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Die Adolf-Kanone

Vor einigen Jahren sind wir mit dem Schiff von Bergen aus an der Küste Norwegens bis zum Nordkap und weiter bis nach Kirkenes an der russischen Grenze gefahren. Dann ging es wieder zurück von Hafen zu Hafen- denn unser Schiff war in Postdampfer der jeden Hafen anläuft — im Ganzen 34 Häfen.

In Harsted, einer Stadt auf einer Insel der Westeralen, die vor Narvik liegt Machten wir eine Bustour. Wir bekamen eine patente Reiseleiterin, die uns ihre Heimat gut erklären konnte. Sigrid hieß sie, und sie war eine vergnügte Frau. Zum Beispiel erzählte sie uns, das die Durchschnitttemperatur im Dezember bei 2,8°c liegt.. Das heißt, meinte sie, wir haben hier wenig Schnee und viel Glatteis. Deshalb bekommen wir mit den Jahren breite Füße, damit wir die Balance besser halten können. So etwas kann man doch nicht vergessen.

Sie fuhr mit uns zur Adolf-Kanone. Wir konnten uns darunter nichts vorstellen und waren neugierig, was das wohl sein könnte.
Die Adolf-Kanone ist mit drei anderen von der Organisation Todt im zweiten Weltkrieg auf der Halbinsel Trondenes aufgestellt worden. Sie sollte die Einfahrt zum Hafen von Narvik schützen vor englischen U-Booten und Kriegsschiffen. Gedacht waren die Kanonen für große Schlachtschiffe, die nicht mehr gebaut werden konnten. Die Kanonen waren fertig und kamen so nach Norwegen.
Sie stehen auf einem Unterbau und können in jede Richtung gedreht werden. Um die Kanone zu bedienen wurden vierundsechzig Mann gebraucht. Sie ist ein riesiges Monstrum. Wir waren mit zwanzig Personen in dem Umbau der Kanone. Das Kanonenrohr hat Platz für einen Menschen. Um es zu putzen- es ist über zwanzig Meter lang- muss einer hinein kriechen. Wenn er Platzangst bekommen würde, könnte man ihn mit einem Seil, das er an einem Bein befestigt wurde, herausziehen. Das ist kein Märchen sondern Tatsache. Nebenbei: Sigrid ist in dem Rohr gewesen, wir haben die Bilder gesehen.

Die Kanone hatte zwei verschiedene Granaten, eine wog 1000 kg — die andere 600 kg. Die schwere flog 42 km weit, die leichtere 56 km. Dabei traf sie auf 100 Meter genau. Die Schubkraft war so groß, dass die Granaten erstmal 21 800 m hoch in die Luft flogen. Sehen konnte man sie nicht aber hören- sie jaulte fürchterlich. Nach zwei Minuten und zehn Sekunden war das Ziel getroffen.

Abgeschossen wurde von der scharfen Munition keine. Man hat die Kanonen nur mit unscharfen getestet wegen der Treffsicherheit. Die englischen Oberen der Kriegsmarine hatten von den großen Kanonen gehört und großen Respekt davor, sie haben ihre Schiffe nie dorthin fahren lassen.

Nach dem Krieg haben norwegische Soldaten eine Ausbildung an dieser Kanone unter Anderem bekommen. Sie haben dabei festgestellt, dass diese Angaben stimmen. Sie haben einmal einen Probeschuss abgegeben- natürlich mit unscharfer Granate- und damit ein Fischerboot versenkt!! Gott sei Dank gab es keine Toten und Verletzten dabei. Wenn man sich das vorstellt, dass dies alles im Krieg möglich war. Furcht erregend!! Die Adolf-Kanone steht an einem Gebiet, das zu einer Kaserne gehört, wird also stets bewacht — genau so wie die Elche- die in diesem Gebiet leben.

All dies haben wir zu sehen und hören bekommen. Wie gesagt ein Monstrum ist diese Kanone. Heute kann man sie besichtigen. Schießen wird sie wohl nie wieder — und das ist auch gut so.