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Sonnenschein am Sonnenstrand Mai 1981

Meine Frau und ich haben langjährige Freunde aus den 1960er Jahren. Bei einem Wochenendtreffen im Frühjahr 1981 kam das Gespräch auf einen gemeinsamen Urlaub. Die Freundin war mit ihrem Mann schon einmal zum Sonnenstrand nach Bulgarien geflogen. Sie schwärmte von der Reise! Nun wurde der Zeitraum abgesteckt, wann wir gemeinsam dort hin wollten, etwa Mai 1981. Für EU-Bürger genügte ein Reisepass ohne Visum. Die Pässe mussten wir uns dann im Norderstedter Rathaus ausstellen lassen. Jetzt wurde der gelbe Katalog eines Reiseunternehmens studiert. Uns allen gefiel ein bestimmtes Hotel aufgrund der Bilder im Prospekt sehr gut. Also legten wir das Datum der Reise und das Hotel gemeinsam fest. Für unsere Familie war es eine billige Flugreise zu der Zeit. Unser ältester Sohn musste die Hälfte der Summe bezahlen und der Vierjährige war frei. Für vier Personen eine billige tolle Flugreise! Unsere Freunde buchten in Gifhorn und wir in einem Reisebüro in einem großen Kaufhaus in der Mitte der Mönckebergstraße in Hamburgs Innenstadt. Die Gifhorner flogen mit ihrem Sohn von Frankfurt ab und wir vom Hamburger Flughafen. Damals gab es noch nicht das Terminal 1 und 2. Die Abfertigungshalle war wesentlich kleiner. Das Datum der Reise rückte immer näher und die Vorfreude stieg. Der besagte Flug war recht früh am Morgen. Für uns vier war es die erste Flugreise und die Anspannung mit Herzklopfen war dementsprechend groß. Doch die Freude auf Sonne und Wasser ließ die Angst vor dem Fliegen vergessen. Wir kamen wohlbehalten auf dem Flughafen von Burgas an. Dort mussten wir erst einmal unsere Reisepässe im Abfertigungssaal vorzeigen, die dann abgestempelt wurden. Von der Fluggesellschaft wurden wir zu einem bestimmten Bus gebracht, der uns zum Sonnenstrand fuhr. Er hielt vor unserem Hotel und die Koffer wurden ausgeladen. Im Hotel mussten wir uns anmelden. Die Reiseunterlagen sowie die Reisepässe mussten abgegeben werden. Dann wurden uns zwei Doppelzimmer nebeneinander zugewiesen. Sie waren Parterre und hatten beide Balkone. Heute sind wir klüger und geben bei der Buchung gleich die Wunschetage mit an, immer im oberen Stockwerk.

Unsere Freunde kamen erst am späten Abend mit dem Flieger an. So hatten wir noch Zeit für einen Rundgang im Zentrum vom Sonnenstrand. Zuerst besorgte ich an einer Staatlichen Wechselstube etwas Geld. Zahlungsmittel war Leva1 Lew = 100 Stotinki, 1 Leva ≙ 0,51 Euro.
1980: 1 Leva ≙ 1 D-Mark
für D-Mark. Auf dem Weg dorthin wurde man auf offener Straße angesprochen, sie sagten: Du tauschen?. Doch in Bulgarien war es verboten und wir ließen uns nicht darauf ein! Die Kinder wollten dann ein Eis essen. Auf dem Weg dorthin bekamen wir schon den ersten Eindruck vom Land – alles sehr spartanisch einfach! Als wir am Eispavillon angekommen waren, konnten die Kinder nicht begreifen, dass es nur eine Sorte Melba-Eis gab. Aber besser als gar nichts. Als wir ins Hotel zurück kamen, warteten schon unsere Freunde aus Gifhorn auf uns. An der Rezeption bekamen wir unsere Essen-Gutscheine für den gesamten Aufenthalt. Bei diesen Gutscheinen handelte es sich um Punkte. Damit konnte man Mittag- oder Abendessen in den Restaurants des Ortes selbst wählen. Nur das Frühstück wurde in einem Nachbarhotel vorgeschrieben, was wir sieben Personen immer gemeinsam in Anspruch genommen haben. Am Ende des Aufenthaltes hatten wir aber viele Punkte über. Im Souvenirladen kauften wir Vasen und andere Mitbringsel für unsere Verwandtschaft. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, gingen wir im Hotel Phönix essen. Danach wurde ein kleiner Erkundungs-Rundgang um das Hotel gemacht. Zu lange dauerte er nicht, da unsere Kinder müde waren und ins Bett mussten. Unsere Freunde hatten ihre Zimmer neben uns.

