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Vorbemerkung

Als Herausgeber der Fachzeitschrift NAVITECNIA (seit 1947) hatte ich enge Beziehungen zur Argentinischen Marine aufgebaut und in diesem Zusammenhang mehrere Besuche auf Marine-Stützpunkten und Einheiten abgestattet. Danach habe ich einen Kursus als Marinekorrespondent bestanden und wurde als solcher im Range eines Kapitänleutnants von der Marine ernannt. Als der Konflikt ausbrach, meldete ich mich sofort beim Oberkommando der Marine und verfolgte dort täglich den Verlauf der Kriegshandlungen. Ich erklärte mich auch bereit, in die Konfliktzone zu reisen, um vor Ort berichten zu können. Zu meiner Enttäuschung musste ich mich aber vorerst damit begnügen, täglich meine Informationen über den Lagebesprechungsraum des OK zu ergattern. Als schließlich Ende Mai die Briten auf den Inseln Fuß gefasst hatten, bekam ich endlich meinen Einsatzbefehl als Kriegsberichterstatter.

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und Marineeinheiten im Falklandkonflikt

Ungleicher Kampf

1979 gab die argentinische Regierung bei der Hamburger Werft Blohm & Voss den Bau von 20 Zollbooten für die Prefectura Naval Argentina (Argentinische Küstenwache) in Auftrag. Anfangs bezweifelten die Auftraggeber die Fähigkeit der von der Werft entworfenen 28 m langen Schiffe, die Einsatzbedingungen auf dem argentinischen Flussnetz sowie auch auf den Hochseegebieten erfüllen zu können. Um die weitläufige Küste Argentiniens am Süd-Atlantik zu kontrollieren, benötigt man ja äußerst seetüchtige Schiffe, was man dem deutschen Design nicht zutraute.
Schließlich überzeugten sich die Auftraggeber von der weltweiten Erfahrung der Werft und vertrauten ihr den Bau der Zollboote an. Das erste Küstenwachschiff GC 64 wurde im Juli1979 geliefert und schon im Dezember des selben Jahres war die letzte der 20 Einheiten, die GC 83 Rio Iguazú fertiggestellt.

Die modernen Patrouillenboote sollten Argentinien ermöglichen, den Küstenschutz zu verbessern und die illegale Fischerei einzudämmen. Sie wurden auf die verschiedenen Stützpunkte der Prefectura verteilt.
Es handelt sich um aus Stahl gebaute Schiffe mit einem schmalen und V-förmigen Rumpf. Bei einer Breite von 5,30 m beträgt der Tiefgang knappe 3,57 m. Angetrieben von 2 MTU Diesel Motoren, erreichen sie eine Geschwindigkeit von bis zu 22 Knoten. Die Besatzung besteht aus mindestens 15 Mann und jedes Schiff ist mit 2 Browning Kaliber 12,7 mm Maschinengewehren bewaffnet. Außerdem verfügt man an Bord über 3 Maschinenpistolen Halcón Kaliber 9 mm und vier FN Sturmgewehren Kaliber 7,62 mm. Ausreichend für die Bekämpfung von Schmugglern und Verbrechern, aber auf keinen Fall geeignet für einen Kriegseinsatz.

Am 2. April 1982 besetzten argentinische Streitkräfte die Falkland Inseln (Islas Malvinas). Die kleine britische Garnison leistete kaum Widerstand und bald wehten argentinische Fahnen über den Gebäuden der Hauptstadt Port Stanley. Diese wurde in Puerto Argentino umbenannt und der Name Falkland definitiv durch Malvinas ersetzt. Großer Jubel im ganzen Land. Nach über 100 Jahren wurde dieses Territorium wieder in die Heimat eingegliedert. Nun galt es, die zurückeroberten Inseln und ihre Bewohner den argentinischen Gepflogenheiten anzupassen.
Vorerst musste aber an die Verteidigung gedacht werden, denn die britische Krone war nach wie vor der Überzeugung, dass die Inseln ein Bestandteil ihres Commonwealth bleiben müssten. Premierministerin Thatcher entschloss sich zu einem Gegenangriff und stellte eine mächtige Task Force zusammen, bestehend aus etwa 100 Schiffen aller Art, die sich bald von Europa mit Kurs Südatlantik in Bewegung setzte. Inzwischen verhängte Großbritannien eine Seeblockade über den Ozean und erklärte die Zone rund um die Inseln zum Kriegsgebiet.

