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Zweiteilige Badeanzüge trugen schon die Damen in den Badehäusern des alten Pompeji. Der moderne zweiteilige Badeanzug - Bikini genannt - ist 1946 neu kreiert worden. Aber auch vor dem Krieg haben vor allem junge, sehr fortschrittlich und sehr modisch orientierte Damen Zweiteiler getragen. Meine Tante Maria, die damals in Berlin lebte, trug so einen!, erinnert sich unsere Autorin, sie habe 2 Fotos, auf denen man dies genau erkennen kann.
Als 13 ½ -Jährige trug sie im Sommer 1940 auch schon so einen zweiteiligen Badeanzug. Wie es dazu kam, schildert sie in der nachfolgenden Geschichte.

Der geteilte Badeanzug

Seit einem halben Jahr war Krieg. Eine gewisse Knappheit in manchen Dingen war zu spüren. Das lag aber sicher daran, dass viele Artikel einfach zurückgehalten wurden. Man konnte sich eigentlich noch fast alles besorgen. Es gab Lebensmittelkarten, Kleiderkarten und für Besonderheiten gab es Bezugscheine.

Wie in jedem Jahr, so im März/April, wurden die Sommersachen vom Vorjahr anprobiert, ob man hie und da einen Saum oder noch eine Seitennaht auslassen konnte und so das Kleidungsstück noch eine Weile passen würde. Hauptsache -heil und sauber- war die Devise. Oftmals half aber auch ein sehr muckschiges Gesicht, damit das umgeänderte Kleid von Tante Frida endlich in den Plünnbeutel wandern konnte. Zuletzt kam der Badeanzug an die Reihe. Meine Mutter zupfte hier und zupfte da, ich machte mich ordentlich lang, damit der Badeanzug auch wirklich zu kurz aussah. Ne sagte sie kopfschüttelnd, so kannst du nicht gehen. Das war das Stichwort, auf das ich gewartet hatte und sagte so ganz nebenher: Durchschneiden.

Meine Mutter: Was — durchschneiden?

Ich: Den Badeanzug, in der Mitte durchschneiden, oben umsäumen, die Hose umsäumen, Gummiband einziehen und dann passt er wieder. Aber das geht doch nicht sagte sie, dann sieht man doch deinen Bauch!

Das macht doch nichts, die meiste Zeit bin ich doch sowieso unter Wasser. ALLE in meiner Klasse haben das so gemacht, einige haben sogar schon einen richtigen zweiteiligen Badeanzug.

Ich hätte wohl nicht so übertreiben sollen, sie schaute mich sehr skeptisch an. Alle? Na ja, welche hinken ja immer hinterher, da gehöre ich ja auch zu, kriege auch nie, was ich gerne möchte. Mein Vater hinter seiner Zeitung, …nicht in diesem Ton, bitte!

Das war's dann also! Modenschau beendet. Ich zog mich wieder um und murmelte dann noch leise: Ischa waaa!

In der nächsten Woche kam jeden Tag eine von den wenigen Mädchen aus meiner Klasse, die schon einen zweigeteilten Badeanzug hatten, um mich zum Schwimmen abzuholen. Aber ich konnte ja nicht, ich hatte ja keinen Badeanzug!

Meine Mutter erkundigte sich immer, ob denn der Badeanzug vom Vorjahr noch gepasst hätte und bekam dann die abgesprochene Auskunft. Nö, hat er nicht, meine Mutter hat ihn einfach durchgeschnitten.

Dann kam aber doch noch der große Tag. Ich musste den Badeanzug wieder anprobieren und meine Mutter nahm ganz genau Maß, damit das Unterteil auch so hoch war, dass der Bauchnabel bedeckt war. Das Oberteil passte noch, man hatte ja noch nicht so viel zu bändigen. Ach hab' ich mich gefreut! Ein tolles Schwimmgefühl — soviel freie Haut!

Wenn ich heute so die Tanga- und String-Bikinis sehe, war das, was mich damals so glücklich machte, eher ein Top mit Shorts.

Die Geschichte geht weiter, lesen Sie auch: Ein Badeanzug geteilt durch vier