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Vom Klappenschrank zum Smartphone

Als ich am 1. April 1964 meine Lehrzeit bei der grauen Post im fernmeldetechnischen Dienst begann, ahnte ich nicht, welch technische Entwicklung ich während meines Berufslebens erfahren würde.

Als Kinder hatten wir bereits das Telefonieren als ein unterhaltsames Spiel für uns entdeckt. Aus zwei leeren Konservendosen und einem Bindfaden wurde unser Faden-TelefonDer chinesische Philosoph Kung-Foo Whing erfand das Fadentelefon im Jahr 968. Er verband zwei Zylinder aus Bambusrohr mit einem straff gespannten Faden. Ein Zylinder diente als Mikrofon, der andere als Lautsprecher. gebaut. Mit Mutters Milchdosenpiekser wurden zwei kleine Löcher in die Blechböden der Dosen gemacht, der Faden hindurchgezogen und mit einem Knoten gesichert. Wurde der Bindfaden straff gespannt, konnten die Dosen wechselseitig als Mikrofon oder Hörmuschel verwendet werden. Das machte sehr viel Spaß, leider war es nur ein Spiel zu zweit. Zu mehreren konnte man dann Stille PostStille Post (auch bekannt als Flüsterpost) ist ein Kinderspiel. Der Begriff wird aber auch sinnbildlich für die Verfälschung von Nachrichten durch die mehrfache informelle Weitergabe verwendet.Siehe Wikipedia.org spielen. Dazu bildeten die Spieler einen Kreis und der Erste flüsterte dem Nachbarn etwas ins Ohr, was dieser dann wortgetreu an den nächsten Spieler weitergeben sollte. Der Letzte in der Reihe sagte dann laut, was ihm ins Ohr geflüstert wurde. Das machte immer großen Spaß, besonders, wenn am Ende nur noch Unsinn verstanden wurde. So kam ich frühzeitig mit den Grundlagen des Fernmeldewesens in Berührung, der Übertragung einer Nachricht, möglichst unbeschädigt, von einem Ort zum anderen. Vielleicht hat das ja meinen Berufswunsch, Fernmelder zu werden, wesentlich beeinflusst?

Während meiner Lehrzeit lernte ich den Stromlaufplan des damals allgegenwärtigen Fernsprechapparats der Baureihe W48W48 aus Bakelit kennen und konnte ihn, hätte man mich nachts geweckt, auswendig aufzeichnen, ohne mir vorher den Schlaf aus den Augen zu reiben. Die Auswahl an Telefonen beschränkte sich in den 1950er Jahren auf zwei Standardmodelle, den Fernsprechtischapparat W48 in schwarz mit Wählscheibe. Seltener und eleganter war der Fernsprechapparat W49, der sowohl als Tisch- oder Wandapparat Verwendung fand, elfenbeinfarbig mit grünen Ziffern auf der Wählscheibe, andere Telefonapparate gab es zu der Zeit nicht. Die wenigsten Haushalte hatten in dieser Zeit einen eigenen Telefonanschluss, es war durchaus üblich zum Nachbarn zu laufen, wenn man dringend telefonieren musste. Und die Anschlüsse waren knapp und teuer, viele Leute teilten sich daher einen Telefonanschluss. Der sogenannte Zweieranschluss hatte den Nachteil, dass der Partner genau dann telefonierte, wenn man dringend selbst ein Gespräch führen musste, oder einen wichtigen Anruf erwartete. Hob man den Hörer ab, gab es weder Frei- noch Besetztzeichen, der Anschluss war einfach mausetot. Im ländlichen Raum wurden sogar Wählsternschalter eingebaut, um die knappen Leitungsressourcen besser zu nutzen, da teilten sich manchmal einhundert Telefonbesitzer zehn Leitungen. Das funktionierte natürlich nur bei Wenigtelefonierern.

Die Post, als öffentliches Unternehmen des Bundes hatte eine Anschlusspflicht, musste also jedem Antragsteller, egal wo er wohnte, einen Telefonanschluss zur Verfügung stellen. Auf öffentlichen Plätzen wurden gelbe Telefonzellen aufgestellt, die mit einem Münzfernsprecher ausgestattet waren. In vielen Telefonhäuschen gab es ein Telefonbuch und ein Schild mit der Aufschrift: Fasse Dich kurz. Ein Telefonat kostete ab 1964 zwanzig Pfennig, die Grundgebühr für einen Einzelanschluss betrug 18 D-Mark und es gab noch keinen einheitlichen Notruf in Deutschland. Erst als der achtjährige Björn Steiger 1969 nach einem Verkehrsunfall starb, weil die Rettungskräfte zu spät eintrafen, gründete sein Vater die Björn-Steiger-Stiftung, welche die Einführung einheitlicher Notrufnummern vorantrieb. 1973 wurden Deutschlandweit die einheitlichen Notrufnummern 110 und 112 eingeführt. Es brauchte aber noch weitere 36 Jahre bis 2009 das Europaparlament die Einführung eines europäischen Notrufs 112 beschloss. In den Telefonzellen wurden ab 1973 Schalter nachgerüstet, die das kostenlose Absetzen eines Notrufes ermöglichten.

Ab Anfang der 1960er Jahre wurde der Fernsprechapparat 611 eingeführt, in grau und etwas leichter und kompakter, immer noch mit einer Wählscheibe ausgestattet, im amtlichen Sprachgebrauch Nummernschalter genannt. Zuhause wurden Brokatponchos zur Verschönerung der grauen Telefone und Telefonbänkchen angeschafft, denn die fest angeschlossenen Telefonkabel – daher der heute noch übliche Name Festnetzanschluss – hatten eine Standardlänge von zwei Metern. Gegen eine monatliche Gebühr konnte man beim Fernmeldeamt auch eine Sechs-Meter-Schnur bekommen. Ab Anfang der 1970er Jahre gab es diese grauen Telefone dann auch in ockergelb, lachsrot, hellrotorange und farngrün.

Meine weitere Ausbildung fand nicht nur an den Hamburger Lehrgangsorten Lokstedt, Stellingen und Wandsbek statt, sondern auch in den Vermittlungsräumen und anderen Betriebsstätten. So durfte ich im Rahmen der Ausbildung die verschlissenen Schnüre an den Klappenschränken der mit der Hand zu vermittelten Fernleitungsstrecken auswechseln, die hauptsächlich für den Telefonverkehr in die DDR noch lange existierten. Das waren damals, Mitte der 1960er Jahre, schon Museumstücke, aber an einen Selbstwählfernverkehr war aufgrund der politischen Lage nicht zu denken. Die Überwachung der Telefongespräche zwischen Ost und West durch die Staatsorgane der DDR hatte oberste Priorität.

Anfang der 1980er Jahre begann die Post mit der Einführung von ISDNIntegrated Services Digital Network (ISDN) ist ein internationaler Standard für ein digitales Telekommunikationsnetz und lässt sich als dienstintegrierendes digitales Netz übersetzen.Siehe Wikipedia.org, damit begann die Digitalisierung des bis dahin analogen Telefonnetzes und in Hamburg-Hoheluft wurde die erste digitale Vermittlungsstelle Deutschlands gebaut. Damit war die Zeit des reinen Telefonierens vorbei, mit der neuen Technik wurde die Übertragung von Fax, Telex, Teletext, Daten und Sprache über die selbe Leitung möglich. Dann tauchte auf der Hannover-Messe das erste digitale Videotelefon auf, damals eine echte und vielbeachtete Sensation. Die Fernmeldeämter verkauften Decoder, mit denen per Teletext Nachrichten auf dem Fernsehgerät dargestellt werden konnten und Onlinebanking möglich wurde. Zur Datenübertragung per Telefonleitung kamen Akustikkoppler zum Einsatz, die 300 Baud pro Sekunde übertragen konnten. Damit wurde die Übertragung von Textnachrichten per Telefon möglich und die Post reagierte mit Tariferhöhung. Bis 1980 kostete eine Tarifeinheit 23 Pfennig, dafür konnte man ein endloses Ortsgespräch, theoretisch über Wochen und Monate führen. Das nutzten Computerfreaks, um mit ihren Akustikkopplern Daten zu übertragen. Eine Verbindung wurde dann möglichst endlos lange gehalten bis sie zusammenbrach oder von Amts wegen ausgelöst wurde. Der damalige Postminister Kurt Gscheidle entschied mit den Worten: Die Dauerbelegung einer Telefonleitung für 23 Pfennig ist nicht kostengerecht, die Einführung des Acht-Minuten-Taktes als neuen Ortstarif. Fortan wurden alle acht Minuten 23 Pfennig Telefongebühr fällig und das Telefonieren damit sehr viel teurer. Neben Telefonbänkchen und Brokatüberzügen für die grauen Telefone erfreuten sich die Dauertelefonierer und Quasselstrippen eines neuen Telefon-Accessoires: Einer Eieruhr, damit man mit den Kosten im Acht-Minuten-Takt blieb!

Dann wurde das Telefonieren auch merklich mobiler. Ich war in dieser Zeit als technischer Beamter im Außendienst für den störungsfreien Betrieb von Übertragungswegen zuständig und meine Kollegen und ich wurden mit Piepern ausgerüstet. Diese kleinen Funkgeräte ließen sich über eine speziell eingerichtete Rufnummer anwählen, gaben dann ein akustisches Signal ab und zeigten im Display eine Rufnummer an. Unterwegs im Auto piepte es jetzt bei mir, daraufhin suchte ich eine öffentliche Telefonzelle auf, oder benutzte das Telefon beim Kunden, bei dem ich mich gerade befand. Für Sondereinsätze stellte meine Dienststelle ein Funktelefon zur Verfügung, groß, schwarz und sehr schwer und mit einem Hörer, der an die Bakelit-Hörer der alten W48-Apparate erinnerte. Der Betrieb dieser Funktelefone wurde durch den Aufbau des C-NetzesDas C-Netz (Funktelefonnetz-C) war ein analoges, zellulares Mobilfunknetz der deutschen DeTeMobil (früher Deutsche Bundespost TELEKOM). Es war die dritte und gleichzeitig auch letzte analoge Generation des Mobilfunks, das als System nur in Deutschland, Portugal und Südafrika – basierend auf dem C-450-Standard – eingesetzt wurde.Siehe Wikipedia.org ermöglicht, das erste Funktelefonnetz in der Bundesrepublik Deutschland, das 1985 als analoges Autotelefonnetz eingeführt wurde. Die geringe Sprachqualität und das hohe Abhörrisiko führten Ende 2000genauer: am 31. Dezember 2000 schließlich zur Einstellung des Dienstes.

Ab 1991 wurde parallel zum C-Netz mit dem Aufbau des D-NetzesDas D-Netz (Funktelefonnetz-D) ist ein mehrdienstfähiges (Übertragung von Sprache, Text und Daten), zellulares, digitales Mobilfunksystem im GSM-900-Frequenzbereich mit grenzüberschreitenden Nutzungsmöglichkeiten, das auf dem europäischen GSM-Standard basiert.Siehe Wikipedia.org begonnen, einem digitalen und nahezu abhörsicheren Funknetz. Aus diesem Grund wurden die Betreiber der digitalen D-Netze von der Bundesregierung gezwungen, eine Abhörschnittstelle für die Nachrichten- oder Geheimdienste zu programmieren. Am 1. Juli 1992 wurde die De.Te.Mobil, Deutsche Telekom Mobilfunk GmbH gegründet, Betreiber des D1-Netzes. Schnell erfolgte der Aufbau weiterer, privater Funknetze wie das D2-Netz von Vodafone und das E-Netz. Anfangs waren die ersten Handys, mobile Funktelefone, noch recht groß und schwer, teilweise mit einer Antenne zum Herausziehen. In den folgenden Jahren wurden sie immer kleiner und leistungsfähiger. Die heutigen SmartphonesLesen Sie auch:
Von der Lochkarte zum Smartphone — die Entwicklung der InformationstechnikAutor: Michael Malsch
sind sicher noch lange nicht das Ende der Entwicklung.

