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Meine Kriegsmarinezeit
Kapitel II / 2
Funkerausbildung in Flensburg-Mürwik

Am 1. Oktober 1939 wurde ich nach Beendigung meiner Rekrutenzeit zur Ausbildung als Funker nach Flensburg-Mürwik zur dortigen Marinenachrichtenschule kommandiert und Oberfunkmaat Brandenburg wurde mein Gruppenführer. Ich wohnte in der Hängemattenstube und schlief in gezurrten Hängematten. Das war neu und eine Übung für die Flotte. Es hieß fleißig lernen. Vor allem durften wir nach dem Unterricht, der bis 17 Uhr ging, in den Hörsälen das Morsealphabet üben. Hören war die Hauptsache, später kam das Geben mit der Morsetaste hinzu. Zwischendurch wurde durch sogenanntes Reeshören geprüft, welche Tempi gehört wurden. Dabei stellte ich fest, dass ich mit höheren Tempi wie 70 und 80 schon Schwierigkeiten hatte. Es waren drei Fehler im Gruppenhören und Texthören erlaubt, sonst galt die Prüfung als nicht bestanden. Da ich nicht das Tempo 70 erfüllt hatte, wurde mir vom Oberfunkmeister mitgeteilt, dass ich nicht bei der Flotte bleiben und zur Seeluftwaffe versetzt werde, es sein denn, dass ich das Tempo 80 erfülle. Fortan bin ich nicht mehr in der Freizeit an Land gegangen, sondern habe mich im Hörsaal an den automatischen Geber gesetzt, Kopfhörer auf und munter geschrieben, was ich hörte. Es kamen mehrere Tempi. Zuerst Tempo 60, dann 70 und Tempo 80. Ich brauchte schon einige Tage Übung, um Tempo 70 zu hören, dann begann ich im Laufe der Zeit auch die Tempi 80, 90 und 100 zu hören und fehlerfrei mitzuschreiben. Als dann wieder offizielles Reeshören war, habe ich die Tempi 70, 80, 90 und 100 gehört und alle fehlerfrei aufgeschrieben. Sowohl Vierergruppen als auch Text waren fehlerfrei und ich hatte die Prüfung für die Flotte bestanden.

Der Oberfunkmeister lobte meinen Eifer, was mir sehr wohl tat. In der Unterkunft war ich zusammen mit Martin Haufe, der mit mir zusammen im Januar 1940 zu Kreuzer Nürnberg nach Kiel-Werft abkommandiert wurde. Wir waren insgesamt drei Funkgasten, die dorthin abkommandiert worden sind und mit dem gepackten Seesack auf dem Rücken gemeinsam mit dem Zug nach Kiel fuhren. Wir meldeten uns in Kiel-Gaarden auf dem im Trockendock der Deutschen Werft liegenden Kreuzer Nürnberg. Der Funkoffizier Kapitänleutnant Rösing und Oberfunkmeister Rauhmann als Chef der Funkräume wiesen uns in Deck vier ein. Die Funkräume, bestehend aus dem Funk- und Schlüsselraum, dem unter Panzerdeck befindlichem Senderaum und der Z-Stelle im Vormars wurden gemeinsam besichtigt.

Im Deck vier wurden wir zusammen mit unseren Mitarbeitern und Kameraden in unsere zukünftigen Pflichten eingewiesen. Jeder erhielt eine gezurrte Hängematte, die im Hängemattenshap untergebracht war. Wir wurden den einzelnen Wachen zugeteilt. Ich kam zur Wache Cortika, Martin Haufe zu Frommknecht. Das Schiff lag seit dem 17. Dezember 1939 im Trockendock, weil es bei einer Unternehmung in der Nordsee an Englands Küste am 13.12.1939 durch einen U-Boot-Torpedo am Bug schwer beschädigt worden war. Es handelte sich dabei angeblich um eine Aufklärungsfahrt zusammen mit Kreuzer Leipzig, der mittschiffs getroffen wurde, jedoch aus eigener Kraft in einen deutschen Hafen einlaufen konnte. Auf Kreuzer Nürnberg war die Kleiderkammer abgesoffen aber es waren keine Menschenleben zu beklagen. Auf Kreuzer Leipzig sah es schon schlimmer aus, er war in der Folge nicht mehr einsatzfähig und galt als Ausbildungsschiff. An Bord gab es Unterricht in Schiffskunde, wobei wir Neulinge ziemlich oft durch die Decks geschickt wurden, Niedergang runter und wieder hoch. So lernten wir das Schiffsinnere und -äußere schnell kennen.

Oberfunkmeister Rauhmann machte Fachunterricht mit unseren Funksendern und Empfängern, wobei auch Reeshören und Geben immer aktuell war. Wache wurde zur Übung auf der Küstenwelle geschoben, solange wir im Dock lagen. Nachdem die Schäden behoben waren, wurde das Dock geflutet und wir schwammen wieder. Das Schiff wurde von einem Schlepper aus dem Trockendock hinausgezogen zu einem Liegeplatz am Kai.