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Der Ziegenbock

Nach dem Krieg entstanden im und rund um den Großraum Hamburg Siedlungen, die vom Deutschen SiedlerbundDer Verband Wohneigentum e. V. (bis 2005: Deutscher Siedlerbund e. V. - Gesamtverband für Haus- und Wohneigentum) ist ein Interessenverband zur Förderung des Baues und Erwerbs von selbstgenutztem Wohneigentum.
Das Ziel ist dabei eine Unterstützung bei der Schaffung eines familiengerechten und gesunden Lebensraumes. Mit 18 Landes- und Regionalverbänden sind ca. 370.000 Mitgliedsfamilien (Stand Juli 2006) im Verband Wohneigentum e. V. organisiert. Der örtliche Zusammenschluss der Mitgliedsfamilien ist die Siedlergemeinschaft.
[1] unter Schirmherrschaft der Nordwestdeutsche Siedlungsgesellschaft, die später in der Neuen Heimat, des größten Wohnungsbaukonzerns Europas aufging, erbaut wurden.

Eine dieser SiedlungenDie ältesten Siedlergemeinschaften sind nach den Weltkriegen in den 20er Jahren und den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts unter den Erfahrungen erlebter Not und Nahrungsmangels entstanden. Hauptaufgabe der Siedlergemeinschaften war die Organisation von Selbstversorgung der Bevölkerung und gegenseitiger Hilfe. Die Siedlergemeinschaften pflegen bis heute ein mehr oder minder stark ausgeprägtes Gemeinschaftsleben.
Auch in der Gegenwart werden noch neue Siedlergemeinschaften gebildet. Zu den wichtigsten Zielsetzungen von Siedlergemeinschaften gehören:
Die Organisation des sozialen Gemeinschaftslebens,
Die Organisation von Sammelbestellungen (z.B. Heizöl oder landwirtschaftliche Produkte),
Die Organisation von Arbeitsteilung und Nachbarschaftshilfe,
Die organisierte gemeinschaftliche Altenhilfe und Krankenbetreuung,
Organisation von Festen und gemeinsamen Aktivitäten,
Siedlergemeinschaften können aus einigen wenigen Mitgliedern, bis hin zu mehreren hundert Mitgliedsfamilien bestehen. Siedlergemeinschaften sind eine frühe Form Sozialer Wohnprojekte.
[2] am Stadtrand wurde auf dem ehemaligen Übungsgelände der Waffen-SS errichtet, Grundeigentümer war ab 1950 die Bundesvermögensverwaltung (BVV)Bundesvermögensverwaltung (BVV) war die Bezeichnung der Verwaltung für das Allgemeine Grundvermögen und die Staatsforste im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, wie sie als Teil der Bundesfinanzverwaltung von 1950 bis 2004 bestand. Eine besondere Vermögensverwaltung für das Deutsche Reich bestand nicht. Vielmehr waren dafür die einzelnen Fachverwaltungen zuständig. Nach der Kapitulation wurde im Herbst 1945 das umfangreiche Grundvermögen des Reiches, das zu großen Teilen aus bis dahin militärisch genutzten Liegenschaften bestand, in den westlichen Besatzungszonen auf Weisung der Militärregierung den Oberfinanzdirektionen zur Verwaltung zugewiesen. Dort wurden dafür Abwicklungsstellen eingerichtet. Die örtliche Verwaltung wurde den Finanzämtern übertragen, bei denen ebenfalls Abwicklungsstellen eingerichtet wurden, die 1946 ihre Arbeit aufnahmen. Sie wurden 1948 in Verwaltungsstellen für Reichs- und Staatsvermögen (RuS-Stellen) umbenannt.
Die heutige Bezeichnung lautet korrekt: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.
[3]. Die dazugehörige Germania-Kaserne wurde nach dem Krieg zu einem Krankenhaus umgebaut.

