Lexikon der alten Wörter und Begriffe (Archaismen)

P: von Pachulke bis Pyrrhussieg

Pachulke, umg. ungehobelter Mensch [tschech. pacholek Knecht, Bursche] Pa|chụl|ke, der; n, n [aus dem Slaw., vgl. poln. pachołek = Knecht] (landsch. salopp abwertend): Ungehobelter Bursche; grober, ungeschlachter Mensch. Im Mittelalter wurden im polnischen Raum die von der Stadt bezahlten Söldner ›pacholkowie‹ genannt. Später als verächtliche Bezeichnung für die in Lehndiensten stehenden Bauern.


frz. Edelknabe) bezeichnet: an europäischen Höfen im Mittelalter und bis um 1918 einen jungen Adligen im fürstlichen Dienst, auch Schildknappe, heute einen Hotelburschen, Hoteldiener in betresster, uniformartiger Bekleidung.


(nordd.): Babusche: Dann schlurft ... auf Puschen ins Schlafzimmer; Schuhzeug für zu Haus.


In Schilderungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges und Berichten über dessen Folgen ist häufig von Panjepferden und den von ihnen gezogenen Panjewagen bzw. auch von Panjeschlitten die Rede. Zum Helden eines Buches wurde ein Panjepferd in dem Erlebnisbericht Iwan, das Panjepferd von Heinz Buchholz (* 1931). Buchholz schildert hier seine Erlebnisse auf der Flucht vor der Roten Armee im Jahr 1944 aus Ostpreußen.


Der Paletot ist ein eleganter Stadt-Gehrock aus Anzugstoff. Er ist praktisch ein auf Mantellänge verlängertes Sakko und wird über dem Jackett getragen.


Eine Banknote ist ein Wertpapier, das im alltäglichen Zahlungsverkehr genutzt wird. Umgangssprachlich werden Banknoten aufgrund ihrer Beschaffenheit als Papiergeld bezeichnet.


Ein Paradekissen ist ein zur Zierde auf dem eigentlichen Kopfkissen liegendes, größeres Kissen mit Stickereien oder anderen Verzierungen.
Wenn das Paradekissen auch nur selten im modernen Alltag Verwendung findet, ist der Begriff vielen durch folgenden Abzählreim bekannt:
Peter hat ins Bett geschissen,
gerade aufs Paradekissen,
Mutter hat's gesehen
und du musst gehen.
Begriff eingesandt: Margot Bintig, 11.12.2017


Eine Paraphe (mittelfrz. Abwandlung von gr. παραγράφειν [paragráphein] "hinzuschreiben"; siehe auch Paragraph) ist ein auf wenige Zeichen (Initialen) verkürztes Namenszeichen oder ein Namensstempel. Solch ein Kürzel weist (im Gegensatz zur Unterschrift) in der Regel nicht genug Merkmale auf, um als sicheres Authentifizierungsmerkmal dienen zu können.
Bei Verträgen, die aus mehreren Blättern bestehen, werden die einzelnen Blätter von denjenigen, die den Vertrag insgesamt unterzeichnen, mit ihrer Paraphe abgezeichnet (paraphiert), damit keine Blätter nachträglich ausgetauscht werden können.
Auch das vorläufige Festlegen eines Vertragstextes wird als Paraphierung bezeichnet, da hierbei die Vertragsparteien auf dem Vertragstext mit ihren Paraphen unterzeichnen. Völkerrechtliche Verträge werden in der Regel zunächst durch Regierungsvertreter der beteiligten Länder paraphiert, bevor sie durch Ratifikation in Kraft gesetzt werden.Quelle: Wikipedia.org


von (franz. Para|pluie = Regen, Para|sol = Sonne). Bezeichnung für einen Regenschirm, einen Schirm aus einer Plane, Stoff oder Plastik.


von (franz. Para|sol = Sonne, Para|pluie = Regen). Bezeichnung für einen Sonnenschirm, auch für einen Pilz, den gemeinen Riesenschirmling oder Parasolpilz.
PARASOL ist ein französischer Erdbeobachtungssatellit. Er trägt das Instrument POLDER, das die Strahlungseigenschaften und die mikroskopische Zusammensetzung der Wolken und Schwebeteilchen untersucht.


Eine Parochie ist der Amtsbezirk eines Pfarrers, das heißt ein Pfarrbezirk oder Pfarrei. Sie ist der unterste, kirchliche Verwaltungs- und Seelsorgebezirk mit einem eigenen Pfarrer einer Kirche, die nach dem Parochialprinzip organisiert ist. Zur Parochie können auch Filialkirchen gehören.


Pascha, Paschafest auch Passa, Passah oder Pascha; ein altes Wort für Ostern.


Ein in Ostpreußen gebräuchlicher Begriff für das Mischen von Spielkarten. Ursprüngleich bezeichnet der Begriff ein Würfelspiel; paschen => mit Würfeln spielen. Die Zeit verpaschen => die Zeit mit Würfeln verbringen.


Ein Pascher ist jemand, der heimlich etwas beiseite schafft, um es zu entwenden; ein Schmuggler zum Beispiel.


Die Paspel, seltener der Paspel, von frz. passe-poil: was über die Franse hinausgeht, besonders in Österreich und der Schweiz maskulin in der originalen Schreibweise Passepoil mit der entsprechenden Aussprache [pasˈpo̯al], auch Bordierung oder Vorstoß genannt, ist ein schmaler, wulstiger Nahtbesatz an Kleidungsstücken. Ursprünglich war der oder die Paspel ein Verstärkungsstreifen an militärischer Kleidung. Seit dem 19. Jahrhundert dient die Kantenpaspel vorwiegend als Dekor. Paspeln betonen die Kontur und den Schnitt des Kleidungsstückes.


Paternoster
Foto: Paternoster im Hamburger Bieberhaus - (Flickr CC BY 2.0 (andreasdantz))
Paternoster (v.lat.: pater noster unser Vater) ist der Anfang des Herrengebets Matthäus 6,9, das Kurzwort für Paternosterwerk im Bergwerk, der Paternosteraufzug mit mehreren vorn offenen Kabinen (offizielle Bezeichnung: Umlaufaufzug).


Parterre (französisch par terre = zu ebener Erde) bezeichnet in der Architektur das Erdgeschoss, also das zu ebener Erde liegende Geschoss eines Gebäudes. In der Deutschschweiz, Österreich und Deutschland wird der Begriff neben Erdgeschoss regelmäßig in der Umgangssprache verwendet.


Das Wort Patschen ist ein österreichischer Ausdruck und bezeichnet einen Hausschuh, oder einen Reifendefekt bei einem Autoreifen (In Deutschland Platten).


