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Heimliche Kriegsausbildung ?

Es kann so um 1935/36 gewesen sein. Die genaue Jahreszahl weiß ich heute leider nicht mehr. Zwar scheint mein Genosse Gehirn noch ganz gut zu funktionieren, aber hier und da bröckelt es wohl doch schon, wie hier, wenn ich mich an die genaue Jahreszahl erinnern soll, aber die Geschichte, die ich jetzt erzählen will, hat sich so zugetragen.

Eines Tages erhielten alle wehrpflichtigen Männer unseres Kirchenspiels einen - na sagen wir mal - Gestellungsbefehl. Sie haben am Sonnabend, den soundsovielten in Rodebach im Saal Kranich um Punkt-punkt-punkt Uhr zu erscheinen. Alle jungen Männer, also auch mein Bruder und mein Schwager hatten solch ein Schreiben bekommen. So standen sie nun zusammen und sie fragten sich, was das zu bedeuten hätte. Das Papierchen sah recht dienstlich aus, also gingen sie hin, ob aus Neugierde oder Pflichtgefühl, keine Ahnung!

Die kalte Jahreszeit war noch nicht vorbei, es wurde früh dunkel und es war kalt. Im Saal wurden die Eingeladenen - ich will nicht sagen Vorgeladenen - von SA-Mitgliedern in voller Uniform empfangen. Einer von ihnen, ein Bauerssohn aus dem Nachbarort, allen natürlich bekannt, erklärte dann in einer kurzen Ansprache, warum man hier sei und dass man ab sofort an jedem Sonnabend-Abend hier im Saal Übungen militärischer Art machen würde. Das sorgte natürlich für Unruhe und schließlich kam es zu einem heftigen Disput, in dessen Verlauf mein Bruder den Volksgenossen mit Vornamen ansprach. Der wäre dann puterrot geworden und habe ihn angefahren: Pionier D…., das heißt nicht Ernst sondern Herr Unteroffizier, darauf habe er erst einmal ziemlich verwundert aus der Wäsche geguckt und dann erwidert: Nu mal langsam, als wir uns heute Nachmittag beim Überholen unserer Weidezäune trafen, waren wir noch per Du, da hieß es noch Ernst und Emil und jetzt soll ich zu Dir Herr Unteroffizier sagen - am liebsten hätte er noch nachgeschoben Du Knallkopp, aber er biss sich auf die Lippen und schwächte seinen Unmut ab mit den Worten: Da lachen ja die Hühner!

Am Ende der Vorstellung erhielten alle nochmals den Befehl, am nächsten Sonnabend-Abend wieder dort zu erscheinen, um dieses alberne links-zwo-drei-vier / links-zwo-drei-vier zu üben. Mancher mag sich wohl da ein bisschen drollig vorgekommen sein - aber, na ja, was soll's!

Am nächsten Sonnabend zur Abendstunde. Mein Schwager ging zur Übung.

Emil, kommst mit?

Nein! Bin doch kein Hampelmann für den da!

Im Saal wurden alle Namen aufgerufen. Nur einer fehlte: mein Bruder!

Mein Schwager wurde gefragt: Wieso ist denn Ihr Schwager, der Herr D… nicht da?. Antwort: Das weiß ich doch nicht!

So vergingen einige Wochen, an denen sich mein Brüderchen beharrlich weigerte, an diesen Übungen teilzunehmen. Eines Tages erhielt er vom Wehrbezirkskommando Gumbinnen einen Brief mit der Aufforderung, sich bis zum Pünktchen-Pünktchen bei Hauptmann sowieso in einem entfernteren Dorf zu melden! Mein Bruder sprach daraufhin mit meinem Schwager und auch mit unserem Vater. Der meinte dann, das sähe nicht gut aus. Nimm das Schreiben mit und erkundige Dich erst einmal! Das Dorf lag zwar noch in unserem Kreis, aber nahe der polnischen Grenze. Nix mit Rodebach und 3 Kilometer!

