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ZDF geht auf Sendung

Wir hatten keine Ahnung. Vom Film nicht und nicht vom Fernsehen. Wir waren Männer der Schrift, des Wortes, kamen vom Hörfunk, aus den Verlagen. Zusammengespült in der westfälischen Kleinstadt Gütersloh. Der ehrgeizige Inhaber der riesigen Buchfabrik Bertelsmann setzte auf Konrad Adenauer, und der war dabei, gegen heftige Widerstände auch in der eigenen Partei sein Freies Fernsehen durchzusetzen als Alternative zum 1.Programm der ARD. Reinhard Mohn wollte teilhaben am Geld- und Prestigesegen, den er erhoffte vom neuen Fernsehauftraggeber. So gründete er die Bertelsmann Fernseh-Produktion und kaufte Leute ein auf dem freien Markt. Er beauftragte sie damit, Filme herzustellen für den erhofften neuen Kanal. Unterhaltende Spielfilme sollten es sein, gewiss, aber auch die leichter und billiger herzustellenden Dokumentarfilme zu Themen, wie sie sieben Jahre nach Ende des Großen Krieges ein deutsches Fernsehpublikum dazu anregen könnte, sich einen Apparat anzuschaffen und die Produkte aus dem Hause Bertelsmann. Um nebenbei dem Gütersloher Lesering beizutreten und den Jahresvorschlagsband zu erwerben. Die BFP warb Menschen an, Männer und sehr wenige Frauen. Redakteure, Kameramänner, Beleuchter, Assistenten, Cutterinnen, Sekretärinnen.

Mancher träumte vom Lotterleben des rasenden Reporters. Es gab Idealismus und die Hoffnung auf Abenteuer und Ruhm des großen Mediums. Alles war neu, unheimlich, wie Schwarze Kunst. Man wies den jungen Filmemachern eine Baracke zu. Sie miefte an feuchten Regentagen nach alten Socken und Soldaten und wurde spärlich möbliert. Einer nannte sich Chefredakteur, ein anderer Abteilungsleiter, wieder einer Geschäftsführer. Man diskutierte, plante, man intrigierte, maulte herum, beanspruchte das Sagen für sich, die Leute vom linken, also fortschrittlichen Hessischen Rundfunk dominierten, denn sie waren des Wortes mächtig, sagten sie. Das Wort trägt das Thema, sagten sie, und meinten Film. Geprägt war das erste Jahr des Adenauer-Fernsehens von lächelndem Dilettantismus.

Dreht Filme! Filme sind die tägliche Speise des Fernsehens. Ohne Film kein Bildschirm. Dass da ein journalistisch-technisches Handwerk zu erlernen wäre, lang und mühevoll, davon sagten sie nichts. Für Bilder war der Kameramann da, für die Töne der Tonmann, für die Texte der Redakteur-Assistent. Alles andere würde sich finden. Man warf sie in die Mahlströme dokumentarischer Realität. Schwierige Sachtexte in lesbare Druckform zu bringen, das konnte ich. Nun aber musste ich lernen, Sachverhalte und Gegenständlichkeiten in laufende Bilder zu gießen, musste lernen, mit der Kamera Geschichten zu erzählen, die ein großes Publikum anteilnehmend aufnahm und im Gedächtnis behielt. Mit einem Wort: ein Filmer musste ich werden, sonst war ich hier mein Geld nicht wert. Während wir durch die Landschaft streiften auf der Suche nach optischer Beute, blieben die Bosse zu Hause, kritisierten harsch und barsch, was die Reporter mitbrachten. Denen entstand ein Gefühl des Sich-Selber-Darbietens, wenn das Kopierwerk die schwarz-weißen Muster schickte und die freundliche Cutterin sie auf den Tisch legte. Ganz schöne Bilder, aber waren da nicht hässliche Schrammen, ganze Szenen unscharf und zum Wegwerfen? Und der angelegte O-Ton jaulte und brummelte, weil wieder Wind auf dem Mikro der Maihak saß? Wer nennt die Qualen, wer die Erniedrigungen des guten Willens. Zehn Minuten 16-mm-Film: Für ein halbes Jahr der Recherche, des Bücherlesens, des qualvollen Nachdenkens? Doch da war niemand, den die Anfänger fragen konnten. So übten sie sich learning by doing, in einem Diktum, das Jahrzehnte überdauerte und nie enden wollte.

