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Von der Lochkarte zum Smartphone —
die Entwicklung der Informationstechnik

Kürzlich las ich in einer Zeitung ein Interview mit einer bekannten Schauspielerin. Darin äußerte sie, dass sie bereits als Kind wusste, was sie später einmal werden wollte. Die Aussage, bereits im Kindesalter zu wissen, wo es lang gehen soll, ist kein Einzelfall. Man liest oder hört sie von Zeit zu Zeit.

Ich selbst gehöre nicht in diese Kategorie. Als ich 1966 das Abitur in der Tasche hatte, begann ich an der Freien Universität Berlin mit dem Studium der Biologie, weil mir dieses Fach an der Schule sehr viel Spaß gemacht hatte. Aber in den ersten Semestern wurden erst einmal die mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundvoraussetzungen geschaffen, auf denen das Studium dann aufsetzen sollte. Zum großen Teil war dies die Wiederholung dessen, was ich bereits in der Oberstufe durchgenommen hatte. So beschloss ich im zweiten Semester, ab sofort auf Volkswirtschaft zu wechseln. — Später musste ich feststellen, dass auch die Volkswirtschaft nicht das Fach war, das in mir wahre Begeisterung und Spaß am Lernen weckte.

In der Zeit begannen einige Professoren, ihre volkswirtschaftlichen Theorien mit Zahlen zu untermauern. Und dazu bot sich eine neue Technologie an. Sie hatte sich zwar noch nicht als Wissenschaft etabliert, aber sie begann, sich in allen Bereichen der Wissenschaft durchzusetzen.

So wurde im Wintersemester 1968/69, mitten in der heißen Zeit der 68er-Bewegung, ein Kurs mit dem Titel Einführung in das Programmieren angeboten. Ich war neugierig, belegte den Kurs und erlernte die Grundzüge der Programmiersprache Fortran IV. Als Übung programmierte ich das StreichholzspielNim-SpielDas Nim-Spiel ist ein Spiel für zwei Personen, bei dem abwechselnd eine Anzahl von Gegenständen, etwa Streichhölzer, weggenommen werden. Gewonnen hat beim Standardspiel derjenige, der das letzte Hölzchen nimmt, bei der Misére-Variante verliert dagegen derjenige, der das letzte Hölzchen nehmen muss.Quelle: Wikipedia.org. Das hatten wir in der Schulzeit gern gespielt und ich hatte schnell heraus, dass es einige für den Gegner tödliche Stellungen gab, die mich zum sicheren Sieg führten. Dieses Wissen setzte ich so um, dass immer der Computer gewann.

Den Fachbereich Informatik gab es damals noch nicht. Aber selbst wenn es ihn bereits gegeben hätte, wäre ein erneuter Wechsel des Studienfaches nicht infrage gekommen. Schließlich hatte ich bereits gewechselt und hätte meinen Eltern einen weiteren Wechsel nicht zumuten wollen, die mich finanzierten. So blieb ich bei der Volkswirtschaft.

Ende 1972 hatte ich mein Diplom in der Tasche und begann Anfang 1973 bei einer Versicherung als Junior-Programmierer mit einem Anfangsgehalt von 1.600 DM. Der etwa 1,50 m hohe blaue Großrechner, den wir programmierten, war eine IBM System /360 mit etwa 1 kB Arbeitsspeicher. Er stand in einem eigenen Rechenzentrum, zu dem nur die Administratoren Zugang hatten. Die Programmierung erfolgte so: Man trug den Cobol-Code in Erfassungsbögen ein, die 80 Kästchen in der Breite hatten. Diese wurden dann von einer Truppe von Datentypistinnen auf Lochkarten übertragen, abgelocht, wie wir sagten. Die Lochkarten wurden in Plastikkästen aufbewahrt, pro Kasten 2.000 Karten. Sie hatten normalerweise eine 6-stellige Folgenummerierung. Wenn einmal der Kartenstapel runterfiel, konnte man die Karten mit einer Kartensortiermaschine in mehreren Durchläufen wieder in die korrekte Reihenfolge bringen. Aber wehe dem, der seine Karten nicht nummeriert hatte!

