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Die Sache mit der Ähnlichkeit

Mein erster Arbeitstag als feste Verwaltungsangestellte im Krankenhaus Heidberg begann mit dem 1. August 1981, nach 13 Jahren Abstinenz und Hausfrauen-Dasein, in denen ich unsere  zwei Söhne großzog.

In den vorangegangenen Jahren arbeitete mein Vater als Kriminalbeamter im Polizeirevier Wördemoorweg in Hamburg-Langenhorn, und da so ein Krankenhaus eine Stadt für sich ist, passierten manchmal auch Einbrüche und Diebstähle in Krankenzimmern und Verwaltungs-Büros.
Mein Vater hatte mehrfach dort wegen verschiedener Straftaten zu ermitteln und lernte auf diese Weise meine spätere Abteilungsleiterin kennen, die bei solchen Anlässen seine Ansprechpartnerin war.
Derweil arbeitete meine Mutter seit 10 Jahren im Personalbüro des Krankenhauses, war daher gut bekannt mit dem Personalchef und konnte somit als Wegbereiterin für meine Anstellung fungieren.

Jahrelang hatten Studenten, die ein wenig Geld dazuverdienen wollten, die Ablage im Verwaltungswesen gebündelt, sortiert und in Ordner verfrachtet. Als sich jedoch im Jahre 1980 für diesen lästigen Job niemand gemeldet hatte, wandte sich meine Mutter an mich und meinte, ich könnte mich doch mal für diese Arbeit bewerben. Sie wusste, dass ich seit einiger Zeit wieder eine Beschäftigung außerhalb des Familienlebens suchte.
Ich erhielt den Job für 3 Monate, und der damalige verantwortliche Chef war sehr zufrieden mit meinem Ordnungssinn und machte mir Mut, mich für eine dauerhafte Beschäftigung in der Krankenhausverwaltung zu bewerben. Voraussetzung hierfür war allerdings ein Kaufmanns-Gehilfenbrief, den ich mit Abschluss meiner Lehre erworben hatte.
So nahm die Sache ihren Lauf, und der Schritt für die spätere Rente war getan.

An meinem Einstellungstag wurde ich also zuerst dem Chef des Personalbüros vorgestellt, der mich freundlich willkommen hieß, mir ins Gesicht schaute und dann ganz euphorisch meinte: Ja, unverkennbar die Mama, Tochter von Frau K., die Ähnlichkeit ist ja gar nicht zu übersehen. Herzlich willkommen im Arbeitsteam!
Etwas verwirrt wurde ich nun durch die Büroräume geschleust, in denen ich ab jetzt meine Arbeit verrichten sollte und musste viele Hände schütteln von den zukünftigen Kolleginnen und Kollegen.
Eine nette ältere Dame, Leiterin meiner neuen Abteilung, stellte sich vor, begrüßte mich freundlich und sprudelte gleich los: Ach, man sieht ja ganz deutlich, dass Sie die Tochter von Herrn K. sind, unverkennbar, diese Ähnlichkeit mit dem Vater!
Ich war nun vollkommen verwirrt und unfähig, darauf eine Antwort zu geben und hoffte nur, dass ich irgendwie auch mein eigenes Gesicht zu bieten hatte.

Die Vermutung liegt nahe, dass das Vergleichen mit der Ähnlichkeit einer Person evtl. nur im Kopf der jeweiligen Leute stattfindet.