Am nächsten Morgen wurde gefrühstückt. Danach ging es das erste Mal an den Sonnenstrand. Natürlich packten beide Mütter alles ein, was wir am Strand brauchten. Einige Spielsachen und unter anderem auch den ZauberwürfelDer Zauberwürfel (auch Rubik's Cube, engl. f. Rubiks Würfel,) ist ein mechanisches Geduldsspiel, das vom ungarischen Bauingenieur und Architekten Ernó Rubik erfunden wurde. Es wurde 1980 mit dem Sonderpreis Bestes Solitärspiel des Kritikerpreises Spiel des Jahres ausgezeichnet.. Der Zauberwürfel ist ein mechanisches Geduldsspiel. Ein ungarischer Bauingenieur und Architekt erfand ihn. 1981 war die Nachfrage groß, insgesamt wurden etwa 160 Millionen Zauberwürfel verkauft.

Der Weg war etwa zehn Minuten zum Strand. Dort angekommen, suchten wir uns einen schönen Platz aus. Einige Meter weiter hatte die Strandaufsicht ihren Aufsichtsstuhl. Die Männer der Lebensrettung beobachteten unsere Kinder. Hatten wir etwas falsch gemacht? Nein, der Zauberwürfel unserer drei Kinder hatte die Aufmerksamkeit hervorgerufen. Die Farben und das ewige Drehen begeisterten die jungen Männer sehr. Nach einigen Tagen am gleichen Platz sprach uns die Aufsicht an, ob wir den Zauberwürfel verkaufen würden. Wir sagten natürlich nein. Unsere Kinder hätten den Zauberwürfel auch nicht hergegeben. Sie hatten ihn erst neu bekommen, Nach einem Badetag am Strand bekamen wir einen Schreck. Die Sicht war sehr gut. In weiter Entfernung sahen wir einige Marineboote. Zeitung und Radio hatten wir nicht. Wir dachten schon an was Schlimmes, aber es stellte sich als harmlos heraus. Es soll eine Übungsfahrt gewesen sein. Ein kleiner Spielplatz und ein Platz mit Autoscootern waren auch im Ort. Leider waren die Autoscooter oft defekt und die Reparatur dauerte Tage. Nach einem Strandaufenthalt wurde geduscht. Unser Freund hing seine Badehose über die Balkonbrüstung. Als er sie nach einiger Zeit wieder in das Zimmer holen wollte, hatte er ein Problem: Die Badehose war nicht mehr da. Deshalb buchen wir ab jetzt immer Hotelzimmer in der oberen Etage, da sind wir alle einer Meinung. Am Abend ging es einige 100 Meter weiter in ein Restaurant mit großem Esssaal. Es hieß glaube ich Orient. Wir Erwachsenen tranken den Bulgarischen Wein, Rosenthaler-Kadarka. Uns schmeckte der Wein damals recht gut. Der Schopska-Salat war auch immer lecker. Das Eis wurde mit einem Feuerwerk am Tisch serviert. Unsere Kinder wollten jeden Abend dort essen gehen.

Der Service im Hotel ließ sehr zu wünschen übrig. Staubsauger und Wischmopp sah man nicht. Das Personal hatte einen Wassereimer und einen Reisigbesen ohne Stiel. Diesen Besen tauchten sie ins Wasser und huschten dann damit über den uralten, kaputten Teppichboden. Ich möchte nicht wissen, wie viel Staub im Boden war. Meine Frau hatte eine Stauballergie und hat die meisten Nächte am Balkonfenster verbracht. Wobei sie die Vorhänge auch nicht berühren durfte, es kam eine Staubwolke heraus. Sie hat sich dann immer am Tage am wunderschönen weißen Sonnen-Strand erholt! Einen Ausflug machten wir auch. Mit einem Tragflügelboot, einfach traumhaft und in den 1980er Jahre etwas Besonderes. Dieser Ausflug war nicht billig, aber wir alle waren begeistert.

Alles in allem war es für die 1980er Jahre ein Urlaub für die ganze Familie, den wir bis heute nicht vergessen haben.