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Spielzeug von Anno Dazumal

(Erinnerung an meine Kindheit in Buenos Aires)

In den dreißiger Jahren war natürlich der Fußball das beliebteste Spielzeug aller Jungen in Argentinien. Aber nicht jeder konnte sich den braunen Lederball leisten. Da kam die kreolische Schlauheit (viveza criolla) zur Geltung: man bastelte sich eben einen Ball aus alten Lappen und Socken. So entstand die pelota de trapo (Stoffball), mit dem viele der später berühmten Fußballspieler auf den potreros (unbebaute Grundstücke, oft auch als Fohlengehege benutzt) ihre ersten gambetas (Kreuzsprünge) übten.

Der No. 5 Lederball und das Raleigh Fahrrad waren damals der größte Kindertraum. Leider meistens unerreichbar. Die Schokoladenfabrikanten nutzten dieses Begehren, um ihren Umsatz zu verbessern. In jeder Schokoladenverpackung fügten sie ein Bildchen bei, das in ein vorgedrucktes Album eingeklebt werden sollte. Das hatte leider einen Haken: um die Sammlung zu vervollständigen, gab es ein Bildchen, das sehr selten war und fast nie zum Vorschein kam.

Weiter gab es noch Geschicklichkeitspielzeuge, wie z.B. der balero (Kugelfänger). Dieser bestand aus zwei hölzernen Teilen: einem Handgriff und einer Kugel, die beide mit einer Schnur verbunden waren. Die runterhängende Kugel musste mittels einer geschickten Bewegung des Handgriffs nach oben geschleudert werden, so dass das Loch an der unteren Seite der Kugel sich mit dem Stift des Handgriffs einfangen ließ. Wenn ein Spieler das Loch verfehlte, musste er das Gerät seinem Mitbewerber abgeben. Gewonnen hatte derjenige, der am meisten Einfänge machte. Auch das Spielen mit Murmeln oder Glaskügelchen war bei den Jungens sehr beliebt.

Als Kind einer deutschen Familie hatte ich den Vorteil, manche Spielsachen von meinem Onkel aus Berlin zugeschickt zu bekommen. So erhielt ich zu Geburtstagen und Weihnachtsfeiern exklusive Geschenke, die auf dem lokalen Markt kaum zu erwerben waren.

Foto Merklin-DampfmaschineFoto Merklin-DampfmaschineFoto Merklin-DampfmaschineFoto Merklin-DampfmaschineFoto Merklin-DampfmaschineFoto Merklin-Dampfmaschine
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Ganz besonders erinnere ich mich an die funktionsfähige Dampfmaschine mit horizontalem Kupferkessel. Ein maßstäbliches Modell einer echten Anlage! Hiermit konnte ich meine ersten Ingenieurstalente entwickeln. Zum Anheizen benutzte ich einen mit Sprit betriebenen Dochtbrenner. Der Dampfkessel war mit Wasserstandsglas,

Dampfpfeife und Sicherheitsventil ausgerüstet. Wenn letzteres zu zischen begann, wusste ich, dass genügend Druck im Kessel vorhanden war, um das Durchlassventil zu öffnen. Nun genügte ein leichter Anstoß an das Schwungrad, um die Maschine in Gang zu bringen. Ein Riemenantrieb betätigte einen auf der Plattform angebrachten Dynamo. Der so erzeugte Schwachstrom reichte aus, um mehrere Glühlämpchen zu speisen.

Am liebsten spielte ich im Garten. Dort baute ich mit Holzklötzen Häuser und Festungen. Der Meccano (Baukasten mit verschraubbaren Metallteilen) diente zum Bauen von Brücken über die mit Wasser gefüllten Gräben. Aus Deutschland stammende Plastik-Soldaten (modernere Version der herkömmlichen Zinnsoldaten) der Wehrmacht besetzten ihre Stellungen, um die Ortschaft gegen angreifende Tommies zu verteidigen und ich überwachte das ganze Panorama. Bei Abenddämmerung setzte ich das Kraftwerk in Gang und in den Gebäuden leuchteten die Lichter auf. Die Illusion war perfekt.

Schade nur, dass ich vor dem Abendbrot alles wieder aufräumen musste.