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Kindheit und Jugend in Weimarer Republik und NS-Diktatur

Kapitel 7 — Begegnungen im Nationalsozialismus

Von 1941 bis 1942 war ich wegen der Tätigkeit als Reichsobmann der Evangelischen Studentengemeinden vom Studium beurlaubt. In diese Zeit fallen einige Begegnungen, die für mich wichtig sind:
Zunächst einmal Fritz Fränkel, ein Chemie-Student, Halbjude. Er hatte sich im sogenannten WartegauDer Reichsgau Wartheland oder verkürzt Warthegau bestand im Verband des Deutschen Reiches von 1939 bis 1945. Dem lag eine völkerrechtswidrige Annexion polnischen Territoriums durch die Reichsregierung zu Grunde.Quelle: Wikipedia.de[1] umgeguckt und studiert, wie dort mit den Kirchen umgegangen wurde. Das brachte er zu Papier, und unglücklicherweise hat jemand, der ihm den Gefallen tat, den Bericht zu vervielfältigen, nicht sicher genug gearbeitet. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) kam dahinter, Fritz Fränkel wurde verhaftet und erlebte im Gefängnis in Nürnberg die Bombenangriffe im obersten Stockwerk des Zuchthauses. Er überlebte diese Angriffe. Darüber hat er niemals dramatisch gesprochen, aber in seiner Art: Damals habe ich auf den Knien gelegen. Ich will Dir auch sagen wo: Vor dem Heizungskörper, weil ich hoffte, der Heizungskörper bliebe an der Wand hängen, wenn die Bomben den Fußboden durchschlagen. Tatsächlich war der schwere eiserne Fensterrahmen neben ihn in den Raum gefallen. Fritz Fränkel ist 1998 gestorben.

Die zweite Begegnung: Dr. Hamburger. Mein Reisedienst der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) begann im Mai 1941 in Berlin-Dahlem in der St. Annen-Kirche mit einem Fürbitte-Gottesdienst für Pastor Niemöller. In der ESG nahmen wir auch Halbjuden und Juden auf. Sie nahmen selbstverständlich an Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen teil. Einer von ihnen war Dr. Hamburger, Jurist, 42 Jahre alt. Er war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg gewesen und Träger des EK I. Er war von der Gestapo ausersehen, um, wie er es nannte, die Abwicklung der Juden in Berlin vorzunehmen. Das heißt: Er registrierte die Juden und ihre Habe, bis sie dann anschließend in die KZ gebracht wurden. Dabei stand Dr. Hamburger unter strenger Kontrolle durch die Gestapo. Mit dieser Arbeit war er lange Zeit ausgelastet. Dr. Hamburger, ein Jude und Christ.

Eines Tages sagte er zu mir: Sind Sie bereit, mit mir zusammen zu Abend zu essen, mich zu besuchen? Seine Begründung: Er wollte noch einmal mit einem ‚Menschen‘ Tischgemeinschaft haben. Ich wusste, dass sein Haus unter Aufsicht stand, aber ich sagte sofort gern zu. Die Hamburgers waren eine großbürgerliche Familie gewesen, aber nun war er allein in seiner großen Wohnung. Ich kam zu ihm, und er bat mich ins Esszimmer. Dort war die Tafel bereits festlich gedeckt. Kostbares Meißner Porzellan, Familiensilber, an jedem Platz drei geschliffene Gläser für verschiedene Getränke, Kerzenhalter, aber keine Kerzen. Und dann sagte er: Ich muss noch mal in die Küche. Sie wissen, dass wir Juden keine Haushaltshilfen haben dürfen. Und dann brachte er das Essen: Wir aßen in Wasser gebratene Kartoffeln und tranken dazu Pfefferminztee aus den geschliffenen Gläsern. Es war ein hervorragendes Mahl. Ein Mahl der Brüderlichkeit und der Zuneigung. Der Zuwendung. — Ich fragte ihn: Was werden Sie machen, Dr. Hamburger?Am Ende gehe ich ins Ghetto nach Warschau. Ich lasse mich von Dibelius ordinieren und werde das Evangelium im Ghetto verkünden. In Warschau ist er umgekommen.