Ab 1990 wurde es für Fernmeldetechniker noch aus einem anderen Grund richtig spannend. Durch die Wiedervereinigung Deutschlands und den Zusammenbruch der DDR musste in allerkürzester Zeit ein deutschlandweites und leistungsfähiges Kommunikationsnetz aus dem Boden gestampft werden. Die Kollegen, die in den Osten entsandt wurden, um den Aufbau zu begleiten, fanden sich plötzlich im Museum wieder. Die Vermittlung der Auslandstelefongespräche wurde in der DDR bis zur Wende zum großen Teil noch von Hand mit sogenannten Klappenschränken bewerkstelligt, der Selbstwählverkehr mit Wählern der Bauart Strowger von der Firma Siemens & Halske aus dem Jahre 1922. Innerhalb kürzester Zeit wurde auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ein Glasfaser-Telefonnetz sowie Funknetze errichtet, welche die modernsten Europas waren. Die Kosten dafür gingen ins Unermessliche.

Sicherlich ist dieser kleine Abriss deutscher Telefongeschichte nicht vollständig, er erhebt auch nicht diesen Anspruch, es soll nur das Eine oder Andere ins Gedächtnis zurückgerufen und deutlich machen, wie schnell heute bejubelte technische Errungenschaften morgen wieder in der Versenkung verschwinden, durch Neues ersetzt werden.

Die Entwicklung des Telefons und der Netze
  • 968: Erfindung des Fadentelefons durch den chinesischen Philosophen Kung-Foo Whing. Er verband zwei Zylinder aus Bambusrohr mit einem straff gespannten Faden. Ein Zylinder diente als Mikrofon, der andere als Lautsprecher.
  • 1837: Der Amerikaner Charles Grafton Page (1812–1868) platzierte 1837 eine vom Strom durchflossene Drahtspirale zwischen den Polen eines Hufeisenmagneten. Er beobachtete, dass beim Auftreten und Verschwinden des Stroms tönende Schwingungen auftraten. Er nannte diese Erscheinung galvanic music.
  • 1844: Innocenzo Manzetti schuf 1864–1865 einen elektrischen Apparat, der in der Lage war, die menschliche Stimme über einen halben Kilometer zu übertragen.
  • 1854: Erste Denkansätze zu einem Telefon gab es um 1854, als von Seiten des Militärs der Wunsch nach schnelleren Kommunikationsmitteln aufkam. Der Pariser Telegrafenbeamte Charles Bourseul (1829–1912) verfasste darauf ein Referat über mögliche Techniken der elektrischen Sprachübertragung.
  • 1860: In New York entwickelte der aus Italien stammende Theatermechaniker Antonio Meucci (1808–1889) eine Fernsprechverbindung für seine Frau, die aufgrund eines rheumatischen Leidens ihr Zimmer nicht verlassen konnte.
  • 1861: Johann Philipp Reis (1834–1874) gelang es erstmals, eine funktionierende elektrische Fernsprechverbindung aufzubauen. Im Zuge seiner Erfindung hatte er auch das Kontaktmikrophon entwickelt und das Wort Telephon eingeführt.
