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Meine Kriegserlebnisse 1940 - 1945; Einsatz auf Kreta

Meine Kriegserlebnisse 1940 - 1945

Kapitel 5 — Einsatz auf Kreta

Am 17. Mai ruft Oblt. Wehner die Kompanie zur Einsatzbesprechung zusammen. Obwohl unser Ziel noch immer nicht genannt wird und der Chef den Kopf der Karte verdeckt, wissen wir Bescheid, es geht nach Kreta. Wir wissen allerdings noch nicht, bei welcher Stadt wir springen werden. Das ganze FJR 1 wird an dieser Stadt abgesetzt — vor dem Start erfahren wir dann, dass es Iraklion ist — das 1. Btl. Ziemlich weit östlich, mit dem Auftrag, weiter nach Osten durchzustoßen, das 2. Btl. auf und um den Flugplatz im Osten der Stadt, mit dem Auftrag, diesen zu nehmen, und das 3. Btl., dem unser Zug (der 1. der 13. Kompanie) zugeteilt ist, im Westen und Südwesten der Stadt mit dem Auftrag, Stadt und Hafen zu nehmen. Außerdem werden mit dem Rgt. 1 noch Teile des Fallsch.Fla-MG-Btl., der Fallsch. Nachr.-Abt., der San.-Abt. 7 und ein Btl. des FJR 2 eingesetzt, das westlich der Stadt springen soll und die Sicherung nach Westen übernimmt.

Nach Fliegermeldungen sind die feindlichen Flakbatterien durch Stukas nahezu völlig zerstört, der Rest soll während unseres Absetzens durch Me 110-Zerstörer niedergehalten werden. Iraklion soll nach den Meldungen unseres Nachrichtendienstes nur von zwei demoralisierten britischen Regimentern verteidigt werden, die sich, zum Teil ohne Waffen vom griechischen Festland nach Kreta geflüchtet haben. Diesen müssen unsere kampfstarken Bataillone, unter Einrechnung des Überraschungseffektes, einwandfrei überlegen sein. Die Zivilbevölkerung ist angeblich zumindest neutral. Zu allem Überfluss sollen schon zehn Stunden nach unserem Sprung die Gebirgsjäger der 4. Geb.-Div. unter General Ringel in requirierten griechischen Kaiken (Fischkuttern) landen und ab dem folgenden Morgen auch mit Ju 52-Transportern auf dem inzwischen von uns eingenommenen Flugplatz. Laufende Fliegerunterstützung durch Zerstörer- und Kampfflugzeuge ist zugesagt. Nach der Landung sollen wir auf Verbindungsleute (Agenten) achten, die sich durch das Passwort Major Bock ausweisen werden.

Die ganze Angelegenheit wird beinahe als KdF-Ausflug angesehen und wir erwarten, dass Iraklion binnen zwei Stunden nach dem Sprung in unserer Hand ist. Keiner zweifelt am restlosen Erfolg.

Am 18. Mai soll der Einsatz erfolgen. Bevor wir am Nachmittag in Iraklion springen, soll am Morgen das 3. Regiment bei Chania und das Luftlande-Sturmregiment bei Malemes abgesetzt werden, das 1. Btl. des LLSt.-Rgt. mit DFS-230-Lastenseglern. Das Rgt. 2 soll ebenfalls am Nachmittag bei Rethymnon springen. Wir sind am weitesten im Osten, Rethymnon liegt ca. 80 km weiter westlich, Chania nochmals
ca. 70 km westlich davon und Malemes wiederum 16 km weiter im Westen. Alle Regimenter haben ähnliche Aufträge.

Neuer Befehl: Der Einsatz ist um zwei Tage verschoben, der neue Termin ist der 20. Mai 1941.

Alles ist bereit, die Waffenbehälter sind neu gepackt, Sprungverpflegung ist ausgegeben, jeder Zugführer hat eine Karte und Luftbilder.

Am Abend des 19.5. fahren wir endlich zum Flugplatz Topolia, unweit unseres bisherigen Lagerplatzes. Dort zelten wir zum letzten Male. Ich verbringe den Abend mit dem Zeichnen von Kartenskizzen für unsere Gruppenführer.