Die Vergabe der Siedlerstellen folgte einem bestimmten Procedere, man bewarb sich und ging damit eine Verpflichtung zu Kleintierhaltung und Ackerbau ein. Außerdem wurde eine Prüfung durchgeführt, der zukünftige Siedler sollte seine Befähigung nachweisen. Waren mehr Bewerber als zu vergebene Siedlerstellen vorhanden, entschied das Los. Aber erst nach einer dreijährigen Probezeit konnte das Haus gekauft werden. Geschützt durch das Reichsheimstättengesetz Die Reichsheimstätte war ein deutsches Rechtsinstitut von 1920, wodurch das Eigentumsrecht an Immobilien eingeschränkt wurde. Dieses Rechtsinstitut wurde aus sozialen Gründen mit dem Reichsheimstättengesetz vom 10. Mai 1920 geschaffen. Das Reichsheimstättengesetz wurde durch das Gesetz zur Aufhebung des Reichsheimstättengesetzes vom 17. Juni 1993 mit Wirkung zum 1. Oktober 1993 aufgehoben.
Der Zweck war der vor möglichen Gläubigern geschützte Besitz von Wohneigentum und die Bindung des Eigentümers an bestimmte bodenpolitische Ziele. Die sogenannten Heimstätten wurden zumeist durch staatliche oder kommunale Einrichtungen ausgegeben. Der sogenannte Heimstätter konnte das Eigentum an einer Heimstätte erwerben. Die Rechte aus dem Eigentum waren jedoch zu Gunsten des Ausgebers eingeschränkt. Diese Einschränkungen dienten auch zum Schutz des Eigentümers einer Heimstätte. Zu Gunsten des Heimstätters war die Zwangsvollstreckung in das Grundstück beschränkt. Dem Ausgeber stand ein gesetzliches Vorkaufsrecht zu. Für die Belastung oder Teilung eines Grundstücks war die Zustimmung des Ausgebers erforderlich. Im Falle einer missbräuchlichen Verwendung einer Heimstätte hatte der Ausgeber ein Rückkaufsrecht (Heimfallanspruch). Zudem war eine Reichsheimstätte nicht frei vererbbar.
[4] konnte ein Siedlungshaus nur zwangsversteigert werden, wenn die Bank eine familiengerechte Ersatzwohnung anbieten konnte.
Sinn dieser Maßnahmen war, den zahlreich Wohnungssuchenden Wohnraum und die Möglichkeit zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu bieten. Die Grundstücke, die an die Siedler für Neunundneunzig Jahre verpachtet wurden, hatten demzufolge eine Größe von Eintausend oder mehr Quadratmetern.
Zur Grundausstattung einer solchen Siedlerstelle gehörten Gartengeräte wie Schaufel, Spaten, Forke und Schubkarre, sowie je ein Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumenbaum.

Meine Eltern gehörten zu den Glücklichen, die so zu einem Haus mit großem Garten kamen, in das wir im September 1950 einzogen.

In den folgenden Jahren wurde ein Gemüsegarten angelegt und Hühner, die die Eier- und Frischfleischversorgung sicherstellten, angeschafft.
Die Häuser selbst entsprachen in keiner Weise den heutigen Vorstellungen, im Winter wurde mit Kohleöfen geheizt und eine Abwasserentsorgung gab es noch nicht, dafür aber ein Plumpsklo und eine Grube im Garten.

So weit die Vorgeschichte, die zum besseren Verständnis erzählt werden muss.

 

Die neuen Siedler, die hier zu einer Nachbarschaft zusammenwachsen sollten, hatten nun die unterschiedlichsten Vorstellungen von Ackerbau, Viehzucht und Kleintierhaltung. Es wurde außer Hühnern, Enten und Gänsen auch größeres Viehzeug zu Ernährungs- oder anderen Zwecken gehalten.

So auch Mitte der Fünfziger Jahre, als ein Nachbar, nennen wir ihn einmal Richard Schmitt, auf die Idee kam, einen Ziegenbock als Bewacher von Haus und Grund im Garten anzupflocken.
Richard Schmitt war ein kleiner untersetzter Mann, der damit angab, einen JagdscheinAls jemand, der einen Jagdschein besitzt, wurde und wird umgangssprachlich und stigmatisierend auch bezeichnet, wer als nicht zurechnungsfähig eingestuft wird. Bis in die 1960er Jahre gab es den Paragraphen 51 StGB, durch den psychisch Kranke pauschal als strafunmündig eingestuft wurden. Etwas überspitzt formuliert konnte man frei schießen, man hatte also den Jagdschein. Dieser Paragraph wurde unter anderem durch § 20 StGB Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen ersetzt.[5] zu besitzen, was ihn seiner Meinung nach völlig integer machte.

So annektierte er die an sein Grundstück grenzende städtische Wiese, die von uns Kindern als Fußballplatz genutzt wurde, um dort das in seinem Hause anfallende Abwasser und die Gülle zu entsorgen. Damit düngte er die Wiese, von der er dann im Sommer das Heu erntete, als Winterfutter für den Ziegenbock.

Um uns Kinder am Betreten der Wiese zu hindern, wurde der Bock nun auf der Wiese an die Kette gelegt. Damit hatte Richard Schmitt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, das Gras konnte hoch wachsen, weil wir uns nicht mehr auf die Wiese trauten. Der Bock war hinterhältig, war man in seiner Reichweite und drehte ihm den Rücken zu, bekam man einen gehörigen Stoß in den verlängerten Rücken und flog der Länge nach hin, was auch äußerst schmerzhaft sein konnte.
Nachdem wir Kinder einige Male unangenehme Erfahrungen sowohl mit Richard Schmitt als auch seinem Ziegenbock machen durften, verzogen wir uns mit unserem Fußball in ein anderes Revier, wo wir ungestört spielen konnten.

Eines Tages wurden wir aber Zeugen eines merkwürdigen Boxkampfes, danach stand uns die Wiese wieder als Spielplatz zur Verfügung.

In der Nähe der Siedlung wohnte ein Kampfsportler, einer der Wrestling-Catcher die mit ihren Schaukämpfen manchmal im großen Kuppelzelt auf dem Heiligengeistfeld in St. Pauli auftraten und sich dort zur Freude der Zuschauer gegenseitig massakrierten. Sein Sohn legte sich später einen Titel zu, nannte sich Prinz Wilhelm von Homburg und wurde als Profiboxer im Halbschwergewicht und Schauspieler im Film Der BoxprinzDer Film entstand zwischen 1999 und 2000 an Drehorten in Hamburg, San Francisco, Miami, Los Angeles und Bieberach. Gerd Kroske zeigt das Boxermilieu der 1960er- und 1970er-Jahre und ein Porträt des Boxers Norbert Grupe, Alias Prinz Wilhelm von Homburg, der durch seinen skandalträchtigen Boxstil und seine Verwicklungen mit dem kriminellen Milieu von St. Pauli bekannt wurde. Ausschnitte aus Boxkämpfen (unter anderem gegen Piero de La Papa; Óscar Bonavena) sowie Meinungen und Geschichten früherer Freunde geben Eindrücke über Norbert Grupe und seine Zeit.
Mehr Info: 1969, legendäres ZDF-Sportstudio-Interview (im neuen Popup-Fenster)
[6] bekannt.

Dieser Sportler lief mit seiner Frau öfters durch unsere Siedlung und verweilte dabei auch einmal am Rand der Wiese, auf der der Bock friedlich graste. Herr G. machte nach dem Lauf an dieser Stelle Pause, um Dehnübungen zu machen. Unvorsichtigerweise drehte er dem Ziegenbock den Rücken zu, was dieser in seiner üblichen, hinterhältigen Art quittierte. Der Bock senkte den Kopf, machte einen gewaltigen Satz und rammte sein Gehörn in das Hinterteil des Catchers. G. machte einige merkwürdige Verrenkungen und mühte sich um Haltung, drehte sich dann aber um und ging gegen den Ziegenbock vor. Mit gesenkten Kopf und erhobenen Fäusten, nach Boxermanier ging es in die erste Runde. Zack, der erste Schlag landete genau zwischen den Hörnern, worauf der Bock in die Knie ging und zur Seite kippte. Herr G. hatte ihn in der ersten Runde und mit dem ersten Schlag besiegt und K.O. geschlagen, Sieg auf der ganzen Linie? Dumm nur, dass der Ziegenbock nicht wieder aufstand und einfach liegenblieb. Richard Schmitt hatte sich inzwischen mit einer vierzackigen Heugabel bewaffnet und war zur Kampfstätte geeilt.

Es gab eine sehr lautstarke Auseinandersetzung zwischen den beiden und die Drohung mit einer Anzeige wegen Tierquälerei trieb dabei wohl auch den Preis für den getöteten Bock in die Höhe, denn G. konnte sich eine Anzeige kaum leisten, die hätte wohl seine Catcherkarriere vorzeitig beendet. Nach einiger Schreierei wurden die beiden Kontrahenten friedlich und G. bezahlte den Bock.