Lehrer (umgangssprachlich, von Arschpauker) siehe auch Steißtrommler.


Paukenhund
Paukenhund Bild: Postkarte - Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002 - Zwei Paukenhunde des Königsberger Infanterie-Regiments 43
Paukenhunde waren Zughunde der Pauke, die einem Regiment der Preußischen Armee im Deutschen Krieg zugefallen war.

Lesen Sie dazu von Hilde Heimerl: Auf den Hund gekommen


Pauperismus (von lateinisch pauper arm) bezeichnet die Verelendung großer Bevölkerungsteile unmittelbar vor der Industrialisierung bzw. das für die damaligen Eliten noch unerklärbare Phänomen zunehmender Verarmung der Arbeiterschicht (englisch Labouring Poor).


Pelerine
Pelerine im Katalog von Stuckenbrok, Einbek
Eine Pelerine (auch Pellerine oder Pelarine, von frz. pèlerine Pilgerin) ist ein kurzer Schulterumhang, der einem Cape ähnelt und über dem Mantel getragen wird. Die Urform der Pelerine ist der in den Alpenländern beliebte Wetterfleck (oder Kotze) aus Loden oder ähnlichem Material.


Veraltete Bezeichnung für das Pendel einer Uhr (von lat. pendere hängen).


Ein Bahnsteig (in der Schweiz, früher auch in österreich und Deutschland üblich: der/das Perron) ist eine befestigte Plattform, die parallel und mit geringem Abstand zu einem Eisenbahngleis angelegt ist, um bei Zügen das Ein- und Aussteigen zu erleichtern.


nach dem 2.W K: ein Karton (oft mit einem Werbe-Aufdruck des vielgenutzten Waschmittels: Persil) für den Transport der eigenen Habseligkeiten.


Einen Persilschein zu besitzen oder zu erhalten, bedeutet eine weitreichende Erlaubnis, einen Freibrief, um einem lukrativen Geschäft oder einem zuvor moralisch oder rechtlich angezweifelten Interesse nachgehen zu können.

Der Begriff Persilschein erfuhr insbesondere während der Entnazifizierungsphase einen Bedeutungswandel. Mutmaßliche nationalsozialistische Straftäter konnten durch Aussagen von Opfern oder ehemaligen Gegnern entlastet werden und erhielten somit einen positiven bzw. guten Leumund und genügten auf dem Meldebogen der Alliierten den Anforderungen des Entnazifizierungsgesetzes.

Umgangssprachlich kann man sagen, dass die betroffene Person vom Vorwurf einer nationalsozialistischen Gesinnung reingewaschen wurde (wobei hier Reinheit für Unschuld steht). Ihr wurde eine weiße Weste attestiert und sie durfte nun wieder eine Wohnung beantragen oder ein Geschäft eröffnen. Im Laufe des Jahres 1948 ließ das Interesse der Amerikaner an einer konsequenten Entnazifizierung spürbar nach, da der Kalte Krieg mit dem Ostblock mehr und mehr in das Blickfeld rückte. Es wurden Schnellverfahren eingeführt, um diese Angelegenheiten zum Abschluss zu bringen. Dies führte zu vielen fragwürdigen Urteilen. (Siehe auch 131er).

Das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personen war ein Bundesgesetz zur Ausführung des Regelungsauftrags in Art. 131 GG aus dem Jahr 1951. Es regelte die Rechtsverhältnisse von Beamten in der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland, die vor dem 8. Mai 1945 in das Beamtenverhältnis berufen worden und danach ausgeschieden waren, ohne seitdem wiederverwendet oder versorgt worden zu sein.

131er wurde umgangssprachlich der durch das Gesetz begünstigte Personenkreis genannt. Zu den verdrängten Angehörigen des öffentlichen Dienstes und aufgelöster Dienststellen gehörten gem. § 1 bis 4 des Gesetzes u. a. Beamte, Hochschullehrer und Richter aus den Vertreibungsgebieten, Beamte in nicht mehr existierenden Verwaltungen und Berufssoldaten sowie alle Personen, die wegen ihrer Betätigung im Deutschen Reich 1933 bis 1945 nach dem Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus zunächst nicht oder nicht ihrer früheren Stellung entsprechend verwendet wurden und keine entsprechende Versorgung mehr erhielten.

Art. 131 GG verlangte eine bundesgesetzliche Regelung zugunsten derjenigen Beamten, die seit dem 8. Mai 1945 "aus anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen" ausgeschieden und bisher nicht oder nicht ihrer früheren Stellung entsprechend verwendet wurden, keine entsprechende Versorgung mehr erhielten und auch kein Auskommen in einem privatwirtschaftlichen Arbeitsverhältnis gefunden hatten. Das betraf vornehmlich die Vertriebenen und die Angehörigen aufgelöster Dienststellen. Aber auch bei weiterbestehenden Behörden in den westlichen Besatzungszonen sind viele Angehörige des öffentlichen Dienstes, die auf Grund von Anordnungen der Militärregierungen zum Zwecke der politischen Überprüfung von ihrem Amt oder Arbeitsplatz entfernt wurden, nicht wieder im öffentlichen Dienst verwendet worden. Nicht erfasst wurden dagegen die Amtsträger der NSDAP, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände, schon deshalb nicht, weil sie selbst nach der nationalsozialistischen Gesetzgebung nicht als Beamte im staatsrechtlichen Sinne gewertet wurden, die NSDAP auch keine Körperschaft des öffentlichen Rechts im überkommenen Sinne war, sie nicht der Staatsaufsicht unterstand und ihre Amtsträger keine öffentlichen Bediensteten waren. Nicht erfasst wurden schließlich auch die Personen, die nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vor dem 8. Mai 1945 ihre Beamtenstellung verloren hatten.

Bund, Länder und Gemeinden sowie Bundesbahn und Bundespost wurden verpflichtet, mindestens 20 % ihrer Planstellen mit 131ern zu besetzen.

Siehe Wikipedia.org


Pesel (süddithmarsisch Pisel, altfriesisch pisel, mhd phiesel heizbares Frauengemach, Werkgaden, aus mlat pisales frz poêle poile Ofen, Stube) ist eigentlich der am Hinterende des dithmarsischen Bauernhauses, dem Eingang der Grotdel, gegenüberliegende Saal, gewöhnlich ohne Ofen und mit einer Tür zum Garten. Pesel ist nach anderen Quellen die Bezeichnung für die Gute Stube der Geesthardenhäuser und des Haubargs. Diese Form des Bauernhofs ist hauptsächlich im Norden und an der Westküste Schleswig-Holsteins, auf den Inseln und auf den Halligen verbreitet.Quelle: Wikipedia.de


In Ostpreußen sagte man pesern und meinte damit zündeln, mit dem Feuer spielen, anbrennen, flämmen, glimmen.


