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Meine Kriegsmarinezeit

Kapitel II / 1 — Rekrutenausbildung

Mit dem D-Zug fuhr ich am 31. März 1939 von OsterodeOsterode/Ostpreußen, ab 1945 Ostróda/Polen/Ostpreußen über MarienburgStadt Marienburg, ab 1945 Malbork, DirschauDirschau in Pommern, ab 1945 Tczew, Berlin, Wittenberge, Lübeck, Kiel und Plön nach EckernfördeSeit 1912 ist Eckernförde Garnisonsstadt und Marinestützpunkt sowie Sitz einer Torpedoversuchsanstalt (TVA Eckernförde) mit zeitweise zwei Arealen in Eckernförde (TVA Nord und TVA Süd) und mehreren Außenstellen außerhalb von Eckernförde., wo ich am 1. April 1939 gegen 12 Uhr eintraf. Von einer Abordnung der 5. Schiffs-Stammabteilung (5.S.St.A) wurden die aussteigenden Freiwilligen empfangen und zur Kaserne geleitet. Den Koffer mit wenig Kleidungsstücken und Toilettenartikeln trug ich in der Hand. Der Fußweg betrug etwa drei Kilometer bis zur KaserneDie Kriegsmarine erwirbt das Gelände am Windebyer Noor 1934 und errichte die Kasernenanlage nach den Plänen des Regierungsbaurat Rambacher. Die Carlshöhe war als erste Kaserne der Stadt ein wichtiger Bestandteil des Ausbaus Eckernfördes zum Garnisonsstandort. Sie bestand aus 28 Gebäuden mit ca. 50.000 qm Nutzfläche. am Windebyer Noor. Die Sonne schien, was ein gutes Vorzeichen war. Am Eingangstor stand der Posten mit geschultertem Gewehr und präsentierte das Gewehr, als ein Offizier das Tor passierte. Im Innenhof wurden wir registriert und vorerst zur weiteren Einteilung in einen Kasernenraum eingewiesen.

Nach einem kräftigen Mittagsmahl, es gab Erbsen mit Speck, erfolgte die Einteilung zu den Einheiten. Ich kam in die 2. Kompanie, Kaserne Emden, 1. Zug, Gruppe 1, weil es nach der Körpergröße ging, ich maß seinerzeit einen Meter achtzig. Mein Zimmer befand sich an der Giebelseite der Kaserne, vom langen Korridor aus rechts hinten das erste Zimmer links, mit Blick aus dem Fenster auf das Offizierskasino. Im Flur in die Wand eingelassen waren die Gewehrnischen für unsere Karabiner 98K. Der Fußboden bestand aus geriffelten Fliesen, während der Fußbodenbelag in allen Zimmern Parkett war, das gespänt und gewachst wurde. Unser Gruppenführer und Ausbildungskorporal war der Bootsmaat Sawatzki, gebürtig aus MarienwerderMarienwerder ab 1945 Kwidyn in Ostpreußen. Er erklärte uns die Bett- und Schrankordnung. Während mein Bett unten war, schlief über mir der Kamerad Kummerow aus Mecklenburg. Bis zur Einkleidung am folgenden Tage trugen alle ihre zivile Kleidung. Unser Zugführer war Leutnant zur See Borger, unser Kompanieführer der Oberleutnant zur See Deubel. Unser Zugführer und der Bootsmaat Sawatski waren bei der Einkleidung in Uniform zugegen, berieten und passten auf, dass alle Bekleidungsstücke auch passten, denn sie wurden für jeden später Eigentum, konnten danach also nicht mehr getauscht werden. Jeder Soldat hatte ein Kleiderkonto, das er in Anspruch nehmen konnte, sparsamer Verbrauch hatte Vorteile. Als Erstausstattung erhielt jeder von uns Rekruten zwei blaue Hemden, zwei Latzhosen, einen Colani (Jacke in Blau), zwei Mützengestelle mit je zwei blauen und zwei weißen Mützenbezügen, zwei Mützenbänder mit der Aufschrift 5.S.St.A. (5. Schiffs-Stammabteilung), zwei Paradehemden in weiß, eine Paradejacke in blau, zwei Arbeitsanzüge weiß. Alsdann bekam jeder eine geliehene Uniform in feldgrau, eine Hose, eine Jacke, eine Mütze und den Stahlhelm, ein Lederkoppel mit Koppelschloss und eine Patronentasche, ein Seitengewehr, zwei Anzüge, Drillingzeug, ein Paar hohe Schnürschuhe, ein Paar Segeltuchschuhe, ein Paar Seestiefel, Sportzeug, ein Trainingsanzug blau, eine Sporthose blau, ein Sporthemd mit Adler weiß und schwarze Sportschuhe.