Die dritte Begegnung ist die mit Wilhelm GroßWilhelm Ernst Julius Groß war ein deutscher Bildhauer, Druckgraphiker und evangelischer Prediger.,[2] Bildhauer in Berlin. Die Studentengemeinde traf sich in seinem Atelier, und bei der Gelegenheit lernte ich meine Frau Elisabeth kennen. Die Begegnung mit Wilhelm Groß, dem Künstler, der dort im Garten vor einem Baumstumpf stand und sagte: Das ist Amos! Diesen Amos hat er dann aus dem Stamm herausgeschlagen, zwei Jahre später war er fertig.
Aber er war als Künstler nicht anerkannt. 1933 hatten die Nazis eine Ausstellung von ihm in Amsterdam aufgehoben und hatten ihn aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen. So konnte er seine Arbeiten nicht mehr ausstellen und verkaufen. Im Reisedienst der Studentengemeinden habe ich dann seine Holzschnitte immer bei mir gehabt, und sie wurden gerne, in vielen, vielen Exemplaren gekauft. Es war eine kleine Hilfe, die ich ihm geben konnte. Aber die andere, seine geistliche Ausstrahlung, war größer als meine finanzielle Hilfe.

Unvergesslich ist mir auch die Begegnung mit Hans AsmussenHans (Christian) Asmussen war ein deutscher lutherischer Theologe. Er spielte seit 1933 eine führende Rolle in der Bekennenden Kirche und später in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).[3]. Ein Lehrer der verbotenen Kirchlichen Hochschule, an der ich in Berlin studierte. Wir sammelten uns als Studenten in Gruppen in Häusern von Mitgliedern der Bekennenden Kirche. Die Vorlesung dauerte dann immer den halben Tag, oder manchmal auch den ganzen.
Eines Tages, Asmussen hatte seine Vorlesung beendet, fragte er: Was machen Sie jetzt? Ich sagte: Ich gehe nach Hause. Ja, haben Sie denn schon Mittag gegessen? Nein! Haben Sie denn überhaupt Marken? Ja, so wie alle!
Da sagt er: Kommen Sie mit!, und er führte mich in ein Restaurant, und ich konnte mich ohne Bezahlung und ohne Marken satt essen. Das war für mich sehr wichtig. Aber wichtiger war mir noch, dass er zu mir sagte: Bruder Malsch. Das hatte vorher noch kein kirchlicher Mann zu mir gesagt.

Dann ist zu nennen: Ein Mann der Bruderschaft, oder mehr noch: Vater der Studenten: Professor Günther DehnGünther Carl Dehn war ein evangelischer Pastor und praktischer Theologe. Er war Religiöser Sozialist, später illegaler Ausbilder in der Bekennenden Kirche und nach 1945 Professor für Praktische Theologie.[4], der 1930 in Halle als Theologie-Professor relegiert wurde, und der nun bei der verbotenen Kirchlichen Hochschule arbeitete. Wir mussten auf seinen Wunsch hin immer zu zweit unsere Unterkünfte, in denen wir unterrichtet wurden, aufsuchen. Eines Tages kamen wir zu dritt oder zu viert. Und da sagt er: Kinder, wie oft soll ich es Euch noch sagen? Ihr sollt zu zweit kommen! Ich bin nicht zum Märtyrer geboren!. Wir wussten, dass er schon einige Male von den Nazis verhaftet worden war. Seine Sorge und Fürsorge für uns waren völlig angebracht. Entsprechend folgten wir denn auch seinem Rat.

