Lexikon der alten Wörter und Begriffe (Archaismen)

F: von Fallgut bis fürbass

Fallgut (Falllehen, Schupflehen), bezeichet ein Gut, welches bei jedem Todesfall des Besitzers dem Gutsherrn wieder anheimfällt, wenn er nicht die Erben aufs neue damit belehnt. Meyers Lexikon

(ital. fallimento, franz. faillite; auch [unfranzösisch] Fallissement), Zahlungsunfähigkeit, Bankrott; fallieren (faillieren), bankrott werden (namentlich unverschuldeterweise); Fallit (Faillit), ein Zahlungsunfähiger.Siehe Meyers Lexikon

Konkursmasse (Masse, lat. Massa), die gesamten Aktiva eines Falliten, welche unter die Gläubiger zu verteilen sind (Aktivmasse). Im Gegensatz dazu wird die Gesamtheit der Forderungen an den Gemeinschuldner als Passivmasse bezeichnet. Massekurator (in der österreichischen Konkursordnung Masseverwalter), die vom Konkursgericht zur Verwaltung der Aktivmasse bestellte Person, in der deutschen Konkursordnung Konkursverwalter genannt (s. Konkurs). Als Massegläubiger bezeichnet die deutsche ebenso wie die österreichische Konkursordnung diejenigen Gläubiger, deren Forderungen die Masse als solche belasten, die also vorweg aus derselben zu berichtigen sind, so daß als Teilungsmasse nur übrigbleibt, was nach Abzug der Forderungen der Massegläubiger zur Verteilung unter die Konkursgläubiger disponibel ist. Siehe Meyers Lexikon

Faktotum (lateinisch fac totum Tu alles!) ist ein im 16. Jahrhundert aufgekommenes Fremdwort zur Bezeichnung einer Person, die in einem Haushalt, Betrieb oder einer sonstigen Organisation (z. B. Kloster, Schule) eine Vielzahl von Aufgaben wahrnimmt. Eine solche Person wird umgangssprachlich auch zuweilen (unabhängig vom Geschlecht) Mädchen für alles genannt.

Unter Fatalismus versteht man eine Weltanschauung, die davon ausgeht, dass das Geschehen in Natur und Gesellschaft durch das Schicksal (lateinisch fatum) unabänderlich vorherbestimmt ist. Fatalisten halten die Fügungen des Schicksals für unausweichlich und meinen, der Wille des Menschen könne ihnen nichts entgegensetzen. Daraus ergibt sich aber nicht zwangsläufig die Folgerung, menschliche Entscheidungen und Handlungen seien sinnlos. Ein Falalist glaubt an die Vorhersehung, die Vorherbestimmung durch den göttlichen Willen, die aus Offenbarungsschriften abgeleitet wird. (Es ist alles in einem goldenen Buch aufgeschrieben)

Küchenwischtuch zum feuchten Reinigen von Tellern, Töpfen, Schüsseln, Küchenmöbeln usw. Obwohl einige Hamburger das Fatuch gern mit fahren in Verbindung bringen möchten, weil man damit angeblich so schön auf dem Tisch herumfahren kann, ist die Erklärung beim Fatt zu suchen.
Die nnd. Form lautet: Faatdook. Die Schreibweise Fatuch dürfte eine nicht ganz, oder nur halb gelungene Übernahme ins Hochdeutsche sein.

Verschiedene Messertypen, die auf Wanderungen und sogenannten Fahrten verwendet werden. Er entstand in den 1920er Jahren in der bündischen Jugend und wurde von der Hitler-Jugend für das HJ-Fahrtenmesser übernommen.

Einrichtung zum Fangen von Tieren. In die Falle gehen = mundartlicher Ausdruck für schlafen gehen.

Obst, das von selbst vom Baum gefallen ist.

In der Form eines länglichen Brotlaibs gebratenes Hackfleisch.

