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Die Petromax-Lampe

Bei uns zu Hause in Burdungen in Ostpreußen kam bis Ende der 30er Jahre abends das Licht noch aus der Petroleumlampe oder im Stall aus der Petroleumlaterne. Nur in der Schneidemühle Bergmann, die nicht weit von uns lag, gab es schon elektrisches Licht und Elektroanschlüsse. Auch Tante Hilde, unsere Krankenschwester im Dorf, die in dem schönen neuen Kindergarten wohnte, bekam einen Elektroanschluss.

In der Schneidemühle arbeiteten Franzosen als Fremdarbeiter, die haben wohl die Leitung zu Tante Hilda gelegt, ich glaube über die Telegrafenmaste, die es in unserem Dorf gab. Technisch bin ich bis heute ziemlich unbegabt, ich weiß deshalb nicht, wie es mit der Elektrizität geht.

Also, bei uns zu Hause, wenn die Winterabende lang waren, war es auch für uns Kinder gemütlich und aufregend bei der Petroleumlampe. Es gab immer Aufruhr, wenn wir Kleineren ins Bett mussten. Meine größeren Schwestern und die Mutter sowie Janka, unser Mädchen nähten, strickten oder stopften Strümpfe. Die Mama spann oftmals des Abends auch Schafswolle. Mein Bruder Willi und ich spielten oft Brettspiele: Dame, Mühle, Halma oder Mensch-Ärgere-Dich-Nicht. Wenn Willi nicht wollte und sich mit anderen Sachen beschäftigte, nahm ich meine Lackbilder, sortierte sie oder malte neue Bilder, die ich dann mit den Mädchen im Dorf tauschte.

Manchmal nahm mich Irmgard, meine größere Schwester mit, wenn sie abends zu ihren Freundinnen ging, um Schwarzer Peter zu spielen. Dort ging es um Groschen und Pfennige, und es machte mir viel Spaß, zuzusehen. Wenn wir in den sternklaren Nächten unterwegs waren, erklärte mir Irmgard die Sterne und was es bedeutete, wenn Sternschnuppen fielen.

Eines Tages sagte Mama zu uns, Kinder, wir bekommen bald eine Petromax-Lampe! Wir wussten nicht genau, was das war, aber eines Abends war es dann soweit. Ich kann nicht genau beschreiben, wie so eine Lampe funktionierte, jedenfalls kam in den Behälter unten an der Lampe Petroleum rein, und dann war da so eine kleine Aufpumpe. In dem oberen Teil der Lampe wurde ein kleiner weißer Strumpf befestigt, der so wie gehäkelt aus weißem, dünnem Garn war, und dann wurde die Lampe aufgepumpt und irgendwie angezündet, bis dieser kleine Strumpf in hellem weißen Licht erglühte. Das war ein schönes helles Licht und wir alle freuten uns, dass es nun in unserer Wohnküche viel heller war als bei der Petroleumlampe.