Am nächsten Morgen sehen wir Schwärme von Ju 52-Transportern nach Süden ziehen. Sie fliegen das Sturmregiment und das FJR 3 zum Einsatz. Unsere Zeit wird erst mittags kommen, nachdem die Maschinen vom Morgeneinsatz zurück sind. Zu Mittag gibt es noch einmal ein gutes Feldküchenessen. Wir füllen unsere Feldflaschen mit Zitronentee und jeder bekommt noch zusätzlich zwei Zitronen als Zusatz zur Sprungverpflegung.

Die Transportstaffeln kommen vom ersten Einsatz zurück, doch werden wir trotz großer Anstrengungen nicht zeitgerecht fertig. Das Einhängen der schweren Waffenbehälter, das Betanken der Flugzeuge mit Handpumpen aus Fässern, alles in glühender Sonne und dichten Staubwolken, nimmt uns schwer mit. Unsere schönen, aber viel zu warmen Uniformen und Knochensäcke (Springerkombinationen) sind für diese Verhältnisse nicht ganz das Richtige.

Endlich, es ist inzwischen 14:30 Uhr geworden, können wir starten. So oft eine Kette abhebt, verwandelt sich der Platz in eine einzige Staubwolke. Alles, einschließlich  unserer selbst, ist von einer Staubschicht bedeckt, die Flugzeuge haben Mühe, zügig in die Luft zu kommen. Die Besatzungen haben am Morgen nur wenig Flakfeuer angetroffen und beurteilen die Lage recht optimistisch.

Wir haben über unsere gesamte Ausrüstung noch Schwimmwesten angezogen und schwitzen um die Wette. Es wird erst besser, nachdem wir in der Luft sind, durch die offenen MG-Fenster und die freie Türöffnung bläst ein angenehmer Luftstrom durch die Flugzeugkabine. (Bei Sprungeinsätzen wird immer ohne Tür geflogen). Obj. Lüders sitzt in der Ju ohne Stahlhelm, Knochensack und Maschinenpistole. Der LKW, auf dem er seine Sachen deponiert hatte, ist während des Aufrüstens der Flugzeuge abgefahren.

Wir fliegen über den Parnaß, an Athen und Piräus vorbei, über die Insel Milos nach Südosten. Über Milos fangen wir an, die Schwimmwesten auszuziehen, es ist immer noch zu heiß. Die Flugzeugbesatzung dagegen legt jetzt ihre Schwimmwesten und Fallschirme an. Wir fliegen direkt über dem Wasser, 20 bis 50 m hoch, vor uns und hinter uns Ju's soweit man sehen kann, von den versprochenen Me 110, die uns während des Absetzens unterstützen sollen, ist jedoch keine Spur. Ich trinke mit meinem Nachbarn die Feldflasche des Bordfunkers leer, ohne dass dieser es merkt.

Als die ersten Bergspitzen von Kreta am Horizont erscheinen, kommt der Befehl Fertigmachen! Wir stehen auf und hängen unsere Aufziehleinen ein. Ich bin Nr. 13, der letzte Mann, ein übler Platz, falls die Maschine abgeschossen werden sollte. Durch die Fenster sehen wir andere Ju's in schwerem Flakfeuer absetzen. Einige stürzen brennend ab.

Kurz vor der Küste zieht unser Flugzeugführer die Maschine auf 250 m hoch. Das Signal kommt Fertig zum Sprung!. Wir stehen dichtgedrängt vor der Türöffnung. Gewehr- und MG-Feuer macht sich bemerkbar. Die Hupe neben der Tür blökt und wir sind heraus und hängen am Schirm.

Die Ju's gehen mit einer Steilkurve auf Heimatkurs, während wir versuchen, uns in den wenigen Sekunden bis zur Landung zu orientieren und zu sehen, wo unsere Waffenbehälter hinfallen, die der Bordfunker ausgeklinkt hat, als der letzte Mann — ich — die Maschine verließ. Fünf Meter neben mir pendelt Adam Drescher, unser MG-Schütze 3.