Ein Peterwagen ist umgangssprachlich zumindest im Hamburger Raum ein Funkstreifenwagen der Polizei. Der Name entstand ab1956, als man einen Rufnamen für die Funkbasis und die Streifenwagen suchte. Angelehnt an die Signalflagge Blauer Peter wurde der Name Peter für die hamburger Funkleitstelle und die Fahrzeuge vergeben. In der Bevölkerung wurde daraus bald der Name Peterwagen.


Petticoat
Petticoat der 1950er Jahre Bildquelle: Von Tranquil Garden - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3790828
Ein Petticoat (Französisch petit = klein und Englisch coat = Umhang, Mantel) ist ein bauschig-weiter Unterrock aus versteiften Perlon- und Nylon-Stoffen mit rüschen- und spitzenverzierten Stufen, der in den 1950er Jahren unter langen, weiten und taillenbetonten Röcken zu deren Formunterstützung getragen wurde. Werbetext: Petticoat. Wunderbar bauschig für schwingende Röcke. Der Vorläufer war sicher die Krinoline bzw. der Reifrock des 19. Jahrhunderts.

Lesen Sie auch den Bericht aus der Nachkriegszeit: Regina und die Seerosen von Hartmut Kennhöfer.


Als Pfeffersäcke wurden zunächst spöttisch der Hanse angehörende Händler bezeichnet, aber auch Nürnberger Kaufleute oder die Kaufleute der Vereenigde Oostindische Compagnie. Das Wort ist zunächst vereinzelt im 16./17. Jahrhundert nachweisbar und wird dann später, insbesondere seit dem 19. Jahrhundert, allgemein als verächtliche Bezeichnung für einen reichen Kaufmann gebraucht. Diese Bezeichnung entstand, weil der Wohlstand einiger von ihnen auf dem Handel mit Gewürzen aus übersee beruhte, für die im Mittelalter zusammenfassend der Begriff Pfeffer stand. Bis heute wird Pfeffersack teilweise abfällig für reiche, rücksichtslos nur auf Geld und Macht bedachte Menschen verwendet.


Der Fuchs war aber auch ein kupfernes, rötliche schimmerndes 3 Pfennigstück, welches in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Westfalen, besonders in Münster, Hamm und Soest und seit 1750 auch in Düsseldorf, und zwar hier im Wert eines 1/4 Stübers, ebenso von 1764 bis 1767 im kurkölnischen, geprägt wurde. Es wurde in diesem Zusammenhang gerechnet auf Heller und Fuchs (genau und spitz abgerechnet), daher wohl auch der Pfennigfuchser.


Bei Pferdeäpfeln handelt es sich um den Mist der Pferde. Die einzelnen Kotballen besitzen annähernd die Größe und Form eines Apfels.


einfache Mädchen- /Frauenfrisur, urspr. von: Der Teufel trug seine langen Haare zum Pferdeschwanz gebunden, damit sie nicht ins Feuer gerieten und verbrannten.


Pendant zu Arbeitsdienst, wurde am 4. September 1939 eingeführt: Junge Frauen mussten nach der Schule ein Jahr lang in einem (meist fremden) Haushalt oder in der Landwirtschaft arbeiten.


Parteigenosse in der DDR und im Dritten Reich.


(hebräisch für der Abgesonderte) waren eine theol. Ausrichtung im antiken Judentum, Umgspr. für Heuchler, oder ein warmes alkoholisches Getränk.


Phthisis, Phthise gr. phthisis von phthiô schwinde, Schwindsucht, die durch Tuberkulose herbeigeführte allgemeine Abnahme; bes. Lungentuberkulose, s. d. Phthisis atra lat. schwarz, der Kohlenarbeiter. Phthisis florida galoppierende Schwindsucht, schneller Verlauf der chronischen Lungen-Phthisis unter hohem anhaltenden Fieber. Phthisis bronchialis Bronchialdrüsentuberkulose, s. d. Phthisis calculosa Phthisis mit Aushusten verkalkter käsiger Teilchen.


Die Naturheilkunde, früher auch Physiatrie genannt, ist eine Heilkunde, die vor allem auf diätetischen und physikalischen Heilmitteln beruht, auf eine naturgemäße Lebensweise besonderen Wert legt und weitgehend auf Arzneimittel verzichtet. Der Begriff Naturheilkunde bezeichnet somit ein Spektrum verschiedener Naturheilverfahren, die sich keiner technologischen Hilfsmittel bedienen und die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen.


Die Piassava (Piassave, Para grass, Monkey grass) ist eine starke, äußerst haltbare Pflanzenfaser, die aus Brasilien und Venezuela nach Europa gebracht wird und von der Strickpalme, Attalea funifera (Mart.), stammt. In den Ursprungsländern fertigt man aus der Piassava Matten, Seile und Taue. Seit ca. 1890 verarbeitet man die Faser in großen Mengen zu fast unverwüstlichen Straßenbesen (Piassavabesen), Straßenkehrmaschinen, groben Bürsten etc.Vorschlag: Bernd Herzog, 2018


Tetra Pack
Dreieckige Milchtüte, Picasso-Euter
Die dreieckige Milchtüte wurde nach der kubistischen Phase des Malers Pablo Picasso so spöttisch genannt. Die Kartonverpackung in der Form eines Tetraedersdes des schwedischen Herstellers Tetra-Pack™ kamen am 18.Mai 1951 auf den Markt und wurden mit Milch und Fruchtsäften gefüllt.


Soldaten mit Pickelhaube
Soldaten des Ersten Weltkriegs mit Pickelhauben
Die Pickelhaube (amtlich seinerzeit: Helm mit Spitze) war eine zunächst rein militärische, dann auch polizeiliche Kopfbedeckung, die erstmals ab 1843 in der preußischen Armee eingesetzt und später auch von anderen Ländern übernommen wurde. Die Pickelhaube blieb nach dem Weltkrieg teilweise noch bei Polizei und Feuerwehr in Gebrauch. In den 1920er Jahren wurde sie häufig von Weltkriegsoffizieren und Kriegervereinsmitgliedern bei Veteranentreffen, Beerdigungen und ähnlichen Gelegenheiten getragen. Auch Reichspräsident Hindenburg trug diese Kopfbedeckung bei manchen offiziellen Anlässen noch, z. B. am "Tag von Potsdam".

