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Händeschütteln mit Prominenten

Es ist erstaunlich, wie allt ägliche Ereignisse längst vergessene Erinnerungen in einem erwecken können. Vor kurzem verfolgte ich im Fernsehen ein Interview mit Altbundeskanzler Helmut Kohl. Der Politiker erzählte von seinen historischen Begegnungen mit Prominenten aus aller Welt. Da fiel mir wieder ein, dass er ja auch bei manchen anderen Gelegenheiten vielen normalen Leuten die Hand geschüttelt hatte, unter anderen sogar mir!

Tatsächlich, es war in den achtziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft in Buenos Aires, als ich dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl begegnete. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, unterhielten wir uns allgemein über die Deutschen im Ausland. Er staunte darüber, dass sich die deutsche Sprache in Argentinien relativ gut gehalten habe. Ich erklärte ihm, dass es außer dem fast überall etablierten Goethe-Institut mehrere deutschsprachige Lehranstalten in Buenos Aires gäbe, wie z.B. die Schiller-, die Goethe-, die Humboldt- und die Pestalozzischule.

Bei diesem Gespräch erwähnte der Bundeskanzler auch seinen kürzlichen Besuch in China, wobei er sich über die Deutschkenntnisse junger Chinesen gewundert hätte. Er habe dort erfahren, dass auf einigen Universitäten der Volksrepublik das Lernen der deutschen Sprache obligatorisch wäre. Der Grund dafür soll u.a. auch die Tatsache sein, dass die beste Fachliteratur weltweit in Deutsch geschrieben würde. 

Mit einigen Jahren Unterschied hatte ich auch als Mitglied der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer Gelegenheit, den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in der deutschen Botschaft zu begrüßen. Mit ihm führte ich allerdings nur ein kurzes Gespräch über die allgemeine Wirtschaftslage Argentiniens.

Auf Grund meiner vielseitigen Tätigkeiten in Argentinien hatte ich natürlich auch öfter Gelegenheit, Prominente der Regierung meines Heimatlandes zu begegnen. Als im Februar 1958 Dr. Arturo Frondizi zum Präsidenten der Republik gewählt wurde, beschloss er, noch vor seinem Amtsantritt sich mit Bürgern verschiedener Fachbereichen zu treffen, um sich mit ihnen über spezifische Themen auseinanderzusetzen. In diesem Sinne etablierte er etliche Workshops, um diese Treffen zu verwirklichen. Ich beteiligte mich an einem dieser Workshops, der sich vorwiegend mit dem Transport von Rohöl mit Tankschiffen befasste. Präsident Frondizi hatte sich nämlich die Förderung von Öl durch private Unternehmen ganz groß auf sein Regierungsprogramm geschrieben. So kam es, dass ich ein paar Mal mit dem Präsidenten in petto an einem Tisch saß, um Gedanken auszutauschen.

In den 60er-Jahren hatte ich sogar das Privileg, einem Staatsober­haupt in seinem Amtssitz zu begegnen. Es war der neu gewählte Präsident Arturo Illia, der uns (eine Delegation der Schiffbauindustrie) in der Casa RosadaCasa Rosada - Das Rosa Haus ist Sitz der argentinischen Regierung (1) empfing, um eine Lagebesprechung über diesen Bereich abzuhalten. Es war das erste Mal, dass ich die allerheiligsten Räume des Regierungsgebäudes betreten durfte. Das Arbeitszimmer des Präsidenten war relativ klein, nebenan war jedoch ein großer Konferenzraum, in dem wir uns mit dem Staatsoberhaupt an einen Tisch setzten. Der Eingang zu diesem Bereich der Casa Rosada wurde von zwei GrenadierenDas Wachregiment der argentinischen Regierung trägt historische Uniformen die den Grenadieren zu Pferd vom General San Martin (Befreiungsheld) entsprechen. (2) in historischer Uniform bewacht. Die Hände der Soldaten ruhten auf dem Griff ihres blanken Säbels, den sie vor sich auf den Boden gestellt hatten. Der Bedienste, der uns durch die Gemächer führte, machte uns darauf aufmerksam, dass unter den Säbelspitzen kleine Holzklötze gelegt waren, um das teure Parket zu schonen. Das Gespräch verlief recht freundlich und ein Adjutant (Oberst der Luftwaffe), machte sich Notizen über das Anliegen der Teilnehmer. Der Präsident versprach, sich um die diversen Angelegenheiten zu kümmern und drückte jedem von uns zum Abschied die Hand. Ich war der letzte beim Verlassen des Saales, und der Präsident klopfte mir noch väterlich auf die Schulter, indem er mir viel Erfolg wünschte. Leider verliefen die Versprechen dieses Präsidenten im Sande, denn er wurde nach drei Jahren seiner Amtszeit, wegen extremer Handlungsunfähigkeit durch einen Militärputsch gestürzt.

