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Meine Uhren-Geschichte

Ich habe einen Uhrentick, ja, ich liebe Uhren. Und das ulkige dabei ist, ich trage selber keine, also keine am Handgelenk oder an einer Kette oder so. Wenn ich irgendwo bin und die genaue Zeit wissen will, frage ich einfach, oder versuche, bei meinem Nachbarn am Handgelenk die Uhr zu entdecken oder ich gucke jemanden fragend an und deute mit dem rechten Zeigefinger auf mein linkes Handgelenk, wo normale Menschen ihre Armbanduhr tragen. Meistens klappt das. Ich mach das nun schon seit über 15 Jahren so, und vertraue darauf, dass mir das inzwischen niemand mehr verübelt.

Natürlich kann man sagen, dass das albern ist, …soller sich doch ne Uhr selber koofen, denn mussa keen mehr fragen! Aber ich will das auflösen: Meine letzte Armbanduhr, eine relativ teure Schweizer Markenuhr, eigentlich die teuerste meines Lebens, ist mir vom Arm regelrecht abgefallen - um nicht zu sagen abgerostet! Die feinen Gelenke des Stahlarmbandes korrodierten durch meinen Armschweiß, und eines Tages brach es auseinander. Die Uhr fiel glücklicherweise auf einen weichen Teppich, und nahm deshalb keinen Schaden. Der Uhrmachermeister, der meine Uhr quasi schon im Abonnement reparierte, erklärte mir schließlich, das könnte immer wieder passieren. Ein anderes Armband aber kann man an diese Uhr nicht anbringen, das Band ist Teil dieser immer noch wunderschönen Uhr, und deshalb entschied ich mich, sie nicht mehr zu tragen. Sie ist übrigens ein Stück Selbstbelohnung und Erinnerung an meine Pionierzeit in der DDR und den Neuen Bundesländern vor 17-18 Jahren, und da ich meinen Namen habe eingravieren lassen, ist sie eigentlich auch unverkäuflich. Soviel dazu.

Nun zu meinem Tick.
Zu Haus kann ich niemanden fragen, wie spät es ist, meine Frau trägt auch keine Uhr und der Radio sagt natürlich die Zeit immer dann, wenn ich nicht genau zuhöre. Daher hängen und stehen bei uns in jedem Zimmer gleich mehrere Uhren! Natürlich keine ordinären Wecker, es sind meist sogar kleine Schmuckstücke. Ich gebe allerdings zu, es ist keine mehr dabei, die man aufziehen muss. Es sind alles quarzgesteuerte Uhren, die meisten mit Zeigern, wie wir es seit altersher gewohnt sind, einige auch digital, also mit Zahlendisplay. Im Bad hängt sogar eine mit Tagesanzeige und Thermometer. Im Gästezimmer gibt es eine übergroße Bahnhofsuhr, eigentlich nur ein Gag, aber mich faszinierte damals dieses Riesending und ich kaufte gleich zwei Stück, um eine davon zu verschenken. Irgendwo hängt auch eine analoge 24-Stundenuhr, ebenfalls mehr ein Gag, denn es ist recht schwierig, dort die genaue Zeit abzulesen. Im Arbeitszimmer stehen und hängen mehrere Funkuhren sowie eine normale Quarzuhr mit amerikanischer Zeit, weil wir öfter mal mit Amerika telefonieren. In Florida sind es immerhin 7 Stunden Unterschied zu uns, da ist solche Trickuhr manchmal sehr hilfreich!

In der Vitrine im Wohnzimmer steht unsere erste Funkuhr, eine Junghans im schwarzen Gehäuse - sie ist gut 20 Jahre alt. Innen war ein richtiger kleiner Funkempfänger mit einer gewickelten Drahtspulenantenne, da die gefunkte Atomzeit über Langwelle empfangen wird. Die Junghans kostete damals 199,-- DM. Irgendwann ist sie mal runtergefallen und der Empfänger verendete kläglich. Ich habe dann das Funkwerk einer Billiguhr eingeschraubt - das merkt keiner, und die Uhr geht wie eh und je sekundengenau! Das war meine letzte uhrmacherische Leistung. Das Einzige, was man an Quarzuhren noch machen kann ist, die Batterie auszuwechseln. Bei älteren Uhren muss man manchmal noch die Zeit nachjustieren und die Sommer- bzw. Winterzeit manuell einstellen, aber mehr kann man nicht machen.