So zog dann wieder Frieden ein und wir hatten unseren Lieblingsplatz zurück, konnten Fußball spielen, denn Richard Schmitt benötigte ja nun kein Heu als Winterfutter mehr – dachten wir.
Nun hatte sich Schmitt aber so an das Heumachen auf der annektierten Wiese gewöhnt, dass er, ein Gewohnheitsrecht geltend machend, uns regelmäßig von seiner Wiese mit der Heugabel verscheuchte. So zogen wir wieder auf den Ausweichplatz, während die älteren Jungs sich nicht verscheuchen lassen wollten. Es gab immer wieder Auseinandersetzungen, bis Richard Schmitt eines Tages völlig die Contenance verlor und mit der Heugabel Speerwerfen übte. Einer der ältern Jungs hatte ihn so geärgert, dass Richard Schmitt die Heugabel hinter ihm her warf. Die mit vier spitzen Zinken versehene Heugabel flog in einer ballistischen Flugbahn zur Erde zurück und blieb nur Zentimeter hinter ihm im Boden stecken. — Wenn sie ihn getroffen hätte…?

Der Vater des Jungen war bei der Polizei und eine stattliche Erscheinung. Er konnte sich gegenüber Richard Schmitt Respekt verschaffen. So wurde die Wiese wieder unser Spielplatz – von gelegentlichen Übergriffen per Gülleschlauch einmal abgesehen.

[1]Der Verband Wohneigentum e. V. (bis 2005: Deutscher Siedlerbund e. V. - Gesamtverband für Haus- und Wohneigentum) ist ein Interessenverband zur Förderung des Baues und Erwerbs von selbstgenutztem Wohneigentum.
Das Ziel ist dabei eine Unterstützung bei der Schaffung eines familiengerechten und gesunden Lebensraumes. Mit 18 Landes- und Regionalverbänden sind ca. 370.000 Mitgliedsfamilien (Stand Juli 2006) im Verband Wohneigentum e. V. organisiert. Der örtliche Zusammenschluss der Mitgliedsfamilien ist die Siedlergemeinschaft.
[2]Die ältesten Siedlergemeinschaften sind nach den Weltkriegen in den 20er Jahren und den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts unter den Erfahrungen erlebter Not und Nahrungsmangels entstanden. Hauptaufgabe der Siedlergemeinschaften war die Organisation von Selbstversorgung der Bevölkerung und gegenseitiger Hilfe. Die Siedlergemeinschaften pflegen bis heute ein mehr oder minder stark ausgeprägtes Gemeinschaftsleben.
Auch in der Gegenwart werden noch neue Siedlergemeinschaften gebildet. Zu den wichtigsten Zielsetzungen von Siedlergemeinschaften gehören:
Die Organisation des sozialen Gemeinschaftslebens,
Die Organisation von Sammelbestellungen (z.B. Heizöl oder landwirtschaftliche Produkte),
Die Organisation von Arbeitsteilung und Nachbarschaftshilfe,
Die organisierte gemeinschaftliche Altenhilfe und Krankenbetreuung,
Organisation von Festen und gemeinsamen Aktivitäten,
Siedlergemeinschaften können aus einigen wenigen Mitgliedern, bis hin zu mehreren hundert Mitgliedsfamilien bestehen. Siedlergemeinschaften sind eine frühe Form Sozialer Wohnprojekte.
[3]Bundesvermögensverwaltung (BVV) ist die Bezeichnung der Verwaltung für das Allgemeine Grundvermögen und die Staatsforste im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, wie sie als Teil der Bundesfinanzverwaltung von 1950 bis 2004 bestand. Eine besondere Vermögensverwaltung für das Deutsche Reich bestand nicht. Vielmehr waren dafür die einzelnen Fachverwaltungen zuständig. Nach der Kapitulation wurde im Herbst 1945 das umfangreiche Grundvermögen des Reiches, das zu großen Teilen aus bis dahin militärisch genutzten Liegenschaften bestand, in den westlichen Besatzungszonen auf Weisung der Militärregierung den Oberfinanzdirektionen zur Verwaltung zugewiesen. Dort wurden dafür Abwicklungsstellen eingerichtet. Die örtliche Verwaltung wurde den Finanzämtern übertragen, bei denen ebenfalls Abwicklungsstellen eingerichtet wurden, die 1946 ihre Arbeit aufnahmen. Sie wurden 1948 in Verwaltungsstellen für Reichs- und Staatsvermögen (RuS-Stellen) umbenannt.
[4] Die Reichsheimstätte war ein deutsches Rechtsinstitut von 1920, wodurch das Eigentumsrecht an Immobilien eingeschränkt wurde. Dieses Rechtsinstitut wurde aus sozialen Gründen mit dem Reichsheimstättengesetz vom 10. Mai 1920 geschaffen. Das Reichsheimstättengesetz wurde durch das Gesetz zur Aufhebung des Reichsheimstättengesetzes vom 17. Juni 1993 mit Wirkung zum 1. Oktober 1993 aufgehoben.
Der Zweck war der vor möglichen Gläubigern geschützte Besitz von Wohneigentum und die Bindung des Eigentümers an bestimmte bodenpolitische Ziele. Die sogenannten Heimstätten wurden zumeist durch staatliche oder kommunale Einrichtungen ausgegeben. Der sogenannte Heimstätter konnte das Eigentum an einer Heimstätte erwerben. Die Rechte aus dem Eigentum waren jedoch zu Gunsten des Ausgebers eingeschränkt. Diese Einschränkungen dienten auch zum Schutz des Eigentümers einer Heimstätte. Zu Gunsten des Heimstätters war die Zwangsvollstreckung in das Grundstück beschränkt. Dem Ausgeber stand ein gesetzliches Vorkaufsrecht zu. Für die Belastung oder Teilung eines Grundstücks war die Zustimmung des Ausgebers erforderlich. Im Falle einer missbräuchlichen Verwendung einer Heimstätte hatte der Ausgeber ein Rückkaufsrecht (Heimfallanspruch). Zudem war eine Reichsheimstätte nicht frei vererbbar.
[5]Als jemand, der einen Jagdschein besitzt, wurde und wird umgangssprachlich und stigmatisierend auch bezeichnet, wer als nicht zurechnungsfähig eingestuft wird. Bis in die 1960er Jahre gab es den Paragraphen 51 StGB, durch den psychisch Kranke pauschal als strafunmündig eingestuft wurden. Etwas überspitzt formuliert konnte man frei schießen, man hatte also den Jagdschein. Dieser Paragraph wurde unter anderem durch § 20 StGB Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen ersetzt.
[6] Der Film entstand zwischen 1999 und 2000 an Drehorten in Hamburg, San Francisco, Miami, Los Angeles und Bieberach. Gerd Kroske zeigt das Boxermilieu der 1960er- und 1970er-Jahre und ein Porträt des Boxers Norbert Grupe, Alias Prinz Wilhelm von Homburg, der durch seinen skandalträchtigen Boxstil und seine Verwicklungen mit dem kriminellen Milieu von St. Pauli bekannt wurde. Ausschnitte aus Boxkämpfen (unter anderem gegen Piero de La Papa; Óscar Bonavena) sowie Meinungen und Geschichten früherer Freunde geben Eindrücke über Norbert Grupe und seine Zeit.

