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Wall Street für Anfänger

Wall Street (die von Mauern umgebene Straße) liegt im südlichen Manhattan der Stadt New York und verkörpert das finanzielle Machtzentrum der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Obwohl viele der bedeutendsten Banken jetzt ihre Hauptgeschäftsstellen in andere Stadtviertel New Yorks verlegt haben, verliert der Begriff Wall Street nicht seine Bedeutung als der Höhepunkt der Finanzwelt. Der internationale Aspekt dieser Machtzentrale wird durch den Spruch: Frankfurts Kummer ist Wall Streets Freude betont.

All dies wurde mir erst bewusst, als ich 1980 mit dem argentinischen Segelschulschiff Libertad New York besuchte. Die jährliche Auslandsreise der argentinischen Seekadetten auf diesem Großsegler ist zwar die Krönung ihrer Ausbildung im nautischen Können, hat aber noch einen zusätzlichen Zweck: die zukünftigen Marineoffiziere auf die Verantwortungen als spätere Führungskräfte vorzubereiten. Hierbei spielen neben den Kenntnissen von Politik und Volkskunde diejenigen auf dem Gebiet der Finanzwirtschaft eine entschiedene Rolle. So wird in jedem der besuchten Länder die Gelegenheit wahrgenommen, die örtlichen Verhältnisse genauer kennen zu lernen.

In diesem Sinne nahm auf dieser Fahrt eine Delegation von Offizieren und Kadetten an einer VIP-Führung durch die berühmte Wall Street teil. Auch ich, der das Schiff als Presseoffizier begleitete, schloss mich dem Besuch an. Als normaler Tourist hat man nämlich kaum die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen dieser Machtwelt zu werfen.

In meiner Erinnerung ist mir der imposante Kronleuchter im Eingangsbereich der Morgan Bank geblieben. Aus dem, was man im prächtigen Gebäude dieses Finanzinstituts zu sehen bekommt, lässt nichts auf eine normale Bank schließen. Bei J.P. Morgan werden keine Kunden am Schalter bedient und keine privaten Girokonten geführt. Man kommt sich hier vor, als betrete man das Foyer eines Luxushotels.

Als wir den Fahrstuhl bestiegen, wurde uns schon mitgeteilt, dass wir das Privileg haben würden, im 5. Stock aussteigen zu dürfen. Normalerweise sei dieser Bereich für Unbefugte unzugänglich. Die Morgan ist eigentlich eine Regelungszentrale der Finanzen, in der nur die Vertreter anderer Banken etwas zu tun haben.

Der 5. Stock ist ein ausgesprochener Arbeitsbereich, der von keinem Fremdling (stranger) betreten werden darf. In einem weiten Raum befinden sich Dutzende von Arbeitsplätzen, an denen hochqualifizierte Fachkräfte den ganzen Tag lang telefonische Anweisungen über den Kauf und Verkauf von Geldmassen auf der ganzen Welt geben. Auf Bildschirmen und laufenden Ziffernstreifen an den Wänden bekommen sie aktuelle Informationen über die internationalen Kursänderungen und über Geldvorräte der verschiedenen Banken.

Zu Tagesbeginn findet in diesem Raum ein Briefing statt, in dem streng vertraulich die respektiven Ziele für den Finanzmarkt abgesprochen werden. Hier wird bestimmt, wie hoch der Wechselkurs am Ende des Tages in, zum Beispiel Tokio, Paris, Buenos Aires oder Stockholm sein soll. Unermüdlich kaufen oder verkaufen die Experten Geldmassen in den verschiedenen Ländern, bis das Tagesziel erreicht ist. Jeder sitzt an seinem Telefon und verlässt es nur, wenn er einmal muss. Sandwichs und Colas werden an die Arbeitsplätze verteilt, um diese ständig besetzt zu halten. Time is money - und Geld ist hier immerhin die Ware.

Ich war vorher davon überzeugt, dass die Geldwertschwankungen in jedem Land von der lokalen Wirtschaftsentwicklung abhängig wären. Hier wurde ich eines anderen belehrt: im Endeffekt haben die money makers, wie die Morgan Bank, das Sagen. Nur sie bestimmen über die Entwicklung der Finanzmärkte weltweit.

In diesem Sinne wollte ich Näheres darüber erfahren, und hier sind die Ergebnisse: J.P. Morgan hatte bereits 1895 einen großen Einfluss auf die Geschehnisse in den U.S.A. errungen. Am Ende der großen Wirtschaftskrise von 1893 bot er dem Präsidenten Grover Cleveland seine finanzielle Hilfe an, welche dieser notgedrungen annahm. Und so kam es, dass die U.S. Schatzkammer mit 3,5 Millionen Pfund Gold aufgestockt wurde, die von Morgan mit Hilfe der Rothschilds aufgetrieben worden waren. Seit dem verblieb die amerikanische Regierung immer in der Schuld des internationalen Banksystems. Hier kam ich auf das Stichwort Die Rothschilds.

Die Dynastie Rothschild wurde vom 1743 in Frankfurt am Main geborenen Goldschmied Mayer Armschel Bauer — der später seinen Familiennamen in Rothschild wechselte — gegründet. Er etablierte ein Bank Imperium in England und seine fünf Söhne übernahmen die Leitung seiner Bankfilialen in London, Paris, Wien, Berlin und Neapel. Auch die First Bank of the U.S. gehört zu diesem Konzern. Auf diese Weise gewannen die Rothschilds die Kontrolle über das Geld der leitenden Länder der Welt und getreu der Worte ihres Gründers: Gebt mir die Kontrolle des Geldes eines Landes und ich kümmere mich nicht mehr um das, was seine Gesetzgeber entscheiden, bestimmen sie nun über das Schicksal der Nationen.

Zitat: Geld regiert die Welt. Auf einer Reise kann man eben vieles lernen.