An sechster Stelle sollte ich Pastor Helmut GollwitzerHelmut Gollwitzer war evangelischer Theologe, Schriftsteller und Sozialist.[5] nennen. Er war der Nachfolger von Martin Niemöller in der Gemeinde Berlin-Dahlem und vermittelte mir einen Freitisch bei Generaloberst von HammersteinKurt (Curt) Gebhard Adolf Philipp Freiherr von Hammerstein-Equord war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1934 Generaloberst), Ehrenritter des Johanniterordens und gehörte zum militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler.Quelle: Wikipadia.de[6], der zur Bekennenden Kirche gehörte. Jeden Dienstag machte ich mich auf, um in den Genuss einer reichlichen Mahlzeit und neuer detaillierter Kenntnisse über die politische und militärische Lage zu kommen. Der Mittagstisch war reichlich gedeckt, es nahmen etwa 16 Personen teil. Ich empfand es als besondere Bevorzugung, dass ich an dieser Tafelrunde teilnehmen durfte.

Die letzte in dieser Reihe von Personen, die mich beeindruckt haben, ist Emmi StrebelIm Auftrag des zweiten Bürgermeisters Beck sollte der evangelische Pastor Malsch als English speaker die bedingungslose Kapitulation der Stadt aussprechen. Er wurde begleitet von Emmi Strebel, die die weiße Fahne schwenkte.[7]. Nach der Ausbombung fand die Kirchenleitung für mich im zerstörten Hamburg keinen Ort des Neuanfangs. Schließlich schickte man mich im April 1944 nach Landau an der Isar in Niederbayern, um für die Hamburger Evakuierten und KLV-Lager (Kinderlandverschickung) Gottesdienste und Unterricht einzurichten. Ich unterrichtete in KLV-Lagern, taufte und beerdigte, hielt Gottesdienst im Bereich südlich der Linie Regensburg - Passau und besuchte die vaterlosen Familien, die dürftig in Hotels und Privatwohnungen untergebracht waren — gelegentlich bis hin zur tschechischen Grenze. Das Amt des Pastors war ein Trost-Amt!
Damals lernte ich Emmi Strebel kennen, Leiterin des Kindergartens der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, die sich zur Gemeinde hielt. Sie hatte begonnen, im Kindergarten vor den Mahlzeiten mit den Kindern zu beten und ihnen in ihrer Wohnung biblische Geschichten zu erzählen. Das wurde ihr von der NS-Kreisleitung untersagt. Eines Tages schrieb sie der Kreisleitung, dass sie nicht länger gewillt sei, den Kindern nationalsozialistisches Gedankengut zu vermitteln (z. B. das Gebet Händchen falten, Köpfchen senken, immer an den Führer denken). Sie könne nicht verantworten, in den Kindern Erinnerungsbilder zu schaffen, die später dazu verhelfen, sie von ihrem Glauben abzuhalten. Daraufhin erhielt sie prompt ihre Entlassung. Fortan zog sie jeden Morgen um fünf Uhr nach Dingolfing, um dort mit den russischen Gefangenen Granaten zu drehen. Im Geheimen sammelte sie immer Brot für ihre Gefangenen.


[1] Der Reichsgau Wartheland (polnisch Okręg Rzeszy Kraj Warty) oder verkürzt Warthegau (polnisch Okręg Warcki) bestand im Verband des Deutschen Reiches von 1939 bis 1945. Dem lag eine völkerrechtswidrige Annexion polnischen Territoriums durch die Reichsregierung zu Grunde. Die Benennung nahm Bezug auf die das Gebiet südwestlich durchfließende Warthe. Flächenmäßig umfasste der Reichsgau Wartheland im Wesentlichen die Landschaft Großpolen. Bei einer Einwohnerzahl von 4,5 Millionen (darunter 327.000 Deutsche) betrug die Fläche des Reichsgaus 45.000 km².

[2] Wilhelm Ernst Julius Groß (* 12. Januar 1883 in Schlawe in Hinterpommern; † 9. Februar 1974 in Oranienburg-Eden bei Berlin) war ein deutscher Bildhauer, Druckgraphiker und evangelischer Prediger.