  • 1875: Der vielseitige amerikanische Handwerker Elisha Gray befasste sich auch mit Elektrizität und Telegrafie. Er reichte erstmals 1876 – zwei Stunden nach Bell – ein Patent für ein telegrafisches Gerät ein; ihm folgten 50 weitere zur Telegrafentechnik. 1869 gründete Gray in Cleveland, Ohio eine Elektrizitätsfirma, die später in Chicago mit der Western Electric Manufacturing Company zur Western Electric Company vereinigt wurde. 1876 trat Gray aus der Firma aus, um sich der Verwertung seiner Erfindungen zu widmen, die vor allem Relais und Drucktelegrafen waren.
  • 1876: Der im schottischen Edinburgh geborene und später nach Kanada emigrierte Taubstummenlehrer Alexander Graham Bell, der 1873 eine Privatschule für Stimmphysiologie eröffnet hat, führte Versuche mit einem harmonischen Telegraphen zur Mehrfachtelegrafie bzw. der gleichzeitigen Übertragung mehrerer Informationen durch. Dabei erkannte er, dass für die Wiedergabe von Sprache Veränderungen des Stromflusses anstelle von dessen wiederholter Unterbrechung nötig sind. Bell hatte in den Erkenntnissen der elektromagnetischen Induktion, die auf den Physiker Michael Faraday (1791–1867) zurückgehen, zwar schon eine Lösung für die Umsetzung gefunden. Es mangelte jedoch an den zur Durchführung notwendigen Fachkenntnissen.
  • 1877 Der Generalpostmeister Heinrich von Stephan führte in Berlin von Oktober 1877 bis April 1878 Versuche mit zwei Bell-Telefonen durch. Er baute eine zwei Kilometer lange Telefonverbindung auf, die am 25. Oktober 1877 den Testbetrieb aufnahm. Um die Grundlage für weitere Versuche zu schaffen, beauftragte man die Firma Siemens & Halske mit der Herstellung weiterer Apparate.
  • 1879: 1879 erhielt Wilhelm Emil Fein ein Patent für ein Telefon mit Hufeisenmagnet und 1885 ein weiteres für ein militärisch genutztes Feldtelefon – dieses gilt als das erste tragbare Telefon der Welt (mit Kabelverbindungen).
  • 1881: Ab 1881 wurden in Deutschland die Fernsprechnetze eingerichtet. Die Vermittlung geschah von Hand, zunächst noch ausschließlich von Männern. Schnell wurde aber klar, dass die höheren Frequenzen einer Frauenstimme bei schlechter Leitungsqualität besser zu verstehen waren als die tieferen Männerstimmen – das Fräulein vom Amt war erfunden. Die ersten Ortsnetze wurden in Berlin, Breslau, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Mannheim und München eröffnet.
  • 1889: Almon Brown Strowger entwickelte 1889 den elektromechanischen Hebdrehwähler, welcher die technische Grundlage für die weltweit ersten automatisch arbeitenden Telefonvermittlungsstellen darstellt.
  • 1894: 1894 erfand Mihajlo Pupin die nach ihm benannte Pupinspule, die es erstmals ermöglichte, Töne verzerrungsfrei über größere Entfernungen zu übermitteln.
  • 1900: Am 6. August 1900 wurde die erste Telefonleitung zwischen Berlin und Paris freigeschaltet.Im Fernsprechwesen werden die Verbindungskabel zwischen den Vermittlungsstellen im Weitverkehr als Fernleitung bezeichnet. Ein Verstärkeramt konnte die Sprach- und Trägerfrequenzsignale verstärken und damit die Signalverluste auf den Fernleitungen ausgleichen.
    Am 23. Dezember 1900 führte Reginald Fessenden ein erstes Experiment drahtloser Sprachübertragung mit einem Maschinensender durch.
  • 1902: 1903 erfand Valdemar Poulsen den Lichtbogensender zur Erzeugung von ungedämpften Schwingungen. 1904 gelang ihm zum ersten Mal eine Sprechverbindung mit Funktechnik. 1906 wurde die ausgereifte Technik veröffentlicht. Zuvor waren bereits der Knallfunkensender und der Löschfunkensender für Morseübertragungen erfunden worden.
