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Mein erstes Auto

Ich habe meinen Führerschein erst mit 32 Jahren gemacht, als er schon recht teuer war. Mein Vater wollte mir zwar schon zu meinem 18. Geburtstag einen Gutschein für den Führerschein schenken, aber ich wehrte mich damals mit Händen und Füßen dagegen, denn ich befürchtete, dass er mich von der Schule genommen hätte, wenn ich sitzen geblieben wäre. Diese Ahnung war leider auch nicht aus der Luft gegriffen, aber davon erfuhr er erst später.  Er selbst war Berufsfahrer, war vor dem Krieg lange Jahre bei einem Gewürz-Fabrikanten Privatchauffeur und fuhr nach dem Krieg bei der amerikanischen Fahrbereitschaft in Berlin Finkenstein bereits seit 1945 schon wieder als Kraftfahrer durch Berlin. So konnte ich mir schon ausmalen, was vielleicht geschehen würde. Gott sei Dank, schaffte ich es dann noch einmal in der Schule und der Kelch ging an mir vorüber.

Im Grunde genommen war es kein Manko, denn in Berlin war zu der Zeit, also in den 50/60er Jahren das öffentliche Nahverkehrsnetz so dicht, dass man keine Mühe hatte, auch weite Strecken für geringe Fahrpreise zurückzulegen. Und was hätte ich damals schon mit einem Führerschein anfangen können, einen Wagen hätte ich mir sowieso nicht leisten können. Und auch als ich dann heiratete, vermisste ich damals jedenfalls den fahrbaren Untersatz keineswegs.

Die Zeit verging, in der Ehe kriselte es und die Scheidung stand vor der Tür. Ich wollte raus aus Berlin, ein neues Leben beginnen. Meine Firma hatte damals bereits ein weit verzweigtes Netz von Außenstellen, das zu der Zeit stark ausgebaut wurde. Aber ohne Führerschein war das für mich absolut illusorisch! Zwar würde mein Arbeitgeber einem Firmenwagen stellen, aber man musste ihn natürlich auch fahren können und nun zeigte sich, dass es besser gewesen wäre, wenn …! Aber das konnte ich ja damals mit 18 Jahren nicht ahnen.

Einer meiner Vorgesetzten, die mich gerne im Außendienst haben wollten, grub eine Bestimmung aus, nach der meine Behörde den Erwerb des Führerscheines sogar finanziell völlig übernehmen konnte. Das war echt super!

Während meiner Einweisung in den Außendienst in Hannover meldete ich mich bei einer Fahrschule in Sehnde an und lernte auf einem VW-1500 TL, der mit dem Fliesheck, abwertend für das <TL> sagte man auch traurige Lösung, was ich nie verstand. Aber gut - mein Fahrlehrer jagte mich 33 Fahrstunden lang durch Hannovers Innenstadt und die Außenbezirke. Und tatsächlich, ich bekam gleich beim ersten Anlauf meine Pappe! Nach meiner Inthronisation als Außendienstler - wir wurden damals noch Überwachungsbeamte genannt - zog ich Anfang 1968 nach Celle und durfte dort in der ersten Woche mein Büro einrichten.

Auf einer Tagung im Kurhotel in Bad Nenndorf, die ein paar Tage später begann, bekam ich dann meinen ersten Dienstwagen vor die Tür gestellt: es war ein weißer Ford 15 m! Und der hatte Lenkradschaltung! Ich hatte noch nie ein Fahrzeug mit Lenkradschaltung gefahren und dann stand es noch an einem popeligen Berg auf dem Kurparkgelände - also schlimmer hätte es nicht kommen können! Aber ein lieber Kollege, der den gleichen Wagen fuhr, gab mir gute Ratschläge und ich schaffte es dann tatsächlich, die knapp 100 km in einer richtig guten Zeit zu meinem neuen Wohnsitz nach Celle zu fahren.

Für meine damalige Bekannte, die ich mit dem neuen Wagen von ihrer Tante abholte, wo sie während der Tagung wohnte, war die Rückfahrt wohl dann doch alles andere als eine Vergnügungsfahrt. Aber sie wollte es ja so und dennoch, wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte ich auf der damals schon teilweise dreispurigen Autobahn nicht überholen dürfen und wenn der Tacho über 100 km/h anzeigte, rutschte sie mit angsterfüllten Augen langsam in den Fußraum!

Der Ford P 4 war ein spartanisches Fahrzeug, es war ein Viersitzer mit 55 PS, Frontradantrieb, Spitze 138 km/h. Es gab keine Kopfstützen, keine Sicherheitsgurte und auch nur zwei Türen. Es gab auch kein Radio, ich hätte es mir auf eigene Kosten einbauen lassen müssen, aber das wollte ich nicht - zu teuer! Trotzdem habe ich dieses Fahrzeug ca. 130.000 km unfallfrei gefahren. Er hat mich in den sieben Jahren, den ich ihn fuhr, eigentlich nie im Stich gelassen. Aber ein Mal, ich fuhr ihn erst etwa drei Jahre, kam es ganz dick! Ich hatte bei Göttingen in einem Stau und dann noch einmal in der Nähe von Frankfurt/M auf der Heimfahrt von Berlin nach Mainz, wohin ich inzwischen versetzt wurde, gleich zwei Mal einen Platten! Und das ausgerechnet an einem Wochenende - aber, das ist eine andere Geschichte!