Auch gab es noch eine angepasste Gasmaske mit Tragebüchse in grau und einen Karabiner 98K. Außerdem erhielt jeder zwei Stickgarne rot und mehrere Sticknadeln. Damit musste jeder in der Freizeit oder bei Putz- und Flickstunden in bestimmte Stellen der empfangenen Textilien seine Stammrollennummer und den Namen einsticken. Ein Termin für die Fertigstellung wurde im Juni 1939 bestimmt. Jeder erhielt etwas später eine gestanzte Erkennungsmarke aus Zinkblech, die zum Tragen am Band um den Hals bestimmt war. Wer sie bei Kontrollen nicht umgelegt hatte, konnte bestraft werden.

Nun begann die eigentliche Rekrutenausbildung, die im täglichen Exerzieren, Geländedienst, Schießen, Sport in der Halle und Laufen, Leichtathletik, sowie Bootsdienst und Seemannschaft wie Knoten und Spleißen bestand. Unser Korporal Sawatski war ein fabelhaft guter Ausbilder und ein Vorbild für jeden von uns. Er war sehr human eingestellt und vermied bewusst Ungerechtigkeiten. Im sogenannten Gewehrgriffe kloppen hatte ich bei ihm einen Stein im Brett, weil es auch hörbar war, wenn ich mit der Hand an den Gewehrkolben fasste. Beim Schießen war ich einer der besten Schützen und sogar beim Schießen mit aufgesetzter Gasmaske schoss ich mehrere Zwölfen. Allerdings hatte es nicht zur Schützenschnur gelangt. An dem Tag hatte ich keinen guten Tag. Auf dem Windebyer Noor, dessen Wasser salzhaltig ist, wurden mit Kuttern Ruderübungen gemacht und gesegelt. Das machte oft richtig Spaß und den Segelschein sollte jeder machen. Mir war das Kuttersegeln zu langweilig, obwohl es schön war, vom Wind getrieben so dahinzugleiten.

Knoten und Spleißen fand in der Badeanstalt statt und machte mir viel Spaß. Gerätesport übten wir in der Halle für die Abschlussbesichtigung durch den Kommandeur Kapitänleutnant Köppe. Es musste jeder folgende Übungen können: Am Reck die Hocke vom Hochreck und Riesenwelle mit Sprungabgang. Am Barren: Aufschwung, Schere, Stand auf den Schultern und Absprung. Am Tisch: Sprung mit einem Sprungbrett über den hochgestellten Tisch. Der ebenfalls eingeübte Salto wurde verboten, nachdem sich ein Unfall ereignet hatte. Pferd, Grätsche und Hocke über ein lang gestelltes Pferd. Das letztgenannte Gerät war nicht mein Fall, während ich sonst keine Schwierigkeiten hatte, alle Übungen auszuführen. Ferner war Klettern am Hanfseil bis zu acht Meter Höhe angesagt, was jeder geschafft hat.

Leichtathletik bestand oft nur aus Laufübungen. Obwohl ich ein guter Weitspringer war, lief ich die Einhundert Meter nicht so gerne, lieber lief ich längere Strecken. So lief ich die eintausend Meter oft in einer guten Zeit. Das bronzene Sportabzeichen machte ich dabei, auch das Leistungsabzeichen der DLRG, den Grundstein dazu hatte ich in den Ferien in Alt Jablonken mit meinem Schwimmen im Oberländischen Kanal und im Schillingsee gelegt.

Jeder Rekrut in der Kaserne musste sich am Reinigen der Räume beteiligen, bei uns hieß das Reinigen nach Seemannsart Reinschiff machen. Ein jeder hatte seine Reinschiffstation, die er beim Pfeifen des U.v.D. aufsuchen musste.

