© Copyright by Erinnerungswerkstatt Norderstedt 2004 - 2017
https://www.ewnor.de / http://erinnerungswerkstatt-norderstedt.de
Ausdruck nur als Leseprobe zum persönlichen Gebrauch, weitergehende Nutzung oder Weitergabe in jeglicher Form nur mit schriftlichem Einverständnis der Urheber!
Diese Seite anzeigen im

Marineeinheiten im Falklandkonflikt

Obwohl die britische Rückeroberung der von den Argentiniern vorerst besetzten Falkland (Malvinas) Inseln, grundsätzlich durch Luftangriffe und Bodengefechte errungen wurde, war der Einsatz beiderseitiger Marineeinheiten von nicht weniger Bedeutung, wenn auch mit tragischen Folgen verbunden.

Schon als die argentinischen Streitkräfte am 2. April 1982 auf den Inseln landeten, waren es Einheiten der Marine die eine vorrangige Rolle gespielt haben. Im argentinische Flottenverband der in der Nacht vom 1. April sich — angeblich unbemerkt — dem Falkland-Archipel näherte, lief der von der argentinischen Werft AFNE gebaute 4100-Tonnen-Zerstörer ARA Santisima Trinidad als Flaggschiff, gefolgt vom Zerstörer ARA Hercules, dem Landungsschiff ARA BOT Cabo San Antonio, dem U-Boot ARA Santa Fe, dem Eisbrecher ARA Almirante Irizar (als Lazarettschiff eingerichtet) und weiteren Hilfseinheiten.

In den ersten Morgenstunden des besagten 2.April erreichte die Vorhut der amphibischen Kräfte die Falklandküste südlich von Port Stanley. Die vom U-Boot ausgesetzten Kampftaucher räumten und sicherten den Strandbereich. Dann folgten die Landungsboote mit Kommandos der Marineinfanterie. Diese sollten die Residenz des Gouverneurs stürmen und die Kapitulation der britischen Truppen erzwingen.

Bei Tagesanbruch rollten die ersten amphibischen Raupenfahrzeuge mit Infanterieeinheiten an Land. Ihre Aufgabe war es, den Flugplatz zu sichern. Allerdings hatte die kleine britische Inselgarnison irgendwie Nachricht von der bevorstehenden Invasion mitgekriegt und sich beeilt, die nötigen Verteidigungsmaßnamen vorzunehmen. Unter anderem, wurde die Piste des Flugfeldes von Port Stanley mit schweren Straßenbaugeräten und Fahrzeugen blockiert, die aber nach der Landung kurzfristig von den argentinischen Mannen geräumt werden konnten. Schon um 08:30 Uhr dieses Tages befanden sich die Inseln fest in argentinischer Hand. Bald danach landeten die ersten C-130-Hercules Transportflugzeuge mit den Besatzungstruppen. Auch das weiter im Atlantik liegende Südgeorgien wurde ohne nennenswerten Widerstand von den Argentiniern besetzt.

Während Argentinien und Großbritannien noch auf eine diplomatische Lösung des Konflikts hofften und die Verhandlungen auf verschiedenen Ebenen, mit der Einschaltung von Vermittlern aus den USA und Peru, weiterliefen, setzte sich eine gewaltige britische Task Force in Bewegung.

Nahezu 90 Schiffe aller Art verließen ihre europäischen Heimathäfen mit Kurs auf die Ascencion Inseln, die als Sammel- und Ausrüstungsbasis dienen sollten. Die von den Flugzeugträgern HMS Hermes und HMS Invincible geführte British Task Force fuhr dann auf die Faikland-Inseln zu.

Zum Transport der 28.000 Mann und des benötigten Kampfmaterials, benutzten die Briten neben den 48 Einheiten der Royal Navy, mehrere requirierte Fracht- und Passagierschiffe, unter ihnen auch die Queen Elizabeth 2 und die Canberra.

Seinerseits, stockten die Argentinier ihre Verteidigungskräfte auf etwa 10.000 Mann auf und befestigten die Hauptstadt Port Stanley (in Puerto Argentino umgenannt) und ihre Umgebung.

