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Utøya — der Inseltraum im Tyrifjorden

Es ist der 1. August 1957, als die Jugendgruppe der AOK Berlin unter Leitung von Gerd Schettling zur ersten großen Auslandsreise startet. Voller Spannung erwarten 12 Jungen und 6 Mädel die Abfahrt mit dem Bus durch die Zone in Richtung Hamburg. Ziel der Reise ist die Insel Utøya im Tyrifjorden in Norwegen.

Diese Insel, ein Naturparadies, gelangte kürzlich in die Schlagzeilen der Presse, weil ein Fanatiker in seinem Wahn dort über 80 junge Menschen ermordete, die wie wir seinerzeit Ruhe und Entspannung suchten. Unvorstellbar, diese Tragödie und das damit verbundene Leid.

Trotz langer Fahrt über Hamburg nach Flensburg mit dem InterzonenzugDer Interzonenzug verkehrte auf den Strecken von Deutschland-West nach Berlin und umgekehrt — durchquerte die DDR.
1957 wurde für Reisen innerhalb Europas der Trans-Europ-Express-Zug (TEE) eingeführt, der auch über die Vogelfluglinie nach Scandinavien fuhr. Ab 1987 wurde der TEE in Euro-City-Zug umbenannt.
, keine Müdigkeit. Nur kurz gefrühstückt und ab mit der dänischen Bahn nach Fridericia. Dort angekommen ging es mit der Dänischen Eisenbahn weiter über den Kleinen Belt, Odense bis Nyborg. Das Trajekt Størebelt brachte den Zug und uns über den Großen Belt nach Korsör. An Bord wurden kleine, rote Würstchen gereicht, eine Mischung aus Fleisch und Fisch. Schmeckte aber gut. Die hundert Kilometer bis Kopenhagen schaffte der Zug in gut einer Stunde.

Trotz der späten Stunde ging es ab zum Tivoli. Dort hatte man für uns in einem Gartenrestaurant eine Tafel reserviert, auf der die Fahnen unserer Länder standen. Der Gewerkschaftssekretär hieß uns herzlich willkommen. Dann folgte ein Dinner, das selbst unsere müden Augen verblüffte. Der Park ist mit seinen vielen Attraktionen ein Kleinod besonderer Art. Ob Springbrunnen oder Konzerthaus, Achterbahn durch Felsen oder Gondeln auf Seen, immer eine gepflegte Besonderheit — kein Rummel. Gegen 23 Uhr sahen wir noch ein getanztes Ballett in Pantomime. Zu ganz später Stunde erreichten wir unsere Herberge. Wir schliefen wie die Ratten.

Dem Frühstück am nächsten Tag folgte die Stadtrundfahrt. Alles ganz sauber und gepflegt. Das Rathaus durften wir näher in Augenschein nehmen. Viel Tradition aus der Wikingerzeit und immer der Thron für den König. Mit dem Bus erreichten wir schließlich Skosborg. Hier hatte man für uns in einem Restaurant eine Tafel gedeckt. Ob Kaviar oder anderer Fisch, feine Käsesorten oder Pasteten, alles war da, das Augen und Herz erfreute. Die Dänen lächelten über unsere erstaunten Augen. Wir sollten das Land in guter Erinnerung behalten.

Im Hafen wartete schon die Princess Margarethe, die uns nach Oslo bringen sollte. Aus Kostengründen gab es nur für Damen Kabinen. Wir Männer streiften durch das Schiff und nickten auf den Bänken ein. Das Schiff erreichte in der Zwischenzeit das Kattegat. In Oslo angekommen sprach uns ein Norweger an, der gerade aus Deutschland kam und den enormen Aufschwung lobte. Er selbst habe in Oslo einen Friseursalon und meinte, wir sollten uns bei einem Drink in einem Lokal weiter unterhalten. Also bestellten wir ein Bier, das aber nicht serviert wurde. Begründung: Der Norweger habe sich mit Deutschen an einen Tisch gesetzt. Unser Sverr, so hieß der Norweger, war entsetzt und wollte es dem Ober zeigen. Wir mussten ihn zurückhalten, doch ein Vorgeschmack blieb auf der Zunge.
Das Skagerrak lag längst hinter uns, denn wir waren schon im Oslofjord. Hier erwartete uns Kolpjonk, der unsere Norwegen-Reise begleitete. Vom Hafen brachte uns ein alter Bus über Serpentinen und an steilen Felsen vorbei bis zu der Motorfähre, die uns zur Insel Utøya brachte. Unser Ziel für die nächsten 14 Tage war erreicht.

