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Waschtag damals

Einmal im Monat war Waschtag. In der Waschküche sortierte Mutti Wäscheberge: Weißwäsche, Kittel und Schürzen, Kinderkleider und -hosen, Arbeitskleidung und Strümpfe.

Der große Waschkessel wurde mit Wasser gefüllt, dann wurde IMI zum Einweichen der Wäsche hineingerührt. Papa hackte Holz und entzündete das Feuer in dem kleinen Ofen unter dem Kessel. Jetzt konnte Mutti die Weißwäsche ins Wasser stecken. Ich stand auf einer Fußbank und durfte mit einem großen Stampfer alles unter Wasser drücken. Über Nacht sollte sich der größte Schmutz lösen.

Früh am nächsten Morgen zog schon der Geruch von Wäschelauge durchs Haus, er vermischte sich mit dem Duft von Erbsensuppe, die auf dem Herd vor sich hin köchelte.

Als ich aus der Schule kam, musste ich mich durch Nebelschwaden vortasten. Mutti stand an der großen Waschbalje (Wanne) und scheuerte auf der Wäscheruffel den letzten Schmutz aus der Wäsche. Im Waschkessel war der nächste Stapel Wäsche eingeweicht und im Garten flatterte schon die Bettwäsche im Wind.

Immer wieder wurde mit einer großen Holzzange Wäsche aus dem Kessel gefischt, geruffelt und gespült. Oft gab es blutige Fingerknöchel. Ich wollte helfen, aber bald taten mir die Hände weh von dem kalten Wasser. Zum Schluss kamen die vielen Socken in den Bottich, die Lauge war schon ziemlich dunkel geworden, aber für die Socken musste sie noch herhalten.

Dann streifte Mutti ihr Kopftuch ab, das die Haare vor Feuchtigkeit schützen sollte und es gab einen großen Teller voll Erbsensuppe. Aber fertig waren wir noch nicht. Die große Wanne musste noch ausgekippt werden und mit der restlichen Lauge wurde die Waschküche gefeudelt.

Inzwischen waren erste Wäschestücke auf der Leine getrocknet. Oma kam zum helfen. Die großen Tischdecken, Bettlaken und Bezüge mussten gereckt, gestreckt und glatt zusammen gefaltet werden. Die Wäschemangel wurde zurecht gerückt und ich durfte die Kurbel drehen. Stück für Stück wurde durch die Holzrollen gedreht und dabei geglättet – natürlich mit Armkraft, nicht elektrisch wie heute. Meine Kraft ließ bald nach, mein Bruder durfte auch mal die Kurbel drehen. Schnell erkannten wir, dass Oma mehr Kraft hatte als wir.

Mutti stand am Bügelbrett und bügelte mit dem schweren Bügeleisen die Kleider, Hemden, Schürzen und Kittel. Im Wäschekorb stapelte sich die frisch duftende Wäsche. Mutti und Oma waren stolz und glücklich, wenn alles fertig war und im Schrank verstaut werden konnte.

Beim Abendessen haben wir alle tüchtig zugelangt, denn die Arbeit hatte uns hungrig gemacht. Mutti fiel in den Sessel. Oma hatte noch einen weiten Weg nach Hause. Obwohl ihr sicher die Füße schon wehtaten, sie musste den Weg zu Fuß gehen – wer hatte schon ein Auto?

Wie leicht haben wir es jetzt: Wir stopfen die Waschmaschine voll, drehen den Wasserhahn auf und können uns in die Sonne legen oder andere Dinge erledigen - die Technik nimmt uns die meiste Arbeit ab.

Aber Wäsche aufhängen im Garten ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, sie erinnert an die Kindheit. Und der Duft der vom Wind getrockneten Wäsche ist durch kein Parfum zu ersetzen.