  • 1908: Die erste Vermittlungsstelle mit Wählbetrieb in Europa wurde 1908 in Hildesheim in Betrieb genommen und war für 900 Anschlüsse ausgelegt. Damit war es den Teilnehmern möglich, im Ortsbereich selbst zu wählen. Verbindungen zu Anschlüssen außerhalb des Ortsnetzes mussten aber weiterhin mit der Hand hergestellt werden.
  • 1909: Bis zum Jahr 1912 wurden die Fernleitungen für das Fernsprechwesen fast nur über oberirdische Freileitungen hergestellt. Im Jahr 1909 kam es in einem strengen Winter und einer extremen Wetterlage (Vereisung, Schnee, Sturm und Raureif) dazu, dass an der Fernleitung Berlin – Magdeburg reihenweise die Masten brachen und umfielen. Es gelang trotz größter Anstrengungen und dem Einsatz von vielen Mitarbeitern erst nach Monaten, die Schäden an diesen Leitungen zu reparieren. Dieses extreme Ereignis gilt als Auslöser, dass Pläne entwickelt wurden, um den Weitverkehr durch unterirdische Weitverkehrskabel fortzuführen.
    Im Jahr 1912 erhielt die Firma Siemens & Halske den Auftrag für die Verlegung des Rheinlandkabels. Dieses Kabel wurde im Jahr 1913/1914 zunächst von Berlin nach Hannover verlegt.
  • 1913: Erst 1913 gelang Alexander Meißner mit einer Schaltung mit Liebenröhren (nach Robert von Lieben) der erste einwandfreie Rückkopplungsempfang.
  • 1923: Die Entwicklung des Fernwählsystems in Deutschland nahm seinen Anfang 1923 mit der Errichtung der ersten automatischen Fernvermittlungsstelle in der Netzgruppe Weilheim in Oberbayern. Dieses beinhaltete dabei noch nicht das System der Ortsnetzkennzahlen bzw. der Vorwahlnummern nach heutigem Standard. Griechenland führte zum 10. Februar 1930 ein Selbstwählnetz ein, das System wurde von Siemens & Halske produziert und hatte sich gegen Konkurrenzangebote aus England, Frankreich und Italien durchgesetzt.
  • 1936: 1936 gab es im Deutschen Reich 6.647 Ortsnetze (25,893 Millionen km Leitungen) mit 3,39 Millionen Sprechstellen (1,95 Mill. Haupt- und 1,35 Mill. Nebenanschlüsse sowie 86.000 öffentliche Sprechstellen).
  • 1955: Am 3. September 1955 wurde die erste selbstwählbare Verbindung ins Ausland eingerichtet, nämlich die Ortsverbindung Lörrach–Basel. Schon damals mussten die Lörracher für Verbindungen in die Schweiz die Landeskennzahl 0041 vorwählen.
  • 1958: Im Jahre 1958 begann die Deutsche Bundespost, der zu dieser Zeit auch die Telekommunikation oblag, bundesweit ein öffentliches Mobilfunknetz aufzubauen. Innerhalb von zwölf Jahren gelang es, mit dem Funknetz vier Fünftel der Fläche der Bundesrepublik zu überziehen. Damit war das so genannte A1-Netz das größte zusammenhängende Mobilfunknetz der Welt.
  • 1971: 1971 wurden in Westdeutschland erstmals mehr Telefongespräche (11,7 Milliarden) geführt als Briefsendungen (11,5 Milliarden) verschickt. Bis in die 1970er Jahre änderte sich am technischen Aufbau der Apparate kaum etwas. Als das Telefon zur Grundausstattung fast jedes Haushaltes gehörte, kam der Wunsch nach neuen Farben und Designs auf.