Utøya ist eine bewaldete Insel mit Baracken aus Holz, die auf Betonstelzen stehen, damit bei Hochwasser die Häuser trocken bleiben. Diese Häuser stammen noch aus der Zeit, als Norwegen von den deutschen Truppen besetzt war. Später erwarb ein Millionär die Insel und stellte sie den Jugendlichen für Ferieneinrichtungen zur Verfügung. Riesige Räume mit doppelstöckigen Holzbetten. Wir hatten soviel Platz, dass jeder ein Bett für sich beanspruchen konnte. Unsere Mädels wohnte in einem angrenzenden Raum. Der Spisesal war gleich nebenan, Wurst, Käse, Schinken und Eier standen auf der langen Tafel. Dazu Kaffee oder Milch — alles reichlich.

Nach der Speisung wurden erst mal die Sachen ausgepackt und die Erforschung der Insel begann. In den Tälern standen auch viele Zelte für junge Leute, die hier ihre Freizeit verbringen und aus dem ganzen Land kommen. Verwaltet wird die Insel von einer Gesellschaft. Am Nachmittag dann die Führung über die ganze Insel in Begleitung eines Verwalters. Wirklich ein Paradies. Das Wasser hatte 18°Celsius und schmeckte süß! Also kein Meerwasser. Der Grund dafür ist, dass sich hier das Schmelzwasser der Berge mit dem Meerwasser vereinigt. Den Strom lieferte eine Dynamomaschine, die um 23 Uhr abgeschaltet wurde. In den Latrinen wurde im Kollektiv gearbeitet. In einem Raum saßen vier Mann nebeneinander!

Auf Reisen sammelt man immer neue Erkenntnisse. Tagsüber hatten wir dann die Insel erkundet und leichte Ruderboote gemietet, mit denen wir die Insel umrundeten. Abends trafen wir uns dann mit den Norwegern am Lagerfeuer. Geryll, das eine Mädchen, konnte wunderbar singen und so lauschten wir den leisen, traurigen Melodien. Wir antworteten dann mit deutschen Volksliedern und seltsamerweise stimmten viele Norweger mit ein. Dann folgte leise eine Mundharmonika, dazu die tanzenden Flammen — richtig romantisch. Über das Wasser schaute der Mond herüber, auf dem Wasser eine Lichtstraße hinterlassend. Als das Feuer langsam erlosch, standen wir auf und traten zusammen. Und wie auf Verabredung erklang das Lied:

Ja der Bootsmann das ist unser bestes Stück,
heijo und die Buddel mit Rum.
Mit so einem Bootsmann zu fahren, bringt Glück,
heijo und die Buddel mit Rum.
Und wenn er dann spielt auf dem Schifferklavier,
stürzt alles an Deck und dann singen wir:

heijo,heijo,heijo und die Buddel mit Rum.
Und das Schifferklavier und die Buddel mit Rum
und die Nacht ist so still und sie Sterne so stumm
und sein Mädel, das will in die Augen ihn sehn:
Ach, Hein, wie ist das Leben so schön! Heijo…

Noch einmal flackert die Flamme empor, um dann sterbend zu verlöschen. Gemeinsam pirschen wir durch den dunklen Wald zu unserem Haus. Diese Stunden gemeinsamen Erlebens sind unvergesslich.

Am nächsten Tag geht es ab nach Oslo. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichen wir die Innenstadt.