Immer wieder flammt eine Ju im Anflug auf und geht stürzend in den Boden. Ich selbst sehe acht Flugzeuge, die so abgeschossen werden. Meist kommen fünf bis acht der 12 oder 13 Fallschirmjäger noch heraus, der Rest, ebenso wie die Besatzungen hat keine Chance. Eine Ju, die am Strand eine Bruchlandung macht, ist von einigen hundert Heckenschützen umzingelt, die Fallschirmjäger wehren sich zwei Tage lang, bis alle tot sind. Am wirksamsten sind offensichtlich die britischen 40 mm Bofors-Maschinenkanonen. Auch MG's und Gewehrfeuer fordern Verluste schon in den Maschinen oder am Fallschirm. Von Überraschung ist nichts zu merken und auch die Flak schießt völlig ungestört, da kein Zerstörerschutz da ist. Es stellt sich nachher heraus, dass die Tommies eine Reihe von Flak-Scheinstellungen gebaut hatten, die auch prompt von unseren Stukas zerstört wurden, während die gut getarnten echten Geschütze unversehrt blieben und auch in den Tagen vor dem Einsatz nicht auf die deutschen Aufklärer feuerten.

Unser Zug landet in einem Weinberg und wir finden schnell unsere Waffenbehälter. Nur die Bodenplatten unserer drei Granatwerfer sind sämtlich aus den Gurten gerutscht, die Sie mit ihren 25 kg-Lastenschirmen verbanden und im freien Fall aus 250 m Höhe gelandet. Es dauert lange, bis wir Sie gefunden haben, doch sind Sie dank des weichen Bodens alle unbeschädigt.

Wir sind zu weit westlich abgesetzt worden — wie wir später merken, ein glücklicher Umstand — und marschieren in Richtung Stadt. Ab und zu pfeift es mal in der Gegend von einzelnen Gewehrschüssen, doch sonst passiert nichts. Es ist inzwischen dunkel geworden und wir verbringen die Nacht in unsere Zeltbahnen gewickelt.

Während der Nacht ist auf See ein fernes Blitzen und Rumpeln wahrzunehmen. Wie es sich später herausstellt, sind es britische Flotteneinheiten, welche die Fischkutterflotte mit unseren Gebirgsjägern zusammenschießen. Nicht ein einziges der Boote kommt bis zu uns durch. Ansonsten ist die Nacht ziemlich ruhig und wir fürchten alle, den ganzen Spaß versäumt zu haben, eine sehr unbegründete Sorge!

Im Morgengrauen geht es weiter und wir kommen endlich an die Front. Das 3. Btl. liegt in zerrissenen Gruppen in der Vorstadt am Westrande der Stadt. Das Feuer ist heftig, doch nur Gewehr- und MP-Feuer und einige Schüsse 5 und 8-cm- Granatwerfer. Unser dritter Werfer (Obj. Stöwe) liegt in der Vorstadt und hat Schwierigkeiten, den Gegner zu bekämpfen, da die Entfernung zu kurz ist. Wir gehen mit unseren Werfern hinter einem Hang in Stellung, unsere B-Stelle (Beobachtungsstelle) auf der Hangkante, einige hundert Meter vor der Stadt, südlich der Straße nach Rethymnon, und nehmen den Stadtrand unter Feuer, zuerst mit Spreng-, dann mit Nebelgranaten, um die angreifenden Kompanien zu unterstützen.

Ich finde neben der B-Stelle einen noch ungeöffneten Waffenbehälter, der u.a. eine Panzerbüchse enthält und fange an, damit auf die feindlichen Scharfschützen in den Fenstern der Vorstadt zu ballern. Da die Beobachtung unmöglich wird, folgen wir mit einem Werfer unseren Schützenkompanien in die Stadt. Hinter einer Hausmauer gehen wir in Stellung, die Beobachtung erfolgt über die Mauerkrone. Auf der Straße daneben herrscht noch immer heftiges Gewehrfeuer. Nachdem unsere Munition verschossen ist, wir haben nur 24 Schuss pro Werfer, kommt der Befehl, als Schützenkompanie anzugreifen. Wir lassen den Werfer stehen und gehen entlang der Hauswände vor. Auf der Straße liegen viele tote Fallschirmjäger. Wir kommen zum Stadttor, dem einzigen in der zehn Meter hohen Stadtmauer auf dieser Seite, es ist durch eine Barrikade aus Pflastersteinen versperrt. Eine 3,7 Pak kommt vor und schießt die Barrikade von griechischen Soldaten und kretischen Zivilisten, die sich in großer Zahl am Kampf beteiligen, frei. Die Zivilisten haben zum Teil englische Militärgewehre, zum Teil auch Jagdgewehre. Wir kommen schließlich über die Barrikade durch das Tor, an anderen Stellen klettern die Fallschirmjäger wie die Affen die schräge Mauer, die heftig verteidigt wird, hinauf.