Siehe auch: Zeittafel der Machtübernahme 1933 / Tag von Potsdam


(Ruhrpottslang) Piesel - dumme, einfältige Person; keine starke Abwertung, noch schwächer als Dämel; Piesepampel - Steigerung von Piesel; will besonders das Negative in den menschlich-sozialen Eigenschaften einer Person herausstellen (Son Piesepampel wie dich kannze noch nichma en irgendson Pipifax pumpen.)


Pimpfuniform
Pimpfuniform der NS-Zeit Bildquelle: Der Pimpf Titelblatt der NS-Jugendzeitschrift von 1938
Mit der Bedeutung kleiner Furz war Pimpf zunächst ein Scheltwort, wurde aber um 1920 zur scherzhaften Bezeichnung der jüngsten Angehörigen in der Jugendbewegung. Auch der Wirbel an der Gitarre, mit dem die Saite gespannt wird, wurde in der Jugendbewegung als Pimpf bezeichnet. Ein kleines Teil, das jedoch für das Instrument sehr wichtig ist. Auf ältere Kameraden angewandt, behielt das Wort Pimpf seine milde abwertende Bedeutung.

In absichtlicher Aufwertung der Nebenbedeutung wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 die Mitglieder des Deutschen Jungvolks (10- bis 14-jährige Jungen) offiziell Pimpfe genannt und hatten sich auch selbst als Pimpf zu bezeichnen.


(feiner Pinkel) vornehm tuender Mensch. Der Berliner Dialekt bezeichnet einen feinen Pinkel ebenfalls als Graf Koks. ähnlich scherzhaft-vulgäre Namen haben andere Vertreter des Berliner Adels: z. B. Graf Rotz von der Popelsburg sowie Lord (oder Graf) Kacke.
In Norddeutschland, besonders in der Gegend um Bremen und Oldenburg, bezeichnet Pinkel die zu Grünkohl gegebene geräucherte Grützwurst oder Bregenwurst.


Pinökel (auch Pinöckel, Pinöppel, Pinöpel oder Pinörpel) ist eine umgangssprachliche und mundartliche, vornehmlich in Ostwestfalen, Lipperland und Norddeutschland verbreitete Bezeichnung für einen kleinen nadelähnlichen Gegenstand. Das Wort ist vermutlich eine freie Eindeutschung des englischen Begriffs Pin für Nadel oder Stift.


Pipapo ist ein Wort (eine Triplikation) der Umgangssprache und wird hauptsächlich in Verbindungen wie mit allem Pipapo in der Bedeutung mit allem, was dazugehört, mit allem Drum und Dran als ein zusammenfassender Platzhalter verwendet, wenn man nicht alle gemeinten Einzelheiten aufzählen möchte (Beispiel: Es gibt ein Festessen mit allem Pipapo). Vorschlag eingesandt von Frau Susanne Nies, 31.7.2017


Pipifax - Ruhrpottjargon; (ähnlich: Pillepopp) Unsinn, Mist; nicht sehr ernst gemeint; wenn problembehaftet, dann nicht so stark wie Sperenzkes (Son Pippifax von Pinnoreck hau ich mit mein Mottek rappzapp platt.)


Ein Pissoir ist ein fürs Stehpinkeln von Männern vorgesehener Ort. Ein Pissoir kann sowohl ein eigenständiges Gebäude als auch eine Abteilung einer Männertoilette sein. Gelegentlich wird fälschlicherweise auch das Urinal selbst als Pissoir bezeichnet.Quelle: Wikipedia.de


Von Jugendlichen in den 1960er Jahren gefürchtete Kurzhaarfrisur. Eine, die Spott auslöste, weil es so aussah, als hätte der Frisör (oder Vater, bzw. Mutter) einen umgedrehten Nachttopf als Schablone für die Frisur verwendet. Siehe auch: Eine haarige Geschichte


Kindermund für: Wasserpfütze. Auch kline Gewässer (Teiche) werden gelegentlich als Pitsche bezeichnet.


[lat., zu: placere, → plädieren] (bildungsspr. veraltet): es gefällt, wird genehmigt, die Bekundung eines Einverständnisses.


Als Plaid (Scots Wolltuch, Decke, daher gäl. plaide mit gleicher Bedeutung; im nordamerikanischen Englisch auch kariert) bezeichnet man relativ dünne, häufig gemusterte Wolldecken. Plaids sind oft aus hochwertigen Schurwollen gefertigt, beispielsweise aus Alpaka-Wolle.


Gebräuchliche Bezeichnung für Nachkriegsfahrzeuge von DKW oder Borgward. In Anlehnung wurde der Trabant als Rennpappe bezeichnet.


Eine Plastiktüte (auch Plastiktragetasche oder Kunststofftüte; in Österreich: Sackerl, Plastiksackerl oder Nylonsackerl, in der Schweiz (Plastik-)Säckli, in Ostdeutschland häufig Plastetüte oder Plastebeutel, in Süddeutschland Plastikgug) ist eine Tüte oder ein Beutel aus Kunststofffolie, meist aus Polyethylen oder Polypropylen. Für eine herkömmliche ca. 20 g schwere Plastiktüte werden 40 g Erdöl benötigt.


Als Plastron bezeichnet man die breite (weiße) Krawatte, einen Brustlatz bei Frauentrachten und den, meist abzeichenfarbigen Brustbesatz der Ulanenuniform, ähnlich einer Rabatte.
Die breite Krawatte, auch Krawattenschal, Ascot, Ascotkrawatte oder englisch day cravat (Tageskrawatte) genannt ist einer der Vorläufer der heutigen Langbinderkrawatte.


Großwohnhäuser in der DDR aus Fertigelementen, einstmals als Errungenschaft des real existierenden Sozialismus gefeiert, heute zum Großstadtslum verwahrlost.