Faschinen (von lateinisch fascis; italienisch fascio ‚Bündel’, ‚Bund’) sind walzenförmige Reisig- bzw. Rutenbündel von einigen Metern Länge, welche in erster Linie zur Abwehr von Erosionserscheinungen bzw. Böschungsbrüchen genutzt werden. Demgemäß finden sie insbesondere beim Bau von Böschungen und im Wasserbau (zur Ufer- oder Gewässersohlenbefestigung) Anwendung, siehe dazu auch Schlacht (Wasserbauwerk). Ferner werden Faschinen bei der Landgewinnung im Watt zum Bau der Lahnungen genutzt, um durch Beruhigung der Strömungen die durch die Gezeiten im Wasser transportierten Schwebstoffe zur Sedimentation und Aufschlickung zu bringen.Quelle: Wikipedia.org

Faschismus war zunächst die Eigenbezeichnung einer politischen Bewegung, die unter Führung von Benito Mussolini in Italien von 1922 bis 1943/45 die beherrschende politische Macht war und ein diktatorisches Regierungssystem errichtete. Ab den 1920er Jahren wurde der Begriff für alle extrem nationalistischen, nach dem Führerprinzip organisierten antiliberalen und antimarxistischen Bewegungen, Ideologien oder Herrschaftssysteme verwendet, die seit dem Ersten Weltkrieg die parlamentarischen Demokratien abzulösen suchten. Die Verallgemeinerung des Faschismus-Begriffs von einer zeitlich und national begrenzten Eigenbezeichnung zur Gattungsbezeichnung einer bestimmten Herrschaftsart ist umstritten, besonders für den Nationalsozialismus in Deutschland. Mit Neofaschismus bezeichnet man Strömungen und Parteien, die nach 1945 an die Tradition des Faschismus anknüpfen.Quelle: Wikipedia.org

Der Chemiker Ludwig Scholvien erfand 1908 in Berlin die Fassbrause für seinen Sohn, um ihm ein in Farbe und Geschmack dem Bier ähnliches alkoholfreies Getränk anzubieten. Das von Scholvien entwickelte Original-Rezept enthält neben den Zutaten Wasser und Malz ein natürliches Konzentrat aus Äpfeln und Süßholzwurzeln.

Früher beim Milchmann und auf Märkten lose verkaufte Butter aus dem Fass, heute Butter in markanter Rollenform und in Pergament eingeschlagen. Seit dem Mittelalter entwickelte sich Butter zu einem wichtigen Handelsgut, das in Töpfen und Fässern, auch auf dem Seeweg, transportiert wurde.

umgangssprachlich, abwertend: Von sich eingenommene, eitle und arrogante Person.

Fähe: weibliches Tier des Fuchses sowie aller Marderartigen, mit Ausnahme des Dachses. Herkunft: mittelhochdeutsch vohe, althochdeutsch voha = Füchsin. Der Ausdruck ist heute noch gebräuchlich in der Waidmann- oder Jägersprache. Der Hinweis kam von unserer Leserin Frau Roter Subolg

Bezeichnet ein geschlechtsreifes weibliches Hausrind, das noch kein Kalb geboren hat. Wortherkunft: Seit dem 15. Jahrhundert bezeugt; im Spätmittelhochdeutschen und Mittelniederländischen verse nachweisbar; trotz der späten Bezeugung wohl schon alt und von der (nicht belegbaren aber rekonstruierten) germanischen Wurzel *farsī/jō ausgehend.
Andere Bezeichnungen: Jungkuh, Kalbe, Starke, Sterke; norddeutsch: Queene, süddeutsch, österreichisch: Kalbin, schweizerisch: Gusti.

Handschuh, Fausthandschuh: gestrickte, pelzgefütterte ohne (Einzel-) Finger.

Feber ist ein Austriazismus für den Monat Februar. Veraltet, sonst noch landschaftlich: Hornung, Sporkel/Spörkel/Spürkel, Narrenmond, Schmelzmond, Taumonat/Taumond.

In der Haut wurzelnder schaftartiger Teil einer Vogel-Feder, nach dem Anschnitt zum Schreiben mit Tinte zu gebrauchen.

Ein Federmäppchen oder Federmappe, Federtasche, ist eine aufklappbare Mappe, oft mit seitlich angebrachtem Reißverschluss, aus Stoff, Kunststoff oder Leder. In der Federmappe befinden sich Einschubmöglichkeiten für Filzstifte, Buntstifte, Bleistifte, Füllfederhalter, Lineal, Anspitzer und Radiergummi. Der Name rührt daher, dass man in der Federmappe die Schreibfedern und später auch den Federhalter aufbewahrte. Im Grimmschen Wörterbuch ist auch von Federfutteral und Federbüchse (theca pennaria), als einem Gefäß zum Aufbewahren der Schreibfedern die Rede.