  • 1972: Um Gebiete mit hoher Verkehrsdichte zu entlasten, wurden zusätzlich noch das A2- und A3-Funk-Netz aufgebaut. Um die bis zu elftausend Teilnehmer zu bewältigen, waren fast sechshundert Vermittlungskräfte nötig. Daher konzentrierte man sich auf eine Umstellung von manueller zur automatischen Vermittlung, die 1972 im B-Netz realisiert wurde. Da dieses nach sieben Jahren mit dreizehntausend Benutzern vollständig ausgelastet war, wurde 1980 das B2-Netz hinzugeschaltet und die Kapazität auf knapp 27.000 Teilnehmer erweitert.
  • 1975: Die Fortschritte auf dem Gebiet der Mikroelektronik ermöglichten 1975 die ersten Tastentelefone im Privathaushalt.
  • 1985: Mitte der 1980er Jahre wurden die ersten Schnurlostelefone auf den Markt gebracht.
  • 1981-1988: BIGFON (Breitbandiges Integriertes Glasfaser-Fernmeldeortsnetz) war ein Systemversuch, den die Deutsche Bundespost von 1981 bis 1988 in sieben Städten durchgeführt hatte. Ziel war die praktische Erprobung von Glasfasertechnik für sämtliche Telekommunikationsdienste. Es war der erste technische Versuch für ein Integriertes Breitbandfernmeldenetz (IBFN), in dessen Rahmen auch ein Bildfernsprech-Versuchsnetz (Video Telephony Network) zur Übermittlung von Gebärdensprache für Gehörlose installiert wurde.
  • 1986: Das C-Netz, das bis zu 400.000 Endbenutzer gleichzeitig bedienen konnte, löste die beiden Vorgängernetze ab. Neben tragbaren Endgeräten, die allerdings noch etwa siebenhundert Gramm wogen, war jetzt auch die Verbindung zu Mobilfunkteilnehmern möglich, deren Aufenthaltsort dem Anrufenden nicht bekannt war. Nach zwei Betriebsjahren zählte das C-Netz bereits über hunderttausend Nutzer. Für das Ende der neunziger Jahre rechnete man mit einer Million Teilnehmern im Mobilfunk.
  • 1992: Das D-Netz war 1992 schließlich die bislang letzte große Neuerung auf dem Gebiet der Mobilfunknetze in Deutschland.
  • 1987-1993: 1987 wurde dann in Deutschland das erste ISDN-Pilotprojekt in Mannheim und Stuttgart gestartet. Ab 1989 wurde ISDN bundesweit eingeführt und steht seit 1993 flächendeckend zur Verfügung.
  • 1994: Wurde dann das E-Netz eingeführt. Bis auf den Frequenzbereich (1800 MHz für E-Netz, 900 MHz für D-Netz) ist es technisch fast identisch zum D-Netz; beide Systeme arbeiten nach dem GSM-Standard. Das E-Netz stellt somit keinen Ersatz, sondern eine Erweiterung des D-Netz dar.
  • 1995: Durch eine Fördermaßnahme der Deutschen Telekom in den Jahren 1995/1996 wurde die Anzahl der EURO-ISDN-Anschlüsse in Deutschland beträchtlich gesteigert. Heute ist Deutschland mit 20 % aller weltweit installierten ISDN-Anschlüsse in der Nutzung dieser Technik führend.
  • 2004: Im Jahre 2004 nahm in Deutschland das UMTS-Netz seinen kommerziellen Betrieb auf.
  • 2010: 2010 wurden die durch die Umstellung auf DVB-T freiwerdenden Frequenzen am oberen Ende des UHF-Fernsehbandes für den Mobilfunk umgewidmet (Digitale Dividende). Dieses sogenannte 800-MHz-Band sowie zusätzliche Frequenzen im Bereich 1800 und 2600 MHz wurden ab August 2010 für den neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) genutzt.
  • Quelle: Wikipedia.org