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Speisen in der Guten Alten Zeit

In Zeiten als ich ein Kind war, wurde allgemein ganz anders gekocht, ja es kamen zum Teil Speisen auf den Tisch, die man heute kaum noch kennt.

Ich erinnere mich, dass auf dem Speisezettel meiner Großmutter, die für das Kochen zuständig war, viel Getreide, wie Buchweizengrütze, Brei aus Haferflocken, Graupensuppe, Sagosuppe, Griesklöße stand. Auch aß man sehr oft Hülsenfruchtsuppen, wie Erbsen, Bohnen, Linsen. Außer Hackklößchen hasste ich alle Sorten Klopse, Mehlklöße, Grießklöße, Klüten wie der Hamburger sagt.

Bei uns zu Hause wurde sehr viel Fisch gegessen. Ich mochte es überhaupt nicht, wenn die Fische im Ganzen serviert wurden, wie z.B. gekochter Rotbarsch. Wenn er so in der Mitte des Tisches auf dem Teller lag und seine toten Augen mich ansahen, konnte ich keinerlei Appetit entwickeln. Mein Großvater aß ALLES. Den Kopf, die Augen, ich mochte nicht hinsehen und doch hing mein Blick wie gebannt an meinem Großvater. Wohl um mit mir einen Spaß zu machen, kullerte er die weißen Kugeln, die zu den Augen gehörten, über den Tisch zu mir rüber. Ich fand das überhaupt nicht witzig und ekelte mich und war darum sehr böse auf ihn. Noch heute finde ich ein Spanferkelessen wenig appetitlich. Überhaupt Tiere zu essen, macht mir heute immer noch Probleme.

Oma kochte saure Suppe auf Schinkenknochen, die Säure erhielt man von den vielen verschiedenen Trockenfrüchten, die in die Suppe gehörten. Dann gab es noch Graupensuppe, die ich für mich immer Graue Suppe nannte, auf Suppenfleisch gekocht, oder auch frische Suppe, die ich sehr gern gegessen habe. Eintöpfe habe ich geliebt, sämtliche Kohlsorten, Steckrüben, Wurzeleintopf (Möhren) aber nicht das kleinste Fleischstückchen fand Gnade und wurde von mir aussortiert. Auch Pfannkuchen mit viel Zucker, oder Kartoffelpuffer habe ich sehr gerne gegessen. Aber, wenn mir etwas nicht schmeckte, was sehr oft der Fall war, konnte ich stundenlang in meinem Essen herum stochern, baute Türmchen und kleine Gruben, sehr zur Verzweiflung meiner Familie.

Bei uns gab es fast jeden Abend Bratkartoffeln. Das war so richtig was für mich. Opa bereitete sie mit viel Liebe zu. Am besten gelangen ihm Schmorkartoffeln. Rohe Kartoffeln wurden in dünne Scheiben geschnitten, in Fett angebraten, dann kam Wasser dazu und auf die Pfanne kam ein Deckel. Sie wurden immer auf unseren Küchenherd mit offenem Feuer zubereitet. Dazu gab es Bismarckheringe, Rollmöpse und gebratene Heringe. Noch heute kann ich mich in Bratkartoffeln reinsetzen!

Alles was man heute so in Gläsern kaufen kann, wie Rote Beete, Kürbis, Sellerie, Gurken, wurde früher selber eingelegt. Auch Fleisch in Aspik bereitete Oma selber zu.

Ich war ein sehr krüsches Kind, sicher habe ich meine Familie damit sehr genervt. Bei Oma musste ich alles aufessen, meine Mutter war weniger streng, und Opa konnte ich sowieso um den Finger wickeln. Omas Spruch war immer der, dass es viele Kinder gibt, die froh wären, wenn sie mein Essen hätten. Ich für meinen Teil wäre froh gewesen, wenn mein Essen dorthin gelangt wäre. Wenn in den Speisen etwas drin war, was ich nicht kannte oder mochte, habe ich meinen ganzen Tellerrand damit verziert. Kleine Speckstücke waren mir ein Graus, überhaupt Fleisch, wenn noch irgendeine Ähnlichkeit mit einem Tier vorhanden war. Was ganz schlimm war, HAUT auf gekochter Milch. Haut auf Pudding. Igitt!!! Auch mit Dickmilch, selbst hergestellt, konnte man mich nicht locken. Der Schrecken alles Essbaren war für mich Grützwurst gebraten und dazu noch mit Rosinen! Dazu gab es Himmel und Erde, also Kartoffel-  und Apfelmus, was ich wiederum sehr gern aß. 

Aber unser Geschirr habe ich geliebt. Omas Zwiebelmuster. Wenn es Froschaugensuppe gab, Sago in Milch gekocht, schien immer das Muster des Tellers durch die Suppe durch, was zur Folge hatte, dass ich meinen Teller im Nu leer gegessen hatte.

Damals gab es lose Voll- und Magermilch, die man in Gefäßen vom Milchmann holte. Für uns Kinder war es ein Spaß, die Milchkannen, in denen man die Milch kaufte, mit voller Wucht und ohne Deckel herum zu schleudern, ohne dass ein Tropfen verloren ging. Als Oma das entdeckt hatte, musste ich die Milch in einem anderen Gefäß holen. Heute würde man sagen, Oma konnte eine richtige Spaßbremse sein!

Überhaupt kann ich mich nur an lose Lebensmittel erinnern, Verpackungen gab es meines Wissens kaum. Es wurde alles selber konserviert, Obst und Gemüse in Gläsern und Dosen eingekocht, Heringe in Sauer gelegt, Apfelringe wurden auf Garn gezogen und in Küche oder Speisekammer getrocknet.  Schmalz wurde selbst zubereitet. Wenn Oma Kartoffelpuffer herstellte, gewann sie ganz nebenbei noch Kartoffelmehl, das sie für andere Speisen brauchte.

Statt Kühlschrank hatte man eine Speisekammer mit Lüftung von außen, dort wurden Lebensmittel und fertige Speisen aufbewahrt.
 Man kochte damals sehr viele Gerichte auf zwei Tage. Aber es gab auch das Problem - besonders im Sommer - dass sich die Speisen nicht lange hielten.
 Ich weiß, dass Oma oft sagte, bei Gewitterluft können die Suppen oder Eintöpfe sauer werden.

Ich glaube, wenn es zu Zeiten, als ich Kind war, Fischstäbchen, Spaghetti, Pizza und Co. gegeben hätte -  Speisen mit denen Kinder von heute glücklich sind – wäre mir und meiner Familie viel Stress erspart geblieben. Wobei ich aber zugeben muss, dass Omas Speisen sicher auf Dauer gesünder waren.