Damals hatte die ganze Stadt nur 60 000 Einwohner. An der Haltestelle wartet schon Kolpjonk auf uns. Die Führung beginnt mit dem Besuch des Radhus am Hafen. Am Eingang passiert man einen terrassenförmig angelegten Springbrunnen. Hoch über einem schwebt eine riesige, goldene astronomische Uhr. Im Innern, eine riesige Halle, deren Wände mit schreienden Farben bemalt sind. Dargestellt werden norwegische Sagen und Mären. Der Fußboden ist mit Marmorplatten ausgelegt. In den angrenzenden Räumen wechselt sich moderne Kunst mit traditioneller Malerei ab. Wahrscheinlich diente das Gebäude mehr der Repräsentation.

Nun schauen wir uns die Geschäfte an. Es ist alles sehr teuer, weil Norwegen selbst die Lebensmittel einführen muss. Die Straßen sind alle sehr sauber, aber die Häuser sehen eher grau aus. Die Flotte aber sei trotz der Verluste im letzten Krieg gewachsen, sagte Kolpjonk. Der Kontrast zu Dänemark ist jedoch erkennbar.

Hoch über den Dächern der Stadt, mit Blick auf den Oslofjord, werden wir in einem Restaurant von Vertretern der norwegischen Gewerkschaft empfangen. Die lange Tafel, streng nach gesellschaftlicher Etikette gedeckt. Hier bekommen wir wieder die Kälte der Norweger zu spüren. Es lag Spannung in der Luft. In einer kurzen Ansprache erwähnte der erste Sekretär auch die Zeit von 1933 bis 1945. Es war peinlich still. Gerd antwortete ebenso knapp. Auch während des Dinners fiel kein Wort. Nach Übergabe unseres Gastgeschenkes — eine Ledermappe mit dem Symbol Berlins — verabschiedeten wir uns schnell. Dabei dachten alle an den herzlichen Empfang in Dänemark.

Wir durften uns noch die Krankenkasse anschauen. In Norwegen gibt es nur eine Einheitskrankenkasse. Das Kommunikationssystem war seinerzeit noch veraltet. Mit Kurbel drehen und die Dame vom Amt verlangen.

Mit der Straßenbahn ging es dann zum Vigelandpark — eine Art Nationalpark. Der Künstler hatte versucht, den Menschen in allen Lebenslagen darzustellen. Rosenbeete und Skulpturen von Menschen in allen Altersstufen und in unterschiedlichen Lebenssituationen. Herkulesse, die miteinander ringen, ein verliebtes Pärchen, spielende Kinder und zwei Säulen aus Menschen, die sich empor ringen. Schließlich ein großer Springbrunnen mit Gestalten, die diesen tragen. Und zum Abschluss, der große Obelisk aus nackten Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter. Es ist sehr gewöhnungsbedürftig zu sehen, wie sich die nackten Menschen ineinander verflechten. Selbst die Norweger hatten damit seinerzeit Probleme.

Am späten Nachmittag führte uns Kolpjonk noch zum National Teater und zur U-Bahn, die aber nur zwei Stationen unter der Erde fuhr und wie eine Gebirgsbahn aussah — die Wagen aus Holz! Tatsächlich fährt die Bahn, nach der Stadt in die Berge, bis zu den Holmenkollbakken — die berühmte Olympia-Sprungschanze. Gigantisch erhebt sich der Betonkoloss 50 m in den Himmel.

Und der Blick von oben auf das Stadion, den Fjord und auf die Stadt ist einfach grandios.
Todmüde gelangten wir wieder auf die Insel, essen und ins Bett. An den folgenden Tagen genossen wir alle die Ruhe der Insel und der Natur. Zur Abwechslung wurde gesorgt, ob Schachspiel oder nur das Lauschen zur Klaviermusik. Mich zog der Schießstand an, denn ich wollte die 12 ergattern.

Gegen Abend gesellten sich norwegische Mädchen zu uns. Die Verständigung war miserabel, aber doch so gut, dass ein Pärchen nach dem anderen dunklere Orte vorzog. Jedenfalls waren von diesem Abend an die hübschen Geschöpfe regelmäßig bei uns. Wir waren ausgeschlafen und wollten eigentlich noch nicht ins Bett. So wurde in den Betten getobt und Witze kursierten in der Runde. Als dann endlich Ruhe eintrat, machten die norwegischen Mädels Radau. Also füllten wir unsere Schüsseln mit Wasser und schütteten es aus den Fenstern. Erfolg: die Mädels schrien nach mehr Wasser!