Neben der beschriebenen Armbanduhr habe ich auch noch eine hübsche Taschenuhr, die ich manchmal auf Reisen trage, die muss aber ständig aufgezogen werden, wie auch meine gesamte Uhrensammlung, die irgendwo in einem Pappkästchen ein verborgenes Dasein fristet. Und jetzt kann ich nun endlich den Bogen in die Vergangenheit spannen, als sich nämlich mein Uhrentick manifestierte.

Ich war ungefähr 7 Jahre alt, da schenkte mir eine Nachbarin einen alten Wecker, der nicht mehr funktionierte. Neugierig schraubte ich alles auseinander, merkte mir auch, wo die kleinen Rädchen hingehörten und entdeckte, dass die Hauptfeder gebrochen war. Die Feder für das Klingelwerk war aber noch in Ordnung. Ich tauschte die beiden Federn aus und die Uhr ging wieder. Ein Freund meines Vaters sah erstaunt, womit ich mich beschäftigte und fragte, ob er die Uhr haben könnte. Ich verkaufte sie ihm für 2 Mark, was ihn sehr  überraschte, aber das Geschäft wurde abgeschlossen. Von da an bekam ich öfter einmal einen Wecker aus der Familie und manchmal schaffte ich es, aus zwei kaputten einen heilen zu machen.

In der 4. oder 5. Klasse Ende der 1940er Jahre hatten nur ganz wenige Kinder eine Uhr. Ich fand bei Oma eine Damenuhr, wie man sie früher an einer Kette um den Hals getragen hatte. Sie funktionierte sogar noch und ich bettelte so lange, bis Oma sie einem Uhrmacher gab, der 2 Ösen anlötete und dort ein Armband befestigte. Leider war das Kronenrädchen zum Aufziehen auf der 6 oder 12 - so genau erinnere ich das nicht mehr - jedenfalls stand das Ziffernblatt nicht so, wie bei einer normalen Armbanduhr, man musste sich beim Zeitablesen schon ein wenig verrenken. Das machte aber nichts, denn ich war der erste, der in unserer Klasse eine Uhr hatte. Erst als jemand die Uhr belächelte und sie mit den Worten abqualifizierte Mensch, dett is ja ne Meechenuhr, versteckte ich sie so, dass sie keiner mehr sehen konnte.

Als ich zwei Jahre später eingesegnet wurde, bekam ich einiges Geld geschenkt. Es reichte aus, um mir eine richtige Männeruhr zu kaufen, mit Zentralsekunde und Leuchtziffern! Jetzt kannte mein Besitzerstolz keine Grenzen mehr. Sie kostete 35 DM und ich trug sie mindestens 10 Jahre.

Irgendwann mussten wir im Dienst aus bestimmten Gründen Mehrarbeit leisten, die natürlich auch vergütet wurde. Ich sparte mir davon einiges an und kaufte mir endlich meine Wunschuhr. Ich sah sie zuerst in einer Zeitungsanzeige und fortan ließ sie mich nicht mehr los. Es war eine Laco-Uhr, damals das Non-plus-Ultra - eine batteriegetriebene Uhr! Das Stellrädchen für die Zeiger war jedoch am Boden angebracht, so dass man es nicht sehen konnte. Damit hab ich dann allerhand Späßchen getrieben. Auch diese Uhr habe ich noch, sie ist allerdings heute funktionsuntüchtig.

Als es die ersten billigeren Displayuhren gab - ich erinnere mich daran, dass ein Kollege eine solche für ca. 70 DM in einem Kaffeegeschäft erstand - wollte ich so etwas natürlich auch haben. Sie hatte anstelle des Ziffernblatts ein dunkles Display. Wenn man auf einen Knopf drückte, erschienen 3-4 kleine Matrix-Leuchtziffern, und als Sekunde blinkten 2 Punkte zwischen den Zahlen. Das war mir dann doch noch zu primitiv. Kurze Zeit darauf gab es dann Ungetüme, die nicht nur die Zeit anzeigten. Sie hatten auch eine Minitastatur, so dass man dieses gute Stück auch noch als Rechner benutzen konnte. Interessant, aber für mich nicht so begehrenswert, genauso wenig wie die ersten Funkarmbanduhren, die auch recht unförmig aussahen, dafür aber über 700 DM kosteten! 

Meine nächsten drei Uhren waren Automatic-Uhren, sie zogen sich also durch die Armbewegungen selbst auf. Die letzte war eine wunderhübsche Seiko. Als die dann unglücklich runterfiel und die Reparatur viel zu teuer gewesen wäre, hatte ich noch ein paar Billig-Uhren, bis ich mir die teure Schweizeruhr leistete. Wie es dann weiterging, habe ich ja oben schon beschrieben.

Ich werde mir sicher noch einige Uhren kaufen, aber bestimmt keine Armbanduhr mehr!