© Copyright by Erinnerungswerkstatt Norderstedt 2004 - 2017
https://www.ewnor.de / http://erinnerungswerkstatt-norderstedt.de
Ausdruck nur als Leseprobe zum persönlichen Gebrauch, weitergehende Nutzung oder Weitergabe in jeglicher Form nur mit schriftlichem Einverständnis der Urheber!
Diese Seite anzeigen im

Unsere Jule

Eigentlich haben wir zwei Katzen, aber von Sugar gibt es fast nichts zu erzählen, dafür von Jule jede Menge. Sie ist eine schwarz-grau getigerte Katze. Sie hat zwei kleine weiße Flecken an der Brust und an den Hinterpfoten bei den Krallen. Sie hat ein ganz dichtes Fell und ist rund und dick — aber nicht unbeweglich.

Als sie noch nicht ausgewachsen war, brachte sie ihren ersten Fang mit nach Haus. Das war eine tote Taube, die schon ganz vertrocknet und platt war. Jule musste sich sehr damit abgemüht haben, denn sie war größer als sie selbst.

Als sie größer wurde, fing sie alles was sich bewegte, meistens waren es Mäuse aber oftmals auch etwas Anderes. In den ersten Jahren fraß sie die  Mäuse auch auf, aber später ließ sie sie einfach laufen, nachdem sie Ihren Fang gezeigt hatte. Das heißt, dass wir ab und zu eine Maus im Haus haben. Wie wir die wieder raus kriegen, geht Jule nichts an — sie schläft auf dem Sofa, unterm Tisch auf
einem Stuhl oder oben auf dem Schrank.

Eine Katze ist ja ein Raubtier und das Beutemachen ist ihr angeboren. So hat sie oftmals auch Vögel hereingebracht. Wenn ich dann mit ihr schimpfe und sage: Jule, das sind meine Vögel, dann lässt sie sie frei und ich muss sie dann meist aus den Gardinen wieder herausholen. Ich sehe sie mir genau an und meistens kann ich sie wieder an die Luft bringen, sie haben keine Verletzungen — haben aber bestimmt einen kleinen Schock erlitten.

Als ich eines Morgens ins Badezimmer ging, lag da etwas auf der Matte. Erst dachte ich, es wäre ein Bleistift, aber dann erkannte ich, dass es ein Frosch war, der auf dem Rücken lag. In dieser Lage streckt er die Vorder- und Hinterbeine lang aus — wie gesagt lang wie ein Bleistift. Schnell holte ich eine runde Plastikschüssel her — Wasser rein — und den Frosch mit der Matte hoch und  hinein mit ihm in sein Element. Sieh an, er war quicklebendig und schwamm in der Schüssel immer im Kreis herum. Unsere Jule saß dabei und sah sich das an, dabei musste sie immer den Kopf drehen, das sah sehr lustig aus. Die ganze Familie kam dazu und amüsierte sich. Jule war stolz und schnurrte auch noch. Ich machte dann unser Frühstück, die anderen zogen sich an und Jule saß allein bei der Schüssel. Als ich nach einer Weile mal um die Ecke guckte, hatte sie  den Frosch wieder aus dem Wasser geholt — er könnte ja ertrinken. Jule, das ist meiner! Beleidigt ging sie weg, legte sich auf ihren Platz und schlief.

Einmal brachte sie eine Ratte mit und auch ein Wiesel gehörte zu ihrer Beute. Das hat so geschrien — wir waren froh, als wir das Tier wieder aus dem Haus hatten.

Eines Nachts wurde ich wach — da raschelte und piepte etwas auf dem Flur. Ich raus aus dem Bett. Unsere beiden Katzen saßen da und zwischen ihnen ein Tier, das ich nicht erkennen konnte. Ein Vogel war es — hatte ja Federn. Mein Mann meinte, als ich ihn gerufen hatte: Das ist eine Eule. Das bestimmt nicht. Ich holte mir ein Handtuch her, warf es über den Vogel und setzte ihn auf das Tuch in die Badewanne, machte das Licht aus und die Tür zu.

Am anderen Morgen habe ich es mir in Ruhe angesehen. Es sieht fast so aus wie ein Rebhuhn, Ich rufe mal Jens-Peter an, der hat ja verschiedenes Federvieh.Ja, ich habe eine rheinische Wachtel.Die hat meine Katze heute Nacht geholt.Oh!  — Nee, nicht wie du denkst, die ist heil und gesund, die kannst du dir abholen. Jens-Peter kam sofort und hat sie sich geholt. Er konnte nicht begreifen, dass die Katze seine Wachtel nicht totgebissen hatte. Nein, sagte ich, sie fängt alles, aber sie weiß auch, dass ich schimpfe. Seit ich sie lobe, wenn das Tier unverletzt ist, bringt sie alles lebendig mit nach Haus. Es ist ganz gleich welches Tier es ist. — Und deshalb sind manchmal auf der Jagd bei uns im Haus.