Lexikon der alten Wörter und Begriffe (Archaismen)

T: von Tabernakel bis Twist-Garn

Der (auch das) Tabernakel (lateinisch tabernaculum Hütte, Zelt) ist in römisch-katholischen und alt-katholischen Kirchen die Bezeichnung für den Aufbewahrungsort der Reliqua sacramenti, der in der Eucharistiefeier konsekrierten Hostien, die nach katholischer Lehre Leib Christi sind und bleiben. Der Tabernakel ist in der Regel ein künstlerisch gestaltetes Sakramentshaus mit massiven Wänden und verschließbarer Tür; er ist ein Ort stiller Anbetung.

Der lateinische Ausdruck tabula rasa (tabula Tafel und rasa geschabt, radere schaben) bezeichnet ursprünglich eine wachsüberzogene Schreibtafel, die durch Abschaben der Schrift geglättet wurde und wie ein unbeschriebenes Blatt neu beschrieben werden kann.
Im übertragenen Sinne bedeutet tabula rasa so viel wie leer und aufnahmebereit wie ein unbeschriebenes Blatt. In der Philosophie wurde mit dieser Metapher die Seele (als Ort der Erkenntnis der Menschen) in ihrem ursprünglichen Zustand bezeichnet, bevor sie Eindrücke von der Außenwelt empfängt. Auch in der Psychologie wird die Frage gestellt, ob die Psyche oder das Gehirn des Menschen anfänglich einem unbeschriebenen Blatt gleicht, das im Lauf des Lebens beschrieben wird. Mit der Redewendung Tabula rasa (machen) wird in anderen Zusammenhängen ein radikaler Neubeginn angesprochen.Siehe Wikipedia

Ein Tagebuch, auch Diarium (lat. diarium) oder Memoire (frz. mémoire schriftliche Darlegung, Denkschrift), ist eine autobiografische Aufzeichnung, also ein Selbstzeugnis in chronologischer Form. Es wird oft nicht mit dem Ziel einer Veröffentlichung geschrieben. Die nach dem Tod der Biographen gefundenen Tagebüchern vermitteln heute einen Einblick in das Zeitgeschehen, sie waren Zeitzeugen. Ein berühmt gewordenes Tagebuch ist das der Anne Franck, die kurz vor dem Kriegsende dem nationalsozialistischen Holocaust zum Opfer fiel. Es gilt als ein historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust und die Autorin Anne Frank als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus.
Die heutige, moderne Form ist das Videotagebuch, per Smartphone aufgenommen. Das solche Dokumente aber längere Zeiträume überdauern können ist sehr unwahrscheinlich.

Der Taler, ursprünglich Thaler (Niederländisch Daler heute Daalder, portug. Dolera, engl. Dollar, tschech. Tolar, slowenisch: Tolar) war ein größeres Geldstück aus Silber.

Bei diesem Ausdruck handelte es sich keineswegs um die Verwandtschaftsbezeichnung innerhalb einer Familie mit weit verbreitetem Namen: In Hamburg bedeutet Ich geh ma ehm nach Tante Meier nichts anderes als die Absicht, austreten, zur Toilette gehen zu wollen. Die Klarform wurde als zu schenierlich (peinlich) empfunden. Allerdings war die Toilette früher nicht so bequem zu erreichen und zu benutzen wie heute. Es galt schon als Komfort, wenn sie am Treppenabsatz für mehrere Mietparteien untergebracht war, aber häufiger war sie im Häuschen auf dem Hof mit Eimer oder Grube unter dem Sitz zu finden. In freier Natur ging man nicht nach Tante Meier, sondern to Moder Gröön.
Peter Schmachthagen, der allseits bekannte Verfasser der Deutschstunde im Hamburger Abendblatt hat in seiner Sprachkolumne auch eine Begriffserklärung dazu geschrieben: Das Örtchen, das der französische Besatzungssoldat anno 1812 dringend aufsuchte, schrieb sich frz. tente majeure (Hauptzelt). Seine zurückgelassene Hamburger Deern verstand Tantmajör und verballhornte das plötzliche Verschwinden ihres Kavaliers zur Latrine zu Tante Meier. Seitdem weiß man in Hamburg, was mit dem Gang zu Tante Meier gemeint ist.

nachmittägliche Tanzveranstaltung, z.B. in Kurbädern.

Taugenichts ist ein kaum noch gebräuchliches deutsches Schimpfwort. Es bezeichnet eine Person, die zu nichts taugt oder einen Lebensstil pflegt, der andere über Gebühr belastet und niemandem etwas nützt

In Österreich auch Wunderwuzzi, bezeichnet eine Person, die sich durch zahlreiche Begabungen auszeichnet. Ein Multitalent bzw. Alleskönner.

mlat. taxa (Taxe) und -meter: ein elektronisches Gerät zur Erfassung von Fahrpreisen in Taxis auf Basis von Taxitarifen.

Unter einem Techtelmechtel ist umgangssprachlich eine mehr oder weniger heimliche Liebschaft zu verstehen. Allgemein wird einem solchen Verhältnis geringe Ernsthaftigkeit unterstellt.

Wasserkessel bes. für die Bereitung von Tee.

Telefonzelle 1955Eine Telefonzelle, in der Schweiz Telefonkabine, in Deutschland fachlich als Telefonhäuschen (TelH) bezeichnet, ist eine Kabine oder ein Häuschen mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter, an dessen innerer Rückwand ein Telefonapparat angebracht ist. Die Gebühren des Telefonats werden je nach Eingabeausrüstung mit Münzgeld, einer Telefon-, Kredit- oder Geldkarte beglichen. Telefonzellen stehen in der Regel im öffentlichen Raum.

Holzmast für Telegrafen- und Telefonleitungen.

Kurzwort aus engl. teleprinter exchange = Fernschreiber-Austausch.

Tempo HanseatIm Allgemeinen umgangssprachlich für die Geschwindigkeit. Die Vidal & Sohn Tempo-Werk GmbH mit Sitz in Harburg wurde 1928 gegründet, um Lieferwagen zu bauen. Aufgrund eines Gesetzes von 1928 durften Kraftfahrzeuge mit weniger als vier Rädern und einem Hubraum von weniger als 200 Kubikzentimetern ohne Führerschein gefahren werden und waren steuerfrei. Deshalb gab es besonders nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Nachfrage nach entsprechenden Fahrzeugen.

Tempolinsen ist der Markenname vorbehandelter kurzgarender Linsen in der DDR, die nicht eingeweicht werden mußten.

bezeichnet den befestigten Boden einer Scheune, auf dem in früheren Zeiten mit Dreschflegeln gedroschen wurde. Die Tenne besteht häufig aus gestampftem Lehm, aber auch Beton oder Holz werden verwendet.

waagerecht befestigte Stange, über die Teppiche zum Klopfen gelegt werden.

aus dem franz. tête - Kopf , für Anfang, Spitze (eines Verbandes), tête-à-tête(veraltend,) zärtliches Beisammensein.

Bergbaujargon: Die Tiefe eines Schachtes oder einer Sohle. Teufen, bzw. Abteufen: Die Herstellung eines Schachtes von oben nach unten.

Eine Teufelsmütze ist eine Mütze, die einen gezackten Rand hat. Es werden weder Bündchen noch gerader Rand gearbeitet, die Mütze endet mit jeweils einer Zacke über den Ohren und einer Zacke auf der Stirn. Diese Mützenform passt sich perfekt an den kleinen Kinderkopf an.

Die Tiene, manchmal auch Tine geschrieben, war bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ein spezielles Transportgefäß für Wein und Obst (auch: Obsttiene) in der brandenburgischen Stadt Werder/Havel. Die Holzbottiche wurden in der Regel auf dem Rücken bis in die Kähne getragen und auf der Havel vornehmlich zu den Verkaufsständen in Berlin verschifft. Zur Erinnerung an diese Zeit wird der ehemalige Sammel- und Verladeplatz der Tienen an der Föse (westlicher Havelarm) inzwischen ganz offiziell Tienenplatz genannt. Je nach Obstart betrug der Inhalt einer Tiene 3,5 bis 4 kg beziehungsweise 7 Liter. Aus Eichenholz gefertigte Gefäße wogen 1,8 kg, die aus Fichtenholz 1,6 kg. Die konisch gebauten Tienen wurden zum Versand oben mit einem Leinentuch zugebunden.Siehe Wikipedia.org

Von lat. tinctura = Färbung, zu: tinctum, Tinte; dünnflüssiger, meist alkoholischer Auszug aus pflanzlichen oder tierischen Grundstoffen, der mit äther, Azeton, Wasser oder Weingeist hergestellt wurde.

Kugelschreiber, der anstelle einer Mine mit Farbe ein Röhrchen mit Tinte besitzt.

bezeichnet einen Wirbel in den Haaren. Dabei kann es sich entweder um eine natürliche Welle handeln oder eine mit Gel geformte Frisur.

engl., kurz für: Tommy (= Thomas) Atkins = Bez. für einfacher Soldat.

Als Tonabnehmer wird ein elektroakustischer Wandler (Sensor) bezeichnet, der mechanische Schwingungen in Festkörpern (Körperschall) in eine elektrische Spannung (das Ton- oder Audiosignal) wandelt. Das unterscheidet den Tonabnehmer von Luftschallwandlern (Mikrofon) und Flüssigkeitsschallwandlern (Hydrofon). Das Audiosignal wird tontechnisch verarbeitet und/oder beispielsweise über einen Audioverstärker mit einem Lautsprecher hörbar gemacht. Typische Beispiele sind Tonabnehmer von Plattenspielern, welche die Schwingungen der durch die Schallplattenrille gleitenden Nadel aufnimmt, sowie Tonabnehmer bei Saiteninstrumenten wie z. B. E-Gitarren.

Der Tonarm eines Plattenspielers dient zur Führung der an ihm montierten Tonabnehmernadel in der als Spirale mit Endkreis verlaufenden Rille einer Schallplatte und somit der Verbindung der mechanischen Tonabnehmerauslenkungen zur elektronischen Umsetzung in Schallwellen. Nach Auflegen der Platte auf den – in der Regel – waagrechten Plattenteller wird der Arm von einer Ablagestütze abgehoben und mit der Nadel von oben auf die Platte aufgesetzt.

(lateinisch: Abscherung, Ableitung von Tonsor) ist die geschorene Stelle auf dem Scheitel als Ehrenzeichen des katholischen Priesterstandes.

Der Tornister ist eine vorwiegend im militärischen Bereich angesiedelte Rucksackform, bei der eine Fell- oder Stoffbespannung über einen rechteckigen Holz- oder Kunststoffrahmen genäht wird. Im militärischen Bereich wird heute der Rahmen weggelassen. Das Innere ist meist mit Stoff ausgeschlagen. Der Tornister wird ausschließlich bei der Infanterie eingesetzt. Bis in die jüngere Vergangenheit wurde der Tornister im Volksmund aufgrund seiner Fellbespannung auch als Affe bezeichnet. Auch der traditionelle Schulranzen wird regional Tornister genannt.

(abwertend) jmd., Verbrecher, der einen Totschlag, Totschläge begangen hat: auch Handeisen zum brutalen Zuschlagen.

Ein Transistorradio ist ein Rundfunkempfangsgerät, bei dem ausschließlich Transistoren als aktive Bauelemente eingesetzt werden. Im Sprachgebrauch sind damit hauptsächlich tragbare sog. Koffer- oder Taschenradios gemeint. Im Vergleich zum Röhrenradio ermöglichte die Transistorbestückung erstmals eine signifikante Gewichts-, Betriebskosten- und Größenreduktion der Geräte, was in erster Linie zum großen Markterfolg des Transistorradios beigetragen hat.

Eine Eisenbahnfährverbindung oder Trajekt ist eine Verbindung von Eisenbahnstrecken mittels Fähren für den Transport von Schienenfahrzeugen.

Zwei Teams stehen sich gegenüber. Eine Mannschaft wirft nun der gegnerischen Mannschaft den Ball zu. Dabei darf der Ball nur von dort aus zurückgespielt werden, wo er auf dem Boden gelandet ist.

engl. trench coat, eigtl. = Schützengrabenmantel, aus: trench = (Schützen)graben u. coat, ... bezeichnet einen Regenmantel.

(ugs. scherzh.): jmd., der berufsmäßig häufig Treppen steigen muss: z.B. Hausierer.

Baljealtes Aufnahmemikrofon, z.B. bei alten Telefonapparaten (siehe Bild)

vor der Tür eines Fahrzeugs angebrachte Stufe, Fläche, die das Ein- u. Aussteigen.

Trockenwohner - ZillePersonen, die in Neubauten lebten, deren Wände noch nicht ausgetrocknet waren. Ein neu gebautes Haus benötigte typischerweise 3 Monate bis es bewohnbar war. Bild: Trockenwohner, Zille

Der Bürgersteig, Gehsteig, Trottoir, der in der Regel mit einem Bordstein oder durch einen Grünstreifen von der Fahrbahn abgetrennt, parallel zu ihr verläuft und nur für den Fußgängerverkehr zugelassen ist.

Abwertende Bezeichnung für eine unordentliche, seltsame oder besonders ungeschickte Frau. Seit dem 16. Jahrhundert belegt und in der Form Trulla noch heute geläufig. Der Begriff ist vermutlich eine Ableitung von Troll.

Als Trümmerfrauen werden die Frauen bezeichnet, die nach dem Zweiten Weltkrieg die zerbombten deutschen Innenstädte aufräumten.

TschakoDer Tschako ist ein hoher Helm mit flachem, rundem Oberteil. Der Begriff stammt aus dem Ungarischen.

Der Tusch (von französisch touche, Anschlag) ist ein musikalisches Signal, das meist chorisch von mehreren Instrumenten gespielt wird, ursprünglich von einem Trompeten-Ensemble. Das Wort ist seit 1745 im süddeutschen Sprachgebiet belegt. Der Tusch zeigt zum Beispiel das Ende eines gelungenen Tricks im Zirkus oder die Pointe eines Witzes in Varieté oder Karnevalssitzung an.

Tusnelda, (* ca. 10 v. Chr. in Deutschland; ♰ 17 in Rom?) war eine germanische Fürstentochter. Heute Kurzform Tussi für (ugs. salopp, oft abwertend): weibliche Person.

Veraltete Bezeichnung für einen ruhigen, behaglichen Wohnsitz, Landsitz oder Lieblingsaufenthalt. Tusculum war im Altertum und Mittelalter eine Stadt in Latium, südöstlich von Rom in den Albaner Bergen, in deren Umgebung in der Antike reiche Römer wohnten. Die Ausgrabungen der antiken Stadt befinden sich oberhalb des heutigen Frascati, im Gemeindegebiet von Grottaferrata.

Tüünkram (Angeberei, Spinnerrei, dummes Zeug) oder Tüdelkram, Tühnkram, Tüdelüt oder Tüdelei sind sämtlich Dinge, die im Gespräch als überflüssig erachtet werden. Zum Teil sinnverwandt ist das nicht mehr verwandte plattdeutsche Wort dönen, das sich im Wort Gedöns (für unsinniges Gerede oder auch für überflüssige Dinge) wiederfindet und als dröhnen weiterbesteht. Wem gesagt wird: Das ist doch Tühnkram, was du da erzählst oder Du tühnst ja, dem wird der Inhalt seiner Reden nicht geglaubt, weil er übertreibt, flunkert oder einfach aufschneidet (lssoch Tüdelüt, wassu da sachs! oder Hör auf mit dein Tüdelei).

war eine Bezeichnung für den Krämer und besonders Kolonialwarenhändler. Mit zwei oder drei flinken Handgriffen entstand auf seinem Tresen eine spitzkegelige Tüte, auch in kleinsten Formaten, z.B. für Gewürze. Daher gilt die Bezeichnung Tütendreher im engsten Sinne für einen Gewürzkrämer.

TütenlampeDie Tütenlampe ist eine für die 1950er Jahre typische elektrische Steh-, Tisch- oder Wandlampe mit tütenförmigen buntem Lampenschirmem. Die typische Tütenlampe hatte drei Schirme, es gab aber auch Varianten mit nur zwei Schirmen. Fast immer ruhte der Lampenständer aus Messing oder messingfarben, auf einem runden oder nierenförmigen Fuß.

[spätmhd. tüttel, tit(t)el, eigtl.  = Brust(spitze)] (veraltet, noch landsch.): Pünktchen
(ugs.): winzige Kleinigkeit: kein T. preisgeben; jedes T. berechnen.

plattdeutsche Bezeichnung für eine kleine Gasse oder einen schmalen Gang. Häufig verbindet sie zwei größere Straßen.

Der Twist (Englisch twist = Drehung, Verdrehung) war ein Modetanz im 4/4-Takt, der in den frühen 1960er Jahren populär wurde und zu Rock 'n' Roll, Rhythm and Blues oder spezieller Twist-Musik getanzt wird.

Ein starkes Nähgarn, ein zweifach gedrehter Faden. Entlehnung aus engl. [twist 'zwiefach gedrehter faden, doppelfaden'engl. twist, zu: to twist] = (zusammen)drehen; winden; verrenken.