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Weihnachtliches Festmahl

Wieder einmal geht ein Jahr zu Ende, in die Fenster werden Lichter gestellt und es weihnachtet, wo man hinschaut. Meine Frau macht sich Gedanken über unser diesjähriges Festmahl am ersten Weihnachtsfeiertag. Möchtest du in diesem Jahr einmal Karpfen essen? neckt sie mich, denn sie kennt meine Abneigung gegen diesen FischLesen Sie auch meine Geschichte:
Karpenfest in Reinfeld
oder:
Warum ich keinen Karpfen essen mag
, die seit meiner Kindheit besteht. Ich habe aber auch eine Gänsebrust im Kühlschrank, beruhigt sie mich sogleich. Mit Rotkohl und Knödeln, wäre das recht?, fragt sie noch. Was für Knödel? frage ich zurück. Ich habe hier noch eine Packung fertige Knödel, die gehen ganz schnell, meint sie daraufhin.

Mir kommt in den Sinn, wie meine Mutter früher Klöße gekocht hat, auf ostpreußische Art von rohen und gekochten Kartoffeln, halb und halb. Als Kind habe ich sie aber nicht gerade besonders gern gegessen. Lass uns doch richtige Kartoffelklöße machen, wie meine Mutter sie immer gekocht hat, lautet mein Vorschlag. Die machst du aber selber, dafür fehlt mir das Verständnis, ich bin schließlich nicht aus Ostpreußen, antwortet meine Frau.
Auch das Kochen ist eine kreative Arbeit, die ich gerne mache und so werden wir uns über die Speisefolge zum ersten Weihnachtstag schnell einig.

Ich erinnere mich, wie glücklich meine Mutter Anfang der 1950er Jahre über ein weihnachtliches Büchergeschenk war, in dem viele ostpreußische Gerichte und ihre Zubereitung beschrieben waren. Doennings Kochbuch war wie ein Stück Heimat für sie und es wurde schnell ihr Lieblingskochbuch. Nach dem Tod meiner Eltern haben wir dieses Prachtstück mit den vielen losen handgeschriebenen Notizen und Rezepten meiner Mutter geerbt und schauen gern dort hinein. Knödel, denke ich, kann man doch selber machen, die müssen nicht auch noch fertig gekauft werden. Es kommt sowieso schon alles aus dem Fertigwarenregal, vollgestopft mit Regulatoren, Stabilisatoren, Emulgatoren, Farbstoffen, Geschmacksverstärkern und was Lebensmittelchemiker noch alles erfunden haben, um uns Verbrauchern das Leben leicht, angenehm und zeitsparend zu machen.

Ich schlage das rote, mütterliche Kochbuch auf und suche nach Knödeln, kann aber keinen Eintrag im Inhaltsverzeichnis finden. Das Wort Knödel ist ja auch eher in Süddeutschland gebräuchlich, im Norden, Westen und auch in Ostpreußen nannte man die runden Beilagen Klöße. Klöße von garen und rohen Kartoffeln, ich bin fündig geworden. Die angegebenen Mengen müssen aber heruntergerechnet werden, früher saßen wohl mehr Leute am Tisch als heute.

Das Rezept für vier bis sechs Personen ist ganz einfach:
  • 500g mit der Schale gekochte, geschälte Kartoffeln,
  • 1½ kg geschälte, rohe Kartoffeln,
  • 50 – 75g Mehl,
  • 1 Ei, Salz,
  • eine Prise Muskatnuss
Die rohen Kartoffeln werden in eine Schüssel mit Wasser gerieben, dann in einem Tuch gut ausgepresst. Die im Wasser abgesonderte Stärke wird wieder zu den Kartoffeln gegeben. Die am Tage zuvor gekochten Kartoffeln werden gepellt, gerieben und mit den ausgedrückten, rohen Kartoffeln gemischt. Man gibt Mehl, Ei, Salz und eine Prise Muskatnuss hinzu und arbeitet alles gut durch, kocht einen Kloß zur Probe. Ist er zu fest, gibt man etwas Wasser, ist er zu lose, etwas Mehl hinzu.
Die Klöße werden geformt, in kochendem Salzwasser abgekocht. Sie sind gar, wenn sie an die Oberfläche steigen.

Am ersten Weihnachtstag gab es dann einen Gänsebraten mit brauner Soße, Rotkohl und Kartoffelklößen, wie früher und alles selbstgemacht. Der Zeitaufwand für die Zubereitung ist viel geringer, als die Werbung für Fertigprodukte uns weismachen will. Darüber, welche Klöße besser schmecken, kann man allerdings streiten, denn bei den selbstgemachten bekommt die Zunge wieder etwas zu tun, muss die feinen Geschmacksnuancen ergründen, ohne die Regulatoren, Stabilisatoren, Emulgatoren, Farbstoffe, Hefen und Geschmacksverstärker der Fertigprodukte.

Über Renate Rubachs Erfahrungen mit Klößen lesen Sie in ihrer Geschichte: Die gewonnene Pute