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Mein Erlebnis im Bermudadreieck

1980 nahm ich als Presseoffizier an der Ausbildungsreise des argentinischen Segelschulschiffes Libertad teil. Die Fahrt ging von Buenos Aires bis nach Bremen.

Als unser Kurs durch das Bermudadreieck führte, gingen die verwegensten Geschichten über tragische Vorgänge, die in dieser berüchtigten Zone passiert sein sollten, von Mund zu Mund. Ich hatte mir ein Buch über dieses Thema von Schiffskaplan ausgeliehen und amüsierte mich abends bei der Lektüre über verschollene Flugzeuggeschwader; unbemannte Yachten, deren Besatzungen spurlos verschwunden waren; außerirdische Raumschiffe, die aus dem Meer aufstiegen und andere Schauergeschichten.

Als eines Tages unser Zahnarzt mir in meiner Kajüte Gesellschaft leisten wollte, bemerkte er, dass ich meine Mütze auf der Koje liegen gelassen hatte. Er wirkte völlig verstört und bat mich sofort die Mütze vom Bett zu nehmen, denn das bringe großes Unglück. Dann berührte er mit seinen Fingern das Deck, um die bösen Strömungen abzuleiten. So was von Aberglaube hatte ich noch nie erlebt. Und das bei einem Marineoffizier!

Mir fiel nichts Besseres ein, als ihm das Buch über das Bermudadreieck anzubieten, um zu sehen wie er darauf reagieren würde. Schon am nächsten Tag bemerkten wir seine Besorgnis: Er fragte den Barkeeper, ob er auf einer seiner vorigen Reisen etwas Sonderbares in dieser Zone erlebt hätte.

Schnell begriffen wir, dass wir den Kandidaten gefunden hatten an dem wir einen der an Bord üblichen Scherze in praxi erproben konnten. Alle, außer dem Kommandanten, nahmen an dieser Verschwörung teil.

In der Offiziersmesse gingen abends plötzlich die Lichter aus; von der Brücke aus kamen merkwürdige Meldungen über Navigationsinstrumente die verrückt spielten. Der Wachoffizier trug seine Rettungsweste, der Heckausgucksposten behauptete, grünes Licht am Horizont beobachtet zu haben, der Barkeeper erzählte von leuchtenden Geysiren die er aus dem Meer sprudeln gesehen hätte.

Wir beobachteten dabei die ängstlichen Blicke unseres Opfers, aber ließen uns selbst nichts anmerken. Auf seine diskreten Fragen antworteten wir immer locker, dass er sich keine Sorgen machen sollte, hier wäre noch nie etwas Schlimmes passiert. Er vermutete zwar einen Scherz, aber die vielen (vorgetäuschten) Ereignisse machten ihn doch unsicher. Tatsache war: er verbrachte die ganze Nacht an Deck mit angelegter Rettungsweste! Dabei zeigte sich die See spiegelglatt und es wehte kaum mehr als eine leichte Brise. Eine ruhigere Navigation im Bermudadreieck könnte man sich kaum wünschen.

Über die Befürchtungen unseres Zahnarztes kugelten wir uns vor lachen, hielten aber alle dicht. Er selbst ignoriert bis heute, ob es Scherz oder Wirklichkeit gewesen war. Da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, gehe ich davon aus, dass er nie durch diese Zeilen die Wahrheit erfahren wird.

Nur wer wochenlang auf einem 92m langen und 14m breiten Schiff mit hunderten von Männern wohnen, arbeiten und seine Freizeit vertreiben muss, kann diese Art von Spaß verstehen.

Eine Seefahrt kann eben auch mal lustig sein.

Bermudadreieck:

Das Bermudadreieck, auch Teufelsdreieck genannt, ist die inoffizielle Bezeichnung eines Seegebietes, das sich im westlichen Atlantik nördlich der Karibik befindet und durch zahlreiche, zum Teil ungeklärte Vorfälle bekannt wurde, bei denen Schiffe, Flugzeuge oder ihre Besatzungen spurlos verschwunden sein sollen. Bis zum heutigen Tag soll es einige nicht endgültig geklärte Vorkommnisse geben, was verschiedene Autoren zu teilweise recht bizarren Erklärungsversuchen inspirierte, die Grundlage für eine Vielzahl literarischer Werke, Filme und Internetseiten wurden.

Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklpädie