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Mons Claudianus

Bayram  ist das islamische Fest des Fastenbrechens. Es folgt unmittelbar dem Fastenmonat Ramadan und dauert drei Tage. Da die islamische Zeitrechnung auf dem Mondjahr basiert, findet das Fest auf unserem Kalender jedes Jahr elf Tage früher statt.
Im Jahre 1966 fiel das Bayram-Fest auf Ende Januar, eine ideale Reisezeit in Ägypten. Eine Gruppe von deutschen Lehrern der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo mit ihren Familien hatte sich vorgenommen, eine Wüstentour nach Mittelägypten zu machen. Ein kleiner Konvoi von fünf Wagen war zusammengekommen, alle mit drei bis fünf Personen besetzt. Auf dem Programm standen die Wüstenoasen Charga und Dachla (oh, toll!) sowie ein alter römischer Steinbruch (na ja).

Unserer Schule war ein Kindergarten angeschlossen. Eine der Kindergärtnerinnen war mit von der Partie. Sie besaß einen VW-Käfer. Aber sie traute sich die Wüstenfahrt nicht zu. Da der Initiator der Vater meiner damaligen Freundin war, wurde ich gefragt, ob ich den Wagen fahren wollte. Nichts lieber als das! Wüstentouren waren meine Leidenschaft!

Die Fahrt geht zuerst nach Asyut, das südlich von Kairo im Niltal liegt. Von dort aus verlassen wir das grüne, fruchtbare Niltal und fahren in südwestlicher Richtung etwa 200 km in die Libysche Wüste zur Oase Charga. Wie gut, dass es Januar ist, denn im Sommer geht das Thermometer dort bis 40°C hoch. Die Sand- und Felsformationen der Wüste präsentieren sich in den unterschiedlichsten Farben. Hin und wieder verschwindet die Straße unter einer Sandverwehung, die man entweder umfahren oder mit Schwung durchschwimmen kann.

Dass eine Oase nicht ein inmitten von Wanderdünen gelegener palmenumsäumter Tümpel ist, der von durstigen Dromedaren leergetrunken wird, ist mir längst bekannt. Schließlich leben in diesen Oasen-Senken, die -zig Quadratkilometer groß sind, mehrere tausend Menschen. Trotzdem bin ich etwas enttäuscht. In Charga sieht es ungefähr so aus wie auch sonst im Niltal. In Erinnerung ist mir ein Meer von Dattelpalmen geblieben und altägyptische Tempel, wie man sie fast überall in Ägypten findet. Ausgrabungen gab es damals noch nicht. Weitere Einzelheiten sind in meiner Erinnerung verblasst. Für die weitere 150 km westlich liegende Oase Dachla, die wir dann besuchen, gilt dasselbe. Ich kann heute nicht einmal mehr sagen, wo wir unsere Zelte aufgeschlagen hatten.

In Charga hat eins der Autos einen Kolbenbruch, sodass wir die Tour am nächsten Tag nur noch mit vier Autos fortsetzen. Wir lassen die Westliche Wüste hinter uns und fahren zurück nach Asyut. Weiter geht es nach Süden, immer im Niltal entlang. In Abydos besichtigen wir den Totentempel von Sethos I. und fahren dann nach Osten, dem Verlauf der Nilschleife folgend, bis nach Qena.

Von Qena aus geht es wieder in die Wüste, diesmal aber in die Östliche oder Arabische Wüste, die sich bis zum Roten Meer erstreckt. Unser Ziel ist Mons Claudianus, 120 km östlich von Qena. Die ersten 40 km folgen wir der asphaltierten Landstraße, die ans Rote Meer nach Safaga führt. Dann geht es links ab in die Wüste. Ab hier sind es nur noch 80 km. Die Piste ist streckenweise gut sichtbar, oft aber auch nur zu erahnen. Wegweiser: Fehlanzeige. Nun müssen wir den Kompass zu Hilfe nehmen, um die Himmelsrichtung einzuhalten. Keine Menschenseele, nicht einmal Beduinen in dieser Gegend. Ich verwerfe den Gedanken, dass uns irgendwas passieren könnte.

Die Piste folgt meist dem Verlauf der Wadis, aber sie ist nicht immer eindeutig zu erkennen. Hier sind auch die Verwehungen erheblich stärker als in der Libyschen Wüste. Oft müssen wir Sanddünen umfahren. Aber wenn dies nicht möglich ist, muss man Anlauf nehmen und durch den weichen Sand durchschwimmen. Dabei gilt die Regel, möglichst nicht in der Spur des vorweg fahrenden Fahrzeugs!

Mehrfach bleibt ein Fahrzeug stecken. Auch ich mache bei der Durchquerung einer Verwehung den Fehler, nicht zu warten, bis der Vorfahrer durch ist. Ich bin bereits gestartet, als der andere sich festfährt. Da ich ihn nicht umfahren kann, bleibe auch ich stecken. Aber wir sind gerüstet: Außer dem Fahrer müssen alle aussteigen, um das Fahrzeug leichter zu machen. Mit Schaufeln und Matten, die wir vor die Räder legen, und mit vereinten menschlichen Kräften gelingt es uns immer, die Autos wieder flott zu machen. — Trotzdem ärgere ich mich, dass mir das passiert ist.
Als wir in Mons Claudianus ankommen, ist es schon recht spät. Da in diesen Breiten die Sonne sehr schnell untergeht, bauen wir zuerst einmal unsere Zelte auf und verpflegen uns.

Am nächsten Morgen können wir die Anlage in vollem Umfang bewundern. Die Steinbrüche von Mons Claudianus gehörten zu den bedeutendsten römischen Steinbrüchen, weil nur das hiesige Material geeignet war, große Monolithe aus einem Stück zu brechen. Allerdings gelang das nicht immer, denn wir finden den Rohling einer großen geborstenen Brunnenschale von 3,5 m Durchmesser und eine zerbrochene Säule von 20 m Länge und einem Durchmesser von 2,5 m. Die Säulen des Pantheons in Rom und anderer Gebäude sollen hier gebrochen worden sein.

Was für einen Aufwand hat Rom getrieben! Ich stelle mir vor, wie die Kundschafter des Kaisers Claudius, des Namenspatrons des Areals, so um das Jahr 30 n. Chr. in die Wüste geschickt wurden, um geeignete Felsformationen zu suchen, die sich zum Brechen von Monolithen eignen. Dann wurden hochspezialisierte Arbeiter dort angesiedelt, die unter dem Schutz des Militärs in mehreren Steinbrüchen arbeiteten. Schließlich mussten die 200 Tonnen schweren Säulenrohlinge auf unwegsamem Gelände über 120 km quer durch die Wüste zum Nil transportiert und auf Flussschiffe verladen werden. — Auch heute noch sollen im Flussbett des Nils Monolithe liegen, die gekenterte Schiffe verloren haben.

Die Struktur der Arbeitersiedlung ist noch gut zu erkennen. Es soll die besterhaltene römische Anlage ihrer Art in Ägypten sein. Erst im 4. Jahrhundert wurden die Steinbrüche aufgegeben.
Schließlich führt uns der Weg zurück nach Qena, von wo aus ich mit der Bahn zurück nach Kairo fahre, während die anderen von Qena aus zum Zelten nach Hurghada ans Rote Meer fahren, um noch ein paar Tage Badeurlaub zu machen.

Von den Wüstenoasen hatte ich mir viel versprochen, von Mons Claudianus weniger. Es kam genau umgekehrt. Die Wüstentour nach Mons Claudianus war sehr erlebnisreich und hat viel Spaß gemacht.

Bayram (osmanisch ‏بایرام‎, auch ‏بیرام‎ und ‏بیرم‎, selten badhram / ‏بذرم‎) ist die türkische Bezeichnung für Feiertage. Es bezeichnet sowohl die religiösen Feiertage wie Ramazan Bayramı (auch Şeker Bayramı / ‏شکر بيرامی‎ / ‚Zuckerfest‘) und den Kurban Bayramı / ‏قربان بيرامی‎ / ‚Opferfest‘ als auch die staatlichen Feiertage. Im Albanischen und Bosnischen werden lediglich das Opferfest und das Fest des Fastenbrechens als Bajram bezeichnet. Der Begriff wird auch für internationale oder ausländische wichtige Feste und von türkischen Christen für die christlichen Feiertage verwendet.
Die beiden kanonischen Hauptfeste des Islam (arabisch: ʿĪd) tragen in der Türkei beide den Namen Bayram. Wegen des islamischen Mondkalenders wandern sie durch alle Jahreszeiten.