Traubenmost, der gerade begonnen hat zu gären und der noch keiner Filtration unterworfen war.

mnd. vēge, veige »feige, verzagt, erschrocken«, oder die; -, -n [zu → fegen]: Werkzeug zum Reinigen von Getreide.

Abfallmehl in Backstuben oder Mühlen. (mit dem Besen zusammengekehrt, zusammengefegt)

Fachbegriff aus dem Kürschnerhandwerk: Sammelbegriff für Pelzwerk, auch als Rauchwaren bezeichnet.

Feilhalten, feilbieten nennt man das Anbieten von Gegenständen zum Verkauf.

Der Feldscher (Mehrzahl: Feldschere) war ein Handwerker, der Verwundungen von Soldaten versorgte. Erst ab dem 18. Jahrhundert waren auch akademisch ausgebildete Ärzte unter den Feldscheren. Die Bezeichnung entstand im 14. Jahrhundert in der Schweiz, ursprünglich in der Form Feldscherer.

In vielen Formen vorkommendes farbloses od. helles gesteinsbildendes Mineral.

Binokular aufgebaute Ferngläser, d. h. man kann mit beiden Augen gleichzeitig hindurchblicken.

Ein Felleisen ist ein meist lederner Rucksack, wie er früher von Handwerksgesellen auf der Stör getragen wurde.
In der Ökonomischen Enzyklopädie von Krünitz aus den Jahren 1773–1858 heißt es bereits zur Herkunft des Wortes Felleisen:
Viele haben geglaubt, daß dieses Wort aus Fell und Eisen zusammen gesetzt sey, weil diese Art des Sackes jetzt nicht nur aus Fellen bereitet, sondern auch wirklich mit Eisen verwahret wird. Da aber dieses Wort im Ital. Valigia, im Franz. Valise, im Altfranz. Fouillouse, und im mittlern Lat. Vallegia lautet, so haben es Andere mit mehrerm Rechte daher geleitet, ungeachtet die Abstammung auch dieser Wörter noch dunkel ist.
Auch neuere Lexika bestätigen, dass die mittelhochdeutsche Abkunft des Begriffs nicht von Fell, sondern von französ. valise (= Koffer) stammt. Die Aussprache von Felleisen lautet im Mittelhochdeutschen und noch heute im alemannischen Sprachraum: vel–īsä.
Das Felleisen wurde hauptsächlich von den wandernden Handwerksburschen benutzt, während sie auf Reisen waren. Es war eine Art Reisesack oder Tornister, der geschnürt wurde und oft mit Trägern versehen war, um ihn auf den Rücken zu schnallen. Er enthielt alles Wesentliche, was der Träger benötigte und nicht in der Brottasche (Brotbeutel) Platz fand. Laut Krünitz' Enzyklopädie war es ein Ranzen, Ränzel, ... eine Reittasche, oder ein kleiner Sack, zum Ueberhängen über die Schultern, mehrentheils von rauchem Leder oder Fellen überzogen, und mit einem eisernen Stänglein oder einer Kette verschlossen, allerley Geräthschaften auf der Reise darinn zu verwahren. Abgelöst wurde das Felleisen der Handwerker durch den Charlottenburger, ein quadratisches Tuch. Mit der Zeit war es den Gesellen nämlich nicht mehr erlaubt, mit dem fellüberzogenen Tornister in bestimmte Städte einzureisen, da das Felleisen, so die Begründung, meist ideale Bedingungen für Läuse und Krankheiten bot.

Anfangs wurden Telefongespräche manuell vermittelt (Fräulein vom Amt). Die Vermittlung erfolgte in Fernsprechämtern, Abk. Fernamt z. B. unter Benutzung von Klappenschränken. Die nächste Entwicklungsstufe war die Einführung automatischer Vermittlungsstellen, früher "Selbstanschlußamt" genannt. Hier erfolgte die Vermittlung durch elektromechanische Wähler (vorwiegend Hebdrehwähler, Drehwähler, Motor-Drehwähler; siehe auch Selbstwähleinrichtung). Diese Wähler wurden direkt von Impulsen gesteuert, die das Telefon beim Wählen der Rufnummer erzeugte.