Die Kompanien sind bereits völlig auseinandergerissen, einzelne gemischte Gruppen kämpfen sich von Haus zu Haus vorwärts. Sie bestehen meist aus Leuten der 10., 11., 13. und 14. Kompanien.

Mein Zugführer, Lt. Görse, ist bereits vor der Stadtmauer gefallen, unser Kompanieführer, Oblt. Wehner, wie wir erst viel später erfahren, bereits am Fallschirm mit Herzschuss direkt durch sein EK I.

Griechen und Tommies leisten heftigen Widerstand aus Fenstern und Hausecken, wir müssen immer wieder ohne Deckung von Ecke zu Ecke springen. Meine MP hat Ladehemmungen, Sand in den Magazinen. Wir haben schon längst alle hindernden Ausrüstungsstücke außer Waffen und Munition weggeworfen, ich habe aber vorsichtshalber noch meinen Brotbeutel mit der Sprungverpflegung.

Alle schreien vor Freude, als wir endlich bis zum Meer durchstoßen und die Hafenmole 300 m vor uns sehen. Wir glauben, es fast geschafft zu haben.

Der Durst ist groß, es gibt kein Wasser, ab und zu finden wir ein paar Flaschen Limonade oder ein paar Früchte, unser Sanitäter, Willi Stöveken, ist darin unbezahlbar.

Der Angriff geht entlang der Hafenstraße weiter. Wildes Gewehr-, MG- und MP-Feuer. Handgranaten krachen. Wir kommen trotzdem vorwärts, haben aber viele Ausfälle. Major Schulz, unser Btl.-Kommandeur ist auch vorn, in der Rechten die 08. Pistole, in der Linken seine grauen Wildlederhandschuhe. Die MG-Schützen feuern im Laufen von der Schulter des Schützen 2, da Sie sonst die Hausfenster nicht erreichen können. Unsere einzige 3,7-Pak von der 14./1 ist in vorderster Linie und hilft uns viel durch direkten Beschuss auf nächste Entfernung. Ihre Bedienung besteht nur noch aus einem Oberfeldwebel, der lädt, richtet und schießt und aus einem griechischen Soldaten, der beim Vorschieben der Kanone helfen muss — zweifellos sehr gegen seinen Willen. Der Rest ist schon ausgefallen, meist durch Fußschüsse unter dem Schutzschild.

Hinter einer Hausecke sammeln wir uns - Ofw.Brückmann, unser Waffenkämmerer, Fw.Waide, Priester, Fieser und ich. Brückmann, ein Mann wie ein Kleiderschrank, springt zuerst und fällt nach zwei Metern durch Herzschuss. Dann kommt Waide, der es bis zum nächsten Straßengraben schafft. Als nächster springe ich und bekomme einen Schulterschuss ab. Ich melde mich bei Fw.Waide, der vor mir im Straßengraben liegt, ab und verschwinde wieder um die Ecke, wo mich Fieser verbindet. Ich habe Glück, der Tommy hat meinen Kopf um 10 cm verfehlt und auch keinen Knochen getroffen, sondern nur den Schultermuskel. Jupp Ischinski erscheint jetzt auch und ich setze mich mit ihm ins nächste Haus, ein Gasthaus, wo wir frühstücken. Wir sitzen in der Ecke, im toten Winkel sicher und geschützt, obwohl dauernd die Geschosse durch das Fenster herein fliegen. Im gleichen Haus liegt eine Frau mit drei Schüssen, hinter der Hausecke eine Menge Verwundete. Auf seine Bitte gebe ich einem von Ihnen, der keine Waffe mehr hat, meine kleine 6,35 FN-Privatpistole. Inzwischen ist es Abend geworden und es kommt der Befehl Alles heraus aus der Stadt!. Nach acht Stunden Häuserkampf ist die Munition zu Ende und wir können die Stadt mit dem Rest unserer Leute nicht halten. Der Feind hat hinter uns wieder zugemacht und die Stoßgruppen versuchen, wieder auszubrechen. Wir gehen am Meeresufer zurück, teilweise schon im Wasser, rutschen schließlich über die Stadtmauer und schaffen es glücklich, herauszukommen.