Einige Jahre später, bei einer Schiffstaufe auf einer Werft in der Nähe von Buenos Aires kam ich mit General Leopoldo Galtieri ins Gespräch, der damals Chef der regierenden Militärjunta in Argentinien war. Bei einem Glas Whisky unterhielten wir uns über Belanglosigkeiten. Zu dieser Zeit ahnte ich noch nicht, dass ich ihm kurz danach während des Falkland-Krieges, den er als Oberbefehlshaber führte, untergeordnet sein würde.

In den 80er Jahren traf ich in Washington bei einem Empfang anlässlich eines Schiffbautechnischen Kongresses mit dem ehemaligen Außenminister der Vereinigten Staaten, Henry Kissinger, zusammen. Er hatte als Gastredner an diesem Event teilgenommen. Wir plauderten über die politische Lage in Südamerika. Schließlich hatte ich dort vieles miterlebt und er hatte ja auch einiges dazu beigesteuert.

Was mich aber am meisten beeindruckt hat, war, einem König die Hand geben zu dürfen. Es geschah bei der Eröffnungsfeier der Nor-Shipping, der Schiffbaumesse in Oslo. Ich war als Herausgeber der argentinischen Zeitschrift Navitecnia angereist, um an diesem Ereignis teilzunehmen. Ich befand mich gerade am Eingang der Messehallen und wurde von den Herren des Empfangskomitees begrüßt, als eine Limousine vorfuhr und kein geringerer als Olaf V., König von Norwegen, ausstieg. Er gab jedem der Anwesenden die Hand, und als ich mich aus Buenos Aires kommend vorstellte, freute er sich zu erfahren, dass Gäste aus so weiter Ferne diese Messe besuchten.

Aber das war noch nicht alles. Als ich mich in der Nor-Shipping auf dem Stand einer holländischen Schiffsmotorenherstellerfirma befand, um Annoncen für meine Zeitschrift zu akquirieren, erschien auf einmal Willem-Alexander, Kronprinz der Niederlanden, mit kleinem Gefolge. Er wollte ganz schlicht seine Landsleute begrüßen. Wir kamen bald ins Gespräch. Ich bin davon überzeugt, hätte er damals schon geahnt, dass er später die Argentinierin Máxima heiraten würde, er hätte bestimmt von mir mehr über deren Heimat erfahren wollen. Auf jeden Fall war es für mich eine weitere Bereicherung, mit einem europäischen Prinzen bei einem Glas Sekt gemütlich plaudern zu können.

(1)Casa Rosada: Der Bau des argentinischen Regierungspalasts wurde 1886 beendet. Das Gebäude liegt in der Hauptstadt Buenos Aires, mit Front zur Plaza de Mayo (Mai-Platz) und dem Rio de la Plata im Rücken.

Benannt ist das Regierungsgebäude nach der rosa Farbe seines Anstrichs. Etwa wie das Weiße Haus in Washington.
Zur Auswahl dieser Farbe gibt es mehrere Begründungen, die histo­risch aber nicht genau belegt sind. Einerseits sagt man, dass damals zwei wichtige Politische Parteien sich mit den respektiven Farben Weiß und Rot identifizierten. Um das Regierungsgebäude neutral zu gestalten, wählte man die rosa Farbe, eine Mischung von Weiß und Rot. Anderseits wird gemunkelt, dass es in der Kolonialzeit am Rio de la Plata keine eigene Farbenproduktion gab, da alles aus Europa importiert werden musste. Die vorhanden Farbmengen reichten nicht, aus um das Gebäude anzustreichen, also mischte man einfach, was man zur Hand hatte, so entstand die rosa Farbe, die dem Palast seinen Namen gab.
(2) Grenadiere. Das Wachregiment der argentinischen Regierung trägt historische Uniformen die den Grenadieren zu Pferd vom General San Martin (Befreiungsheld) entsprechen.