[3] Hans (Christian) Asmussen (* 21. August 1898 in Flensburg; † 30. Dezember 1968 in Speyer) war ein deutscher lutherischer Theologe. Er spielte seit 1933 eine führende Rolle in der Bekennenden Kirche und später in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

[4] Günther Carl Dehn (* 18. April 1882 in Schwerin; † 17. März 1970 in Bonn) war ein evangelischer Pastor und praktischer Theologe. Er war Religiöser Sozialist, später illegaler Ausbilder in der Bekennenden Kirche und nach 1945 Professor für Praktische Theologie. Der Fall Dehn machte ihn 1931/32 in ganz Deutschland bekannt als eins der ersten Opfer nationalistischer und nationalsozialistischer Hetzkampagnen gegen kritische Intellektuelle in der Weimarer Republik.

[5] Helmut Gollwitzer (* 29. Dezember 1908 in Pappenheim im Altmühltal/Bayern; † 17. Oktober 1993 in Berlin) war evangelischer Theologe, Schriftsteller und Sozialist. Als prominenter Schüler Karl Barths engagierte er sich in der Bekennenden Kirche der NS-Zeit, später in der Kampf-dem-Atomtod-Bewegung der 1950er und der Studentenbewegung der 1960er Jahre. Als Professor an der Freien Universität Berlin war er ein enger Freund und Wegbegleiter von Rudi Dutschke.

[6] Kurt (Curt) Gebhard Adolf Philipp Freiherr von Hammerstein-Equord (* 26. September 1878 in Hinrichshagen, Mecklenburg-Strelitz; † 24. April 1943 in Berlin) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1934 Generaloberst), Ehrenritter des Johanniterordens und gehörte zum militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler.