Rückeroberung

Am 25. April eroberten die Briten Südgeorgien zurück und versenkten das zurzeit tauchunfähige argentinische U-Boot Santa Fe (ex-USS Catfish).
Kurz danach nahm ein starker britischer Flottenverband den an der Ostkante der Inseln liegenden Hafen Port Stanley unter Beschuss.
Im Gegenzug, entschloss sich die argentinische Marine das britische Geschwader vor Port Stanley in die Zange zu nehmen. Vom Norden näherte sich der Flugzeugträger ARA 25 de Mayo mit seinen Geleitschiffen. Der Kreuzer ARA General Belgrano führte das aus dem Süden kommende Geschwader, eskortiert von den Zerstörern ARA Bouchard und ARA Piedra Buena. Dieser Verband wurde vom Tanker ARA Puerto Rosales und dem Aviso ARA Gurruchaga unterstützt.

Am 2. Mai 1982, Tag der geplanten Gegenüberstellung beider Flotten, waren die Wetterbedingungen aber so schlecht, dass der veraltete Flugzeugträger ARA 25 de Mayo nicht in der Lage war, seine Flugzeuge starten zu lassen. Das argentinische Flottenkommando beschloss die Operation abzublasen und die ARA 25 de Mayo auf ihren Stützpunkt abzukommandieren. Auch der Kreuzer ARA General Belgrano bekam um 06.00 Uhr den Befehl hart nach Westen abzudrehen und sich zur taktischen Wartezone Julin zu begeben.

Als der Kreuzer die vereinbarte Ausschlusszone (exlusion zone) verlassen hatte und auch keine Luftangriffe der Briten mehr zu befürchten waren, ließ der Kapitän die Geschwindigkeit des Schiffes von 16 auf 10 Knoten herabsetzen und befahl ein Drittel der Mannschaft auf Ruhestation.

Was der Kapitän der ARA General Belgrano nicht wusste, war, das sein Schiff bereits am 1. Mai um 10.00 Uhr vom nuklear angetriebenen U-Boot HMS Conqueror gesichtet und verfolgt worden wurde. Der neue Kurs 270°, mit dem sich die argentinischen Einheiten vom Kriegsschauplatz entfernten, machte den britischen U-Boot-Kommandanten stutzig. Er verzögerte derweil den Angriff. Bisher hatte es, abgesehen von der Rückeroberung Südgeorgiens, keine größeren Auseinandersetzungen zwischen den Flotten gegeben. Auf eine Anfrage an die britische Kriegsführung, bekam die HMS Conqueror den Befehl: engage. Dies bedeutete den eigentlichen Beginn der Kampfhandlungen.

Um 16.01 Uhr bohrte sich der erste Mk24 Tigerfish Torpedo in den Rumpf der ARA General Belgrano und zerstörte einen großen Teil des Maschinenraums. Durch den massiven Wassereinbruch bekam das Schiff eine starke Schlagseite nach Backbord und die gesamte Energieversorgung an Bord fiel aus. Kaum 30 Sekunden später traf ein zweiter Torpedo das Vorderschiff, wobei etwa 15m vom Bug weggesprengt wurden.
Um 16.23 befahl der Kapitän das Schiff zu verlassen. Die 70 Rettungsinseln waren bereits zu Wasser gelassen worden und alle Überlebenden konnten sich noch rechtzeitig retten, bevor das Schiff um 17.00 Uhr, 36 Seemeilen außerhalb der exclusion zone (55°24‘S — 61°32‘W), in einer Tiefe von 3.000m seine letzte Ruhestätte fand.

Nach einer über 24 Stunden dauernde Such- und Rettungsaktion konnten 770 der 1093 Mann starken Besatzung geborgen werden. 270 fanden bereits beim ersten Torpedoangriff den Tod und weitere 53 starben an ihren Verwundungen oder durch Unterkühlung.
An dieser, unter schwierigen Wetterbedingungen ausgeführten Bergungsaktion beteiligten sich argentinische Marineflugzeuge vom Typ Neptune, Focker und Electra, sowie die Zerstörer ARA Bouchard und ARA Piedra Buena, der Aviso ARA Gurruchaga und das Polarschiff ARA Bahia Paraso.