Die Lochkarten mussten mit roten Lochkarten (sog. Jobkarten) ergänzt werden, die zur Steuerung des Jobs benötigt wurden. Dann wurde der Kartenstapel dem Rechenzentrum übergeben. Wenn man Glück hatte, bekam man die Programmliste und die Karten bereits am nächsten Tag zurück. Der erste Versuch, ein neues Programm zu kompilieren und ans Laufen zu bringen endete in der Regel mit einer Fehlerliste. Dann begann die Fehlersuche und die Korrektur der Karten, die man selbst am Lochkartenlocher erledigte. Bis ein Programm fehlerfrei war — Programme mit 1.000 bis 2.000 Karten und mehr waren keine Seltenheit — benötigte man mehrere Durchläufe durch das Rechenzentrum.

Jeder Programmierer hatte seinen eigenen Stil, und es war nicht leicht, fremde Programme zu warten. Das änderte sich erst, als die Programme durch die Einführung eines Organisationssystems eine einheitliche Struktur bekamen. Das vereinfachte die Sache sehr, weil beispielsweise der Gruppenwechsel standardisiert war.

Während meiner fast siebenjährigen Tätigkeit bei meinem ersten Arbeitgeber wurden die eingesetzten Großrechner immer größer und schneller. Bald bekamen wir eine IBM S/370 und später eine noch leistungsfähigere Maschine, für die extra eine eigene Wasserkühlung auf dem Dach des Rechenzentrums installiert werden musste.

Es war die Zeit der Stapelverarbeitung. In den Fachabteilungen wurden Änderungen in Formularen erfasst. Diese Formulare wurden auf Lochkarten übertragen. Dann wurden die auf großen Magnetbändern gespeicherten Bestandsdaten mit einem Programm eingelesen, mit den Daten der Lochkarten modifiziert und wieder auf Magnetbänder ausgegeben. Bei einer solchen Bestandsfortschreibung entstanden außerdem Bewegungsdaten mit Buchungen, die in die Programme des Rechnungswesens einflossen. Außerdem wurden neue Karteikarten mit den aktualisierten Daten gedruckt und an die Fachabteilung zurückgeschickt.

Die Magnetbänder mussten zu Beginn noch manuell eingefädelt werden. Später lag jedes Band in einer eigenen Kassette, die das Einfädeln übernahm. Kleinere Datenmengen konnte man auch auf Plattenlaufwerken speichern. Das tat man vorzugsweise mit Testdaten, damit der Operator nicht bei jedem Test aktiv werden musste. Aber es war umständlicher, denn die Platten waren noch nicht selbstverwaltend. Man musste vorher den Zylinder und die Spur auf der Platte in einem Heftchen reservieren und auf der Lochkarte festhalten. Dafür war es erforderlich, dass man gut abschätzte, wie viel Speicherplatz man benötigte. Wenn man zu wenig reservierte, brach das Programm ab. Zu viel war Verschwendung, denn der Platz war knapp und teuer. Das führte beispielsweise dazu, dass Datumsfelder ohne das Jahrtausend gespeichert wurden.

Das Versicherungsgeschäft brachte es mit sich, dass immer mal wieder Tarifumstellungen oder Jahresabschlüsse durchgeführt werden mussten. Das war immer mit Stress verbunden. Da der arbeitstägliche Betrieb nicht gestört werden durfte, wurden Umstellungen immer am Wochenende durchgeführt. Am Freitagabend nach Betriebsschluss ging es los. Zu diesem Zweck durften wir auch ins Rechenzentrum. Immer wieder mussten die Kassetten mit den Magnetbändern gewechselt und Zwischenergebnisse geprüft werden. Ich erinnere mich noch ungern daran, dass ich Montagfrüh nach Hause kam und so kaputt war, dass ich mir eine Wärmflasche machte. Ich muss sofort eingeschlafen sein, denn ich habe nicht gemerkt, dass die Wärmflasche viel zu heiß war. Als ich aufwachte, hatte ich zwei große Brandblasen am linken Schienbein. Eine Narbe kann man noch heute sehen.

Dann begann die Zeit der Dialogprogramme. Die ersten Nutznießer waren die Programmierer selbst, denn nun konnte man direkt am Bildschirm programmieren und kompilieren, was die Arbeit sehr beschleunigte. Aber auch für die Sachbearbeiter in den Fachabteilungen änderten sich die Arbeitsabläufe. Änderungen an Bestandsdaten wurden nicht mehr auf Formularen erfasst und wöchentlich eingespielt. Stattdessen wurden die Bestandsdaten auf großen Plattentürmen gespeichert, über die der Sachbearbeiter im Dialog direkt zugreifen konnte. Zuerst nur lesend, später auch schreibend. Die Bildschirme wurden moderner und ergonomischer. Grüne Schrift auf schwarzem Grund wurde ersetzt mit schwarzer Schrift auf bernsteinfarbenem Grund.