Dienst im Schatten hieß unser erster Dokumentarfilm und sollte - in schwarz-weiß natürlich- das Geschehen in der Inneren Mission schildern. Hamburg also im Spätherbst 1960 — die Innenstadt war zernarbt von den Schlägen des Krieges. Düsterer Nieselregen schuf die Atmosphäre alter Stummfilme. Im Hafen tuteten Schiffe, drängten sich die Schauerleute auf dem Pier. Auf der Reeperbahn schubsten Seeleute und Sehleute sich vor provisorisch ausgebauten Ruinen. Das horizontale Gewerbe hatte es ungemütlich hinter den Wänden aus Holz. Noch leerten die Nutten auf der Kleinen Freiheit ihre Nachttöpfe wütend auf missliebige Passantinnen, die von betuchten Männern in diese Gegend geführt wurden, um ihnen zu zeigen, wie die da sind. Hier fand er statt, mein leidenschaftlicher Einstieg in die Welt der Dokumentaristen. Mein Partner, der Münchner Jost Vacano, sah mit dem Blick des geborenen Kameramanns und drehte aus der Hand die Kneipe durchs Fenster von außen nach innen, ungesehen, Typen am Tresen, Typen mit und ohne ihre Damen, nüchtern und im Suff. Ich trug das Tongerät, die MaihakVon Hugo Maihak entwickelte tragbare Tonbandmaschine mit Federaufzug, wie der Vertreter seinen Musterkoffer, hatte das Mikrokabel durch den Wintermantelärmel gefädelt und verbarg das klobige Mikro (die Gurke) in der hohlen Hand. Nur das Aufziehen der mechanischen Maihak hatte seine Tücken. Aber Jost musste ja auch die 30 Meter- Filmrollen wechseln. Einen Assistenten, dessen Aufgabe das normalerweise war, hatte das geizige Gütersloh ihm nicht bewilligt.

Wir Filmleute landeten in der Neustädter Straße vor einem Torbogen, der bessere Tage gesehen hatte. Dahinter wartete der vergammelte Eingang vom berüchtigten Pik Ass. Asyl für obdachlose Männer. Heimstatt der Heimatlosen. Weiber nicht zugelassen.
Jost maß das Licht, es reichte eben unterm Torbogen mit den dunklen Typen, deren Gesichter die Farbe fahler Kartoffelkeime trugen. Erich war auch dabei, mit den rottrüben Augen vom endlosen Suff. Klein, korpulent, mit drei graubraunmelierten Wintermänteln übereinander wie ein Kokon. Drei Mäntel garantierten, dass nicht alle geklaut wurden. Erich hatte Dauerasyl. Vierzig Pfennig für die Nacht auf nacktem Bettgestell ohne Decke, ohne Matratze, mit fünfzig stöhnenden, krakeelenden, furzenden Kerlen, die den Urin laufen ließen, ohnmächtig vom giftigen Wermut. Die Luft war dick wie der alte Schweiß auf ungewaschenen Körpern. Szenen boten sich an wie im Kino, aber das Drehen war verboten. Sechs Uhr morgens, alles raus! Sie stolperten fluchend und weinend über die ausgetretenen Stufen ins Freie, rieben sich die Augen, popelten irgendwo herum, maulten nach Schnaps. Sechs Ungewaschene mit Erich wankten nach gegenüber zur Mission. Erich, um die fünfzig, parlierte in drei Sprachen, früher hatte er mal was gegolten, war gut erzogen, küsste der 80-jährigen Schwester galant die runzlige Hand mit Verbeugung für die dargereichte Stulle und den Muckefuck. Die Schwester namens Sperlingsmutter, herzensgut, gebückt unter der Last dienender Jahre. Sie kannte jedes ihrer Kinder auf den Straßen — jene auch, die Mal eben verschwunden waren im Knast, wie der, der seine Großmutter abwürgte für 20 Mark im Küchenkasten. Jost drehte die Typen und den Kuss aus der Hand. Nur, leider, den Mief nicht, der sich wie eine Schleppe hinter den Männern ohne Hoffnung herzog, den Unständigen, wie Behördendeutsche sagten.
Nebenher oder zwischendrin erschienen die Protagonisten unserer Dokumentation: Pubertierende Jugendliche, Trinker und Trinkerinnen, Haftentlassene, Flüchtlinge aus der Zone, müde Alte, Tuberkulöse, sogenannte Berufsschwache. Sie wanderten von hier nach dort und zurück, auf der Suche nach Nahrung und Bleibe, nach Flasche und Wärme. Ein Heer der Übriggebliebenen von den großen Trecks des Krieges. Kaum anders aussehend als die Gefangenen nach Stalingrad.