Argentinien ergreift die Gegenoffensive

Die Argentinier empfanden den Torpedoangriff auf die ARA General Belgrano als ihre eigenes Pearl Harbour und schlugen mit Verzweiflung zurück. Allerdings wurden fast alle Uberwasserkräfte auf ihre Stützpunkte zurückkommandiert um sie nicht der Gefahr eines Angriffs feindlicher Atom-U-Boote, die vermutlich in der Kriegszone operierten, auszusetzen.

Auch die Briten waren des öfteren gezwungen U-Boot-Alarm auf ihren Schiffen auszulösen. Schließlich verfügte die Armada Argentina, ausser der 2 veralteten U-Boote der Santa Fe Klasse (ex US-Guppy Class), noch über zwei moderne Einheiten deutscher Herkunft. Es handelt sich um die Klasse 209/1200 HDW U-Boote ARA Salta und ARA San Luis.

Eigentlich kam nur die S-32 ARA San Luis zum Einsatz, aber ohne Erfolg. Dreimal hatte dieses U-Boot feindliche Einheiten im Visier und löste seine drahtgelenkten Torpedos aus. Keiner davon traf jedoch ins Ziel. Angeblich versagte das Torpedolenksystem oder es bestand eine technische Fehleinstellung der Datenübertragung. Immerhin wird es als eine große Leistung anerkannt, dass die S-32 während 39 Tage im Kriegseinsatz, davon 864 Stunden auf Tauchfahrt, unbehelligt unter der britischen Flotte Angriffs- und Ausweichmanöver ausführen konnte.

Angriff der Flieger

Am 4. Mai startete das argentinische Marineflugzeug 3-A-203 vom Typ Super Etendard vom patagonischen Festland aus und pirschte sich, knapp über den Wellen fliegend, an das britische Geschwader bei Port Stanley heran. Etwa 32 km vor dem Ziel feuerte es eine Exocet-AM39-Rakete auf die größte der feindlichen Einheiten ab.

Der Pilot konnte das Ergebnis nicht beobachten, da er sofort abdrehen musste, um noch mit dem letzten Rest Brennstoff zu seinem Stützpunkt zurückfliegen zu können.

Der Flugkörper traf den modernen 3.660-Tonnen-Zerstörer HMS Sheffield vom Typ 42 fast mittschiffs. Der Einschlag des Flugkörpers verursachte an Bord ein Großfeuer. Die vom brennenden Isoliermaterial und schmelzendem Aluminium der Aufbauten gebildeten Gase, verursachten auf dem 125m langen Zerstörer die meisten Todesopfer. Die Mannschaft musste evakuiert werden. Als man später versuchte, den Rumpf zur Reparatur abzuschleppen, drang soviel Wasser durch das klaffende Loch an der Steuerbordseite ein, dass die HMS Sheffield schließlich in den Tiefen des Südatlantik versank.

Durch weitere Flugangriffe, an denen sich Maschinen der argentinischen Luftwaffe wie auch der Marine beteiligten, verlor die Royal Navy noch den Zerstörer HMS Coventry‘t, die Fregatten HMS Ardent und HMS Antelope, sowie auch das Landungsschiff HMS Sir Galahad.
Ein weiterer schwerer Verlust für die Briten war die Versenkung des Ro-Ro-Schiffs Atlantic Conveyor. Dieses Schiff befand sich in der San Carlos Bucht als es vom selben Marineflieger der die HMS Sheffield zerstört hatte, angegriffen und versenkt wurde. Der ehemaligen Cunard Frachter (15.000 BRT) war vollbeladen mit Kriegsmaterial und Ersatzteilen. Mit den auf Deck aufgestellten Containern war das Schiff zusätzlich als Hilfsflugzeugträger umstrukturiert worden um das starten von VTO (Vertical take off) Flugzeugen und Hubschraubern zu ermöglichen.

