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Unser Segelkajak

Während unserer Freundschaftszeit haben wir uns gemeinsam ein Kajak mit Segel gekauft. An dem Boot fehlte aber ein Schwert. Da ich in einem Industriebetrieb arbeitete, habe ich selbst eins angefertigt und mit einem Bolzen im Schwertkasten befestigt.

An der Meenkwiese in Eppendorf fanden wir ein preiswertes Bootshaus (Silva), von hier aus unternahmen wir sehr oft Fahrten auf den Alsterkanälen. Rauf bis nach Ohlsdorf sind wir gepaddelt, und auf der Außenalster setzten wir das drei Quadratmeter große Segel ein.
Eines Tages machten wir an der Alster Bekanntschaft mit Vereinsmitgliedern vom VFL 93, die uns gern bei sich im Verein aufnehmen wollten. Nach einigen Tagen sagten wir zu. Als Mitglieder hatten wir nun die Möglichkeit, an Wochenenden oder Urlaubsfahrten mit unserem Boot teilzunehmen.

Eines Wochenendes ging es nun los mit Ziel Geesthacht an der Oberelbe. Vom Bootshaus paddelten wir bis zur Außenalster, dann setzte ich Segel und wir kamen unbeschadet bis in die Rathaus-Schleuse. Das Wasser wurde abgelassen, jetzt, oh Schreck, bemerkte ich, dass das Boot auf dem Schleusengrund mit dem Schwert aufsetzte. Ich hatte das Schwert, das ja im Schwertkasten mit einem Bolzen gehalten wurde, nicht rechtzeitig hochgezogen! Wir waren Gott sei Dank nicht allein in der Schleuse. Ich griff ein Paddelboot, auch Knutschgondel genannt, das neben uns lag, an der Bordkante, wir rutschten nun gemeinsam, heil, ohne zu kippen, aus der Schleuse.

Nicht auszudenken, was es für Folgen hätte haben können, unsere Klamotten im Fleet, wir im Wasser, hätte bestimmt eine Rettungsaktion ausgelöst. So eine Schleusung hat gerade auf der Jungfernstieg-Brücke viele Schaulustige. Das wäre aber ein Lacher geworden!

Durch den Zollkanal ging es danach auf die Oberelbe. Hier, vom Hafen aus, fuhren Schleppkähne nach Ostdeutschland oder in die Tschechoslowakei. Unsere Kameraden sagten mir vor der Reise, wenn du einen Schleppkahn erwischen kannst, hänge dich mit dem Boot dran und lass das Boot vom Schleppkahn die Elbe hochziehen. Ich hatte Glück, ein Schiffer nahm die Leine unseres Bootes an Bord und band sie dort fest.

Nach einigen Kilometern kam uns ein Raddampfer aus Lauenburg entgegen. Der schaufelte das Wasser von uns weg, dadurch hob sich der Bug unseres Bootes gefährlich aus dem Wasser. Unser Gewicht, hätte uns unweigerlich zum Kentern gebracht, aber glücklicherweise riss im letzten Moment der Befestigungshaken aus unserem Boot aus. Wieder einmal Glück gehabt. Der Schiffsführer des Schleppkahns hat von allem nichts mitbekommen.

Die Lehre daraus: die Leine immer nur durch einen Ring auf dem Schleppkahn ziehen, dann wieder runter zum Boot geben, und in der Hand halten, um die erforderliche Länge korrigieren zu können.

Nun, in Geesthacht angekommen, die Vereinsmitglieder waren mit einem Zehnerboot (neun paddeln, einer steuert) schon da, haben wir auf der Niedersachsen-Seite unser Zeltlager am Ufer aufgeschlagen.

Abends wollten wir ein Lagerfeuer machen, Holz mussten wir aber von der schleswig-holsteinischen Nordseite holen, denn nur die war bewaldet.

Mit zehn Mann sind wir über die Elbe, ein großes Bündel Holz gesammelt, zusammengebunden, und haben dann versucht, das Bündel im Schlepptau durchs Wasser über die Elbe zu ziehen. Aber denkste, kein bisschen kamen wir voran, der Wasserwiderstand ließ es nicht zu. Also umpacken, in kleinen Portionen Holz ins Boot, und mehrmals die Elbe querend ans andere Ufer, wo wir unser Lager hatten. Jetzt konnte das Lagerfeuer am Abend entfacht werden und brennen.

Am nächsten Tag kam ein Schleppkahn, im Schlepp ein eigentümliches Gefährt. Wir sahen jemanden, der die Arme mit einer Ziehharmonika hochreckte, von einem Boot war aber nichts zu sehen. Das war nämlich vom Zug unter Wasser gedrückt worden. Das Boot konnte er nicht vom Schleppkahn lösen, er hatte ja keine Hände frei. Wir schnell mit dem Zehner Boot zu ihm hin, die Leine gelöst, ihn dann ins Boot geholt und zu uns ins Lager gebracht. Nachdem wir feststellten, dass er ein netter Kerl war, boten wir ihm an, bei uns zu bleiben. Das haben wir nicht bereut, Jürgen war sein Name. Mit seiner Ziehharmonikamusik kam es zu sehr harmonischen, schönen Tagen.

Es wurde sehr oft nach seiner Musik gesungen und auch mit den Mädels getanzt.
Alles in allem war es ein nicht zu vergessenes Wochenende.

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