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Kriegsende

Mein Vater wurde 1945, kurz vor Kriegsende, herangezogen und musste den Volkssturm aufbauen. Das hieß, er sollte ihnen noch das Schießen mit dem Kleinkalibergewehr beibringen. Dazu wurde ihm diese Waffe ins Haus gebracht und die Munition auch.
Er zog also mit den Leuten in die Garstedter Feldmark, um seinem Auftrag nachzukommen. Was sie dort gemacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls stand das Gewehr monatelang neben dem Esszimmerschrank in der Ecke und die Munition in einer Zigarrenkiste stand oben auf dem Schrank.

Als nun die Engländer immer näher kamen und wir rätselten, ob die uns am Ende des Dorfes überhaupt finden würden, passierte eines Tages folgendes: Ich kam zurück vom Milchholen und stand vor unserer Gartenpforte, als ich ein mir unbekanntes Geräusch hörte. Es war ein kettenbetriebenes Gefährt mit englischen Kennzeichen.
   
Die englischen Soldaten hatten drei deutsche Landser aufgegriffen und  nahmen ihnen die Armbanduhren ab. Dann fuhren sie an unserem Haus vorbei ins Dorf hinein. Von dieser Seite hatten wir sie überhaupt nicht erwartet. Ich hatte mich natürlich hinter unserem Gitter versteckt.

Nach ein paar Tagen, als sich die Besatzer in der Schule an der Niendorfer Straße eingerichtet hatten, kam der Aufruf, dass alle Waffen abgegeben werden mussten.

So machte sich mein Vater auf den Weg dorthin. Er nahm das Gewehr über die Schulter, die Zigarrenkiste klemmte er sich unter den Arm und ging los. An der Pforte zum Schulhof stand ein Posten, der sofort seine MP auf meinen Vater richtete. Unerschrocken ging er auf ihn zu und sagte, dass er das Gewehr gerne loswerden würde. Er wurde dann in die Schule gebracht zu dem Vorgesetzten, welchen Rang der hatte, weiß ich nicht. Jedenfalls bat mein Vater, dass endlich die MP nicht mehr auf ihn gerichtet werden würde. Dem wurde sofort entsprochen. Es wurde ihm das Gewehr abgenommen und er ließ sich noch schriftlich bestätigen, dass er das Gewehr abgeliefert hatte.

Das Schriftstück hatte Seltenheitswert.