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Schulweg über den Heidberg

Vor dem Bau der neuen Siedlung im Hamburger Stadtteil LangenhornDer Name Langenhorn leitet sich von dem ehemaligen Landschaftsbild ab. Das Lange Horn war ein großer Laubwald auf einem langgezogenen Geestrücken im Gebiet des heutigen Langenhorn.Quelle: Wikipedia.org[1] und dem Bezug der Häuser auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der SS-Kaserne GermaniaFreicorps Danmark1937 und 1938 wurde nördlich der Fritz-Schumacher-Siedlung an der Tangstedter Landstraße eine Waffen-SS-Kaserne gebaut. Stationiert wurde dort das 1. Bataillon der SS-Standarte Germania, das an den deutschen Einmärschen in Österreich und der Tschechoslowakai 1938 und 1939 teilnahm. Am 19. Juli 1941 reisten die ersten 800 dänischen Freiwilligen von Kopenhagen nach Hamburg. In der SS-Kaserne Hamburg-Langenhorn wurde das Freikorps, das Frikorps Danmark formiert, vereidigt und ausgebildet. Im Mai 1942 wurde Frikorps Danmark in der Kesselschlacht von Demjansk eingesetzt.Quelle: Wikipedia.org[2] im September 1950 waren zunächst Straßen angelegt worden, um das Siedlungsgelände zu erschließen. Von der Hauptstraße, der Tangstedter LandstraßeTangstedter Landstraße ab dem Jahre 1898, erster Ausbau: 1.8.1914. Davor: Weg Nr.320. Verbindung von Langenhorn nach Tangstedt. Bis etwa 1920 nur zur Hohen Liedt hin mit Kleinpflaster und seitlichen Gräben. Von da aus nach Glashütte nur als Sandweg. Erst 1936, nach dem Abtragen von Napps Berg, wurde das Stück auch befestigt. Napps Berg war eine sandige Erhöhung rund um das Gebäude von dem Bauern Napp, an der Tangstedter Landstraße 413. Dieser Sandberg (Postglaziale Moränenlandschaft) wurde 1945/46 von den Engländern abgetragen. Der Sand wurde zur Befestigung der damaligen Wiesenlande- und Startbahnen (heute Flughafen Fuhlsbüttel) benutzt.Quelle: Langenhorn-Archiv[3], wurden alle neuen Straßen als Nebenweg mit einer fortlaufenden Nummer bezeichnet. So lautete die Adresse unseres Hauses beim Einzug im September 1950: Tangstedter Landstraße, Nebenweg 5, Parzelle 93 und wurde so auch in meinen Kinderausweis eingetragen, der von der britischen Militärverwaltung ausgestellt worden war. Das Verwaltungsbüro der Britischen Zone war einmal in der Woche im Gasthaus Zum Wattkorn bei Adolf Schwen untergebracht, der als Storchenvater lokale Berühmtheit wegen seiner Fürsorge bei der Pflege kranker Störche erlangte. Hier wurden die Aufgaben der späteren Einwohnermeldeämter erfüllt und von hier bezogen meine Eltern zunächst auch das Hühnerfutter für unser Federvieh.

Dass so kurz nach dem Kriegsende die Verwaltung und Planung noch nicht perfekt funktionierten, mache ich daran fest, dass im folgenden Jahr eine Adressenänderung erfolgte, die im Personalausweis für die Britische Zone ebenfalls vermerkt wurde. Aus Nebenweg 5, Parzelle 93 wurde nun: Tangstedter Landstraße, Nebenweg 9 und dem Zusatz einer Hausnummer. Als emailliertes, blaues Blechschild zierte sie fortan die zur Straße zeigende Hauswand. Im Juli 1952 wurden die Straßen ein drittes Mal umbenannt und blaue, emaillierte Straßenschilder aufgestellt. Der Nebenweg 1, der direkt in die Tangstedter Landstraße mündete, wurde nach einem Dorf im Kreis Segeberg in Wakendofer Weg umbenannt, mit allen anderen Nebenwegen verfuhr die Verwaltung entsprechend. Die Dörfer Jersbek, Sülfeld, Wulksfelde, Bargfeld, Kayhude, Grabau, Henstedt, Schmalfeld und Wakendorf wurden zu Namensgebern der neuen Straßen. 1954 wurde noch eine weitere Straße, vom Wakendorfer Weg abgehend, gebaut, der Götzberger Weg. In einem der hier neu entstanden Häuser wurde dann eine Praxis für Allgemeinmedizin eröffnet.

Nun wuchs diese neue Siedlung nicht etwa zu einer homogenen Einheit zusammen, dazu waren die Unterschiede von Anfang an zu groß. Der große nördliche Teil des Geländes war mit Einfamilien- und Doppelhäusern bebaut worden, die den Siedlern als Eigentum auf Pachtland überlassen wurden. Zu den Häusern gehörte jeweils eine Parzelle Land von ungefähr eintausend Quadratmetern zur Selbstversorgung mit Gemüse und Obst und zur Kleinviehhaltung. Diese 150 Siedlerstellen bildeten die Heidberg-Siedlung. Die Siedler gründeten einen eingetragenen Verein gleichen Namens, zahlten Mitgliedsbeiträge, organisierten Siedlungs- und Kinderfeste und veranstalteten Laternenumzüge. Drei Straßen weiter südlich aber begann für uns Kinder feindliches Gebiet. Die Nordwestdeutsche Siedlungsgesellschaft hatte hier kleine Reihenhäuser in sehr einfacher Ausstattung für minderbemittelte Sozialmieter erstellt, Klein-Texas genannt. Dort wird die Miete mit dem Revolver kassiert bemerkte mein Vater einmal. Gegenüber der Texassiedlung, wie sie im Volksmund hieß, standen weitere Schlichtbauten, die Mau-Mau genannt wurden. Diese Bezeichnung entstand während der Kolonialkämpfe in Kenia, weil auch diese Neubauten so primitiv wie die einheimischen in Kenia ausgeführt wurden. Zwar hatten wir alle nichts, doch meine Eltern sahen es nicht gerne, dass ich mit den Kindern aus Mau-Mau oder Klein-Texas spielte. Anders war es mit den südlich des Wakendorfer Weges errichteten mehrstöckigen Mietwohnungen, die vor wenigen Jahren den Abrissbaggern zum Opfer fielen, um für besser ausgestattete Neubauten Platz zu schaffen. Eine besondere Bezeichnung gab es für diese Häuser nicht, obwohl auch diese nur äußerst spartanisch mit Ofenheizung und einem Gemeinschaftsbad im Keller ausgestattet waren. Hier wohnte mein bester Schulfreund Holger, von meinen Eltern wohlgelitten, und Hans-Joachim, den sie gar nicht mochten, weil er sich damals schon meistens abseits geltender Regeln bewegte und meine späteren Schwiegereltern.

Für so viele Menschen musste nun neben Straßen auch weitere Infrastruktur geschaffen werden. Ein Lebensmittelgeschäft, Produktion prangte in goldenen Lettern über dem Eingang, eröffnete im Wakendorfer Weg, und um die Ecke gleich nebenan, machte eine Kneipe auf. Die nächste Schule lag gut sechs Kilometer von der neuen Siedlung entfernt an der Fritz-Schumacher-Allee, das war für die Kinder zu weit. Der Schulneubau auf dem Grundstück gleich hinter der ehemaligen Kaserne, die nun ein Krankenhaus beherbergte, wurde 1952 als Schule am Heidberg eröffnet und verkürzte den Schulweg auf knapp zwei Kilometer. Wegen meines Geburtsmonats März und dem davor liegenden Stichtag für den Beginn der Schulpflicht wurde ich zwar 1955 noch nicht eingeschult, kam aber, da ich dafür alt genug war, am 1. April in den Schulkindergarten. Damit war das Herumgammeln zu Hause, wie meine Mutter es nannte, vorbei. Der kürzeste Weg zum Kindergarten führte quer durch unsere Siedlung auf einem der Wirtschaftswege an die Tangstedter Landstraße, vorbei an der langen, eindrucksvollen Kasernenmauer aus grob behauenen Kalksteinen bis in die neue Schule am Heidberg. Auf der anderen Straßenseite gab es sie damals noch, die Heide, die im Spätsommer und Herbst so wundervoll violett blühte. Im Sommer konnte ich im warmen Sand zwischen dem Heidekraut Eidechsen fangen. Stellte ich mich dabei ungeschickt an, rissen die flinken Reptilien einfach ihren Schwanz ab und entkamen.

Ostern 1956 wurde ich dann eingeschult. Ich bekam einen Schulranzen aus braunem Rindsleder, eine Schultasche zum Umhängen für das Pausenbrot und die obligatorische Schultüte mit allerlei Süßem und auch Nützlichem. Die Schulleiterin begrüßte die Eltern und die neuen Schüler, stellte sich als Fräulein Bauer vor, obwohl sie nicht mehr ganz jung war. Da sie aber unverheiratet war, bestand sie auf der Anrede Fräulein. Meine Eltern eröffneten mir, dass für mich jetzt der Ernst des Lebens beginnen würde und ich fleißig lernen müsse, um gute Zensuren nach Hause zu bringen. Sonst kannst du nur noch Straßenfeger werden, sagte meine Mutter. Ich erinnere mich noch gerne an die nette Klassenlehrerin Fräulein Wrage, die uns Schüler bis zur vierten oder gar fünften Klasse begleitete.

Ab dem Schuljahr 1959 traten große Veränderungen ein. Zunächst verschwand die schöne Heidelandschaft mit ihren sanften Sandhügeln gegenüber dem Krankenhaus Heidberg. Sie fiel gefräßigen Baggern zum Opfer, die jetzt dort gruben. Es entstanden neue rot geklinkerte Reihen- und Mehrfamilienhäuser. Das gesamte neue Siedlungsgebiet wurde durch die neu gebaute Straße Am Holitzberg bis dicht an das Kiwittsmoor erschlossen. Vorbei war es mit herrlich violettem Heidekraut im Herbst und Eidechsen, die ihre Schwänze verschenkten. Als unmittelbare Folge des enormen Zuwachses an neuen Schülern wurde die vierte Klasse neu aufgeteilt in eine Klasse 4a und 4b. In diesem Jahr hätten wir ein goldenes Klassentreffen feiern können. Es verwundert mich aber nicht, dass es dazu nicht kam, denn die freie Zeit nach den Schularbeiten verbrachten wir in den Siedlungen, in denen wir wohnten. Die neue Siedlung am Holitzberg war immerhin zwei Kilometer weit entfernt, zu weit weg, um sich mit den neuen Klassenkameraden anzufreunden. Man sah sich in der Schule, aber in der Freizeit blieb man in seiner Siedlung.

Mit der neuen Siedlung kam auch etwas Kultur zu uns. Auf der Rasenfläche vor den Mehrfamilienhäusern wurde eine Skulptur aus Granitgestein aufgestellt. Sie sah aus wie ein flügellahmer Adler, der seine gestutzten Schwingen hilflos ausbreitete und doch nicht fliegen konnte. In der örtlichen Presse brach ein Sturm der Entrüstung los über die Geldverschwendung für so einen Unfug. Der Kommentar meines Vaters dazu war ein Picassozitat: Kunst ist das, was der Narr dafür bezahlt. Nahm er dieses Kunstwerk noch gelassen hin, erregte er sich über das zweite Kunstwerk, das in der Nähe der Straße Hohe Liedt aufgestellt wurde. Dort war ein lebensgroßer Mann aus Bronze zu bewundern und er war nackt! An Badetagen schlossen sich die Eltern im Badezimmer ein und hängten noch ein Handtuch vor das Schlüsselloch. Dass jetzt ein nackter Mann auf der grünen Wiese gegenüber der Schule stand, erregte die Gemüter sehr. Wir Kinder gingen damit ganz anders um. Als sich die erste Aufregung gelegt hatte und es nicht mehr so heftig im Blätterwald rauschte, wurde der Bronzemann mit Mutters Sidol auf Hochglanz gebracht, zunächst einmal die primären Geschlechtsmerkmale. Damit hatte die örtliche Presse wieder neuen Stoff und kochte die Bronzemanngeschichte erneut auf großer Flamme. In den Jahren danach wurde alles Mögliche mit der Skulptur angestellt, es wurden Hosen angezogen und wieder ausgezogen, sein Pimmel auf Hochglanz geputzt oder rot angepinselt, auch hatte man ihm hin und wieder ein Präservativ übergestülpt. Irgendwann interessierte sich niemand mehr für den Mann aus Bronze und es wurde merklich ruhiger um ihn.

Es ergab sich immer eine Gelegenheit, auf dem Rückweg von der Schule etwas Interessantes zu erleben. Der Nachhauseweg führte an der langen Kasernenmauer entlang, die mit ihren grob behauenen Kalksteinblöcken Gelegenheit zum Klettern bot. Es machte Spaß, dort auf die Mauer zu klettern und in meiner Fantasie kam ich mir vor wie Luis Trenker in Der Berg ruftPlakat Luis Trenker. Hundert Meter hinter dem eindrucksvollen Eingangsportal des Krankenhauses standen ein paar große Buchen mit hohen, glatten Stämmen. Im Herbst vertrödelte ich hier gerne Zeit, um Bucheckern zu suchen. In guten Jahren mit langen warmen Sommern gab es reichlich davon und sie schmeckten mir sehr gut. Zu Hause gab es dann, weil ich zu spät war, kaltes Essen mit Vorwürfen garniert.

Zu meinem zehnten Geburtstag bekam ich von meinen Eltern ein FahrradLesen Sie auch: Mein erstes Fahrrad geschenkt, im Jahr darauf durfte ich mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Allerdings waren meine Eltern nicht leicht zu überzeugen gewesen, dass dies sinnvoll wäre. Zu groß waren ihre Bedenken, das Fahrrad könnte beschädigt oder gar gestohlen werden. Falls dies passieren würde, könnten sie mir kein neues Rad kaufen und ich müsse wieder zu Fuß gehen, so lautete unser Vertrag, unter dem sie schließlich zustimmten, dass ich zukünftig mit dem Rad zur Schule fuhr. Nach dem Weggang unserer ersten Klassenlehrerin Frau Wrage wechselte das Lehrpersonal häufig. Nun aber kam Frau Eva Richter als feste Lehrerin und übernahm unsere Klasse. Auch bekamen wir in diesem Jahr zum ersten Mal einen Lehrer, Herrn Lehmann-Grube, der uns in den naturwissenschaftlichen Fächern Physik und Chemie unterrichtete. Sein Unterricht machte mir besonders viel Spaß, weil er ihn abwechslungsreich und sehr interessant gestaltete. Ich erinnere mich an einen ganz besonderen Unterricht, es wurde über die Funktionsweise des Ottomotors gesprochen. In der Folgestunde durften die Jungs unserer Klasse eine Runde mit seinem VW-Käfer über den Schulhof fahren. Er saß dabei wie ein Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz und gab uns Anweisungen zum Bedienen von Kupplung, Gaspedal und Bremse. Danach hatten einige von uns den dringenden Wunsch Kraftfahrzeugmechaniker zu werden.

Bis 1965 ging ich auf die Schule am Heidberg. Der Heidberg existiert schon lange nicht mehr und die Bebauung hat sich in den Folgejahren noch weiter verdichtet. Ab 1965 begann man auch auf Glashütter Gebiet Mehrfamilienhäuser zu bauen. Was bisher noch Agrarland war, verwandelte sich zusehends in eine Stadt. Die Prognose meiner Mutter: Wartet nur, die Stadt kommt zu uns ist wahr geworden. Weitere Ackerflächen werden im nächsten Jahr oder in den nächsten Jahren bebaut werden. Unter dem enormen Druck der jetzigen Flüchtlingsproblematik werden die letzten grünen Wiesen Hamburgs mit Mehrfamilienhäusern bebaut werden. Hoffen wir, dass es keine Zeltstädte werden und Hamburgs Häuptlinge zum sozialen Wohnungsbau für alle Wohnungssuchenden zurückfinden und bezahlbaren Wohnraum schaffen.
Dafür wären vielleicht die Olympiamilliarden gut angelegt.

Der Bebauungsplan Heidbergsiedlung 1950 als Panoramabild:

Nach diesem Bebauungsplan der Nordwestdeutschen Siedlungsgesellschft sollte die neue Siedlung entstehen. Der Plan wurde den Siedlern 1980 zum 30jährigen Jubeläum der Siedlung überreicht.

Der Bebauungsplann von 1950 als Panorama-Bild. Klicken Sie auf den rechten Schalter Vollbildmodus und scrollen Sie mit dem Scrollrad Ihrer Maus in das Panorama-Bild.

Historische Anmerkung:
Bereits in prähistorischer Zeit siedelten hier Menschen, wie Ausgrabungen ergaben. Auf einer Karte von Langenhorn aus dem Jahre 1750 sind noch Hügelgräber eingezeichnet. Auf der Karte von 1740 ist der Venusberg eingezeichnet, der ein Hügelgrab war, aber später abgetragen wurde. Er befand sich dort, wo heute der Neubergerweg in die Langenhorner Chaussee einmündet, auf der gegenüberliegenden Seite des Neubergerweges, etwas versetzt. Auf derselben Karte ist noch ein zweites Hügelgrab eingezeichnet, mit gleichem, aber kleinerem Zeichen, etwas versteckt. Es liegt in gerader Linie weiter südlich, zwischen schwarz gekennzeichnetem Saatland. Bei der damaligen Tarpenkate an der Straße Tarpen befanden sich ebenfalls Hügelgräber. Auf der Fuhlsbüttler Feldmark an der Grenze zu Langenhorn waren fünf Hügelgräber aus der Bronzezeit. Alle der fünf Gräber hatten große Steinkammern, ca. 120 bis 240 Zentimeter tief, in denen sich kleinere Steinkisten befanden, die Urnen mit Knochen und Asche sowie Bronzeschwerter enthielten. Ein heute noch erhaltenes Hügelgrab, das Taternberg genannt wird, befindet sich in Fuhlsbüttel.

Am 25. November 1332 erwarb der Hamburger Ratsherr und spätere Bürgermeister von Hamburg Nicolaus vom Berge (latinisiert auch Nicolaus de Monte) für 200 Mark Pfennig Langenhorn von dem Grafen Adolf VII. Seitdem ist Langenhorn ununterbrochen im Hamburger Besitz geblieben. Die Familie vom Berge blieb bis 1452 im Besitz des Dorfes, denn dann starb der Hamburger Bürgermeister Hinrich vom Berge (latinisiert auch Hinricus de Monte) und Langenhorn wurde erbschaftsbedingt aufgeteilt. Nach und nach wurden Teilstücke Langenhorns dem Hospital St. Georg vererbt oder verkauft. 1509 besaß es ein Drittel, später die Hälfte, während der Oberalte Albert Wittekop (1602 Oberalter, 1607 Präses der Oberalten) die andere Hälfte besaß. Ab dem 9. April 1615 war ganz Langenhorn im Besitz des Hospitals, denn dann erwarb es die zweite Hälfte von den Erben des vermutlich Ende 1614 verstorbenen Albert Wittekop. Nach Albert Wittekop wurde 1938 der Wittekopsweg in Langenhorn benannt. Nach dem Hospital St. Georg, niederdeutsch auch St. Jürgen, wurde 1932 die Straße St. Jürgens Holz und 1938 die Kirche St. Jürgen benannt. Ein ehemaliges Siegel von Langenhorn zeigt den Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen. Das Archivgut von 1615 über den Verkauf der Hälfte Langenhorns durch die Erben Wittekops an das Hospital verschwand 1945 und ist heute bei der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste Lost Art gelistet.

Quelle: Wikipedia.org

[1] Der Name Langenhorn leitet sich von dem ehemaligen Landschaftsbild ab. Das Lange Horn war ein großer Laubwald auf einem langgezogenen Geestrücken im Gebiet des heutigen Langenhorn. Quelle: Wikipedia.org

[2] 1937 und 1938 wurde nördlich der Fritz-Schumacher-Siedlung an der Tangstedter Landstraße eine Waffen-SS-Kaserne gebaut. Stationiert wurde dort das 1. Bataillon der SS-Standarte Germania, das an den deutschen Einmärschen in Österreich und der Tschechoslowakai 1938 und 1939 teilnahm. Am 19. Juli 1941 reisten die ersten 800 dänischen Freiwilligen von Kopenhagen nach Hamburg. In der SS-Kaserne Hamburg-Langenhorn wurde das Freikorps, das Frikorps Danmark formiert, vereidigt und ausgebildet. Im Mai 1942 wurde Frikorps Danmark in der Kesselschlacht von Demjansk eingesetzt.Quelle: Wikipedia.org

[3] Tangstedter Landstraße ab dem Jahre 1898, erster Ausbau: 1.8.1914. Davor: Weg Nr.320. Verbindung von Langenhorn nach Tangstedt. Bis etwa 1920 nur zur Hohen Liedt hin mit Kleinpflaster und seitlichen Gräben. Von da aus nach Glashütte nur als Sandweg. Erst 1936, nach dem Abtragen von Napps Berg, wurde das Stück auch befestigt. Napps Berg war eine sandige Erhöhung rund um das Gebäude von dem Bauern Napp, an der Tangstedter Landstraße 413. Dieser Sandberg (Postglaziale Moränenlandschaft) wurde 1945/46 von den Engländern abgetragen. Der Sand wurde zur Befestigung und Ausbau der damaligen Wiesenlande- und Startbahnen (heute Flughafen Fuhlsbüttel) benutzt.Quelle: Langenhorn-Archiv