Mindestens 17 weitere Kriegs- und Handelschiffe der British Task Force, unter ihnen auch einer der Flugzeugträger, wurden teilweise schwer beschädigt. Trotz dieser erheblichen Verluste gelang es den Briten in der Bucht bei San Carlos (im Norden Ostfalklands) einen Landungsbrückenkopf zu etablieren.
So begann an 21. Mai die entscheidende Phase des Konflikts, der mit der Kapitulation der argentinischen Streitkräfte am 14.6.1982 endete.

Der Kreuzer ARA General Belgrano (C4)

Der argentinische leichte Kreuzer ARA General Belgrano wurde 1938 in Camden N.J.(USA) gebaut und als USS Phoenix in die U.S.Navy eingegliedert. Das Schiff überstand unversehrt den japanischen Angriff auf Pearl Harbour am 07.12.1941 und nahm bis zum Ende des II. Weltkrieges an mehreren Seeschlachten im Pazifik teil. 1951 wurde es von der argentinischen Regierung erworben und mit dem Namen ARA 17 de Octubre (peronistischer Feiertag) in Dienst gestellt. Nach dem Fall des Peron-Regimes 1955, hat die Marine den Kreuzer nach dem argentinischen Vorkämpfer der Unabhängkeitsbewegung und Erschaffer der Nationalfahne, Manuel Belgrano (1770—1820), umgenannt.
Die ARA General Belgrano hatte folgende Abmessungen:
13.470t Wasserverdrängung, 185m Länge, 18m Breite, 13m Seitenhöhe, und 6,5m Tiefgang.
Das Vierschraubenschiff wurde von 4 Westinghouse Turbinen mit einer Gesamtleistung von 100.000 PS angetrieben. Die ursprüngliche
Höchstgeschwindigkeit von 32,5 Knoten war auf Grund der Überalterung der Maschinenanlage auf 20 Knoten herabgesunken. Bei einer Geschwindigkeit von 15 Knoten konnte das Schiff eine Fahrstrecke von 15.000 Seemeilen zurücklegen.
Der Kreuzer war mit fünf Drillingstürmen mit jeweils drei Kaliber 152mm und 7,15m langen Geschützen bestückt. Zusätzlich hatte das Schiff 8 Kaliber 127mm Universalkanonen.
Für die Flugabwehr standen etliche 40mm und 20mm Schnellfeuergeschütze zur Verfügung.
1968 wurden auf dem Kreuzer zwei Startanlagen für SEA-CAT Flugabwehrraketen und eine moderne Waffenleitzentrale eingebaut. Beim Einsatz im Falklandkonflikt trug der Kreuzer einen Alouette Hubschrauber an Bord, der mehrere Aufklärungsdienste leistete.

Das U-Boot ARA San Luis (S-32)

Dieses U-Boot wurde bei den Howaldtswerken in Kiel gebaut und wegen der damaligen Waffenexport-Beschränkungen in Sektionen nach Argentinien verschifft. Auf der Tandanor Werft in Buenos Aires wurde es dann zusammengeschweißt und 1974 von der Armada Argentina in Dienst gestellt.

Die S-32 San Luis hat eine Unter- Uberwaserverdrängung von 1.440/1.248ts mit folgenden Abmessungen:
55,90 x 6,30 x 5,50m. Der Antrieb erfolgte durch 4 Dieselmotoren, 4 Generatoren und einem Elektromotor.
Geschwindigkeit: 10 Knoten überwasser und 20 Knoten auf Tauchfahrt. Bei einer Geschwindigkeit von 8 Knoten kann es unter Wasser 230 Seemeilen zurücklegen.
Besatzung: 32 Mann. Für den Falkland-Einsatz wurde es mit 10 Seeziel SST-4 Torpedos deutscher Herkunft und etlichen U-Jagd-Torpedos MK-37 Modell 3 aus den USA bewaffnet.