Aber die Arbeit bei der Versicherung war geprägt von sehr ähnlichen, wiederkehrenden Aufgaben. Es war höchste Zeit für mich, frischen Wind um die Nase zu bekommen. So wechselte ich 1980 zu einer Unternehmensberatung, die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, moderne Organisationsverfahren einzusetzen. Ich kam sofort bei MBB in Finkenwerder zum Einsatz. Dort war ich ein kleines Rädchen bei der Entwicklung des Airbus. Wenigstens lernte ich eine weitere Programmiersprache, PL/I, mit der die Materialverwaltung der Flugzeuge gesteuert wurde. Außerdem wurden bereits Generatoren eingesetzt, die aus Pseudocode vollständige Programme generierten. Beispielsweise kam ein Entscheidungstabellengenerator zum Einsatz, der Entscheidungstabellen in Code übersetzte, was ich sehr spannend und zukunftsweisend fand.

Aber sonst lernte ich wenig dazu. Bald wechselte ich zu einer anderen Unternehmensberatung, bei der ich vier Jahre blieb. Zwei Jahre davon war ich in Hannover im Einsatz, in denen ich nur am Wochenende zuhause war. Auswärtige Einsätze, auch über längere Zeit, waren bei Unternehmensberatern nicht auszuschließen, und die Kollegen mit Spezialkenntnissen traf es öfter. Das war zwar nicht ideal, gehörte aber zum Job.

Nach dem Mooreschen GesetzDas mooresche Gesetz (englisch Moore's law; deutsch Gesetz im Sinne von Gesetzmäßigkeit) besagt, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten regelmäßig verdoppelt; je nach Quelle werden 12 bis 24 Monate als Zeitraum genannt.
Unter Komplexität verstand Gordon Moore, der das Gesetz 1965 formulierte, die Anzahl der Schaltkreiskomponenten auf einem integrierten Schaltkreis. Gelegentlich ist auch von einer Verdoppelung der Integrationsdichte die Rede, also der Anzahl an Transistoren pro Flächeneinheit. Dieser Technologiefortschritt bildet eine wesentliche Grundlage der digitalen Revolution.Quelle: Wikipedia.org
hatte sich die Rechnerleistung seit meinem Berufseinstieg bereits achtmal verdoppelt! Die Großrechner wurden kleiner. Erschwingliche Einzelplatzrechner (sog. Personal Computer) erschienen auf dem Markt. So schaffte ich mir 1986 meinen ersten Rechner an. Ich entschied mich für einen Atari 1040 STE. Er war formschön, denn die Zentraleinheit war in die Tastatur integriert. Allerdings besaß er noch keine integrierte Festplatte. Alle Daten waren auf 3,5-Zoll-Disketten gespeichert, und natürlich auch das Betriebssystem. (Die Zeit der wabbeligen 8-Zoll-Disketten war zum Glück vorbei.) Der Atari musste mit einer Boot-Diskette gestartet werden. Allerdings es gab bereits eine frühe Form der Tabellenkalkulation, eine der besten Erfindungen, seit es Computer gibt.

Während meiner Beratertätigkeit hatte ich Menschen kennengelernt, denen es nicht nur ums Geld ging, sondern die ihre ethischen Grundsätze auch im Beruf lebten. Zu diesen nahm ich Mitte der 1980er Jahre Kontakt auf. Sie hatten inzwischen eine eigene Unternehmensberatung gegründet. Und sie hatten gerade eine Anfrage einer großen Beratungsfirma hereinbekommen, die einen Projektleiter für die Entwicklung eines Systems zur Betriebskostenabrechnung für eine große Hamburger Wohnungsbaugesellschaft suchte. Ich sagte zu. ‑ Damals ahnte ich noch nicht, dass ich bei dieser Firma 27 Jahre lang bleiben würde.

Im Oktober 1989 besuchte ich zusammen mit meinem Geschäftsführer die Systems, eine IT-Fachmesse in München. Dort hielt jemand ein Referat über die Suche nach der optimalen Verbindung in einem ÖPNV-Netz. Da wir immer auf der Suche nach innovativen Ideen waren, stupste ich meinen Nachbarn an und raunte ihm zu: Wäre das nicht was für uns? Die Idee eines Auskunftssystems war geboren.

