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Urlaub mit Hindernissen
durch die Pfalz nach Hittisau (Vorarlberg Österreich)

Meine Tante Elly und Onkel Willi, beide wohnhaft in Pinneberg, haben sich im Jahr 1955 ein Goggomobil gekauft.

Da Onkel Willi im Sommer 1955 in den Urlaub nach Hittisau in Österreich fahren wollte, fragte er meine Ehefrau Gretel und mich, ob wir nicht Lust hätten, mit zu fahren. Wir sagten unter der Bedingung zu, dass wir ihn mit meinem Motorrad, einer Triumph CornetTriumph Cornet,
gebaut bei Triumph,
Nürnberg von 1953–1957,

Hubraum:
197 cm³, Zweitakt,
Leistung:
7,4 kW / 10 PS,
Höchstgeschwindigkeit:
102 km/h
Siehe Wikipedia.org
, begleiten werden, aber nicht in seinem Goggo. Es musste doch für einen vierzehntägigen Urlaub auch Gepäck mitgenommen werden. Nachdem das geklärt war, starteten wir zu viert von Pinneberg aus in Richtung Pfalz als Zwischenstation. Hinter den Elbbrücken kamen wir auf die Autobahn. Für den Goggo war es die erste Berührung mit einer Autobahn und Onkel Willi gab ordentlich Gas, um die mögliche Höchstgeschwindigkeit des kleinen Autos auszuloten.

Wir auf dem Motorrad kamen kaum mit, denn meine Maschine hatte eine Höchstgeschwindigkeit von etwas über einhundert Kilometer pro Stunde. Der Goggo wurde immer schneller, über hundertzwanzig Stundenkilometer, zumal es bergab ging. Ich konnte es mir nicht erklären.

Mein Onkel hielt auf einem Rastplatz an und nun kam die Erklärung, warum sich das Auto verselbstständigt hatte. Das Gaspedal hatte sich verklemmt und nur durch das Abziehen des Schlüssels kurz vor dem Parkplatz gelang es Onkel Willy den Wagen zum Stillstand zu bringen. Nachdem wir den Fehler behoben hatten, ging es weiter. In der Pfalz nahmen wir in einem Gasthof Quartier und blieben mehrere Tage dort, um die Gegend zu erkunden.

Am Abreisetag wollten wir die Rechnung begleichen, aber es war niemand da. Wir warteten noch ungefähr eine Stunde, aber es kam keiner. Wenn die kein Geld haben wollen, dachten wir, dann fahren wir einfach weiter. Aber erstaunt waren wir, als wir im nächsten Ort angehalten wurden. Es war der Gastwirt. Er war auf dem Einkaufsmarkt. Nun wurden wir unsere Schulden doch noch los.

Da das Goggomobil zur damaligen Zeit noch eine Seltenheit war, umringten uns bei jedem Halt viele interessierte Motorfans. Da der Motor ein Zweitacker war und die beiden Zündkerzen gut zugänglich waren, vertauschte ein Spaßvogel unbemerkt die Zündkabel. Beim Starten des Motors zur Weiterfahrt sprang der Motor natürlich nicht an. Das hat uns sehr viel Geduld und Nerven gekostet, denn wir wussten nicht, woran es liegen konnte. Uns zu Hilfe kam ein Herr, der uns sagte, dass er in der nächsten Ortschaft eine Goggo-Vertretung und Werkstatt hat.

Nach einem Telefonat kam ein Mechaniker, der das Problem sofort erkannte. Es waren die vertauschten Kabel. Nun fuhren wir ohne Halt bis nach Vorarlberg. Beim Aufenthalt in Hittisau machten wir eine Bekanntschaft mit Einheimischen, die gerade Hochzeit hatten, und die uns zur Feier einluden. Fröhlich und leicht beschwipst ging es am frühen Morgen zur Pension zurück. Aber was für ein Schreck, wir standen vor verschlossenen Türen. Die Wirtin hatte uns keine Schlüssel mitgegeben. Sie sagte uns, die Türen seien immer offen. Dem war aber nicht so.

Das Haus hatte eine Vorbau-Veranda, die von Säulen gehalten wurde. Ich konnte nun sehen, dass im ersten Stock ein Fenster geöffnet war. Nun habe ich mich im beschwipsten Zustand an einer Säule herauf gehangelt, durchs Fenster ins Innere des Hauses und runter zur Haustür. Nachdem ich das Kastenschloss geöffnet hatte, konnten wir Vier zum Schlafen aufs Zimmer kommen. Anderentags gab es eine heftige Diskussion mit der Wirtin. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, wurde das Verhältnis zur Vermieterin gut und der Urlaub verlief mit vielen Wanderungen sehr schön. Der Goggo und mein Motorrad brachten uns alle gesund und erholt wieder nach Hause.