Ein Ferngespräch ist ein Telefongespräch zwischen zwei Fernsprechteilnehmern im Festnetz, die nicht demselben Ortsnetz angehören. Beim Wählen der Telefonnummer stellt der Anrufende deshalb üblicherweise die Telefonvorwahl voran. Das Gespräch wird im Selbstwählferndienst oder durch eine Fernvermittlungsstelle hergestellt.

Ein Telefon, früher auch Telephon (von altgriechisch τῆλε tēle fern und φωνή phōnē Laut, Ton, Stimme, Sprache; Begriff geprägt von Philipp Reis), auch Fernsprechapparat (FeAp) oder Fernsprecher (bahninterne Abkürzung Fspr) genannt, ist ein Kommunikationsmittel zur Übermittlung von Tönen und speziell von Sprache mittels elektrischer Signale.

Fersengeld geben (ugs. scherzhaft) für davonlaufen, fliehen. Die Redewendung wurde schon im Mittelalter als Bezahlung mit der Ferse, d.h. als Zuwendung mit der Ferse statt Begleichung einer Schuld – beim heimlichen Verlassen einer Herberge aufgefasst. Ursprünglich kann Fersengeld auch das Bußgeld eines Flüchtigen gewesen sein.

Gasgefüllter (Wasserstoff, Helium) Großballon, der an langen Seilen verankert ist.

ReischsfettkarteDer Begriff Fettlücke bezeichnete den Rohstoffmangel des Deutschen Reiches an Fetten und Ölen. Sie zählte neben der Eiweißlücke und der Faserlücke zu den drei großen Erzeugungslücken. Besonders in der Zeit des Nationalsozialismus bestand die Absicht, die Abhängigkeit des Deutschen Reiches vom Import technischer Fette und Nahrungsfette zu beenden (Autarkie). Dies führte zur Unterversorgung mit Futtermitteln, was sich wiederum negativ auf die Tierhaltung auswirkte. Die drei Wege zur Schließung der Lücken waren die Ertragssteigerung, Verbrauchslenkung und mit der Kriegswende 1941/42 die diversen Syntheseverfahren. Konkrete Maßnahmen hierfür waren ab 1935 die Erzeugungsschlacht, ab 1936 der (Zweite) Vierjahresplan, die Rationierung vor Kriegsausbruch am 27. August 1939 und nicht zuletzt ab 1941 das Unternehmen Barbarossa, der Angriffskrieg auf die Sowjetunion. Durch die Erzeugungsschlacht konnte der Selbstversorgungsgrad an tierischen und pflanzlichen Fetten aber nur geringfügig gesteigert werden (etwa zwischen 1933/34 bis 1938/39 von 53 % auf 57 %).

auch: Feul → niederl. mundartl. feil → [frz. faille = grober Seidenstoff; Mantel]. Der Feudel ist kein Wischmopp, sondern dessen Vorläufer, ein grobes Tuch, das meist um einen Schrubber geschlagen wird. Er dient der Feuchtreinigung des Fußbodens.

Als Feuersturm bezeichnet man den Kamineffekt bei großen Flächenbränden, bei denen durch starke Hitzeentwicklung heiße Luft über dem Brandherd emporsteigt und der entstehende Sog Frischluft nachzieht. Bei diesem Kamineffekt entsteht somit eine positive Rückkopplung – die Zufuhr frischer Luft facht das Feuer weiter an.Siehe auch: Operation Gomorrha, >Feuersturm über Hamburg

Teich, aus dem das Wasser zum Löschen eines Brandes gepumpt wird. Notmaßnahme im 3. Reich.

1.) Veraltet für Spaß, Ulk, Unsinn, Kinderei, Nonsens. Beispiel: Viel Fez machen.
2.) Der Fes (auch Fez oder Tarbusch) ist eine früher im Orient und auf dem Balkan weit verbreitete Kopfbedeckung in der Form eines Kegelstumpfes aus rotem Filz mit flachem Deckel und mit meist schwarzer, blauer oder goldener Quaste, benannt nach der Stadt Fès in Marokko.