Im Januar 1991 begann die Entwicklung eines Piloten. Wir hatten uns für eine Zusammenarbeit mit dem LKI (Labor für künstliche Intelligenz der Universität Hamburg) entschlossen, um eine Förderung der Hamburger Wirtschaftsbehörde zu bekommen. Ein neuer Kollege und ich waren seitens unserer Firma mit der Entwicklung betraut, außerdem zwei LKI-Kollegen, die das Knowhow für Suchalgorithmen beisteuerten. Die Testdaten stellte uns die Hochbahn zur Verfügung.

Der Test der ersten Fahrplanauskunft lief zwei Tage. Dabei war die SUN-UNIX-Maschine, auf der der Suchalgorithmus lief, ein für damalige Verhältnisse sehr schneller Rechner. Als wir im Oktober die Antwortzeit einer Anfrage auf eine Minute gedrückt hatten, konnten wir dem Hamburger Finanzsenator und den beiden Direktoren des HVV (Hamburger Verkehrsverbund) unser Ergebnis präsentieren. Wir lehnten uns mit der Zusage aus dem Fenster, die Antwortzeit in naher Zukunft auf fünf Sekunden zu drücken und hofften dabei auf die weitere Optimierung des Algorithmus und die Weiterentwicklung der Hardware. Doch einer der HVV-Direktoren vertrat den Standpunkt, dass Hamburg eine solche Anwendung nicht brauchen würde.

Aber wir waren uns sicher, dass Hamburg ein solches System brauchen würde. Kurz darauf präsentierten wir unseren Prototypen auf der Systems, bei der mir unter anderem zwei sehr interessierte Herren über die Schulter guckten: Heinz Billing und Konrad Zuse, zwei Pioniere im Bau von Computern und Datenspeichern. Ein Jahr später, 1992, stellten wir unser Auskunftssystem auf der European Conference on Artificial Intelligence in Wien vor. Unsere Anwendung war die einzige konkrete der deutschen KI-Forschung, alle anderen Aussteller zeigten nur Plakate. — Und irgendwann in dem Jahr wurde auch der endgültige Name für das System geboren: GEOFOX.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 1993 war es dann endlich so weit: Der HVV führte GEOFOX ein! Der Vertrieb erfolgte in den ersten Jahren über eine CD-ROM, die der HVV-Nutzer auf seinem PC installieren konnte. Vier Jahre später stellten wir GEOFOX als Internet-Dienst bereit. Heute erteilt GEOFOX weit über zehn Millionen Auskünfte pro Monat.

Apropos Internet: Zuerst beschränkten sich die Gehversuche, Daten über ein Festnetz zu schicken, auf das Telefonnetz. Dazu brauchte man ein Modem oder einen Akustikkoppler. Anfang der 1990er Jahre hatten wir in der Firma einen interaktiven Online-Dienst der Post in Benutzung, namens btx (Bildschirmtext). Man brauchte dazu ein spezielles btx-Gerät. Ich meine mich zu erinnern, dass man darüber bereits Online-Banking machen konnte, allerdings auf sehr eingeschränkte Art. Aber der Dienst war sehr anfällig und schmierte oft ab. Erst 1995 bekamen wir unseren ersten ISDN-Anschluss.

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre begann der Siegeszug einer neuen Art der Kommunikation: E-Mail. Sie ist asynchron wie ein Brief, aber viel schneller. Man kann sofort reagieren, wenn man am Computer sitzt, man ist aber nicht zur sofortigen Antwort gezwungen wie bei einem Telefonat. Der E-Mail-Verkehr profitierte sehr von dem zeitgleichen Ausbau der Netze. Die Neuen Bundesländer wurden zuerst berücksichtigt, denn dort war die Technik am ältesten. Aber Norderstedt begab sich mit wilhelm.tel auf die Überholspur und verlegte ab 2000 als erste deutsche Stadt Glasfaserkabel. Wir profitierten davon ab 2001. Endlich machte es Spaß, im Internet zu surfen.