Die Verluste des Bataillons bei diesem Angriff waren sehr hoch, wir hören, dass im Ganzen etwa 100 Mann zurückgekommen sind. Wir gehen in den Weinbergen vor der Stadt in Stellung. Alle sind niedergeschlagen und erschöpft. Die noch vorhandene Munition wird gleichmäßig aufgeteilt, es gibt pro Karabiner 15 Schuss und pro MG einen halben Kasten (d.h. 150 Schuss). Ein MG 34 kann damit etwa neun Sekunden feuern. Die Verpflegung ist in der Stadt zurückgeblieben, wir haben großen Hunger. Zu alledem haben wir den ganzen Tag kein deutsches Flugzeug gesehen, von den erwarteten Gebirgsjägern der 4. GD ganz zu schweigen.

Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass Iraklion von zwei griechischen und zwei britischen (Engländer, Schotten und Australier) Regimentern verteidigt wird, alles vollkommen intakte Einheiten. Von unseren anderen beiden Bataillonen haben wir noch keine Nachricht.

In der Nacht werden eine Anzahl von Eseln, die in den Weinbergen nach Futter suchen, von unseren Posten mit Erfolg bekämpft, da Sie auf ihren Anruf nicht mit unserem Losungswort Reichsmarschall antworten. Am Morgen, es ist der 22.5., gehe ich zum TVP (Truppenverbandsplatz) und lasse mir eine Antitetanusspritze geben. Der TVP wird von den Verwundeten, die noch eine Waffe halten können, selbst gesichert, zum Teil Leute auf Tragbahren.

Die Reste unseres Zuges gehen auf einem Hügelrücken in Stellung, der sich in Nord-Südrichtung hinzieht. Wir liegen im Kreuzfeuer von den benachbarten Hügeln im Osten und Westen. Am Nachmittag kommt der Befehl, in die Flohburg, ein relativ solide gebautes Gehöft, zu gehen, um die Stellung der 7./2 in dieser Südwestecke unserer Position zu verstärken. Wegen des starken Gewehrfeuers und des meist deckungslosen Geländes müssen wir ein erhebliches Stück unseres Weges auf dem Bauche robbend zurücklegen. An der Flohburg feuern Heckenschützen auf uns, zwei davon können wir fangen. Am Abend gibt es ein Festessen, Ziegenfleisch ohne Salz, Fett oder Gewürz gekocht. Wir haben noch immer keinen Nachschub bekommen, dagegen haben wir heute gesehen, wie unsere Ju's ihre Lasten beim Tommy abgeworfen haben, der Hakenkreuzflaggen, die vereinbarten Fliegerzeichen ausgelegt hat. Er hat in den beiden vergangenen Tagen genügend davon erbeutet.

Am nächsten Morgen versuchen sechs britische Panzer von Süden her in die Stadt durchzubrechen, ein Mark IIA, ein mittlerer und vier Bren-Carrier. Unsere einzige übriggebliebene 3,7 Pak hat keinen Richtaufsatz mehr und auch keine panzerbrechende Munition. Die Panzerbüchsen und unser Gewehrfeuer mit SMKH-Munition zeigen bei den Panzern keine Wirkung, doch die Bren-Carrier flüchten zurück nach Süden. Die beiden Panzer brechen durch unsere Linien, jedoch ohne uns viel anhaben zu können, ihre 4 cm-Kanone ist gegen Infanterie ziemlich harmlos. Wir haben in unserer Flohburg einen richtigen Logenplatz bei diesem Intermezzo. Ein wesentlich unangenehmerer Zwischenfall ist ein Tiefangriff mit Bomben, den eine Do 17Z auf unser Gehöft durchführt, obwohl wir das Dach vorschriftsmäßig mit einer Hakenkreuzflagge gekennzeichnet haben.