Lexikon der alten Wörter und Begriffe (Archaismen)

J: von Jach bis Juxta

Jach, ist für jähe noch im Oberdeutschen üblich, wird aber im Hochdeutschen nicht mehr gebraucht. Wer aber allzu jach ist, wird mangeln, allzu hitzig, voreilig. Bey dem Opitz und andern Oberdeutschen gach. Daher der Jachzorn, der Jähzorn. Siehe Jähe und Jähzorn.Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J.G. Krünitz


Wachholder, auch Krammetsbaum, Knirk, Duxenstrauch (Juniperus communis L.), ein bekannter Strauch, dessen männliche und weibliche Blüten auf besonderen Stämmen getrennt sind. Blüht im April und Mai, bringt aber die Früchte (Wachholderbeeren) erst im künftigen Jahre zur Reife. Wenn der Wachholder in der Blüthe stark stäubt, so behaupten die Schäfer, dass bei den Schafen im nächsten Winter Krankheiten zu erwarten sind, was damit zusammenhängen mag, dass in nassen Jahren der Wachholder den meisten Blütenstaub entwickelt, und dergleichen Jahrgänge auch der Schafhaltung nicht günstig sind.


Salopp, scherzhaft amtliche Bescheinigung der Unzurechnungsfähigkeit. Als jemand, der einen Jagdschein besitzt, wurde und wird umgangssprachlich und stigmatisierend auch bezeichnet, wer als nicht zurechnungsfähig eingestuft wird. Bis in die 1960er Jahre gab es den Paragraphen 51 StGB, durch den psychisch Kranke pauschal als strafunmündig eingestuft wurden. Etwas überspitzt formuliert konnte man frei schießen, man hatte also den Jagdschein. Dieser Paragraph wurde unter anderem durch § 20 StGB Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen ersetzt.


Die Jahresendprämie diente in der DDR dazu, die Planerfüllung des ganzen Jahres anzuerkennen. Der Durchschnittsbetrag je Vollbeschäftigungseinheit (VbE) sollte in der Regel in der gleichen Höhe festgelegt werden wie im Vorjahr und auf dieser Höhe längere Zeit verbleiben, sofern sich nicht aus Veränderungen der Beschäftigten- und Qualifikationsstruktur (z. B. Zunahme der Schichtarbeit, vermehrter Einsatz von Facharbeitern und Fachschulabsolventen) zulässige Änderungen ergaben. Hatten Betriebe allerdings einen Durchschnittsbetrag von weniger als 800 Mark je VbE, so konnte er mit Zustimmung des Generaldirektors des Kombinates sowie der zuständigen Gewerkschaftsleitung auf 800 Mark erhöht werden, wenn überdurchschnittliche Leistungssteigerungen erreicht worden waren. Für die einzelnen Arbeitskollektive sowie einzelne Mitarbeiter erfolgte eine Differenzierung der Jahresendprämie nach Leistung und Beitrag zur Planerfüllung, unter besonderer Berücksichtigung der übernommenen Schichtarbeit. Bei Fehlschichten und Verstößen konnte die Jahresendprämie der betreffenden Werktätigen gemindert werden. Die Jahresendprämie wurde auch an die leitenden Mitarbeiter von Betrieb und Kombinat gewährt; für sie waren die Hauptkriterien der Leistung: Erfüllung der Exportaufgaben und Verbesserung der Exportrentabilität sowie auch wissenschaftlich-technische Leistungsziele, die Einhaltung bzw. Unterschreitung der beauflagten materiellen und finanziellen Fonds und die vertragsgerechte Erfüllung der Lieferverpflichtungen nach Sortiment und Qualität. Voraussetzung war allerdings die Bestätigung der Jahresabschlussdokumente durch die Staatliche Finanzrevision der DDR.


Ihrem jeweiligen Grund- oder Landesherren hatten Bauern und Kötter für die Überlassung von Ländereien und Rechten unterschiedliche Abgaben in Geld, Naturalien oder Diensten zu zahlen. Während die Dienste zu unterschiedlichen Zeiten anfielen, richteten sich Abgaben an Naturalien nach den natürlichen Gegebenheiten. Das Jacobigeld war am 25. Juli des Jahres fällig.