 

Legendäres Interview

Juni 1969, ZDF-Sportstudio: Interview zwischen Moderator Rainer Günzler und Norbert Grupe alias Prinz Willhelm von Homburg, nach dem verlorenen Kampf gegen Oscar Ringo Bonavena. Grupe war am nächsten Tag zu Gast im Aktuellen Sportstudio unter der Moderation von Rainer Günzler. Dort gab er sich ziemlich wortkarg, bedankte sich aber anschließend höflich bei Günzler.

Hintergrund war ein vorangegangener Beitrag Günzlers für die ZDF-Sendung Sportspiegel, in dem Günzler die sportlichen Leistungen Grupes kritisch kommentierte und sich abfällig zu Grupes teils skurrilen Auftritten in der Öffentlichkeit ausließ. Angeblich soll Grupe, Sohn eines Wrestlers, vor Freunden geschworen haben: Das kriegt der zurück!

Günzler: Wie fühlen Sie sich nach den fünf Niederschlägen von gestern Abend?

Grupe: Die waren gestern Abend, nä?

Günzler: Ja, gestern Abend. Wie gehts Ihnen denn? Gut?

Grupe: Heute gehts mir wieder gut.

Günzler: Gehts wieder gut? Sie haben sich bei irgendeinem Niederschlag den Knöchel verletzt. Sind Sie umgekippt?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Er ist umgekippt. Ich weiß, er hats mir vorher erzählt. Sagen Sie mir äh, hatten Sie schon vor dem Kampf den Eindruck, dass Sie hier einem stärkeren Gegner gegenüberstehen? Kann man dass als Mut bezeichnen, dass Sie gegen Bonavena gekämpft haben, oder war das die Vorstufe für das, was man über Sie las, dass Sie die Handschuhe an den Nagel hängen wollen?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Ich fand Sie in der zweiten Runde besser, muss ich Ihnen sagen, als jetzt im Augenblick. Ich fand Sie echt besser, denn da taten Sie was und jetzt schweigen Sie. Warum schweigen Sie?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Na, Ihr Lächeln ist ja auch ganz hübsch. Also machen wir eine andere Frage, wenn Sie die nicht beantworten wollen. War der Gewichtsunterschied vielleicht zu groß? 18 Pfund?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Auch nicht. Der Gewichtsunterschied war also auch nicht zu groß.

