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Urknall  -  Ja oder nein

Da ist ein Neugieriger auf eine gute Idee  gekommen. Er machte sich Gedanken darüber, wie es mit Himmel und Erde für einen Physiker aussieht und was ein Pastor dazu sagt. Er selbst war ein studierter Physiker und wusste wohl nicht, wo er seinen Standpunkt haben sollte. Für mich ist das einfacher - ich weiß ja nicht was die Gelehrten alles wissen. Mein Himmel ist hoch und die Welt ist schön. Und ich bin dankbar, dass ich auf diesem Planeten leben darf.
Ich erzähle nun mal, wie ein Physiker und dein Pastor sich gestritten haben.

Am Anfang war der Urknall. Der bewirkte, so meinte der Physiker, dass das Universum mit Sternen und Planeten entstanden sind. Inzwischen sind wir in der Forschung so weit, dass wir nachweisen können, das die verschiedenen Galaxien heute noch weiter auseinander driften.

Darauf der Pastor: Donnerwetter, was die alles raus finden. Ich glaube, ein Physiker will alles, was wichtig für die Menschheit ist, auseinander nehmen und uns dann erklären, warum das so ist. Aber sie stoßen immer an ihre Grenzen, sie können nie weiter erklären als selber  denken können. Das ist ihr Weltbild. Aber - es gibt ja noch den Glauben. Und der hat auch seine Grenzen und das ist der Himmel. Der Mensch will glauben, dass sein Himmel dort oben existiert, das dort etwas ist, was wir nicht erklären können und auch nicht wollen. Einige Menschen sind fest im Glauben, andere sind im Zweifel. Vom Urknall will er nichts wissen, der stört seinen Glauben.

Aber so ein Physiker ist ja stur. Er sieht den Urknall als Grundlage und meint wieder: Da hat der liebe Gott keinen Platz mehr. Alles ist mit Physik zu erklären.

Nun kommt der Pastor in Fahrt: Wenn die Physiker mir genau berechnen können und somit beweisen, wäre das eine Sensation, aber er kann das nicht.
Er kann die Religion nicht physikalisch deuten.

Doch — der Urknall liegt an der Grenze unserer Physik. Das war eine so große Hitze, die nur mit der Relativitätstheorie nicht zu deuten ist, man muss schon die Quantentheorie anwenden. Wahrscheinlich waren es mehrere Quantenvorgänge, die unser Universum mit seinen Lebensformen gebildet haben. Da ist kein Platz für einen einzelnen Schöpfer.

Nun wurde der Pastor böse: Was kümmert ihr euch um den lieben Gott? Ihr macht das doch alles um den Menschen diesen zu vergraulen. Bleibt ihr doch bei eurer Logik und fragt mal, was war denn vor dem Urknall?

Davor? Nichts! Der Urknall war der Anfang für unser Universum mit Zeit und Raum. Ein Gott müsste dann schon woanders existieren in einem eigenen Universum. Und das kann man sich nicht vorstellen, das kann man auch nicht erklären — und was man nicht erklären kann, ist einfach unmöglich.

Doch, sagte der Pastor, denn am Anfang war das Wort und nicht der Knall. Davon steht nichts in der Bibel. Gott sagte: Es werde Licht. und da wurde es hell und Tag, und in der Nacht wurde es dunkel. Das Wort hat die Kraft und das glauben die Menschen. So einfach ist das. Erklären brauchst du ihnen das nicht, sie wissen, nach der Dunkelheit wird es wieder hell. Gott sagt uns, wo der Weg ist, seine Ordnung für uns Menschen ist gut. Ein Teil der Schöpfung ist die Sprache, ohne die auch ein Physiker nicht leben kann.

Nun meinte der Physiker: Lassen wir mal den Urknall weg. Das heißt in der Bibel, dass Gott die Menschen nach seinem Abbild geformt hat. Die neue Wissenschaft will nun aber den Menschen selbst erklären. Evolutionstheorie nennen sie das. Und eine ganz neue Chaos-Physik bringen sie ins Spiel- was immer das sein mag. Und bald will sie auch die Seele und das Selbstbewusstsein deuten können.

Spielkram! Für mich als Pastor ist das eine Sache, die fest steht und eigentlich nicht so wichtig ist. Viel interessanter ist  doch: Wo soll nach Gottes Willen der Mensch hingehen, was soll er tun, wozu ist er überhaupt da? Sein Auftrag ist es, die Welt zu versorgen mit all seiner Kraft und für sein Wirken einstehen. Die Welt ist ihm geliehen, er soll sich nicht als Herr aufspielen - auch der Pastor nicht und genau so wenig der Physiker, auch nicht die Genies wie Einstein und seine Kollegen.

Das ist doch so nicht richtig. Das heißt von uns Physikern, dass wir alles erklären wollen, dass wir alles besser wissen. Dabei sind große Physiker oftmals demütige Menschen, weil sie einsehen dass sie nicht alles wissen können. Sie selbst suchen nach etwas zum Festhalten, so etwas wie die einfachen Menschen in ihrem Glauben an Gott. Aber ist Gott denn ein Lückenbüßer für das, was wir nicht wissen? Das kann doch nicht richtig sein.

Ihr Physiker wisst mehr als die einfachen Menschen, aber deshalb muss es doch für euch nicht eine extra Religion geben. Kommt doch mal herunter von eurem hohen Ross und stellt  eure eigenen Füße auf die Erde und seid mal, was ihr von Geburt an seid — einfache Menschen ohne wenn und aber.

Aber stolz sind wir doch auf das, was wir erforscht heben. Und doch haben wir Sorgen mit unseren Erfolgen. Ist das immer gut für die Welt? Wir wollen doch etwas Gutes für die Menschen tun, was zu ihren Nutzen ist - auch die Biologen, Chemiker und die Techniker denken so. Aber gerade deswegen möchten wir so gern wissen, was die Welt im Innersten zusammen hält, wie Faust es sagt.

Am Anfang war das Wort heißt es in der Bibel. und dann kam erst die Idee mit dem Urknall. Als das Leben auf der Erde begann, war die erste Frage: Wo bist du, Adam und der erste Mensch antwortete: Hier bin ich. Antwort ist aber auch Verantwortung und das ist seine Aufgabe auf der Erde. Lass uns nicht mehr streiten — teilen wir uns die Verantwortung — und hüten wir unsere Erde, eine haben wir nur. Vielleicht werden wir Physiker und Pastoren doch noch gute Freunde.

Das können wir uns alle wünschen. Aber ich denke immer noch an den Urknall zurück, der für die Physiker der Anfang vom Universum war. Wer sagt uns denn, ob nicht Gott selbst das Streichholz angezündet und damit den Urknall ausgelöst hat?