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Der Honig von heute...

Teil II. — Die Insel

Hispaniola (La Isla Española, die spanische Insel, wie Columbus sie benannte) ist die zweitgrößte Insel der Großen Antillen und liegt zwischen Kuba und Puerto Rico. Auf der Insel Hispaniola befinden sich die Staaten Haiti und Dominikanische Republik. Beide sind durch eine undurchdringliche Grenze getrennt. Die Dominikaner haben eine ganz besondere Abneigung gegen die Haitianer, dessen Selbstbezeichnung als Erster Freier Negerstaat sie als unangemessen empfinden. Der größte Teil der haitianischen Bevölkerung stammt nämlich von ehemaligen afrikanischen Sklaven ab, die ihre Vergangenheit immer wieder als provokatives Aushängeschild benutzen.

Die Dominikaner sind dagegen ein sehr tolerantes und freundliches Volk. Im 2..Weltkrieg fanden Hunderte von deutschen Juden Zuflucht in der Gegend von Sosúa, einer der nördlichen Strände der Insel. Viele davon sind ansässig geworden und bilden jetzt dort eine größere deutsche Gemeinschaft. Der deutsche Einfluss in Sosúa ist allgegenwärtig. Deutsche Ware und Zeitungen sind überall zu haben. Witzige Anzeigen sind zu lesen wie zum Beispiel: Hier finden sie Preise wie bei Aldi, oder Hier kannst du futtern wie bei Muttern. Eine ausgiebige Bildergalerie säumt die Eingangsstraße zum Strand, wo es auch ein großes Angebot von Souvenirs gibt. Viele einheimische Künstler bieten hier den Touristen ihre Gemälde an.

Der Strand von Sosúa lag etwa 12 Kilometer von unserem Resort in Cabarete entfernt. Also fuhren wir öfter mit einer gua-gua (Kleinbus) zu diesem bunten Badeort. Die Strandanlagen waren gepflegt und modern eingerichtet. Der Strand selbst ist von Palmen umgeben, so dass man sich jederzeit  aus der heißen Sonne der Karibik in den Schatten begeben kann.

Ein weiterer unserer beliebten Ausflugsorte war das etwas westlich liegende Restaurant La Puntilla de Pier Giorgio. Hier hatte der italienische Immigrant Pier Giorgio die pittoreske Steilküste in eine komfortable Gaststätte umgewandelt, in der man nicht nur köstliche Speisen, sondern auch gemütliche happy hours mit Meeresblick genießen konnte.

Von diesem Standort aus haben wir öfter unseren Enkel Horacio sehen können, als dieser in einem kleinem Motorboot mit seinen Tauchkameraden in See stach, um seine Tauchübungen auszuführen. Er hatte nämlich einen Tauchkursus bei einer holländischen Ausbilderin gebucht, die ihm nicht nur die komplette Taucherausrüstung zur Verfügung stellte, sondern auch — nach überstandener Prüfung - das internationale Patent als Open Water Diver verlieh. Horacio strengte sich sehr an, um die  Fähigkeiten bestens zu erlernen und abends studierte er noch bis spät in die Nacht den theoretischen Teil der Ausbildung, der in deutscher Sprache verfasst war. Seine Anstrengunghat sich gelohnt und er bendete seinen Urlaub auf der Insel mit dem Diver Titel. Das war der Anfang seiner späteren Karriere als Stabsarzt der Marine und Kampftaucher.

Mit dem Restaurantbetreiber Giorgio haben wir uns weitgehend über die Gepflogenheiten seiner dominikanischen Angestellten unterhalten. Er erzählte uns, dass die Männer dieser Insel einen gutmütigen Charakter besitzen, jedoch sehr geschwätzig und unaufmerksam sind. Er musste ihnen immer wieder die Tischordnung erklären, trotzdem lagen täglich die Bestecke auf der falschen Seite. Es war zum Verzweifeln! Trotz seines italienischen Temperaments versuchte Giorgio der Angelegenheit gelassen entgegen zu sehen. Er meinte, die Einheimischen hätten eben keine bessere Bildung erhalten, dagegen könnte man sich auf ihre Ehrlichkeitt verlassen. In ihrer Freizeit spielten sie meistens Domino und hörten Merengue Musik. Von Weiterbildung war aber nie die Rede.
Unter den Sehenswürdigkeiten der Dominikanischen Republik befinden sich die historischen Stätten, die vor über 500 Jahren von Christoph Columbus oder von seinen Nachkommen besiedelt  worden waren. Wir besuchten eine alte Festungsanlage, die an der Stelle erbaut wurde, wo angeblich die erste Siedlung der neuen Welt gestanden hat. Columbus nannte diese Siedlung La Isabela und ließ etwa 40 Mann zurück ,um sie zu verteidigen. Die Indianer vernichteten wenige Monate später die Gebäude und töteten die Bewohner.

Ein Bruder von Columbus errichtete einige Jahre danach eine zweite Siedlung La Nueva Isabela im südlichen Teil der Insel. Diese besteht heute noch unter dem Namen Santo Domingo und ist die Hauptstadt der Republik. Unsere Tochter Beatriz und ihre Familie besuchten diese Stadt auf ihrer Rückreise nach Argentinien. Meine Frau und ich kamen leider nicht dazu, da wir von Puerto Plata (im Norden) direkt nach Hamburg zurückflogen.

Diese Rückreise ist noch eine Kurzgeschichte wert. Mit Wehmut verließen wir unseren schönen Aufenthaltsort in Cabarete und fuhren mit dem Taxi zum Flughafen. Wir hatten schon unser Gepäck abgefertigt und befanden uns im Departure Raum, als uns mitgeteilt wurde, dass das Flugzeug verspätet starten würde, da wir auf eine Anschlussmaschine warten müssten, die mit Passagieren aus Punta Cana (am östlichen Ende der Insel befindliche Flughafen) eintreffen sollte.

Endlich erschien ein bunter Haufen deutscher Touristen, die, wie bei kurzen Innenflügen üblich, alle in Strandbekleidung kostümiert waren. Als ihnen mitgeteilt wurde, dass sie n Hamburg  Temperaturen  um den Nullpunkt erwarteten, begannen sie, sich ganz gemütlich und ungeniert umzukleiden. Wir fanden es ziemlich ungewöhnlich, zusehen zu müssen, wie so viele Leute sich in einem öffentlichen Warteraum in Unterwäsche sehen ließen. Im Urlaub scheint ja so manches erlaubt sein.
Endlich saßen wir im Flugzeug, fertig zum Start. Der Flugkapitän begrüßte uns über das Bordnetz und teilte uns die wichtigsten Flugdaten mit. Er wollte wohl etwas entspannt wirken und fügte einige witzige Bemerkungen hinzu. So wie: Wir haben heute etwas Übergewicht und die Startbahn ist relativ kurz. Sie endet direkt am Wasser. Also, wenn wir nicht rechtzeitig abheben, gehen wir alle baden.

Tatsächlich dauerte es ewig lange, bis das Flugzeug sich vom Boden trennte. Wir hörten den Piloten sogar fluchen: Verdammt, ich kriege die Kiste nicht hoch…

Totenstille in der Kabine. Bis endlich, mit einem leichten Ruck, sich die Maschine  von der Luft auffangen ließ und langsam abhob. Durch das Fenster sah ich, wie knapp wir über die Brandung gekommen waren. Erleichtert applaudierten alle. Die Heimat erwartete uns schon.

[Brillezum ersten Teil zurückblättern…]