Auch die drahtlosen Netze entwickelten sich ähnlich schnell. Ebenfalls in den 1990er Jahren wurden die Mobiltelefone für jedermann bezahlbar. Ich stellte mich aber auf den Standpunkt, dass ich so etwas nicht brauchte. Ich musste nicht immer und überall erreichbar sein. Meine Frau war zwar auch dieser Meinung, aber sie sah auch die Vorteile. Schließlich fanden wir einen konkreten Anlass, uns ein Familienhandy anzuschaffen. Im Herbst 1988 fuhren wir mit Freunden ins Elsass und unser jüngster Sohn blieb zum ersten Mal allein zuhause. Über das Handy waren wir nun im Notfall erreichbar.

Ich selbst habe mir erst viel später ein eigenes Mobiltelefon zugelegt, als es die Funktionen des Adressbuchs und des Terminkalenders vereinigte. Und heute besitze ich ein Smartphone der unbegrenzten Möglichkeiten: Foto, Stadtplan, Routensuche, Regenradar, Pollenflug, Tagesschau, Spiele ‑ und seit 2011 gibt es auch eine GEOFOX-App für die Fahrplanauskunft und den Fahrkartenkauf, die ich regelmäßig nutze.

Meine Firma hatte in den 1990ern ihren Sitz in einem alten Kontorhaus am Neuen Wall. Aber die elektrischen Leitungen, die vermutlich unwesentlich jünger waren als das Haus selbst (Baujahr 1910), waren nicht für den wachsenden Strombedarf ausgelegt. Jedes Mal, wenn wir den Drucker oder ein anderes stärkeres Gerät einschalteten, flogen die Sicherungen raus. Das lähmte den Arbeitsfluss. Außerdem wuchs die Mitarbeiterzahl stetig. Und so zog die Firma Ostern 1998 in den Fleethof um.

Seit der GEOFOX-Zeit habe ich noch viele interessante Projekte durchgeführt, allerdings mehr in der Rolle des Managers. Zum Beispiel habe ich bei der Einführung von Software-Systemen in den Neuen Bundesländern mitgearbeitet. Dann kamen drei Ereignisse, die jede IT-Abteilung in Deutschland betraf: Zuerst 1993 die Postleitzahl-Umstellung von vier auf fünf Stellen. Dann näherte sich der Jahrtausendwechsel und mit ihr die Millennium-Umstellung, im Fachjargon Y2K-UmstellungY für year, 2K für 2 Kilo (=Tausend). Die Manager wurden von der Vergangenheit eingeholt. Sie mussten ein Beraterheer beauftragen, um die Datumsfelder in ihren Datenbeständen und die dazugehörigen Algorithmen um das Jahrhundert zu erweitern. ‑ Wenn sie in den 1980er Jahren etwas mehr in den Speicherplatz investiert hätten, wären sie günstiger dabei weggekommen. Aber das ist wie in der Politik: Es zählen nur die kurzfristigen Erfolge, der Blick in die Zukunft wird nicht honoriert. — Kurz nachdem die Wirtschaft Y2K verkraftet hatte, kam die Einführung des Euros. Auch für diese Umstellung war die Nachfrage nach Beratern sehr hoch. Berater zu nehmen hatte den Vorteil, dass man sie wieder loswerden konnte, wenn die Arbeit getan war.

Vier Jahrzehnte war ich in der Informationstechnik tätig. Die ersten beiden — da sagte man noch EDV (Elektronische Datenverarbeitung) ‑ waren bestimmt von Großrechnern, die über dumme Terminals bedient wurden. In meinem dritten Jahrzehnt begannen wir Systeme zu entwickelten, bei denen die Terminals zunehmend mehr Intelligenz bekamen. Die Client-Server-Architektur begann ihren Siegeszug. Und im vierten Jahrzehnt meiner Berufstätigkeit kam eine weitere Dimension hinzu: Mehr und mehr setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein riesiger Anteil der verwalteten Daten einen geographischen Bezug hatte, der sich bestens auf Karten darstellen ließ. Die Zeit der Geoinformationssysteme war angebrochen.

Wie geht es weiter? Ich bin gespannt und verfolge die Entwicklung mit Interesse.

Lange noch lag der Lochkartenstapel des Streichholzspiels ganz hinten in einer meiner Schreibtischschubladen. Von Zeit zu Zeit musste ich das mürbe gewordene Gummiband ersetzen, das den Lochkartenstapel zusammenhielt. Erst kürzlich habe ich die Lochkarten bei einer Aufräumaktion entsorgt.