Als Fiaker wird sowohl eine zweispännige Lohnkutsche bezeichnet, als auch deren Kutscher selbst.

Ein Fidibus ist ein harzreicher Holzspan oder ein gefalteter Papierstreifen, der als Hilfe zum Feuermachen dient(e), besonders etwa zum Anzünden von Pfeifentabak. Im späten 19. Jahrhundert wurden auch elektrische Fidibusse entwickelt.
Die Etymologie des im späten 17. Jahrhundert aufgekommenen Begriffes ist unbekannt; unbestritten ist lediglich, dass es sich um einen Ausdruck aus der Studentensprache handelt. Moriz Haupt vermutete eine scherzhafte Umdeutung eines Spruches von Horaz als Ursprung: In Od. 1,36,1–3 heißt es Et ture et fidibus iuvat placare … deos Es erfreut, mit Weihrauch und Saitenspiel die Götter zu besänftigen. Dabei sei als Studentenulk ture mit Weihrauch als Tabaksqualm und fidibus mit Saitenspiel als Pfeifenanzünder umgedeutet worden. Das Deutsche Wörterbuch vermutet eine Abwandlung von französisch fil de bois Faden aus Holz.Siehe Wikipedia.org - Begriff eingesandt von Alwin Koenen, 7.12.2018

Lat. Sohn. Im Plural auch filii = Kinder; auch z. B.: filius legitimus = rechtmäßiger (ehelicher) Sohn, filius naturalis = unehelicher Sohn (und legitimatio per matrimonium subsequens = Legitimation durch nachfolgende Ehe), filius inventus und filius expositus = Findling;

(Plurale tantum) Es entstammt wahrscheinlich der lateinischen Amtssprache des ausgehenden Mittelalters.
Als Redewendung: Während der Franzosenzeit 1806 bis 1814 ermahnen Hamburger Mütter ihre halbwüchsigen Töchter, wenn diese ausgehen wollen: Aber mach mir keine Fisimatenten! [Aufforderung der französischen Besatzer an die holde Weiblichkeit: frz. Visitez ma tente. Besuche mich / komm in mein Zelt]
Doch eine andere Erklärung gilt als wahrscheinlicher, derzufolge hinter den Fisimatenten keine französische Masche steckt, sondern eine amtliche Bescheinigung: visae patentes war der lateinische Ausdruck für Offizierspatente. So gab es bereits im 16. Jahrhundert, lange vor der napoleonischen Zeit, das eingedeutschte Wort visepatentes, das zum Inbegriff für lästige Umstände wurde, zumal das Ausstellen eines Offizierspatentes viel Zeit in Anspruch nahm. Daneben existierte auch noch das mittelhochdeutsche Wort visamente, das Verzierung und Ornament bedeutete und in der Wappenkunde eine wichtige Rolle spielte. Man nimmt an, dass es irgendwann zu einer unfachgemäßen Kreuzung die­ser beiden Fachbegriffe kam und dass aus visepatentes und Visamenten schließlich Fisimatenten wurden. Mit fies im Sinne von scheußlich und gemein haben Fisimaten­ten eigentlich nichts zu tun, doch aufgrund des ähnlichen Klangs wurde viel Fieses hineininterpretiert, sodass bisweilen auch von fiesen Matenten die Rede ist. Bastian Siek

Dichterische Bezeichnung für (Vogel)-Flügel. Herkunft: Althochdeutsch fettāh, feddāh, mittelhochdeutsch vitich, vetach. Im Sprachgebrauch, Bedeutung: Jemanden unter seine Fittiche nehmen – sich um jemanden kümmern.

Fizzebohnen sind Kletterbohnen; typisches Gewächs in Ruhrgebiets-Hinterhöfen.

Der Flaneur (aus französisch flaner umherstreifen, umherschlendern) ist ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und planlos umherschweift – er flaniert. Heute würde man shoppen gehen sagen.