Quelle: Wikipedia.de

[7] Frauen übernehmen das Handeln:
Fanny Ries und Emmi Strebel Gegen wahnwitzigen Widerstand - von Nik Söltl
Gegen 8 Uhr vormittags am 30. April 1945 hatten die Amerikaner die Isar vernebelt und in Schlauchbooten über die Isar gesetzt. Dies geschah unter furchtbarem MG- Feuer von deutscher Seite. Es ist wahrscheinlich, dass auch Soldaten der 3. amerikanischen Armee, der 71. US Infanteriedivision, bei diesem Angriff zu beklagen waren. Aber über mögliche Verluste der Amerikaner gibt es keine Quellen. Der Straßenkampf die Hauptstraße herauf wurde von den Deutschen nochmals zum Stehen gebracht. Die Amerikaner wurden gegen Mittag nochmals bis zur Isar zurückgedrängt. Sie antworteten gegen Mittag mit starkem Artilleriefeuer. Nachdem die Amerikaner über Mittag das Feuer eingestellt hatten, rückten sie von Zeholfing, Frammering und Thalham gegen Landau vor, ebenso wie von Westen her, von Mamming und Zulling kommend. Einheiten der 3. US Army hatten sich inzwischen einen Isarübergang bei Zeholfing und Mamming geschaffen. Die Stadt wurde so umgangen und von Osten und Süden her angegriffen. Den Nachmittag über setzte wiederum starkes Artilleriefeuer der Amerikaner ein, bei dem auch die Stadtpfarrkirche beschädigt und das Rathaus total zerstört wurde. Auch der Dachreiterturm der Spitalkirche bekam einen Treffer ab. Dies war die Stunde der Fanny Ries. Als alle eine kampflose Übergabe der Stadt herbeisehnten, handelte sie. Der Zeitzeuge J. A. Baader, der vorübergehend in Landau lebende Vertreter des Dadaismus, beschreibt ihren mutigen, letztlich aber erfolglosen Einsatz für die Stadt wie folgt: Während unten am Dachreiter der Spitalkirche gelöscht wurde, war die Tochter des Malermeisters Ries (geb 1914, gest. 1995) aus der unteren Fleischgasse, auf den Kirchturm gestiegen und hatte gegen 14.30 Uhr die weiße Fahne herausgestreckt. Dann zog sie sich in den Kirchenraum zurück und kniete, von innerer Erregung geschüttelt, betend, fast oder ganz allein in der Kirche in einer Bank, als ein SS- Mann hereinstürzte: Wo geht es zum Turm? Wer dort die weiße Fahne gehisst hat, wird sofort erschossen! Dass das Mädel, an das er sich wandte, die Täterin war, konnte er nicht wissen. Fanny Ries flüchtete aus der Kirche, während der SS- Mann in den Turm hinaufstürmte und die Fahne wieder hereinholte. Nur eine Viertelstunde oder 10 Minuten hatte sie ausgehangen, ohne praktische Folgen. Die Übergabe der Stadt wurde am 30. April 1945 gegen 19 Uhr abends den Amerikanern übergeben. Nazibürgermeister Grüner hatte, wie die in der Stadt anwesenden Wehrmachtsoffiziere auch, bereits das Weite gesucht. Bei diesem formlosen Zeremoniell der Übergabe war ebenfalls eine Frau maßgeblich mit von der Partie: Fräulein Emmi Strebel, eine aus Nürnberg stammende evakuierte Kindergärtnerin, die ebenfalls von den Nazis Berufsverbot erhalten hatte und bei Pastor Malsch als Haushaltshilfe arbeitete. Im Auftrag des zweiten Bürgermeisters Beck, den man erst aus einem Luftschutzkeller herausholen musste, sollte der evangelische Pastor Malsch als English speaker die bedingungslose Kapitulation der Stadt aussprechen. Er wurde begleitet von Emmi Strebel, die die weiße Fahne schwenkte. Als eben eine Abteilung Amerikaner um die Rathausecke bog, traten die beiden den Soldaten gegenüber und erklärten, dass in Landau kein Widerstand mehr geleistet werde. Pastor Malsch musste nun den amerikanischen Kampfkommandanten in einem Jeep zu allen Stellungen des Volkssturms und zu den MG- Stellungen der Wehrmacht begleiten. Inzwischen stieg Fräulein Emmi Strebel mit ihrer weißen Fahne auf den Kirchturm, um nun endgültig die Fahne als Zeichen der Ergebung auszuhängen. Während sie hochstieg, bekam der Turm noch drei Treffer. Aber sie erreichte zwischen Schutt und Staub das Turmfenster und waltete ihres Amtes. Die weiße Fahne flattere über der Stadt und nun blieb sie auch draußen. Das Zeichen wurde auch von den amerikanischen Truppen außerhalb der Stadt registriert, das Feuer wurde eingestellt und weiter nach draußen verlegt. Willi Forster, der als damals 17-jähriger, das Geschehen vom Rande aus mitverfolgte, sah, dass der 2. Bürgermeister Beck sich nach Landaus Kapitulation auf die Motorhaube eines Jeeps setzen musste und so in gemäßigtem Tempo durch die ganze Stadt kutschiert wurde. Dies sollte zum einen den Amis die Sicherheit geben, dass nirgends mehr Widerstand vorhanden war und zum andern jeder Landauer nun wisse, dass die Naziherrschaft in Landau nun beendet ist. Nach der Übergabe der Stadt, als man sich schon an die amerikanischen Soldaten gewöhnt hatte, war aus den Äußerungen von Offizieren zu hören, dass Landau nur knapp einer Bombardierung entgangen sei. Wenn der Widerstand auch nur eine Stunde länger gedauert hätte, waren Bomber aufgestiegen und hätten die Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Für die Landauer war mit dem 30. April 1945 der Krieg zu Ende. Der offizielle Tag der bedingungslosen Kapitulation des deutschen Reichs und der VE-Day (Victory Europe- Day) der Amerikaner bedeutete für die Landauer nichts mehr. Er war für sie bereits Nachkriegszeit, mit all ihren Problemen.

Quelle: http://www.landau-isar.de/60_jahre_kriegsende_teil7.aspx