Plätten sind die traditionell kiellosen, weitgehend kastenförmigen hölzernen Arbeitsschiffe, die im Alpen-Donauraum für die verschiedensten Anwendungen genutzt werden (auch Plättl, im inneren Salzkammergut Fua (Fuhre) genannt). Die Plätten zeichnen sich durch ihre unverwechselbare Spitze nach vorne aus, die man Gransel oder Gansing nennt. Neben der traditionellen Fua gibt es noch den Mutzen, eine groß dimensionierte Plätte von ca. 20 Meter Länge und einer Breite, die einer ganzen Musikkapelle mit Instrumenten Platz bietet. Der Mutzen wird in Hallstatt auch als Altarschiff für die traditionelle Fronleichnamsprozession auf dem See eingesetzt.Siehe Wikipedia.org


Plätteisen
Plätteisen im Verkaufskatalog von August Stuckenbrok, Einbek 1912

Plätten, abgeleitet von platt und dem mndd. pletten für platt machen oder glatt machen, auf Hochdeutsch Bügeln der Wäsche mit dem Bügeleisen. Zu Großmutters Zeiten war ein Waschtag eine Tortur für alle Beteiligten. Nachdem die Wäsche endlich sauber, trocken, gestreckt, zusammengelegt und möglicherweise auch in der Sonne gebleicht war, ging die Mühe mit dem Plätten weiter. Das Plätteisen wurde dabei auf der Herdplatte der Kochmaschine, auch Küchenhexe genannt, erhitzt. Es gab aber auch die gusseisernen Ungetüme, die mit Kohle befeuert wurden, oder die etwas leichtern, mit Spritus befeuerten Plätteisen, wie sie im Verkaufskatalog von August Stuckenbrok 1912 angeboten wurden. Die Wäsche wurde vor dem Plätten entweder mit Wasser besprenkelt, oder durch ein feuchtes Leinentuch vor dem Verbrennen geschützt.Vorschlag von Michael Malsch


Als Schallplattenspieler, auch kurz Plattenspieler (englisch: Phonograph bzw. Turntable), wird ein elektrisches Gerät zum Abspielen von Schallplatten bezeichnet. Plattenspieler stellen ein elektrisches Analogsignal bereit, welches mittels eines Verstärkers und Lautsprechers wiedergegeben wird. Bis in die 1980er Jahre waren Plattenspieler eine der Standardkomponenten von Stereoanlagen, da aufgezeichnete Musik fast nur auf Schallplatte erhältlich war. Mit dem Siegeszug der Compact Disc in den 1980er Jahren verloren sie massiv an Bedeutung.


Studentische Fechtwaffe, seit den 1920er Jahren auch die Bezeichnung für einen Säbel, westfälisch für dünne Flüssigkeit (ähnlich wie Plörre).


Woina plenni ist die russische Bezeichnung für Kriegsgefangener, deren Kurzform Plenni wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 in den Sprachgebrauch der Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter und Spätheimkehrer übernommen.


zusgez. aus mniederd. polietsch = politisch in der übertragenen Bed. staatskundig, weltklug, pfiffig. In Hamburg bedeutet plitsch so viel wie clever, schlau oder intelligent.


Der ostmitteldeutsche Ausdruck Plinsen, Flinsen oder sächsisch nur Blinsen (slaw. bliny, ukrainisch mlynzi) bezeichnet runde Eierkuchen.


fades, dünnes Getränk, oder dünne Suppe (westfälisch)


Plumeau (abgeleitet von frz.: plume = Feder), Bettdecke, kann aber auch einen Staubwedel aus Federn oder den Federbusch (etwa auf Soldatenhelmen) bedeuten. Plumeaus, Bettdecken, Federbetten oder auch Ballon- oder Oberbetten genannt, eignen sich besonders für den Schlaf im ungeheizten Schlafzimmer. Quelle: Wikipedia.de


Der Begriff Plumpe leitet sich vom nahegelegenen Luisenbad im Gesundbrunnen ab und bezeichnet die ehemalige Wettkampfstätte des Berliner Fußballvereins Hertha BSC.


Siehe auch: blümerant. Bedeutung: mir ist schwindelig oder unwohl. Herkunft: Plümerant stammt von bleu mourant (frz.) sterbendes Blau, das auf die bleiche Gesichtsfarbe bei Schwindelanfällen anspielt.


Plunder (ursprünglich niederdeutsch oder niederländisch, im Hochdeutschen seit dem 14. Jh. bezeugt) bezeichnet: Allgemein billige, wertlose, unnütze Dinge, Gerümpel, Kram


nennt der Seemann seine Segel, aber auch sein Zeug, seine Kleidung. Ein Nüsterplünn ist ein Taschentusch.


Plüsch (eigentlich frz. peluche [pəlyʃ]) ist ein Gewebe oder ein Gewirk mit einem sehr weichen Griff. Als Gewebe wird Plüsch ähnlich hergestellt wie Samt. Im Gegensatz zu diesem hat Plüsch einen wesentlich höheren, dafür aber weniger dichten Faserflor (bis zu mehreren Zentimetern Höhe). Bei gewirktem Scherplüsch oder Nickiplüsch wird in normale Strickware ein extra Faden eingebunden, der an der Warenoberfläche kleine Schlingen bildet. Werden die Schlingen zerschnitten, entsteht durch die vielen kleinen, aus dem Stoff hängenden Fädchen eine samtartige Oberfläche. Der zusätzliche Faden kann ganzflächig oder gemustert eingebunden sein (zum Beispiel Frottée).


Wegen ihres plüschigen Hinterteils wird die Hummel in Norddeutschland auf Plattdüütsch als Plüschmors bezeichnet.


Poem (von gr. poiēma, poiesis Erschaffung, poiēo ich mache) ist ein bildungssprachlich veraltetes Synonym für ein (längeres) Gedicht. Im Deutschen wird der Begriff heute meist abschätzig gebraucht, im Gegensatz dazu ist poem im Englischen bzw. poème im Französischen neutrale Bezeichnung für ein Gedicht oder Versdichtung allgemein.

In der russischen (und auch in der bulgarischen) Literatur bezeichnet Poem (russisch поэ́ма) ein umfangreiches, oft mehrteiliges oder als Zyklus angelegtes dichterisches Werk mit lyrischen und epischen Elementen. Eine verbindliche metrische Struktur weist das Poem nicht auf. Kennzeichnend ist das Auftreten eines lyrischen Subjekts, das seine Gefühle und Werturteile zum epischen Geschehen unmittelbar zum Ausdruck bringt.

Die Gattung des Poems entstand ab dem Klassizismus. Als frühes Beispiel gilt Michail Lomonossows Pjotr Weliki von 1760/1761. Ihre Blütezeit erlebte sie in der Romantik in den Werken von Alexander Puschkin und Michail Lermontow.Siehe Wikipedia.org


Die Poggen quaken im Teich. Gemeint sind die Frösche, der Ausdruck war in Ostpreußen und im Niederdeutschen geläufig.


Der Begriff (der oder das) Pogrom steht für die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angehören oder aber von den Tätern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden. Im Regelfall handelt es sich dabei um ethnische, politische oder religiöse Minderheiten, z. B. Mitglieder einer bestimmten Partei oder Religionsgemeinschaft. Früher verwendete man den Begriff nur, um durch Antisemitismus ausgelöste Ausschreitungen gegen Juden (Judenpogrome) zu benennen; der Sprachgebrauch hat sich seither aber ausgeweitet.
Der Begriff Pogrom stammt von dem russischen погром [pɐˈgrom] und bedeutet Verwüstung, Zerstörung, Krawall. Das zugehörige Verb ist громить [grɐˈmʲitʲ] für demolieren, zerstören, herrührend von dem Substantiv гром (grom Donner). Er ist im Zusammenhang mit Übergriffen auf Juden im Russland der 1880er Jahre aufgekommen.


Polaroid ist eine traditionsreiche Marke aus dem Bereich der Fotografie, die vor allem durch Sofortbildkameras internationale Popularität erlangte und somit zum Gattungsnamen für Sofortbildfotografie wurde.


ein kurzer Pfahl aus Holz oder Metall zum Festbinden eines Schiffes mit Tauen am Kai. Man unterscheidet Hafenpoller, Belegpoller und Schiffspoller.


Kaulquappe, oder auch ein Seemann, der den Äquator noch nicht überquert hat, bei der Zeremonie einer Äquatortaufe.


Die Pomade ist ein wohlriechendes Fett oder Salbe, besonders für die Kosmetik und Körperpflege.


fettig, ölig, schleimiges Getue


Pomochel der, ein in Preußen üblicher Name des Dorsches, Gadus Callarias Linn.; auch der Pomuchel. Dieses Wort ist wahrscheinlich slavonischen Ursprungs.


Den Pomuchel kennt an der kaschubischen Küste auch heute noch jedes Kind. So wird hier nämlich der Dorsch genannt, der bereits vor Jahrhunderten einer der beliebtesten Speisefische in diesem Teil Pommerns war.

Dorschkopf, Fischkopf, du oller Pomuchelskopp, war in Ostpreußen eine übliche Bezeichnung für einen missmutigen, missgelaunten Menschen.


Die Rohrkolben (Typha), regional auch als Kanonenputzer, Lampenputzer oder Schlotfeger auch Schmackedutsche, Bumskeule, Pompesel, Bullerbesen etc. bezeichnet, sind eine der beiden Gattungen der Familie der Rohrkolbengewächse (Typhaceae) innerhalb der Ordnung der Süßgrasartigen (Poales). Sie sind Wasser- und Sumpfpflanzen, welche in Feuchtgebieten dichte Bestände entwickeln können. Besonderes Kennzeichen der Rohrkolben ist der auffallend zweiteilige Blütenstand aus einem rein weiblichblütigen und darüber befindlichem rein männlichblütigen Kolben.


Das Romanes-Wort Porajmos (auch Porrajmos, deutsch: das Verschlingenq>) bezeichnet den Völkermord an den europäischen Roma in der Zeit des Nationalsozialismus. Er bildet einen Höhepunkt der langen Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung. Die Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Nach unterschiedlichen Schätzungen liegt sie innerhalb einer großen Spannbreite, ist jedoch sechsstellig.


1.) Portefeuilles, sind Brieftaschen und Aktenmappen aus Leder, Kunststoffen oder Textilien. Der Handwerker, der Portefeuilles herstellt, wird Feintäschner oder Portefeuiller genannt.
2.) Auch das Ressort eines Ministers wurde früher Portefeuille genannt. Im 19. Jahrhundert sind die klassischen Ressorts (Portefeuilles) entstanden: Finanzen, auswärtige Angelegenheiten, Kriegs- oder Heerwesen bzw. später Landesverteidigung, innere Angelegenheiten, Justiz, Handel und Wirtschaft. Daneben findet sich auch der Minister ohne Portefeuille (Minister ohne Geschäftsbereich).
3.) Im Finanzwesen bezeichnet der Begriff eine Sammlung von Objekten eines bestimmten Typs. Heutige Bezeichnung: Portfolio.


ugs. für Haarknoten auf dem Kopf, auch Dutt genannt.


Posamenten (aus dem französischen passement) sind Besatzartikel, die keine eigenständige Funktion besitzen, sondern lediglich als Schmuckelemente auf andere textile Endprodukte wie Kleidung, Polstermöbel, Lampenschirme, Vorhänge und andere Heimtextilien appliziert werden. Als Posament zählen Zierbänder, gewebte Borten, Fransenborten, Kordeln, Quasten, Volants, Spitzen aller Art, kunstvoll besponnene Zierknöpfe und Ähnliches..


Hergestellt werden Posamenten vom Posamentierer (auch Posamentier und Posamenter; früher auch Possementierer, Bortenwirker, Bandbereiter, Bandweber, Besatzmacher, Brämelmacher, Breiser, Breisler, Gorler, Gorlnäher, Gürtelwirker, Knöpfelmacher, Quastenmacher, Schleiermacher, Schnürmacher, Tressenwirker; französisch passementier) in Handarbeit und mit Seilmaschinen, Flechtmaschinen oder Wirkmaschinen. Die Blütezeit des Berufsstandes war im 19. Jahrhundert. Wenige kleine Fabriken und Manufakturen arbeiten heute noch in Handarbeit und mit historischen Maschinen. Der Posamentierstuhl gleicht im Wesentlichen einem Webstuhl, ist aber kleiner, weil er nur für schmale Waren bestimmt ist, und mit besonderen Vorrichtungen zur Herstellung von Mustern, oft auch mit dem Jacquard-Mechanismus versehen.


Ein Postmietbehälter war eine am 1. April 1955 von der Deutschen Post der DDR eingeführte Verpackung für Postsendungen aus stabilem Karton mit abnehmbarem Deckel in unterschiedlichen Größen, der in den Postämtern zum Versenden von Paketen gegen ein Pfand von 50 Pfennigen geliehen werden konnte. Das Pfand erhielt jeder zurück, der einen PMB auf dem Postamt abgab.

Zum Tag der Briefmarke 2009 gab es in Radebeul einen Sonderstempel, auf dem ein Postmietbehälter Typ C2 abgebildet war.


Potemkinsches Dorf
Potemkinsche Dörfer Bild: Ehemalige Schlossbrauerei in Kolín: Nur die zum Elbeufer sichtbare Seite wurde renoviert. By -jkb- (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Als Potemkinsches Dorf – teilweise auch in der Schreibweise Potjomkinsches Dorf – wird eine Siedlung (Dorf, Stadtteil oder eine Stadt) bezeichnet, die sich in ihren Schauseiten attraktiv herausgeputzt zeigt und jenseits davon marode oder schäbig, also falls eine schlecht funktionierende Siedlung den Charakter einer Kulissenstadt hat.

Allgemeiner werden gut aussehende Objekte bezeichnet, die tatsächlich schlechten Zustand verbergen. Es wirkt ausgearbeitet und beeindruckend, doch es fehlt ihm an Substanz.