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Dann gestatten Sie mir vielleicht eine weitere Frage, ich hoffe auf eine Antwort. Was machen Sie demnächst? Boxen Sie weiter? Gehen Sie nach Amerika? Werden Sie wieder Schauspieler? Oder wie siehts aus?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Auch nicht. Ich bedanke mich für dieses Gespräch. Es war reizend.

Grupe: Ich mich auch. Es war sehr aufschlussreich und ich freue mich, dass Sie nach wie vor dem Boxsport mit freundlichen Augen und Worten gegenüberstehen. Recht schönen Dank, Herr Günzler.

Günzler: Bitteschön. Deswegen haben wir ja, Herr Grupe, heute Abend auch einen großen Teil unserer Sendezeit dem Boxsport gewidmet. Das war der Grund.

Legendäres Interview

Juni 1969, ZDF-Sportstudio: Interview zwischen Moderator Rainer Günzler und Norbert Grupe alias Prinz Willhelm von Homburg, nach dem verlorenen Kampf gegen Oscar Ringo Bonavena. Grupe war am nächsten Tag zu Gast im Aktuellen Sportstudio unter der Moderation von Rainer Günzler. Dort gab er sich ziemlich wortkarg, bedankte sich aber anschließend höflich bei Günzler.

Hintergrund war ein vorangegangener Beitrag Günzlers für die ZDF-Sendung Sportspiegel, in dem Günzler die sportlichen Leistungen Grupes kritisch kommentierte und sich abfällig zu Grupes teils skurrilen Auftritten in der Öffentlichkeit ausließ. Angeblich soll Grupe, Sohn eines Wrestlers, vor Freunden geschworen haben: Das kriegt der zurück!

Günzler: Wie fühlen Sie sich nach den fünf Niederschlägen von gestern Abend?

Grupe: Die waren gestern Abend, nä?

Günzler: Ja, gestern Abend. Wie gehts Ihnen denn? Gut?

Grupe: Heute gehts mir wieder gut.

Günzler: Gehts wieder gut? Sie haben sich bei irgendeinem Niederschlag den Knöchel verletzt. Sind Sie umgekippt?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler:Er ist umgekippt. Ich weiß, er hats mir vorher erzählt. Sagen Sie mir äh, hatten Sie schon vor dem Kampf den Eindruck, dass Sie hier einem stärkeren Gegner gegenüberstehen? Kann man dass als Mut bezeichnen, dass Sie gegen Bonavena gekämpft haben, oder war das die Vorstufe für das, was man über Sie las, dass Sie die Handschuhe an den Nagel hängen wollen?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Ich fand Sie in der zweiten Runde besser, muss ich Ihnen sagen, als jetzt im Augenblick. Ich fand Sie echt besser, denn da taten Sie was und jetzt schweigen Sie. Warum schweigen Sie?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Na, Ihr Lächeln ist ja auch ganz hübsch. Also machen wir eine andere Frage, wenn Sie die nicht beantworten wollen. War der Gewichtsunterschied vielleicht zu groß? 18 Pfund?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Auch nicht. Der Gewichtsunterschied war also auch nicht zu groß.

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Dann gestatten Sie mir vielleicht eine weitere Frage, ich hoffe auf eine Antwort. Was machen Sie demnächst? Boxen Sie weiter? Gehen Sie nach Amerika? Werden Sie wieder Schauspieler? Oder wie siehts aus?

Grupe: ------------ schweigt -----------

Günzler: Auch nicht. Ich bedanke mich für dieses Gespräch. Es war reizend.

Grupe: Ich mich auch. Es war sehr aufschlussreich und ich freue mich, dass Sie nach wie vor dem Boxsport mit freundlichen Augen und Worten gegenüberstehen. Recht schönen Dank, Herr Günzler.

Günzler: Bitteschön. Deswegen haben wir ja, Herr Grupe, heute Abend auch einen großen Teil unserer Sendezeit dem Boxsport gewidmet. Das war der Grund.