Kaum waren die Norwegerinnen beruhigt, wurden unsere Mädchen nebenan munter. Das Geschnatter wollte nicht enden. Dazu hatte ein Mädchen, meine spätere Verlobte, ein aufziehbares Schweinchen, das sie auf ihrer Barackenseite, ausgerechnet an meiner Wand, entlanglaufen ließ. Alles ist ruhig, nur dieses Geräusch. Ich schwor fürchterliche Rache! Doch es kam anders. Einstimmig wurde beschlossen, dass die Mädchen auf Kosten ihrer Gruppenkasse jedem Jungen eine Flasche Bier zu spenden haben. Jede weitere 10 Minuten Krach, eine weitere Flasche Bier.

Bei der Bekanntgabe des Beschlusses am nächsten Tag ernteten wir nur Empörung!

Für den nächsten Tag wurde die große Seeschlacht ausgerufen. Für jedes Schiff bildete sich eine Besatzung, die die Aufgabe hatte, an der Küste der Insel versteckte Flaschenpost zu erbeuten. Die Sieger bekamen 5 Kronen. Der Wettkampf begann bei ziemlichem Wellengang, so dass die leichten Boote gar nicht an die Küste herankamen. Also betätigte ich mich als Kampfschwimmer und holte entdeckte Beute an Bord. Tatsächlich errang unser Boot die Trophäe. Nach erfolgreicher Schlacht wurden wir im Hafen von den Mädchen begrüßt und zum Festschmaus geleitet.

Am Abend dieses denkwürdigen Tages suchten wir unsere Schlafanzüge. Nichts zu finden! Schließlich entdeckten wir im letzten Bett unsere Nachtkleider, alle zusammengenäht und die Ärmel zugesteppt. Mit furchtbarem Geheul stürzte sich jeder auf sein Teil. Am nächsten Tag haben wir aber es den Übeltätern dreifach heimgezahlt. Einer von ihnen kam immer sehr spät ins Haus. Am Abend haben wir ihm die Bretter aus dem Bett genommen und stattdessen dünne Leisten eingespannt, die gerade den Strohsack halten konnten. Alles lag natürlich auf der Lauer und harrte der Dinge, die geschehen sollten. Nicht alle waren aber eingeweiht.

Unser lieber Harald kam leise, um ja keinen zu stören, nicht einmal Licht machte er an. Schnell zog er sich aus und stieg die kleine Leiter hinauf in sein Bett. Langsam ließ er sich fallen, doch der Fall wollte kein Ende nehmen. Ein fürchterlicher Fluch entrang sich seiner bedrängten Seele. Halb durchgerutscht, mit Achtern in der Luft hängend, hatte er sich in den Decken verfangen. Ein köstlicher Anblick…

Am nächsten Tag verließen wir wieder die Insel und fuhren mit dem Bus nach Hönefoss, einer kleinen Ortschaft. Von da mit dem Sessellift zu Kongens Utsicht. Etwa 100 m unter dem Gipfel mussten wir aussteigen und den Rest zu Fuß bewältigen. Mühevolle Kletterei über Bäche, Geröll und Gestein. Überwältigt von dem Anblick blieben wir andächtig stehen. Da kann man weit ins Land sehen und zu Füßen liegt der herrliche Tyri-Fjord. Wie klein die Häuschen und die Brücken sind und wie winzig so ein Bus, der sich die Bergstraße nach oben schlängelt. Aber der Mensch, der sich erhaben über alle Nichtigkeiten fühlt, sollte daran denken, dass er wieder zurück muss und dann genau so klein wie eine Ameise ist. Es ist nicht leicht, in einem solchen Augenblick die Realität zu bewahren.

Beim Abstieg höre ich hinter mir einen Schrei. Als ich mich umdrehe, sehe ich Helga auf einem Bein balancieren. Der Schuh des anderen Fußes steckte im Morast. Schade, meine Kamera war nicht schussbereit. Schnell aber war der Schaden behoben.