Im Mai kam der Tag der Vereidigung, die feierlich auf dem Exerzierplatz stattfand. Unser Kommandeur Kapitänleutnant Köppe hielt eine feierliche Ansprache, die in den Worten gipfelte: Wer auf die deutsche Fahne schwört, hat nichts mehr was ihm allein gehört. Unser Schwur, wobei eine Hand die Fahne berührte, galt unserem damaligen obersten Führer Adolf Hitler, an den wir damals auch glaubten und von ihm ewigen Frieden erhofften, für den wir aber auch bereit waren, Opfer zu bringen. Wie hätte ich damals erkennen können, dass wir einem Verbrecher auf den Leim gegangen waren? Wenn sich damals jemand in abfälliger Weise über Hitler geäußert hätte, wäre er sofort abgeholt und von einem Kriegsgericht verurteilt worden. Es gab sogenannte Strafabteilungen, denen solche Leute zugeteilt wurden.

Der Kommandeur suchte einen Aufklarer und kam dabei auf mich, weil er auch einen Autopfleger haben wollte für seinen DKW. Vermutlich war ich der einzige Autoschlosser in der Abteilung. So wurde ich des Reinschiffs in die Wohnung unseres Kommandeurs beordert, die ich aufzuklaren hatte. Die Wohnung bestand aus zwei Räumen, einer Küche, Korridor und Toilette. Alle vierzehn Tage musste ich den Parkettboden behandeln, sonst hauptsächlich Staub wischen, Geschirr abwaschen und die Toilette gründlich reinigen. Bei Bedarf habe ich auch den PKW gereinigt, gewaschen und abgeledert und einmal auch den Motorraum gründlich gereinigt. Auch sollte ich dem Kommandeur als Fahrer zu Verfügung stehen, was ich aber ablehnen musste, weil ich meinen Führerschein nicht nachweisen konnte. Er war von meinem Chef Messer nicht herausgegeben worden, weil ich ihm dafür die Ausbildungskosten in Höhe von 85 Reichsmark erstatten sollte, was mir finanziell aber nicht möglich war. Bei jetziger Besoldung von fünf Reichsmark pro zehn Tage war es mir auch nicht vergönnt, diesen Betrag zu ersparen. Das Geld reichte kaum für Tabak oder mal ein abendliches Bier in der Kantine.

Nachdem wir beim Exerzieren auch den militärischen Gruß gelernt und die Überprüfung bestanden hatten, durften wir an Land gehen, also die Gegend außerhalb der Kaserne betreten. Natürlich war mir das nur in der Freizeit möglich. Beim ersten Mal hatten wir gemeinsamen Ausgang, bei dem der Korporal mitging und uns in Eckernförde herumführte. Vorgesetzte vom Unteroffizier an mussten immer gegrüßt werden, auch wenn sie uns mehrfach begegneten.

Der Geländedienst war besonders interessant, zumal er reiner Infanteriedienst war. Mit Platzpatronen wurde geschossen und auch Sturmangriff mit aufgepflanztem Seitengewehr geübt, wobei Strohballen auf der zu erobernden Seite die feindlichen Gegner darstellen sollten. Das wurde auch mit aufgesetzter Gasmaske geübt. Sehr viel Wert wurde auf ZielansprachenDie Zielansprache ist ein militärisches Verfahren, um einer anderen Person eine Beobachtung so mitzuteilen, dass diese das angesprochene Ziel selbst auffinden und erkennen kann. gelegt. Damals wusste ich noch nicht, dass ich einmal sehr froh sein würde, diese Art der Kriegsführung gelernt zu haben, obwohl der Seekrieg ganz anders aussah. Nachts war einmal Alarm: Anzug feldgrau, feldmarschmäßig in fünf Minuten vor der Kaserne angetreten! Sturmgepäck war nur eine Wolldecke und ein kleiner Tornister mit Notnahrung, Kochgeschirr und Toilettengegenständen, sowie einigen Kleidungstücken und Unterzeug. Ich hatte alles vorsorglich gepackt in meinem Schrank liegen und war pünktlich auf dem Antreteplatz. Nachzügler wurden notiert und später bestraft mit Nachexerzieren. Der Stahlhelm wurde auch mitgenommen und auf dem Tornister befestigt, später auf Befehl aufgesetzt und die Mütze im Tornister verstaut. Deubel, unser Kompaniechef war mit von der Partie und auch der Hauptfeldwebel musste mitmarschieren. Es ging um das Windebyer Noor, circa 30 Kilometer Fußmarsch. Am Mittag des folgenden Tages waren wir auf der gegenüberliegenden Seite des Noors angelangt, wo uns die Gulaschkanone mit einem willkommenen Mittagessen erwartete: Erbsen mit Speck. Während der Nachtzeit wurde schweigend ohne Tritt, jetzt am Tage gesungen und im Gleichschritt marschiert. Am späteren Nachmittag holte uns unsere Kapelle ab, sodass wir mit Marschmusik und geschultertem Gewehr durch den Ort Eckernförde zur Kaserne marschierten. Es war ein anstrengender, aber schöner Marsch.