Die Redewendung geht zurück auf eine Erzählung über den russischen Feldmarschall Reichsfürst Grigori Alexandrowitsch Potjomkin, die nicht den historischen Gegebenheiten entspricht. Potjomkin, Gouverneur und Militärreformer, der sich unter Zarin Katharina II. um die Entwicklung Neurusslands bemühte, habe nach dieser Legende vor dem Besuch seiner Herrscherin im neu eroberten Neurussland im Jahr 1787 entlang der Wegstrecke Dörfer aus bemalten Kulissen zum Schein errichten lassen, um das wahre Gesicht der Gegend zu verbergen.


Französischer Herkunft, poussade → für (Liebelei, Liebchen), poussage → für (Flirt, Liebeswerbung) → jemanden umschmeicheln, jemandem den Hof machen, ernsthaft flirten, schmusen


Mittelscheitel, in den 50ger Jahren scherzhaft als Popo-Scheitel bezeichnet.


Ein Präludium, auch Praeludium (lat. praeludium, Vorspiel) bzw. Prélude (frz.), Preludio (ital.), ist ein Instrumentalwerk mit eröffnendem oder hinführendem Charakter.


Eine Präparandenanstalt, teilweise auch als Präparandie bezeichnet, war vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein die untere Stufe der Volksschullehrerausbildung. Sie bereitete auf den Besuch der Lehrerseminare vor. Daher auch die Bezeichnung Präparand (lat. ein Vorzubereitender) für die Schüler dieser Einrichtung. Die Ausbildung begann unmittelbar nach dem Ende der Volks- beziehungsweise der Mittelschule.


Veraltet für Volksschullehrer; Sehr beherzigungswerth ist die Aeußerung, daß der Präparandenbildner nicht allein seinen Zögling unterrichten, sondern auch erziehen muß.


Preziosen, Pretiosen >Pl.< [lat. pretium = Preis, Wert; pretiosus = kostbar]: Kostbarkeiten, Schmuck. Der Begriff Pretiosen bezeichnet ganz allgemein Kostbarkeiten und im Speziellen Schmuck. Er wird synonym zu den Begriffen Geschmeide oder Kleinod verwandt. Der Begriff wurde von Frau Eva Schade vorgeschlagen.


Prieche (Priche), soviel wie Emporkirche (Empore); in manchen Gegenden Bezeichnung für abgeteilte, architektonisch bevorzugt behandelte, besondere Plätze auf der Empore oder unten im Kirchenraum, sogen. Betstuben, wie sie namentlich im 17. und 18. Jahrh. üblich waren und heute noch vielfach als Patronatsstühle, Sitze für die Pfarrersfamilie etc. in Gebrauch sind.Quelle: Meyers Konversationslexikon


Kautabak (auch Priem) ist laut Tabaksteuergesetz vom 13. Dezember 1979 (BGBl. I, S. 2118) Tabak in Rollen, Stangen, Streifen, Würfeln oder Platten, der so zubereitet ist, dass er sich nicht zum Rauchen, sondern zum Kauen eignet.Quelle: Wikipedia.de


Ein im Krieg erbeutetes, beschlagnahmtes feindliches oder auch neutrales Handelsschiff oder Handelsgut..

Bei Schiffen unter feindlicher Flagge ist die so genannte Aufbringung (Übernahme der Befehlsgewalt über das Schiff), Einbringung (Verbringung in einen eigenen Hafen) und Einziehung von Schiff und Ladung zulässig.

In Deutschland gilt die Prisenordnung vom 28. August 1939. Sie wurde im Gegensatz zu ihrem Vorläufer, der Verordnung vom 30. September 1909, als Gesetz beschlossen, behielt jedoch die Bezeichnung Prisenordnung bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie nicht außer Kraft gesetzt und gilt weiter für die Deutsche Marine, 1964 mit redaktionellen Bearbeitungen inhaltlich unverändert umgesetzt im ständigen Befehl der Flotte Nr. 10.

Die Prisenordnung war die Legitimation für die Versenkung von Handelsschiffen durch die Besatzung des Panzerschiffs »Admiral Graf Spee«, das 1939 im Rio de la Plata durch Selbstversenkung unterging.

Lesen Sie den Zeitzeugenbericht von Ernesto Potthoff: Internierung in Argentinien.


Ladefläche eines Kleinlasters, beim Militär eine Art transportables Bett, ein Feldbett.


bildungssprachlich, lat.: Im ganz privaten Bereich, nicht offiziell, nicht öffentlich.


Das Proletariat (von lateinisch proles die Nachkommenschaft) bezeichnete im antiken Rom die gesellschaftliche Schicht der landlosen und lohnabhängigen besitzlosen, aber nicht versklavten Bürger im Stadtstaat, die nicht steuer- und wehrpflichtig waren.

Aus dem Lateinischen übernommen, taucht der Begriff im 19. Jahrhundert zuerst in England, später auch in anderen europäischen Ländern auf, wird jedoch erst seit der Französischen Revolution zögernd als Bezeichnung konkret auf den damaligen Vierten Stand (richtiger: auf die unterständischen, keinem der drei Stände angehörigen Schichten) bezogen.

Um 1820 spricht Henri de Saint-Simon zum ersten Mal von der Klasse der Proletarier. Seit 1830 wird der Begriff zur Bezeichnung der pauperisierten Unterschichten verwendet, die als Gefahr für die soziale und politische Stabilität angesehen werden. Dies tut z. B. Lorenz von Stein, der die Gefahr im Bedürfnis der eigentums- und bildungslosen Proletarier sieht, nicht ganz ohne jene Güter zu bleiben, die der Persönlichkeit erst ihren Wert verleihen.

Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts findet der Begriff vorzugsweise Anwendung auf die infolge der Industriellen Revolution entstandene Industriearbeiterschaft. Nach Karl Marx sind Proletarier doppelt freie Lohnarbeiter, Menschen, die nichts anderes besitzen als ihre Arbeitskraft, die also allein durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft ihren überwiegenden Lebensunterhalt erzielen können.


Eine Spaziermeile. Promenaden befinden sich oftmals in Großstadtzentren, sowie an Küsten (Strandpromenade).


ist eine ugs. Bezeichnung für Hunde, die sich über viele Jahre hinweg auf der Straße unkontrolliert vermehrt haben, im Gegensatz zum Mischlingshund. Die Promenadenmischung ist keine Hunderasse.


Provenienz (von lateinisch provenire herkommen) bezeichnet allgemein die Herkunft einer Person oder Sache. Besondere Bedeutung hat der Begriff als Bezeichnung der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern, ihrer Erforschung widmet sich die Provenienzforschung. Der Begriff ist auch als Herkunftsangabe von Waren geläufig, meist im Sinne einer Qualitätsangabe.