Am folgenden Tag eroberten wir die Nachbarinseln. Oft konnte man sich den Weg nur mit dem Haumesser (Machete) bahnen durch das dichte Unterholz. Herrliche Wälder und viele Waldbeeren. Natur pur. Oft sind wir in den Abendstunden hinaus gerudert, manchmal hatte einer seinen Schnauzenhobel (Mundharmonika) dabei und spielte romantische Lieder. Wer dann noch ein Mädel im Arm hatte, konnte träumen.

Schnell, viel zu schnell sind die Tage vergangen. Doch es sollte noch die letzte und größte Tour in die Berge bewältigt werden. Ein Bus holte uns morgens von der Insel ab. Im Wagen trafen wir Polen, die aus Allenstein, Danzig und Warschau kamen. Im Zuge des Studentenaustauschs waren sie auf dem Weg nach Dänemark. Wir erfuhren von den Schwierigkeiten in ihrer Heimat und von der miserablen sozialen Stellung. Normalerweise könnte sich niemand solch eine Reise leisten. Man sah es an der Kleidung und erkannte die Unfreiheit gegenüber dem Westen. Auf der Rückfahrt wollten sie über Berlin nach Polen zurückfahren. Wir luden sie nach Westberlin ein und sie kamen tatsächlich!

Schon nach drei Stunden Busfahrt eine Pause. Die Kolbenringe eines Zylinders hatten sich festgefressen. Die Wartezeit nutzten wir, um Blaubeeren und Himbeeren zu sammeln. Ein wahrer Genuss. Dann brachte uns ein Ersatzbus in schneller Fahrt zum Gausta. Der Berg überragt alle seine Nachbarn gewaltig. Vor dem Aufstieg, aber erst einmal in ein Restaurant. Dann brachte uns die Seilbahn 400 m steil empor zu einem Brocken gegenüber dem Gausta. Ein herrlicher Blick auf das pyramidenförmige Haupt in den Wolken. Da kommt geradezu Andacht auf. Tief unter uns das kleine schmale Tal mit den Bergwerken.

Norwegen ist ein schönes Land, wenngleich die Menschen sehr arm sind. Aber sie sind stolz auf ihre Heimat und auf ihren König. Auf der Rückfahrt noch einmal eine Panne und Einkehr in eine kleine Gaststätte. Gemütlich mit dezenter Musik. Gegen 22 Uhr erreichten wir nach der Tagesfahrt — etwa 500 km — wieder die Insel Utøya.

Der letzte Tag auf der Insel. Dazu hatten wir den Aufenthaltsraum umgestaltet und alle Norweger und das Küchenpersonal eingeladen. Wir saßen in bunter Reihe und lauschten Gerds Abschieds- und Dankesworten, verbunden mit dem Wunsch, die Norweger in Berlin einmal begrüßen zu können. Dann wurde aus der Lagerzeitung vorgelesen — in humoristischer Weise verfasste Begebenheiten. Danach Musik und Tanz und zum Abschluss das Lagerfeuer.

Flamme empor, Flamme empor!
Steige mit loderndem Scheine,
von den Gebirgen empor…

Jeder ging wohl seinen eigenen Gedanken nach. Am nächsten Morgen ging alles schnell. Mit dem Bus zum Hafen und mit der Princess Margrette nach Kopenhagen. Diesmal organisierten wir die Rückfahrt besser und schliefen gemeinsam mit den Mädels dicht gedrängt in den Kojen. Eine Stewardess machte uns zwar darauf aufmerksam, dass dies nur Damenkabinen seien, hatte aber verstanden, als wir ihr 20 Kronen zahlten.

In Kopenhagen empfing uns Inga Stal, die für uns den Aufenthalt in Dänemark arrangiert hatte. Mit der dänischen Staatsbahn ging es dann ab in Richtung Hamburg. Gegen 24 Uhr erreichten wir dann das Seemannheim in St. Pauli.

Viel haben wir erlebt auf dieser ersten Weltreise und die Erinnerungen haben sich fest ins Gedächtnis eingeprägt. Wieder in Berlin trafen wir uns, Helga und ich, an der Normaluhr am Zoo zur Interbau. Das war unser Anfang — mit dem Schweinchen von Utøya!