Dreimal war unser Zug mit Hauswache dran. Morgens wurde abgelöst, die neue Wache wurde vergattert und zog in das Wachlokal am Eingangstor ein. Die Posten für Haupttor und zwei Nebentore und Exerzierschuppen wurden eingeteilt und rückten immer für zwei Stunden auf Posten aus. Das Gewehr 98K wurde mit scharfer Munition geladen und gesichert. Jeder Posten hatte einen bestimmten Bereich zu bewachen, der genau vorgeschrieben war. Diesen Bereich durfte der Posten nur bei Gefahr oder besonderen Anlässen verlassen. Falls jemand auf unnormalem Weg das Gelände betreten hätte, sollte nach Anruf geschossen werden. Das ist auch einmal am Südtor geschehen, als ein Leutnant in Zivil über den Drahtzaun klettern wollte und nicht reagierte, als der Posten ihn anrief. Er wurde leicht verwundet und erklärte später, dass er betrunken gewesen und die Orientierung verloren hatte. Er wurde daraufhin versetzt, der Posten aber gelobt, weil er richtig reagiert hatte.

Für den Parteitag des Friedens2.-11. September 1939: Der Name Reichsparteitag des Friedens sollte der Bevölkerung und dem Ausland den Friedenswillen Deutschlands dokumentieren. Er sollte am 2. September starten, wurde aber ohne Angabe von Gründen Ende August abgesagt. Am 1. September begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg., der ganz groß propagiert wurde, waren einige Kameraden ausgesucht worden, die Anfang September in Nürnberg dabei sein und dort die Abteilung der Marine vertreten sollten. Der Parteitag fand aber nicht mehr statt, weil sich Ende August, Anfang September die politischen Ereignisse überschlugen.

Im Juli 1939 wurden alle Rekruten zur Erntehilfe zur Insel Fehmarn kommandiert. Dazu wurden wir per Eisenbahn bis Großenbrode gebracht, von dort ging es mit der Fähre über den Fehmarnsund nach Burg und für unsere Gruppe in Marsch nach Staberdorf, das liegt im Osten von Fehmarn. Hier wurden wir auf mehrere Höfe verteilt. Ich kam mit den Kameraden Pfeiffer und Kummerow zu Bauer Kühl. Als Unterkunft wurde uns eine Kammer im Nebengebäude, dem Stall zugewiesen. Dort stand für jeden ein Bett und ein kleiner Schrank, gegessen wurde gemeinschaftlich im Haupthaus.

An Personal lebten hier der Großknecht Ernst, der Ställe und Vieh betreute und bei der Ernte half, eine Magd Liselotte, Lotti genannt, mit einem Kind und die Köchin Else, beide etwa zwanzig Jahre alt. Das Abendessen bestand meist aus einer großen Pfanne mit Bratkartoffeln, die auf den Tisch kam und aus der gemeinsam mit der Gabel gegessen wurde und einem Teller mit Haferflocken auf Milch. Morgens gab es belegtes Brot und Kaffee, mittags immer eine Fleischmahlzeit und zum Trinken Milch oder Kaffeemalz.