Prôstemahlzeitsgesicht, n., feistes, volles Gesicht. Man schreibt es Pastoren und Prälaten zu. (Aus Ostpreußen) Quelle: Preußisches Wörterbuch


Rut ut de Puuch! Wer frühmorgens verschlafen im Bett liegt und diesen Ruf hört, dem wird die klare Aufforderung nicht entgehen: Nun aber raus aus den Federn! Das Wort Puuch steht für das Bett, es kann auch für das Bettzeug gebraucht werden, und zwar sowohl in einem neutralen als auch in einem abfälligen Sinn: In so'n ole Puuch magst du liggen? Nur im östlichen Teil des niederdeutschen Sprachraums ist Puuch bekannt. Diese Verbreitung gibt einen Hinweis darauf, dass es sich ursprünglich um ein slawisches Wort handelt. So kennt man im Polnischen und im Tschechischen puch für "Flaum". Zunächst bedeutete Puuch also Daune oder Feder, was wiederum die Mehrzahl in älteren plattdeutschen Texten erklärt, etwa: He is al ut de Puuchen. In einigen Regionen hat man das slawische Wort auch lautlich dem Plattdeutschen angepasst; sonstiges ch entspricht hier ja dem k. Analog dazu ist Puuk entstanden. Se liggt noch in de Puuk. De kann nich vör Klock teihn ut de Puuch kamen, heißt es vom Langschläfer, oder auch: De is eenfach nich ut de Puuch to kriegen.Autor: Die Welt; Reinhard Goltz 13.10.2008


eine Fluidenergiemaschine zum Bewegen oder Fördern von Flüssigkeiten und Gasen, (ugs. auch das menschliche Herz).


Bauernmädchen mit zwei Pumpernickelbroten
Bauernmädchen mit zwei Pumpernickelbroten 1919
Auch Bompernickel, Bumpernickel oder Pompernickel genannt, ist ein westphälisches Hausbrot (Vollkornbrot) aus Roggenschrot, das sich lange hält und als typisch deutsches Brot gilt. Der Name soll laut der Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz daher stammen, dass es dem zarten und des weißen Brots gewohnten Magen eines französischen Edelmanns nicht zuträglich zu sein schien; daher gab er das Bompernickel gleich weiter an sein Pferd, das Nicol hieß, mit diesen Worten weg: Ce pain est bon pour Nicol; dieses Brod ist gut für Nickeln, daher hat hernach das Brot den Nahmen Bompernickel bekommen.

Weiter heißt es bei Krünitz: Es giebt eine überaus nahrhafte und wiederhaltende Kost, und läßt sich besonders zu frischer Maibutter, einem guten westphälischen Schinken, oder holländischen Käse, mit Appetit speisen; jedoch ist nicht zu leugnen, daß man dazu einen westphälischen Magen und robusten Leib mitbringen müsse.

Nach einer anderen Deutung soll das Wort Pumpernickel auch furzender Nikolaus bedeuten und ursprünglich ein Schimpfwort für einen groben Flegel gewesen sein. Pumper bezeichnet im Sauerland eine Flatulenz, in diesem Zusammenhang dürfte dies ein Verweis auf die blähungsfördernde Wirkung von Vollkornbrot sein. Nickel ist ähnlich wie bei der Etymologie von Kobalt eine Bezeichnung eines arglistigen Geistes oder Kobolds und steht übertragen für Eigenbrötler oder komischer Kauz.


Lappen, Stoffrest, der beim Spielen mit Puppen verwendet wird, oder kleine Stofffetzen für kleine Mädchen.


Bildungssprachlich veraltet: Von Störendem befreien, säubern; reinigen, läutern.
Medizinisch: Abführen, ein Abführmittel anwenden, auch mit dem Zweck sich innerlich zu reinigen.
Bei der Rechtsprechung, veraltet, reflexiv: Durch einen Eid eine Behauptung entkräften, sich durch einen Eid von einer Beschuldigung reinigen.


aus dem Lateinischen. Purus heißt auf deutsch rein. Ein Purist ist somit ein Vertreter der reinen Lehre.


Schuhzeug für zu Haus, Hausschuhe.


Der Ausruf Pustekuchen bedeutet soviel wie von wegen. Der Begriff kommt aus dem Jiddischen wo die Redewendung Ja cochem, aber nicht lamdon verwendet wird.


mundartlich für Frisör (alte Schreibweise: Friseur) … ich geh heut' zum Putzbüdel …, oder: … warst du beim Putzbüdel? Und was ist der von Beruf?


Ein Modist oder eine Modistin - auch Putzmacher(in) genannt - ist für die letzte Formgebung und den Aufputz eines Hutes zuständig.


[post scriptum]: Nachsatz in handschriftlichen Briefen. Auch für die nicht mehr gebräuchliche Leistungsangabe in Pferdestärken; 1PS = 0,735499KW.


Ein Pyrrhussieg ist ein zu teuer erkaufter Erfolg. Im ursprünglichen Sinne geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann auf dem Sieg nicht aufbauen. Der Ausdruck geht auf König Pyrrhos I. von Epirus zurück. Dieser soll nach seinem Sieg über die Römer in der Schlacht bei Asculum in Süditalien 279 v. Chr. einem Vertrauten gesagt haben: Wenn wir die Römer in einer weiteren Schlacht besiegen, werden wir gänzlich verloren sein!, häufig zitiert in der verknappten, aphoristischen Form Noch so ein Sieg, und wir sind verloren! In dieser Schlacht musste er erhebliche Verluste hinnehmen, so dass seine Armee auf Jahre hinaus geschwächt war und schließlich den Pyrrhischen Krieg verlor.
Eine ähnliche Bedeutung hat auch der Kadmeische Sieg. Im heutigen Sprachgebrauch wird Pyrrhussieg überwiegend im übertragenen Sinn genutzt.
Ein Beispiel für einen Pyrrhussieg ist das Unternehmen Bodenplatte.
Das Unternehmen Bodenplatte war ein Luftangriff durch Jagdflugzeuge der deutschen Luftwaffe auf Flugplätze der Alliierten in den Niederlanden, Belgien und Frankreich am 1. Januar 1945. Die Luftwaffe plante, bei diesem Angriff 17 feindliche Frontflugplätze auf einen Schlag zu zerstören. Während tatsächlich einige hundert alliierte Flugzeuge zerstört oder beschädigt wurden, fielen primär die hohen eigenen Verluste, vor allem an erfahrenen Piloten, ins Gewicht und beschleunigten den Niedergang der Luftwaffe wesentlich.