Er hatte also einen weiten Weg vor sich. Am nächsten Tag schnappte er sich seinen Drahtesel und zischte ab zu diesem Grenzdorf, zu Herrn Hauptmann unbekannt! Den kannte erst keiner, bis sich jemand erinnerte, der alte Schulmeister war doch im 1. Weltkrieg Hauptmann! Erleichterung, denn dieser entpuppte sich als Mensch und er schien auch auf meinen Bruder gewartet zu haben. Er erklärte ihm nun, man mache dort jeden Monat am letzten Wochenende eine zweitägige Übung, da müsse er nun, ob er wolle oder nicht, erscheinen. Mein Bruder brachte noch hervor, er sei schließlich Bauer und müsse letztlich Klee, Heu und Getreide einfahren, aber das half alles nichts. Trotzdem blieb der alte Hauptmann freundlich und sagte dann, er erteile ihm zwar keinen Befehl, aber er müsse wissen, er stünde auf der schwarzen Liste. Es läge nun an ihm. Letztlich sei er nicht der einzige Landwirt und er habe Familie, Frau und Kinder, die seien ihm doch sicher nicht gleichgültig! Ach übrigens, für die beiden Tage bekommen Sie natürlich ein kleines Tagegeld, vielleicht können Sie sich ja davon für ein paar Stunden eine Aushilfe leisten!?

Von da an ist mein Bruder etliche Jahre lang durch die Gegend zu dem entfernten Dorf geradelt, denn die Pferde wurden ja in der Landwirtschaft gebraucht. Mein Schwager ging weiterhin jeden Sonnabend-Abend zur Übung ins nahe Kirchdorf. Ob er auch entlohnt wurde, kann ich nicht sagen, glaub ich aber auch nicht. Er konnte ja am Tage auf seinem Hof arbeiten!

Beide versahen diesen Dienst bis der Krieg ausbrach. Dann wurden sie eingezogen und mussten an die Front. Der Schwager als Pionier und der Bruder kam zu einer Veterinär-Einheit. Er wechselte sooft seine Feldpostnummer, dass wir am Ende nicht mehr wussten, wo er war.

Nicht lange nach dem Kriegsende kam er als Verwundeter ziemlich lädiert nach Hause - was heißt nach Hause, nach Deutschland ist richtiger gesagt, wir mussten ja Ostpreußen verlassen, sind von dort vertrieben worden.

Unteroffizier Ernst soll in den Pripjetsümpfen Pripjetsümpfe (Pripjatsümpfe), Wald- und Sumpfgebiet im südlichen Weißrussland und der nordwestlichen Ukraine.
Die Region wird auch als Polesien bezeichnet. Die vorwiegend im Becken des Pripjet gelegenen Sümpfe umfassen ein Gebiet von etwa 270 Quadratkilometern. Während der Eiszeit befand sich dort ein Gletschersee, der nach der Verlagerung der Flüsse durch die Gletscher entstanden war. Die Erhebungen innerhalb des Sumpfgebiets reichen von etwa 100 Metern im Nordosten bis zu 250 Metern im Süden. Das Gelände ist im Allgemeinen eben bis flach wellig. Etwa ein Drittel des Sumpfgebiets ist bewaldet. Es herrschen Sand- und Moorböden vor.
vermisst sein. Jemand will ihn noch auf einem Pferd gesehen haben. Aber er kam nicht wieder.

Pripjetsümpfe (Pripjatsümpfe), Wald- und Sumpfgebiet im südlichen Weißrussland und der nordwestlichen Ukraine.
Die Region wird auch als Polesien bezeichnet. Die vorwiegend im Becken des Pripjet gelegenen Sümpfe umfassen ein Gebiet von etwa 270 Quadratkilometern. Während der Eiszeit befand sich dort ein Gletschersee, der nach der Verlagerung der Flüsse durch die Gletscher entstanden war. Die Erhebungen innerhalb des Sumpfgebiets reichen von etwa 100 Metern im Nordosten bis zu 250 Metern im Süden. Das Gelände ist im Allgemeinen eben bis flach wellig. Etwa ein Drittel des Sumpfgebiets ist bewaldet. Es herrschen Sand- und Moorböden vor.