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Schwein treiben

Früher ging von unserer Küche aus eine Tür zur Waschküche, die zwei Stufen tiefer lag. Von dort aus ging eine Tür auf einen kleinen Gang und links davon war der Schweinestall mit dem Futtertrog. Geradeaus war die Tür zum Hühnerstall und auf der rechten Seite die Tür nach draußen mit einer kleinen Treppe — auch zwei Stufen. Mein Bruder Uwe will unserem Vater eine Arbeit abnehmen und den Schweinestall ausmisten. Er hat die Luke auf der anderen Seite aufgemacht und eine Schubkarre darunter gestellt. Da soll der Mist rein, doch erst muss er frisches Stroh vom Boden holen.

Uwe war tüchtig dabei, da kriegt unser Schwein Lust auf einen Spaziergang durch unseren Garten. Das Tier saust Uwe durch die Beine und aus der Luke über die Schubkarre weg an die frische Luft. Uwe liegt im Stall und kommt wieder auf die Füße. Durch den Lärm sind unsere Mutter, unsere Großmutter und ich in den Stall gelaufen und sehen das Malheur. Was ist zu tun? Das Schwein muss ja wieder in den Stall, aber wie soll das gehen? Wie kriegen wir das Tier wieder rein und die Treppe hoch? Erstmal macht Uwe den Stall klar, die Luke zu und frisches Stroh rein.

Wir vier versuchen das Schwein um das Haus zu treiben, aber es will nicht so wie wir das wollen. Unser Nachbar Wilhelm Sellhorn nimmt unser Treiben wahr und kommt uns zu Hilfe. Er meint: Das ist nicht so schlimm, das kriegen wir ganz leicht wieder hin. Habt ihr einen Knüppel so lang wie ein Handstock? Uwe holt unseren Kippelkappelstock. Wilhelm Sellhorn nimmt ihn und geht zu dem Schwein hin. Er spricht die ganze Zeit mit dem Tier. Erst streichelt er es mit dem Knüppel über den Rücken und dann kriegt er den Kringelschwanz mit der einen Hand zu fassen und mit der anderen Hand steckt er den Knüppel hinter das Schweineohr. Immer redet er dabei auf das Schwein ein und dann gehen die beiden ganz sinnig um das Haus herum und wir vier hinterher. Zu Schade, dass da niemand ist mit einem Fotoapparat, um diesen Umzug auf einem Bild festzuhalten.

Ganz langsam geht das Schwein an der Seite unseres Nachbarn um das Haus herum und dann die zwei Stufen rauf in seinen Stall. Die Stalltür wird zugemacht und Wilhelm Sellhorn sagt: So, das haben wir, war doch ganz einfach. Dann geht er wieder über die Straße nach Hause. Wir waren alle platt — so einfach war das nicht gewesen. Wer weiß denn wie man so ein Schwein steuern kann und auch noch treppauf?

Aber wir sind froh, dass unser Schwein wieder in seinem Stall ist. Den alten Schrubber mit den ganz kurzen Borsten haben wir hergekriegt und damit hat das Schwein jeden Tag seine nötige Rückenmassage bekommen. Dazu quiekt es vor Vergnügen.