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Kanaken, Kannibalen, mein Opa und ich — Kap.9 - Muschelgeld

Kanaken, Kannibalen, mein Opa und ich
Kapitel 9:
Muschelgeld

Noch heute stellt das sogenannte Muschelgeld die Währung für die Einheimischen dar. Auf ländlichen Märkten und in den Dörfern habe ich mit Muschelgeld Lebensmittel und Getränke bezahlt. Es handelt sich auf Neubritannien jedoch um eine aus Schneckenhäusern hergestellte WährungSiehe Literaturnachweise, P.Schlobach, 2009 [15].

Muschelgeld

Muschelgeld
Die Schnecken, mit dem wissenschaftlichen Namen Nassa calossa camelus bilden die Grundlage für die Hauptwährung der Insel Neubritannien. Die Schnecken werden zu ganz bestimmten Zeiten gesammelt, ihre Spitzen abgeschlagen und geschliffen.

Diese Arbeit ist fast ausschließlich den Frauen vorbehalten. Sie reihen die Schneckenteile dann auf dünne pflanzliche Fäden, was nur im feuchten Zustand des Fadens möglich ist. Nach Trocknung werden die Fäden so fest, dass die aufgefädelten Schneckenscheiben nicht mehr von ihnen abgezogen werden können. Die Geldmengen werden in Faden gemessen. Ein Faden ist die Entfernung zwischen den Händen der ausgebreiteten Arme, also etwa 150 Zentimeter. Heute sind für zehn bis 20 Faden ein Schwein oder eine Witwe, ein junges Mädchen hingegen ist nicht unter 100 Faden zu erwerben. Da diese Währung in den Augen der Südseeinsulaner äußerst stabil geblieben ist, vor gut einhundert Jahren zahlte man zehn, heute 100 Faden für ein junges Mädchen, schwören viele noch heute auf ihre Währung, die härter sei als der Dollar. Tatsächlich kann dieses Muschelgeld in der Tolai Exchange Bank von Papua-Neuguinea in Rabaul auch heute noch in harte Währung, den Kina, getauscht werden.

Sparbuch für Muschelgeld

Sparbuch- für Muschelgeld, wird an Gäste verteilt
Auf der Insel Mioko, Duke of York Island, ist nicht mehr viel aus alten Zeiten zu erkennen. Quer durch die Insel führt ein breiter Weg, der sie in zwei Teile gliedert. Auf der einen Seite befinden sich private Häuser und gegenüber liegt der öffentliche Teil mit Schule, Verwaltung und Krankenhaus. Die privaten Grundstücke sind mit niedrigen, kniehohen Hecken und Blumenrabatten vom Weg und den Nachbarn getrennt. Auf der Seite der privaten Quartiere liegen flache Gebäude für Touristen, die öffentlich vermietet werden. Als Schlafunterlagen dienen Matten.

In einer Liste, die in einem der Gebäude aushängt, sind die Beherbergungspreise für alle sehr transparent aufgelistet. Sie enthält Preise für Übernachtungen, Ausflüge oder gar einen Kurs zur Einführung in die einheimische Küche. Während diese Extraangebote, zu denen auch Kanufahren und Bootsverleih zählen, für wenige fünf bis zwanzig Kina geordert werden können, erscheint die Übernachtung mit 70 Kina ohne Frühstück nicht günstig. Die Hauptsprache und gleichzeitig Amtssprache auf den Duke Inseln ist Tok Pisin, auch oft Pidgin-English genannt, wie fast im gesamten Bismarck-Archipel.


[15] Siehe Literaturnachweise, P.Schlobach, 2009