Janos
Janos, Kleinwagen
Ein von 1957 - 1958 im Nachkriegsdeutschland bei Zündapp gebauter viersitziger Kleinwagen mit Front- und Hecktür, bei dem die beiden Sitzbänke mit der Lehne zueinander angebracht waren. Fahrer und Beifahrer schauten in Fahrtrichtung, die Fontpassagiere nach hinten heraus. Der Fahrzeugname entstammt der römischen Mythologie, Janus (lateinisch Ianus) war der römische Gott des Anfangs und des Endes. Frühe Abbildungen zeigen ihn mit einem Doppelgesicht, vorwärts und rückwärts blickend, daher die Beinamen Geminus (der Doppelte), Bifrons (der Zweistirnige), Biceps (der Zweiköpfige).


Im 15. Jahrhundert existierte in Nordfrankreich eine kriminelle Bande namens Muschelbrüder, deren Mitglieder sich als Erkennungszeichen eine Jakobsmuschel um den Hals hängten. Die Muschelbrüder hatten eine eigene Geheimsprache entwickelt, die sie Jargon nannten.
Heute versteht man darunter einen Slang, den Wortschatz einer kulturell abgegrenzten Menschengruppe eines bestimmten sozialen Milieus oder einer Subkultur (Szene).


Der Januar, in Österreich Jänner, (lat. ianua = Türe, Zugang), ist der erste Monat des Jahres im Gregorianischen Kalender.


Jenisch ist eine Varietät der deutschen Sprache, einer vom Aussterben bedrohten Geheimsprache, von fahrenden Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Hausierern. Die Wurzeln des Jenischen liegen zum Großteil im Deutschen und dessen Dialekten. Starken Einfluss hat das Jiddische genommen; hier sind zahlreiche Einflüsse deutlich wahrnehmbar, so wie beim Wort Keilof (jidd. Khelof) für Hund und Matof für Keller. Weit weniger Einfluss als allgemein angenommen hat das Romani. Jedoch leitet sich das Wort jenisch vom Wort dsan ab, das Wissen und Können bedeutet, weil eben nur Eingeweihte, Wissende es verstehen können. So versteht man unter einem Bäcker im jenischen Lechumschupfer, der Metzger ist der Bossertfetzer und der Zahnarzt der Nepferizupfer. Der Polizist wird zum Schucker, der Richter zum Schankler, der Tierarzt zum Gleistrampelmarodepink und die Hand zum Griffling.


(alternative Schreibungen Jogurt, Yogurt) ist ein durch Milchsäurebakterien hergestelltes Nahrungsmittel aus verdickter Milch.


Kunststoffverpackung in Becherform für Lebensmittel →Joghurt, (scherzhaft) Schimpfwort für Fahrzeugteile aus Kunststoff.


Der Johannistag (auch Johanni, Johannisfest und Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes' des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni. Verknüpft ist der Tag auch mit Festen im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende und Brauchtum wie dem Johannisfeuer, wie auch als besonders günstige Zeit für das Sammeln von Kräutern und Lostag im Zusammenhang mit Bauernregeln. Siehe auch: Johanni 1944 von Ida Slomianka


Zweiter Frühling. Wenn um den Johannistag (24. Juni) die Pflanzen zuweilen zum zweiten Mal ausschlagen, heißt dies im Volksmund Johannistrieb. Scherzhaft-spöttisch ist es auch die Bezeichnung für libidinösen Regungen älterer Männer.


Piratenflagge
Jolly Roger - die Flagge der Piraten
Der Jolly Roger oder die Piratenflagge ist die schwarze Flagge von Piratenschiffen. Sie wird, in Anlehnung an den britischen Union Jack, auch Black Jack genannt.


frz. journal für Zeitung, Tagebuch, für das Schiffstagebuch.


Brezel (Bretzel, Brätzel, Bratzel), altdeutsches Gebäck in Form eines Ringes, dessen Enden da, wo der Ring schließt, kreuzweise übereinander gebogen und an den entgegengesetzten Seiten des Ringes befestigt sind, besonders im Februar zur Fastenzeit (Fastenbrezel) in Lauge gesotten und dann gebacken, daher Laugenbrezel. Ein radförmiges Ringelgebäck (Kringel) buken die Römer am Feste des Summanus, und die Deutschen widmeten es vielleicht dem im März wiederkehrenden Radgott (Donar). Diese heidnischen Gebäcke (Heidenwecken, in Thüringen Hornaffen), zu denen auch das in Eberform gebackene Weihnachtsbrot (Julagalt) gehörte, wurden auf dem Konzil von Leptinä (743) den Christen verboten. Wahrscheinlich erhielt damals die B die Form zum Gebet verschlungener Arme statt der eines vierspeichigen Rades und davon den Namen (bracellum, Ärmchen).Quelle: Meyers Lexikon


Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest, das je nach religiöser Zuordnung zwischen der Wintersonnenwende und Anfang Februar gefeiert wird. In den skandinavischen Sprachen heißt Weihnachten heute jul oder jol, im Finnischen joulu, im Estnischen jõulud, im Englischen besteht der Begriff Yule, im Niederländischen Joel und auf Sölring (Sylter Friesisch) heißt es Jül oder Jööl.Quelle: Wikipedia.de


Ist ein vorweihnachtlicher Brauch, bei dem Kollegen, Vereinsmitglieder, Mitschüler mit einem Geschenk bedacht werden. Der Beschenkte wird dabei ausgelost, der Schenkende muss ein Gedicht über den Beschenkten verfassen und ein passendes Geschenk innerhalb eines bestimmten Betrages für ihn kaufen oder selbst basteln.


Der heutige Dezember, hieß früher auch Julmond, Christmond, Heilmond.
Es ist fast unbekannt, dass unsere heute gebräuchlichen Monatsnamen geschichtlich noch recht jung sind. Bis zur Renaissance waren Monatsnamen gebräuchlich, welche sich auf die Ernteperioden und auf Naturereignisse bezogen.


Juks oder Jux, ein nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Niedersachsens, übliches Wort.
1. Schmutz. Juks an den Händen, an den Kleidern haben. Daher bejuksen, zujuksen, besudeln, zuschmutzen.
2. Ein kleiner, unerlaubter Gewinn bey einem Geschäfte. Juks machen, sich einen solchen Gewinn machen, juksen. In dem Bremisch=Nieders. Wörterb. wird es in dieser Bedeutung von gaukeln abgeleitet.
Im mittlern Lat. ist Jux eine Abgabe. Quoddam Jux vocatur Lou Jeyx, videlicet unum sextarium auenae--XIII denarios et 1 gallinam renduales, heißt es in einer Urkunde von 1461 bey dem du Fresne, wo es aber aus Jus verderbt zu seyn scheint. In der heutigen Bedeutung: Spaß haben, machen.Quelle: Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz


Jumpen, für Springen (jump in deine/die Koje), ein Tanzstil


Jungbrunnen
Jungbrunnen Bild: Der Jungbrunnen (La Fontaine de Jouvence), Gemälde von Paul Jean Gervais (1859–1936)
Jungbrunnen war gestern, heute heißt es neudeutsch Anti-Aging. Obwohl man in den 1950er Jahren Wellness noch nicht kannte, ging meine Tante trotzdem in die Sauna. Gut gelaunt kam sie anschließend zurück und meinte: Ich bin in einen Jungbrunnen gefallen.