1961

Der Konzern ließ im altertümlich-verschwiegenen Vorort von Bad Homburg, Alt-Gonzenheim, eine betagte Villa mieten mit einem herrschaftlichen Kaminzimmer, das den Schneidetisch beherbergen konnte und einer verglasten Veranda für das tägliche Tischtennismatch. Im verwilderten Garten stand ein verträumtes Gartenhäuschen im Stil der frühen 1920er Jahre. An sonnigen Tagen weilte der hochdekorierte Major a. D., Jochen Wimmer, unser Abteilungschef, auf der Gartenbank unter den besonnten Rosenbüschen und diktierte der Sekretärin seine Texte, Memoranden, Themenvorschläge, Personalprobleme. Es gab einen Toningenieur, der an der Maihak fummelte und den sexbesessenen Kameramann.

Menschliche Wärme vermittelte die liebenswerte und heftig umworbene Cutterin Margarete. Insgesamt aber waren die Alt-Gonzenheimer nicht das, was man ein Team nennen könnte. Niemand wusste, wohin er gehörte, und da war keiner, der Pläne machte und die Leute zu filmischen Taten trieb — wie auch, das Adenauer-Fernsehen stand erst in den Startlöchern und wurde politisch heftig umstritten. Bertelsmann unterhielt seine Redaktion in Wartestellung, ohne aber zu sagen (zu wissen?), wie es weitergehen könnte. So ging es in der Vor-ZDF-Ära vielen Privatproduzenten, und manchen ging dabei die Luft aus. Ich pflegte unter den hohen Bäumen des Homburger Kurparks zu wandeln, in schöpferischen Gedanken versunken: Woher nehme ich Themen, die denen da oben gefallen?
Am 6.Juni des Jahres 1961 meldeten die Medien, das Zweite Deutsche Fernsehen sei durch einen Staatsvertrag als Anstalt des Öffentlichen Rechts gegründet worden, weil das Bundesverfassungsgericht das Adenauer-Fernsehen verboten hatte. Doch das hieß beileibe noch nicht, dass dies ZDF auf Sendung ginge und unsere Dokumentarfilme brauchte. Stattdessen erklangen im Radio sehnsüchtige Lieder Ein Schiff wird kommen, Seemann, deine Heimat ist das Meer, Kalkutta liegt am Ganges.

Über den Seemannstod konnte ich mit Hannes Schlünz philosophieren, in der Hafenstraße 7, bei Tante Hermine, beim Grog Nr.7, den sie hervorragend zu mixen verstand. Man sagte, Tante Hermine hätte selbst das Kapitänspatent für große Fahrt. Jedenfalls sangen alle laut die alten Lieder, mit dem Klavier, das einer hoch an der Wand verankert hatte. Hannes war alter Fahrensmann, verwundet vom Minentreffer im letzten Krieg. Ihn mochten auch die Fastmoker bei Tante Hermine, denn ihm verdankte der NDR die bewegenden Weihnachtssendungen für die Seeleute draußen auf See. Bei Köm und Bier brütete er ein Thema aus, das die Fernsehleute von den Stühlen holen sollte. Warum verschwinden Schiffe? Warum musste die berühmte Glocke bei Lloyds in London immer wieder den Verlust eines stolzen Schiffes melden? Wie war das mit dem Bermuda Dreieck? Ein kühnes Thema, voll von Klabautermännern, Seemannsgarn, Nebel und fliegendem Holländer. Hannes wühlte in den Akten der Seeämter, fragte alte Seebären, holte Material die Masse, schrieb, dichtete. Es half nichts — keiner wollte die verschwundenen Schiffe.

