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Der Eintopfsonntag

Nach der Machtübernahme, am 30. Januar 1933, wurden viele Veränderungen für die Deutschen Volksgenossen eingeführt. So auch der Eintopfsonntag01. Oktober 1933; Das NS-Regime führt den Eintopfsonntag ein. (Siehe Zeittafel der Machtübernahme 1933).

Es wurde befohlen, einen Sonntag im Monat, statt eines Bratens, ein Eintopfgericht auf den Tisch zu bringen. Die Differenz zwischen Braten und Eintopf sollte dem Winterhilfswerk gespendet werden.

Am Eintopfsonntag machte der Blockwart in SA Uniform seine Runde. Mit Sammelbüchse und Namensliste kam er an jede Wohnungstür. Kein Mensch hätte gewagt, die Tür nicht zu öffnen.

Einmal sagte der Blockwart zu meiner Mutter, bei Ihnen riecht es aber auch nicht nach Erbsensuppe?! Nein! sagte sie, ich habe den Rest Gulasch vom Freitag zusammen mit Kartoffeln im Topf, das tut es wohl auch!

Sie hielt ihm ihre offene Hand mit Geld entgegen und passte auf, dass die 35 Reichspfennige auch richtig eingetragen wurden.

Der Blockwart, unser war ziemlich klein und dick, grüßte zackig mit erhobenem rechten Arm — Heil Hitler — und meine Mutter machte die Wohnungstür wieder zu. Sie holte tief Luft und sagte, so, nun haben wir wieder einen Monat Ruhe.

Es war nicht ganz ungefährlich, dass meine Eltern so offen ihre Abneigung zeigten. Aber später wurden sie auch diplomatischer. Wie so üblich in solchen Zeiten, wurde auch dieses neue Brauchtum vom Volk verhonepiepelt.

Ein Schlager wurde umgetextet, zu singen nach der Melodie Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt…

Wenn am Sonntagabend der Reichskanzler spricht,
Eintopfgericht, Zweitopfgericht Grünkohl,

Manche kleine Hausfrau den Kopf sich zerbricht,
Eintopfgericht, Zweitopfgericht Grünkohl.

Und der dicke Göring will immer noch einmal
und der kleine Goebbels sitzt lächelnd dabei…