Der Jungbrunnen (Lebensbrunnen) wie auch die Quelle der ewigen Jugend und die Quelle des ewigen Lebens sind sich oft überschneidende mythische Vorstellungen von einem Gewässer, dessen Wasser dem, der es trinkt, ewige Jugend oder ewiges Leben verheißt.Vorschlag eingesandt von Margot Bintig, 1.8.2017


Die Pionierorganisation Ernst Thälmann, benannt nach dem ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Ernst Thälmann, war in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) die politische Massenorganisation für Kinder. Ihr gehörten seit den 1960er/1970er Jahren fast alle Schüler vom ersten bis zum siebenten Schuljahr als Jung- oder Thälmannpioniere an. Die Pionierorganisation, die der Freien Deutschen Jugend (FDJ) angegliedert war, wurde am 13. Dezember 1948 gegründet und im August 1990 aufgelöst. Vom Gründungstag abgeleitet, wurde der 13. Dezember deshalb in der DDR als Pioniergeburtstag begangen. Die Pionierorganisation der DDR war vollständig nach dem sowjetischen Vorbild des Komsomol aufgebaut und organisiert.

Wie sich die Bilder gleichen: Vergleicht man Aufbau und Organisation mit der NS-Zeit, fallen die Gemeinsamkeiten auf. Was bei den NAZIs die Pimpfe waren, entspricht den jungen Pionieren der DDR. Die FDJ (Freie Deutsche Jugend) entspricht der HJ (Hitler-Jugend). Beim Gruß Seid bereit! – Immer bereit! wurde der rechte Arm gehoben und die flache Hand so über dem Kopf gehalten, dass der Daumen zum Kopf und der kleine Finger zum Himmel zeigte. Auch hier sind Ähnlichkeiten zum Deutschen Gruß (Hiltergruß) erkennbar.


Naturreines Olivenöl wurde früher auch Jungfernöl oder olio virgine genannt. Von Fachleuten wird es als Natives Olivenöl bezeichnet. Es ist weitgehend unbehandelt und wird nur durch schonendes Pressen hergestellt. Natives Olivenöl wird nicht durch Wärmebehandlung oder durch chemische Behandlung gewonnen.


Jungspund oder Grünschnabel, umgangssprachlich ein junger, unerfahrener Mann. Einer, der noch nicht so richtig trocken hinter den Ohren ist.


Junker (vom mittelhochd. junc-hêrre, junger Herr), ehedem Name der jüngern Prinzen regierender Herren; in der Verkehrssprache junge Edelleute, namentlich Landedelleute, ohne sonstigen Titel. J. (Fahnenjunker) ist die Bezeichnung für Offiziersaspiranten und Vorstufe für die Dienststellung des Fähnrichs. In Rußland werden die J. in besondern Junkerschulen (Kadettenhäuser) ausgebildet. Junkerpartei, Junkertum war in Preußen in den 1850er Jahren die halb verspottende Bezeichnung der reaktionären Adelspartei.Meyers Lexikon


Jupe (franz., spr. schǖp'), ursprünglich eine Jacke; jetzt soviel wie Frauenrock (von der Hüfte bis zu den Füßen); J. de dessous, Anstands-, Unterziehrock. Meyers Lexikon


(Jurte (russ.), zeltartige, gewöhnlich mit Filz bekleidete und gedeckte Behausung der nomadischen Völker in Sibirien und China. Es ist eine für den Winter aus schräg stehenden Balken ausgeführte, von außen mit Lehm und Rasen belegte größere Hütte mit ebenem Dach, in der unaufhörlich Feuer unterhalten wird, während an den Seiten ringsherum Sitze laufen, die auch als Schlafstellen dienen. Die Sommerjurten sind nur aus Pfählen errichtet, kegelförmig, an der Spitze mit einer Öffnung zum Abzug des Rauches.


Just (v. lat. juste), genau, gerade; auch soviel wie richtig (so, wie es sein soll), geheuer, gehörig.


Als Justaucorps (engl. coat) wird ein Herren-Kleidungsstück und die allgemeine Hauptoberbekleidung des Mannes des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts bezeichnet.


Juxta (lat., »daneben, dabei«), bei Lottozetteln, Lotterielosen und Wertpapieren der meist an der schmalen linken Seite befindliche, verschieden gemusterte Streifen, der bei Ausgabe des Loses oder Papieres von diesem teilweise getrennt wird. Der Abschnitt wird vom Aussteller zurückbehalten und dient, da die getrennten Teile genau aneinander passen müssen, zur Kontrolle der Echtheit des Loses etc.