Dann starb Major Jochen Wimmer. Er erlag den Nachwirkungen seiner Kriegsverletzungen, die er sich in Italien zugezogen hatte. Mit diesem Mann starb auch Alt-Gonzenheim. Der Geist erlosch, der nie gelebt hatte. Andere Journalisten kamen und gingen wieder. Und fragten sich, wie lange die Mutter Gütersloh ihre Kinder füttern würde. Hatte Reinhard Mohn Visionen? Er verriet es nicht. Würde er durchhalten, bis die ZDF-ler in Mainz ihre Gebührengelder in Ideen und Filme steckten? Nur Mainz konnte die kleinen und großen Privaten retten. Alles wartete händeringend auf Mainz.

1962

Jene mit dem guten Draht zur Zentrale zogen eilends um nach München, suchten sich ein warmes Plätzchen. Wir anderen zogen durch die Leere verlassener Räume. Wolfgang Bartsch von der Frankfurter Rundschau (erkennbar an einer roten Fliege) versuchte, noch einen Dokumentarfilm zu drehen über Außenseiter der Medizin, in Gestalt eines Schönheitschirurgen, der vor der Kamera einer armen Jungfrau die scharfe Nase kürzte. Das Raspeln der Knochen ließ den Assi zu Boden sinken. Ich schrieb Bewerbungen, niemand antwortete, der Markt war in hektischer Bewegung. Auch der befragte Reinhard Mohn wusste nur tröstende Worte, es würde schon. In Alt-Gonzenheim sagte man, ich möchte doch die Redaktion auflösen. Wie macht man das? Aber mit Hilfe eines Anwalts ging es doch gegen den bösen Hauswirt und Mitte Mai zogen die Letzten um nach München. Hier musste man die zahlreichen Chefs kennenlernen, einer arroganter als der andere. Unser Chefredakteur fuhr mit der alten Bahn durch Burma an den River Kwai und drehte diesen Stoff mit der passenden Marschmusik. Redakteur Theo wandte sich nach Thailand und drehte etwas zu den Leprakolonien und den Mönchen von Wat Po. Es war unendlich schwer, diese Filme an die ARD zu verkaufen.

Reinhard Mohn entließ Leute, also doch keine Hoffnung auf Mainz? Warten auf den Sender. Das also waren die müden und wenig hoffnungsfrohen Anfänge eines zweiten neuen Fernsehens, das manch Unentwegte noch Jahrzehnte beschäftigen würde. Nur wenige sind damit fröhlich geworden.

Hurrah — wir haben einen Sender!

1963

Ein chaotischer Verein hatte sich in der Münchener Sonnenstraße zusammengefunden, nichts passte zueinander, jeder kämpfte gegen jeden um den Platz an den Pfründen der Produktion. Der neue Chef, linkisch, mies — war nicht geeignet, die Mahalla zusammen zu halten. Mit der Firma Quelle wollte er in Russland drehen, hatte vom Film aber noch weniger Ahnung als wir. Ende Februar kam der Hauptabteilungschef Kultur des ZDF, Dr.Brobeil, nach München und schaute sich alte Filme an. Vergab Aufträge für einen Film über Max Reinhardt und einen über 2% für die Kunst. Und das Mirakel wurde Wirklichkeit, niemand wollte es recht glauben. Mainz war da!

