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Brücke über den Ozean

Die Frage ist mir schon oft gestellt worden: Wieso sind Sie ausgerechnet nach Norderstedt gekommen, nachdem Sie die Entscheidung getroffen haben Argentinien zu verlassen?

Im Oktober 1991 fand in Buenos Aires ein außergewöhnliches Ereignis statt, welches die Hoffnung weckte, der schwankenden argentinischen Schiffbauindustrie wieder auf die Beine zu helfen. Mit all den verfügbaren Mitteln, die ich dank jahrelanger Erfahrung mit meiner Fachzeitschrift NAVITECNIA erworben hatte, versuchte ich, die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden auf die Notwendigkeit zu lenken, in Argentinien eine Schiffsbaukultur aufrecht zu erhalten. Eine ausführliche maritime Ausstellung sollte dazu beitragen, diese Tatsache zu unterstützen.

Da ich gerade den Auftrag erhalten hatte, die Exponate für die bevorstehende Art Maritim Argentinien - Ausstellung in Hamburg auszuwählen und zum Transport vorzubereiten, konnte ich mit der vollen Unterstützung des technischen Teams der Messe für meinen gesamten Arbeitsbereich rechnen. Ich wurde also auf zwei Stellen tätig: Der Marinexpo 91 in Buenos Aires und der Art Maritim in Hamburg.

Die Vielseitigkeit meiner Tätigkeiten zu dieser Zeit wird mir erst jetzt bewusst. Damals hieß es einfach weitermachen. Eine nach der anderen wurden die notwendigen Aufgaben erfüllt und als die Art Maritim in Hamburg in vollem Glanz eröffnet wurde, fühlte ich mich auf dem Gipfel meines Erfolges.

Inzwischen hatte in Buenos Aires die Marinexpo 91 stattgefunden. Diese Ausstellung sollte als Nebenorganisation des 12. COPINAVAL (Congreso Panamericano de Ingeniería Naval) gelten. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage hatten sich viele Unternehmen der lokalen Schiffsbaubranche an der Ausstellung beteiligt und wurden von den Teilnehmern des Kongresses mit Interesse besucht.

Es war ein letzter Versuch gewesen, die Aufmerksamkeit der argentinischen Regierung auf die Notwendigkeit einer maritimorientierten Politik des Außenhandels zu lenken. Leider fand diese Initiative bei den damaligen Funktionären keinen Anklang und die jahrelangen Bemühungen, eine international konkurrenzfähige Schiffsbauindustrie aufzubauen, brachen zusammen.

Meine Zeitschrift stand plötzlich vor dem Nichts. Eine Firma nach der anderen stornierten ihre Werbeaufträge und als die größte private Werft Argentiniens — Alianza — ihre Tore schließen musste, wusste ich, dass das Ende einer Ära gekommen war. Ein Neuanfang in Europa schien mir die einzige Lösung, und so entschied ich mich auszuwandern.

Hamburg war mein erstes Ziel. Hier hatte ich unter anderen bereits Kontakte mit anderen Kollegen, mit der Hamburg Messe und dem Germanischen Lloyd.

Mit der Hamburg Messe kam sofort ein Auftrag zustande und ich konnte in meiner Wahlheimat eine neue Existenz beginnen. Um die Wohnung hatte sich inzwischen meine Frau gekümmert, die einige Wochen vor mir nach Hamburg gereist war und bei einer Freundin in Eppendorf wohnte. Über eine Zeitungsanzeige kam sie schließlich auf eine passende Wohnung in der nahegelegenen Ortschaft Norderstedt. Ausschlaggebend für ihre Wahl war die Küche mit Aussicht.

Wir hatten großes Glück mit unserer Entscheidung: Die Nachbarschaft war freundlich und entgegenkommend. Wir integrierten uns bald in die Gemeinschaft und ein paar Jahre später wurde ich sogar in den Seniorenbeirat der Stadt Norderstedt gewählt. Bei dieser Gelegenheit teilte ich mit anderen Kollegen die Idee, eine Erinnerungswerkstatt zu gründen, durch die wir unsere Erlebnisse über das Internet verbreiten würden. Die vielen Zuschriften unserer Leserinnen und Leser im öffentlich zugänglichen Gästebuch beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Erinnerungswerkstatt Norderstedt kann heutzutage als ein Symbol des menschlichen Integrationsgeistes betrachtet werden.

Ein Logo wird zur Brücke

Als im Juli 1947 die erste Ausgabe meiner Zeitschrift NAVITECNIA erschien, war auf der Titelseite schon das Logo zu sehen, das später jedes der Exemplare prägen würde. Es ist eine stilisierte Zeichnung eines großen Überseedampfers neben einem kleinen Segelboot. Als Symbol für allerlei Bootsarten im Rahmen der maritimen Technik.

Jahre später, als die enge Zusammenarbeit zwischen den Industrien im Schiffsbaubereich Europas und Südamerikas offensichtlich wurde, kam ich auf die Idee, ein neues Logo zu erstellen. Diesmal wurden die beiden Schiffstypen inmitten des Ozeans positioniert. Sozusagen, als Brücke zwischen den beiden Kontinenten.

So entstand die Idee, diese Brücke zu konsolidieren und sie als ein tatsächliches Verbindungsglied zwischen den beiden Welten, in denen ich gelebt habe, aufzustellen.

Diese Brücke ist schon oftmals, von fast allen nachfolgenden Generationen meiner Familie in beiden Richtungen benutzt worden und steht immer noch für weitere Verbindungen offen.