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Reingefallen oder Pumuckel

Ein Kaninchen sitzt in unserem Garten, mit kuscheligem weißen Fell mit grauen Flecken: ein Hauskaninchen. Woher kommt es? Ist es ausgebüchst? Oder ausgesetzt? Ich frage bei den Nachbarn, doch niemand vermisst es. Tagelang mümmelt es vor sich hin an verschiedenen Plätzen. Auch unsere Krokusse haben ihm schon geschmeckt. Den Rasen kann es gerne kurz halten, aber bitte nicht die Primeln ausbuddeln. Pumuckel, so nennen wir unser Kaninchen, braucht ein Zuhause beschließen wir. Ein Kaninchenzüchter will es sich ansehen, falls wir es fangen können. Das ist schwieriger als gedacht, denn es hoppelt schnell in Nachbars Garten, wenn wir in seine Nähe kommen.

Beim Tierheim besorge ich eine Falle, die für das Tier ungefährlich ist. Ich lege Grünzeug hinein, schiebe den Korb unter die Rhododendren und warte...
Pumuckel beäugt den Drahtkorb aus sicherer Entfernung und meidet künftig diese Ecke des Gartens. 2 Tage lang lässt er sich gar nicht sehen. Es gießt in Strömen und ich mache mir Sorgen um unser Kaninchen.

Am nächsten Morgen höre ich noch im Halbschlaf: Du wirst es nicht glauben: das Kaninchen sitzt in der Falle. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen: April, April, meinst Du wohl aber das trifft nur für das Wetter zu, wir haben noch März. Mit einem Blick aus dem Fenster überzeuge ich mich: In der Falle unter den Büschen ist die weiße Schnute zu sehen. Während ich unter der Dusche steh, ruft Günter den Kaninchenzüchter an. Dann will ich meinem Gefangenen eine frische Möhre bringen und es beruhigen. Doch hinter der weißen Schnute ist es schwarz und - oh Schreck – das Kaninchen ist eine Katze! Sie springt erschrocken auf und grüne Augen funkeln mich ängstlich an.

Mir fällt sofort ein, dass mein Bruder einmal eine Katze aus dem Hühnerstall befreien wollte, die ihm in ihrer Panik mächtig in den Finger gebissen hat, durch den Fingernagel. Das Blut spritzte, tränkte einige Handtücher und Mutti musste mit ihm zum Krankenhaus. Er bekam Spritzen in den Finger und eine Tetanus-Spritze und einen dicken Verband.

Das sollte mir nicht passieren. Ich zog den Käfig vor, drehte die Öffnungsklappe von mir weg und zog sie langsam hoch. Wie ein geölter Blitz schoss die Katze in Richtung Heimathafen. Ich rief Günter zu: Du wirst es nicht glauben: das Kaninchen war Nachbars Katze! Neeeiiin holte er tief Luft und griff zum Telefon. Zu spät, es klingelte schon an der Haustür. Der Kaninchenzüchter war schon da. Tut mir leid sagte ich schuldbewusst, das Kaninchen war eine Katze Reingefallen meinte er und lachte. Wir zeigten ihm noch Fotos von Pumuckel, damit er nicht denkt, wir könnten ein Kaninchen nicht von einer Katze unterscheiden.
Nun warten wir weiter, dass Pumuckel irgendwann auf den Salat reinfällt und in ein richtiges Zuhause findet. Oder ich ziehe in diesem Jahr einen Zaun um unseren Gemüsegarten.