General Mario Benjamin Menendez wurde zum Gouverneur des Archipels ernannt. Obwohl er nicht der ranghöchste Offizier vor Ort war, übernahm er das Oberkommando über die dort stationierten Streitkräfte. Er war ein Schreibtisch General, ohne kriegerischer Erfahrung und legte großen Wert auf seine blanken Stiefel und seine spiegelglatte Frisur.
Da General Menendez kein Wort Englisch verstand, engagierte er eine einheimische Lehrerin, die ihm sowohl als Dolmetscherin als auch als Privatsekretärin diente. In dieser Funktion hatte sie natürlich Zugang zu allen militärischen Unterlagen, dessen Inhalt sie prompt dem britischen Geheimdienst zuspielte. Nach Kriegsende soll sie dafür von Königin Elisabeth II einen Orden bekommen haben.
Außerdem hielt General Menendez es nicht für nötig, das lokale Telefonnetz unter seine Kontrolle zu bringen. Die Kelpers, so werden die Bewohner der Inseln genannt, konnten frei unter sich kommunizieren und allerlei militärische Informationen weitergeben, die schließlich auch beim britischen Geheimdienst landeten. Die Argentinier hatten eben so viele Chancen, den Krieg zu gewinnen wie damals die Wehrmacht, nachdem der Decoder Enigma in feindliche Hände gefallen war.

Aber zurück zu den Schiffen der Küstenwache. Zwei der von Blohm & Voss gelieferten Einheiten wurden nach Puerto Argentino abkommandiert, um dort ihre Wasserschutz-Funktion zu übernehmen. Es handelte sich um die GC 82 Islas Malvinas und die GC83 Rio Iguazú. Mit Tarnfarbe übermalt, verließen die Schiffe den Hafen von Buenos Aires am 6. April und fuhren südwärts die Küste entlang bis nach Puerto Deseado. Dann nahmen sie Kurs Südwest, direkt auf die Malvinas. So konnten sie die Blockade durchbrechen und in 7 Tagen die etwa 2.500 Seemeilen über den Südatlantik bis zu ihrem Zielort bewältigen.

In Puerto Argentino stationiert, ergänzten sie ihre normalen Aufgaben mit dem Transport von Personal und Kriegsmaterial an verschiedene Stützpunkte der Inseln. Am 22. Mai befand sich die Rio Iguazú gerade auf einer dieser Fahrten. Am Abend zuvor wurde das Schiff noch eilig mit zwei 105 mm Oto Melara Haubitzen beladen, die dringend an der Goose Green Stellung gebraucht werden sollten, um einen britischen Angriff zu stoppen. Da das Schiff nicht geeignet war, um die über 2 Tonnen schweren Geschütze als komplette Einheiten zu transportieren, mussten diese zerlegt und in Einzelteilen an Bord verstaut werden. Diese mühselige Arbeit dauerte die ganze Nacht durch und am nächsten Morgen war die Mannschaft ziemlich erschöpft.

Trotzdem lief die Rio Iguazú in den ersten Morgenstunden aus. 19 Heeresartilleristen begleiteten die Geschütze. Mit halber Kraft voraus fuhr das kleine Schiff in Richtung Darwin, als plötzlich um 08:30 Uhr roter Alarm ausgelöst wurde. Zwei feindliche Flugzeuge waren gesichtet worden. Gleich darauf griffen schon die zwei Sea Harrier das Patrouillenboot von hinten an.
Die Mannschaft reagierte sofort und erwiderte das Feuer mit den vorhandenen Bordwaffen. Es war ein Kampf wie zwischen David und Goliath. Das kleine, fast unbewaffnete Schiff gegen zwei mächtige Kampfmaschinen der NATO Streitkräfte!

Auf dem Achterdeck betätigten zwei Unteroffiziere die dort montierten 12,7 mm Browning Maschinengewehre und schossen ununterbrochen auf die angreifenden Flieger. Diese eröffneten das Feuer mit ihren vielen Bordwaffen — 30 mm Revolverkanonen, Lenkflugkörper, Raketen und Bomben.
Etliche Treffer durchbohrten das Schiff und beschädigten den Maschinenraum. Auch die Schützen an den Maschinengewehren wurden getroffen, einer starb sofort und der andere wurde schwer verwundet. Sofort sprang ein dritter Mann ein und beschoss einen der Angreifer mit Maschinengewehrsalven. Dann wurde auch er durch eine detonierende Granate außer Gefecht gesetzt, konnte aber noch beobachten, wie einer der Sea Harrier rauchend am Horizont abstürzte. Die Briten haben es nie zugegeben, dass eines ihrer Flugzeuge abgeschossen wurde, aber mindestens drei Besatzungsmitglieder der Rio Iguazú konnten eindeutig den Absturz bestätigen.