Das Ereignis des Jahres fand statt am 1.April um 19:30. Und äußerte sich in der milden Stimme des Intendanten Karl Holzamer, der sich lächelnd an seine Zuschauer wandte: Guten Abend, meine Damen und Herren. Ohne die feierliche Eröffnung, vielmehr mitten aus dem Alltag der Arbeit, begrüße ich Sie als Zuschauer des Zweiten Deutschen Fernsehens, dessen Zeichen mit den zwei Antennenmasten und den beiden Augen Sie schon kennen und gebe den Bildschirm für unsere erste Sendung frei. Es folgte Heute, dann bildungsgerecht das Vorspiel auf dem Theater, eine Viertelstunde Sag’s mit Goethe unter der Regie von Helmut Käutner. Höhepunkt des Eröffnungsabends dann die Show Berlin-Melodie mit Lex Barker, Bully Buhlan, O.W.-Fischer, Curd Jürgens, Hilde Knef, Theo Lingen, Lilo Pulver. Folgte der milde Ausklang mit den Nachrichten um 21:45. Großes Aufatmen allerorten. Dr. Brobeil, von dem alles abhing, residierte im dritten Stock des Idunahochhauses in der Mainzer Altstadt und hatte einst Mainz wie es singt und lacht erfunden. Ich habe ihn nie lachen gesehen, er war stets schlechter Laune, murrte an den Scripten herum, verlangte nach einer Zigarette, weil seine Frau ihm das Rauchen verboten hatte — er war und blieb ein Ekel. Und ordnete an, Voigt möge sich um die alte Naziverordnung Kunst am Bau kümmern. Goebbels hatte sie erfunden, 2% der Bausumme beim öffentlichen Bau mussten für Gemälde oder Denkmale oder Figuren ausgegeben werden. Um jungen (arischen) Künstlern zu helfen. Diese Verordnung galt immer noch. Darüber 45 Minuten machen, eine heillose Aufgabe, noch dazu in schwarz-weiß, denn Farbe gab’s noch nicht bei uns.

Was sollte ich tun? Fahrkarte kaufen und auf Reisen gehen, recherchieren nannte man das. Mit Tonband, Block, Bleistift, Adressbuch und viel gutem Willen. Ich traf sie, die Bürger und Beamten, sie fummelten ihre Krawatten zurecht, drückten die Zigarette aus und antworteten höflich auf meine ziemlich dummen Fragen, ich hatte keine Ahnung, überhaupt keine. Was sind Grafittis, wie beurteilt man figürliche Brunnen, wie nackte Jungfrauen, wie die schönen Dinge aus Marmor und Kupfer? Ich traf die Künstler Kurt Krantz und Fritz Seitz in Hamburg, den Plastiker Otto Hayek in Stuttgart, Herrn Fassbender in Köln, den Dichter Ivo Hauptmann. In Planten un Blomen herrschte die Internationale Gartenschau, die Hunderttausende zu den ausgestellten Kunstwerken zog. Vor dem Niendorfer Polizeirevier stand die Plastik Der Hüter und regte die Leute auf, bis man ihn abbaute. In Reutlingen beeindruckte mich der Holzschneider HAP Grieshaber, um den Hängebauchschweine wuselten, in Blankenese erklärte Oberst Ohm mir das Wandbild der Schlacht von Cannae, in Rotterdam bestaunte ich das Große Zeichen von Naum Gabo und den Trommler von Zadkie. Und setzte mich hin und schrieb ein großes Treatment mit rechter und linker Seite für Bild und Ton, Mainz sagte — nun machen Sie schon, es eilt. Holte mir den großartigen niederbayerischen Kameramann Gerd Ries und bildete ein Team. Auf zum Dreh beginnend in Bremen, weiter zu den Figuren von Werthmann und Moore. Sich Erhebender von Orth. Das Pferd von Persicke in Wiesbaden. Der Tonmann wurde ohnmächtig, während Ries die Mauer von Hayek vom fahrenden Leichenwagen aus drehte, der stark duftete. Wir trafen den bedeutenden Architekten Schneider-Essleben, und Stadtbaudirektor Tams in Düsseldorf. Drehten in Bonn den Bundesadler. Und redeten mit dem wunderbaren Plastiker Prof.Meistermann in Karlsruhe. Und drehten lachend die Liegende mit vielen Löchern von Moore vor der Uni Freiburg. Wir waren angekommen im Zeitalter des Zweiten Deutschen Fernsehens. Unser Schicksal hing nun ab von den Mainzer Launen und Vorstellungen. Es würde hart werden.
Es wurde hart…