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Mein erster zweiteiliger Badeanzug

Als ich mich so im Alter von fünfzehn, sechzehn Jahren befand, waren schon die zweiteiligen Badeanzüge in Mode.

Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als so einen zu besitzen. Das Geld war knapp, also habe ich mir selbst einen gestrickt. Zu meinen damaligen Kümmernissen gehörte, dass ich bei dem, was man heute Oberweite nennt, aber auch rein gar nichts aufzuweisen hatte. Manchmal ärgerten die Jungs und auch die Mädchen, die von da besser ausgestattet waren, mich mit Sprüchen wie: Ingrid von Husen hat keinen Busen! Oder Du solltest Dir eine Brosche anstecken, damit man weiß, wo bei Dir vorne ist!

Natürlich musste rote Wolle her! Also fing ich mit dem Stricken an. Kein schlichtes Muster, nein, eines, was die ganze Sache optisch besser ausfüllte. Schlicht und kraus und hin und her und versetzt. Ich muss wohl meine ganzen Illusionen mit hineingearbeitet haben, denn das Oberteil wurde eigentlich viel zu groß. Im Grunde hätte bei mir sowieso nur die Hose genügt.

Meine damalige Freundin hatte diesbezüglich keine Sorgen und die war noch ein Jahr jünger als ich, was ich als sehr ungerecht empfand.

Als ich meinen neuen roten Zweiteiler das erste Mal trug und aus dem Wasser kam – es war das Freibad Stadtparksee, hing alles schwer an mir herunter. Gestrickte Sachen ziehen bekanntlich nach unten, wenn sie nass werden. Aber das war nun genau das, was ich auch nicht wollte. Da stand ich nun mit meinem Oberteil, welches viel zu tief saß. Was konnte für mich schlimmer sein, ein Hängebusen oder gar keiner? Mit der Hose war es nicht viel besser. Sie war so lang, dass man sie am Körper hochziehen konnte und eigentlich gar kein Oberteil mehr brauchte. Lag es vielleicht am Strickmuster, oder hatte ich die falsche Nadelstärke genommen? Jedenfalls war ich verzweifelt und den Badeanzug habe ich das erste und letzte Mal getragen. Er wurde ganz hinten im Schrank versteckt, weder geändert noch aufgeräppelt und der Einteiler - kein gestrickter! -  kam wieder zu Ehren.