst einen Schutzweg gesucht. Beispielsweise meine Flucht über die Hintermauer des Schulhofs, als vor dem Hauptportal Marwedel stand, der mir bei einer Rempelei in der Pause eine Schlägerei nach der Schule angedroht hatte. Er und die Zuschauer warteten vergeblich.
Als der dicke Mirsch mich immer und immer wieder in den Pausen auf dem Schulhof verfolgte, da er Lust hatte, mich zu verprügeln, verfiel ich in meiner Not auf die gute Idee, den stärksten Mitschüler anzuheuern, Hans-Werner Luck, Sohn eines Lokomotivführers aus Rothenburgsort. Ich ließ ihn in Mathe abschreiben, dafür sollte er mir denn Mirsch vom Halse halten. Es funktionierte vorzüglich. Luck und Mirsch erhöhten den Feindschaftspegel. Eines Tages wälzten sie sich wutentbrannt auf dem ölgetränkten Fußboden. — Ich war listig oder flüchtig, wenn es um körperliche Auseinandersetzungen ging. Mein Wunsch war sehr oft, erwachsen zu sein, denn Erwachsene prügelten sich nicht, sondern hatten nur verbalen Streit.
Ich kann meine Negativ-Haltung der Schule gegenüber nicht allein auf die Lehrer oder auf den Nationalsozialismus schieben. Ich war faul(!) und aufsässig Autoritäten gegenüber. Ich hätte gerne die Nähe von guten Lehrern empfunden. Aber ich habe meine Freunde außerhalb der Schule, im Jugendkreis gesucht und gefunden. Das ging so weit, dass ich eine Klassenfahrt nicht mitmachte, sondern mit der Jugendgruppe in die Heide ging. Dafür wurde ich zum Schulleiter zitiert und bekam als Strafarbeit eine sogenannte Jahresarbeit über das Verhältnis von Staat und Kirche.

Die Vernachlässigung der Schule nahm groteske Formen an. Wir brachten keine Bücher oder Hefte mit. Das Nötigste war in der Schule deponiert. Die Hitlerjugend nahm Zeit in Anspruch. 17 Schüler meiner Klasse waren in NS-Verbänden organisiert. Im letzten Schuljahr musste der Klassenlehrer jeden Sonnabend eine Liste ausfüllen, in welcher Formation der NS (Hitlerjugend, SA, SS, Jungvolk…) wir Mitglieder seien. Nur Robert Kopetzki und ich waren nicht dabei. Wir beiden Sonderlinge verdarben offenbar die Statistik, die auf 100 % angesetzt war.
Stehen Sie auf. Warum sind sie nicht in Formationen des Führers?
Das sind wir! Wir sind in der Evangelischen Jugend, beziehungsweise in der Katholischen Jugend! Das sind keine Formationen des Führers! Doch, sie sind anerkannt durch den Vertrag, zwischen Reichsbischof MüllerJohann Heinrich Ludwig Müller (* 23. Juni 1883 in Gütersloh; † 31. Juli 1945 in Berlin, vermutlich Suizid) war in der Zeit des Nationalsozialismus Reichsbischof der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) und eine der führenden Gestalten in der Bewegung der Deutschen Christen, die eine Synthese zwischen Christentum und Nationalsozialismus propagierten. Quelle: Wikipedia.de[3] und Baldur von SchirachBaldur Benedikt von Schirach (* 9. Mai 1907 in Berlin; † 8. August 1974 in Kröv an der Mosel, Rheinland-Pfalz) war ein Politiker der NSDAP während der Zeit des Nationalsozialismus und Reichsjugendführer.
Schirach gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen und wurde am 1. Oktober 1946 wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt, jedoch von der Anklage der Vorbereitung eines Angriffskrieges freigesprochen.
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Tatsächlich war es so, dass die Evangelische und die Katholische Jugend 1934, wie man es nannte, in die Hitler-Jugend überführt worden war. Sie durften aber weiter existieren, jedoch nicht als Verbände, sondern als Gemeindejugend.

Es ist die Zeit (1934!), in der mein Freund Johannes Mohr mir geheimnisvoll mitteilte, dass sein Bruder Heini im Konzentrationslager sei. Sein Bruder war Mitglied der Kommunistischen Partei und der Rotfront. Er war Arbeiter bei Blohm & Voss. Nach einiger Zeit sagte Johannes Mohr: Mein Bruder ist aus dem KZ entlassen worden. Aber er darf nicht weitersagen, was passiert ist, und er darf vor allen Dingen nicht weiter Untergrundarbeit gegen die Nationalsozialisten machen. Heini Mohr hat das offenbar doch getan und wurde kurze Zeit darauf wieder verhaftet und ins KZ geschickt, wo er nach einiger Zeit starb. Seine Geschwister, denen die Asche zugesandt wurde, haben es mir damals unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt.

Noch ein Akt beeinflusste mich damals. Am 30. Juli 1934 wurden Röhm und die anderen SA-Führer über Nacht ermordet, auch General Schleicher und andere Politiker waren dabei. Dies passierte ohne jeden Richterspruch. Hitler schob das Recht einige Tage später nach, indem er behauptete: Da war ich der oberste Richter! Dieser Anspruch bedeutete für mich eine Verstärkung meines Gegensatzes zum Nationalsozialismus.

Es war Vaters große Sorge, dass ich mir durch Widerspruch das Abitur verbauen würde. Seine Sorge war berechtigt, da ich mich nicht anpasste. Als dann aber die Abiturprüfung am 20. Februar 1936 bestanden war, eilte ich sofort in die Bank zu Vater. Er war offensichtlich zufrieden, aber er ließ nicht erkennen, wie befreit er sich fühlte. Ich ging dann zu Familie Schlage, deren Söhne Gerhard und Karl-Hermann in meiner Jugendgruppe waren. Anschließend zu Mutter, die aber an dem Ereignis sich nicht besonders interessiert zeigte, wohl weil sie die Tragweite dieses Unternehmens nicht erkannte.

Abitur bestanden! Was nun?


[1] Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten war ein paramilitärisch organisierter Wehrverband zur Zeit der Weimarer Republik, der kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges im Dezember 1918 von dem Reserveoffizier Franz Seldte in Magdeburg gegründet worden war. Seldte war zusammen mit Theodor Duesterberg Vorsitzender der Vereinigung. Diese galt als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). So stellte der Stahlhelm bei Parteiversammlungen vielfach den (bewaffneten) Saalschutz.

[2] Der Rote Frontkämpferbund (RFB) - auch Rotfrontkämpferbund - war ein paramilitärischer Kampfverband unter Führung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in der Weimarer Republik.

[3] Johann Heinrich Ludwig Müller (* 23. Juni 1883 in Gütersloh; † 31. Juli 1945 in Berlin, vermutlich Suizid) war in der Zeit des Nationalsozialismus Reichsbischof der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) und eine der führenden Gestalten in der Bewegung der Deutschen Christen, die eine Synthese zwischen Christentum und Nationalsozialismus propagierten.

[4] Baldur Benedikt von Schirach (* 9. Mai 1907 in Berlin; † 8. August 1974 in Kröv an der Mosel, Rheinland-Pfalz) war ein Politiker der NSDAP während der Zeit des Nationalsozialismus und Reichsjugendführer.
Schirach gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen und wurde am 1. Oktober 1946 wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt, jedoch von der Anklage der Vorbereitung eines Angriffskrieges freigesprochen.

Quelle: Wikipedia.de