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Meine Briefmarkengeschichte

Im Jahre 1947 fing ich an, Briefmarken zu sammeln. Meine Leidenschaft begann mit den beiden Zeughausblöcken, die ich 1946 mit meinem Vater während der ersten Briefmarkenausstellung im Berliner Zeughaus erstanden hatte. Wir hatten uns damals mehrmals angestellt und stundenlang in der Schlange gewartet, weil pro Person nur je ein Block gezähnt und ungezähnt abgegeben wurde.

Um diese Zeit starb in unserem Hause der Malermeister D., dessen Frau hörte, dass Klein-Fritzchen jetzt Briefmarkensammler geworden sei. Sie schenkte meinem Vater für mich ein uraltes, dickes Briefmarkenalbum mit vorgedruckten Marken - das ging schon in den 1880er Jahren los – sowie eine größere Blechschachtel gefüllt mit vielen deutschen und ausländischen Marken, die zum Teil noch nicht abgeweicht waren. Ausgestattet mit diesem Fundus wurde ich also mit 12 Jahren Briefmarkensammler mit über 4000 Marken – ich hatte natürlich zunächst Bestandsaufnahme gemacht!

Ich drückte mir die Nase platt bei dem Briefmarkenhändler am Hermannplatz, bei dem ich natürlich auch die hellgrüne 42 der Ziffernmarkenserie sah, die man am Postschalter nicht bekam und in den Fachgeschäften sehr teuer war. Manchmal tauschte ich mit anderen Kindern und manchmal bekam ich von netten Leuten Abweichware. Briefmarken abweichen ist übrigens eine tolle, spannende Sache, macht mir heute noch Spaß! Als ich dann nach der Ausbildung selbst Geld verdiente, kamen auch noch die bisher fehlenden Sperrwerte dazu. So hatte ich bis 1960 doch schon eine stattliche Sammlung zusammengetragen.

Ich heiratete 1960 das erste Mal und nahm natürlich meine Sammlung mit. Wir wohnten damals eine Zeitlang bei Schwiegermutter in Untermiete. Die Alben, Kästchen, Heftchen und Kataloge deponierte ich im Keller in einer extra gebauten Kiste, die ich sorgfältig mit Folie ausgekleidet hatte, damit die Marken nicht ungeschützt der Feuchtigkeit ausgesetzt waren. Die Kiste sah aus wie eine Schatztruhe, und sie enthielt ja auch wirklich meinen Schatz!

Wir wohnten anderthalb Jahre bei Schwiegermutter. Sie hatte am Tage ihren Enkel in Pflege, dessen Eltern im selben Haus im Erdgeschoss eine Wohnung hatten. Schwager und Schwägerin arbeiteten beide, so dass Schwiegermutter wenigstens eine Aufgabe hatte. Wie und vor allem wann mein damaliger Neffe meine Briefmarken im Keller entdeckte und ein Heft nach dem anderen in Kaugummi und Schokolade eintauschte, haben wir zwar nicht herausbekommen. Sie waren jedenfalls bis auf ganz geringe Reste aus der Schatzkiste verschwunden, als wir im November 1962 unsere erste Wohnung bekamen und ich nun endlich meine Schätzchen hätte angemessen unterbringen können. Schwager und Schwiegermutter haben zwar durch Nachfragen bei Kindern und Nachbarn erfahren, dass es ein größerer Junge aus der Nachbarschaft war – aber wer, das sagte man ihnen offenbar nicht, oder man hat es mir verschwiegen. Er soll den Jungen innerhalb ganz kurzer Zeit dazu angestiftet haben, die bunten Bildchen zu besorgen, und er soll ihm dafür - wie gesagt - Schokolade und Kaugummi gegeben haben.

Weck is weck! Ich war so sauer, dass ich auch noch den kläglichen Rest einem Kollegen schenkte und mir schwor, nie mehr was mit Briefmarken zu tun zu haben zu wollen!

Ab 1972 hob ich mir dann und wann schon mal wieder den einen oder anderen Briefmarkenblock auf, die der Postbeamte auf dem Dorfpostamt des kleinen Örtchens N. in Rheinhessen, wo ich seinerzeit wohnte, wie Sauerbier anbot. Das fing an mit den Olympia-Blocks und anderen Sondermarken, die ich zwar auch zum Frankieren der Firmenpost benutzte, aber einige interessante Marken habe ich dann doch irgendwo hin weggelegt. Ganz allmählich flammte die alte Leidenschaft wieder auf und ich fragte bei Kassen und Firmen, die ich regelmäßig besuchte, ob ich deren alte Briefumschläge bekommen könnte. Ich bin dann mit Abweichware überhäuft worden und am Ende hatte ich so viele Marken, dass ich sie erst nach Bethel schickte und später dann den Alsterdorfer Anstalten gab.

Dann kam wieder ein Abo bei der Briefmarkensammlerstelle in Weiden/Opf. dazu, Bundesrepublik und Berlin - postfrisch und gestempelt, aber das wurde schließlich ein teures Vergnügen. Nach der Euro-Einführung haben wir meine Frau und ich! - es dann abbestellt.

Jetzt sammeln ich nur noch für Bethel und die Alsterdorfer Anstalten! Aber schöne Stücke, die ich ab und an noch bekomme, weiche ich selber ab und stecke sie in eines meiner noch nicht vollen Alben! Nur für mich!