Der Kommandant steuerte das Zollboot im Zick-Zack Kurs, um den Bomben auszuweichen, rammte dabei aber einige Felsen und musste das Schiff schließlich auf den Strand aufsetzen, um den Untergang zu vermeiden. Hier konnte die Besatzung an Land gehen und wurde von Helikoptern zu ihrem Stützpunkt zurückgeflogen. Die Verwundeten wurden vorerst im Hospital von Puerto Argentino versorgt und später nach Buenos Aires transportiert.
Als akkreditierter Journalist hatte ich natürlich freien Zugang zur Pressestelle der Prefectura Naval Argentina (PNA) und bekam hier einen detaillierten Bericht über die Geschehnisse. Noch besser, ich durfte zwei der verwundeten Unteroffiziere im PNA-Krankenhaus interviewen und bekam so Informationen aus erster Hand.

Der Jüngere von beiden war der Schütze, der einen der Sea Harrier angeschossen hatte. Er erzählte mir von seinen Wunden. Mehr als 20 Granatsplitter waren in seine Oberschenkel und in den unteren Rückenbereich eingedrungen, ohne jedoch vitale Organe getroffen zu haben. Er fügte schmunzelnd dazu: Glücklicherweise wurde ich von hinten getroffen, sonst hätte ich jetzt ein großes Problem — sobald ich hier raus komme, will ich nämlich heiraten.

Aus seinem ausführlichen Bericht entnahm ich, dass die Argentinier der britischen technischen Überlegenheit lediglich ihre Tapferkeit und Courage entgegenzusetzen hatten. In Anbetracht der mangelhaften Führung im Kommando-Bereich bekam man schon seine Zweifel am Endsieg.

Tief beeindruckt durch diesen ersten Kontakt mit den Kriegsereignissen fuhr ich nach Hause, um einen Bericht darüber zu schreiben, aber da erhielt ich schon meinen Marschbefehl und ein paar Tage danach saß ich im Flugzeug mit Kurs auf das Operationstheater Südatlantik (T.O.A.S.). Was dort geschah, ist in meiner Geschichte: Wie ich den Falkland-Konflikt erlebteDer Falklandkrieg (englisch Falklands War/Crisis, spanisch Guerra de las Malvinas/Guerra del Atlántico Sur) war ein Krieg zwischen Argentinien und dem Vereinigten Königreich um die Falklandinseln (auch Malwinen) sowie Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln, der von April bis Juni 1982 andauerte. zu lesen.

Schließlich, am 14. Juni 1982Der 14. Juni wird seitdem auf den Falklandinseln, Südgeorgien und Südsandwichinseln als Liberation Day bezeichnet und als Nationalfeiertag begangen. Quelle: Wikipedia, wurden die argentinischen Streitkräfte gezwungen, sich bedingungslos zu ergeben. Allerdings verlangte General Menendez das Wort bedingungslos von der Kapitulationsurkunde zu streichen. Zusätzlich verlangte er, ehrenvoll behandelt zu werden und seine Dienstpistole behalten zu dürfen. Über die Gefangennahme seiner 9.000 Soldaten und die Übergabe einer riesigen Menge Kriegsmaterial an den Feind machte er sich weniger Sorgen.

Eitel bis an den Scheitel.

Nachtrag

Die britischen Kriegsberichterstatter Patrick Bishop und John Witherow haben ihre Erfahrungen auf den Falklands (Malvinas) in einem Buch verfasst mit dem Titel: The Winter War, the Falklands.
Im Kapitel Kapitulation berichten sie folgendes:
Als Oberst Mike Rose und sein Dolmetscher, Hauptmann Rod Bell, an diesem Nachmittag nach Port Stanley flogen, mit einer weißen Flagge unter ihrem Helikopter, um über die Kapitulation zu verhandeln, bedeutete das den Abschluss tagelangen Drucks seitens der Briten auf die argentinische Heeresführung.
Während beide Offiziere mit schmissigem Schritt vom Fußballplatz (wo sie gelandet waren) zum Hauptquartier von General Menendez marschierten, sah Rose eine Gruppe Kelpers vor dem Hospital stehen. Er rief ihnen zu: Ist Alison dort?. - Ja, antwortete schüchtern eine Frau. Sagt ihr, gut gemacht Alison, Sie haben eine tolle Arbeit geleistet.
Er bezog sich auf Frau Doktor Alison Bleaney, Ärztin der Insel, die täglich mit ihren Patienten per Funk Verbindung hielt. Sie hatte mehrere Vorgespräche mit General Menendez geführt, die schließlich zur Kapitulation der argentinischen Truppen geführt hatten…

Cherchez la femmeFranzösisches Sprichwort: Da steckt eine Frau dahinter