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Meine Soldatenzeit 1942 bis 1945 ‒ Kapitel 4, Nachlese: Frieden ist etwas Wunderbares!

Meine Soldatenzeit 1942 bis 1945

Kapitel 4

Nachlese: Frieden ist etwas Wunderbares!

Etwas Heldenhaftes zu tun, war mir nicht vergönnt. Das war gut so. Ich bin kein Held und wollte nie einer sein. Helden sind meist bei ihren Heldentaten umgekommen und danach war mir nicht zumute. Ich habe nach Können und Vermögen das Erforderliche notgedrungen getan - das war alles. Heute nennt man das wohl angepasst sein. Man darf nie vergessen: Es war - so oder so - damals eine gefährliche Zeit! - Die zeitliche Einordnung der Abläufe ist mir nicht immer gelungen. Dafür liegt das alles viel zu lange zurück. Es kam mir darauf an, Vorkommnisse zu schildern, die in der Erinnerung noch hängen geblieben sind und manchmal nur schwer wieder an die Oberfläche gehoben werden konnten. Es sind unserer Generation wertvolle Jahre gestohlen worden, das wollte ich darstellen.

Ich will mit meiner Darstellung auch derer gedenken, die nicht das Glück hatten, wieder nach Hause kommen zu können, deren Körper oder Körperteile irgendwo eingegraben oder der Verwesung preisgegeben wurden.

Ich will auch die nicht vergessen wissen, die mit uns Soldaten ordentlich umgegangen sind und auch die, die sich als gute Kameraden gezeigt haben.

Sicher war es eine höhere Macht, deren Schutz und Beistand ich genießen durfte. Gott sagt man wohl dazu. Vielen Dank, lieber Gott!

Für alle Fälle hatte mir meine Mutter einen sogen. Heilsbrief mitgegeben, den ich immer bei mir trug. Sie hatte den Text mit der Hand fein säuberlich auf einen Bogen Butterbrotpapier geschrieben. Butterbrotpapier deswegen, weil es nicht so schwer, aber doch ziemlich wasserfest war. Das Abschreiben per Hand war Wirkungsvoraussetzung. Ob von ihm irgendwelche positiven Wirkungen ausgegangen sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Übrigens: Mein Geburtstag, der 3. Februar 1924, war ein Sonntag!

Eine Kleinausgabe von Goethes Faust war während der Soldatenzeit mein ständiger Begleiter, aufbewahrt in der linken Brusttasche der Uniform. Er bot mir mitunter eine willkommene Abwechslung.

Nun ‒ wenn ich dies schreibe ‒ liegt der Krieg über 50 Jahre zurück. Gott sei Dank! Vermutlich ist das vor allem auf die Vereinigung der europäischen Staaten zurückzuführen, die sich auf friedvolles Zusammenleben der Völker verständigt haben.

Hoffentlich bleibt es so, denn der Frieden ist etwas Wunderbares!