Unsere Arbeit bestand aus der Erntehilfe. Morgens um 4 Uhr wurde geweckt, eine Stunde später ging es aufs Feld. Der Knecht mähte von Hand ein Stück Getreide wie Weizen, Gerste oder Roggen. Dann kam der Mäher mit drei Pferden davor und mähte und band mit Bindegarn das Getreide zu Garben zusammen. Unsere Aufgabe war es nun, die einzelnen Garben in Hocken zusammenzustellen, die nach dem Trocknen eingefahren und im Dreschkasten ausgedroschen wurden. Die gereinigten Getreidekörner wurden in Doppelzentnersäcken in der Scheune gehortet. Pfeiffer hat die Säcke geschleppt. Das Stroh wurde mit einer Maschine zu Ballen gepresst und später von uns mittels einer langen Leiter oben in der Scheune gestaut. Der Ballen wurde dabei freihändig auf dem Rücken die Leiter hinaufgetragen. Wir waren darin sehr geübt. Einmal fiel die Bindemaschine aus und jede Garbe musste auf dem Feld von Hand gebunden werden. Das geschah mit dem Stroh des Getreides und machte viel Mehrarbeit. Obwohl wir von der ungewohnten Arbeit sehr müde waren, gingen wir abends nach Burg zum Tanzen. Manchmal kamen Lotti und Else mit dem Fahrrad mit nach Burg. Sie suchten Anschluss.

Uns hatte man in der Kaserne gewarnt mit den Worten: Wenn Sie sich dort auf Fehmarn eine Krankheit holen, kommen Sie in den Bau! Davor hatte jeder Angst, weil es das Ende jeder Karriere bedeutet hätte. Lotti hatte die Angewohnheit, morgens gegen halb vier draußen völlig nackt zu baden, indem sie sich mit einer Gießkanne abduschte. Als wir das feststellten, waren wir alle am Fenster, wenn sie duschte. Das hatte sie gesehen und kam eines Morgens auf uns zu, stellte sich breitbeinig hin und sagte: So jetzt guckt ihr euch alles an und dann lasst ihr mich in Zukunft in Ruhe. Das haben wir dann auch beherzigt. Später hatte sie den Kameraden Kummerow zum Freund. Else, die sich auch sehr um einen von uns als Freund bemühte, hatte aber keinen Erfolg.

Einmal erhielt ich vom Bauern den Auftrag, einen angeblich blinden Hengst zur Koppel zu bringen. Der Bauer sagte mir, ich solle ihn reiten, allerdings gab es weder Sattel noch Zaumzeug. Eines Morgens saß ich auf und ging mit dem Hengst langsam zur Koppel, die ungefähr zehn Minuten entfernt in Seenähe lag. Als wir an einer Nachbarkoppel mit Stuten vorbeigingen, wurde der Hengst unruhig und fing an zu laufen und kam gegen den Stacheldraht, der die Koppel umgab. Dabei fielen wir beide auf die Wiese, ich mit dem linken Unterschenkel in den Stacheldraht, wobei ich mir eine stark blutende Wunde zuzog. Ich ließ das Pferd, wo es war und lief zum Bauern, der sich sofort in Bewegung setzte und das Pferd zur Koppel brachte. Seitdem war ich vom Reiten befreit.

Anfang August ging es von Fehmarn wieder zurück in die Kaserne nach Eckernförde. Die politische Lage wurde immer gefährlicher und am 1. September 1939 war es soweit, dass deutsche Truppen in Polen eindrangen und der Zweite Weltkrieg begann. England und Frankreich erklären Deutschland den Krieg, nachdem es der Aufforderung, den Feldzug gegen Polen zu beenden, nicht nachkam. Der Polenfeldzug war schnell beendet und der Engländer hatte sich der Kampfhandlungen vorerst enthalten. Die Kaserne hatte Flakschutz bekommen. Es wurde eine Vierlings-Flakabwehr installiert und uns allen war nicht wohl bei dem Gedanken, dass wir von nun an von feindlichen Flugzeugen angegriffen werden konnten. Es blieb aber alles ruhig und der Alltag kehrte wieder ein. Am 1. Oktober wurde ich nach Beendigung meiner Rekrutenzeit zur Ausbildung als Funker nach Flensburg-Mürwik zur dortigen Marinenachrichtenschule kommandiert.

1) Der Ausdruck Volk ohne Raum war ein Schlagwort in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus. Den Begriff prägte der völkische Schriftsteller Hans Grimm mit seinem Roman Volk ohne Raum.
(Wikipedia) http://de.wikipedia.org/wiki/Volk_ohne_Raum

2) Der Martinet ist eine mehrriemige, kleine Peitsche, die in Frankreich traditionell vor allem zur körperlichen Züchtigung von Kindern und Jugendlichen und zur Erziehung von Haustieren benutzt wird. Auch bekannt als Neunschwänzige Katze
http://de.wikipedia.org/wiki/Martinet_(Züchtigungsinstrument)