Unter einer Flugabwehrkanone (auch Fliegerabwehrkanone genannt, kurz Flak selten auch FlaK) versteht man eine ursprünglich im Ersten Weltkrieg entwickelte Waffe, die zur Abwehr gegen Flugzeuge eingesetzt wird. Daraus abgeleitet wurde die Flakartillerie, eine Waffengattung, die neben diesen Geschützen auch Maschinenkanonen verwendete. Reichweite und Präzision (manchmal zusammenfassend Kampfkraft genannt) konnten über die Jahre immer weiter erhöht werden.

Flappe (auch: Fleppe, Fluppe); traurige, enttäuschte Gesichtszüge als Reaktion auf eine schlechte Nachricht; 'ne Fleppe ziehn - plötzliche mimische Veränderung, die besonders an der Tiefe der Mundwinkel und der Traurigkeit in der Augenpartie abgelesen wird.

In Ostpreußen ein preiswertes und häufig serviertes Gericht. Grundzutat waren Rinder- oder Schafskaldaunen (Kutteln). Der in Streifen geschnittene Pansen von Wiederkäuern.

Pubertät war zu Beginn der 1950er Jahre nur in der wissenschaftlichen Fachsprache gebräuchlich, galt im Volksmund als verschrobenes Fremdwort und hatte einen leicht unanständigen Klang. G.M.

In Ostpreußen sagte man fleien, auffleien und meinte damit stapeln, aufstabeln. Zum Beispiel wurden die Briketts als Wintervorrat aufgefleit. (aufjefleit)

Umgangssprachlich im DDR-Jargon für Führerschein und Ausweispapiere aller Art. Der Begriff Fleppe komt vom eng. flap was Schlag oder Klaps bedeutet. Ursprünglich war damit ein Buch aufschlagen gemeint.

Im Ruhrpott für ein Katapult, mit dem Papierknübbelchen oder kleine Steine mit Hilfe eines Gummibandes abgeschossen werden können.

Umgangssprachlich für ein Flugzeug, aber auch der Pilot konnte damit gemeint sein.
Das 1926 erschienene Buch Der Flieger (französischer Name: L'Aviateur) ist das erste veröffentlichte Werk des französischen Schriftstellers und Piloten Antoine de Saint-Exupéry.

Flotte LotteEine Flotte Lotte (auch Passiermühle, Gemüsemühle, Passiergerät, Passe-vite oder Passetout) (Schweiz: nur Passevite) ist ein handbetriebenes Küchengerät, das zum Passieren von Früchten, Gemüse oder anderen Lebensmitteln dient.

Ein beschriftetes Papierblatt, das eine Mitteilung oder Werbung transportiert und verbreitet. Auch Handzettel, Flugzettel oder heute als Flyer bezeichnet.

Umgangssprachlich, scherzhaft für Megaphon oder Sprachrohr.

Hamburger Jagon, für die fünfzehnminütige Pause, Brotzeit, Frühstück.
Fofftein! ruft der Vorarbeiter auf der Baustelle, oder bei sonstiger schweißtreibender Arbeit. Ein Begriff aus dem Hamburger Arbeitermilieu: die fünfzehn Minuten Pause, spätestens morgens um halb zehn, samt Kippe und Butterbrot.

Fondant ist die Bezeichnung für eine weiche, pastöse Zuckermasse, die zur Herstellung verschiedener Süßwaren verwendet wird, vor allem für die danach benannten Fondants. Von [frz. fondant,] eigtl. = im Munde zergehend, von: fondre = schmelzen.

DDR-Bürger mussten ab 1979 Devisen in Forumschecks umtauschen, um damit im Intershop einkaufen zu können. Auch als Zweitwährung für Handwerkerleistungen und wirksame Trinkgelder gebraucht. Ein bekannter Witz war den Handwerkern zugeschriebene Spruch: FORUM geht es?

Fourage, auch Furage oder Fourragierung (frz. fourrage), ist eine veraltete militärische Bezeichnung für Pferdefutter: Hafer, Heu und Stroh; daher furagieren, Pferdefutter bzw. Verpflegung für die Truppe herbeischaffen. Quelle: Wikipedia.org.

Ruhrpottjargon; Hinterteil von Lebewesen, besonders Menschen; dicke Fott - ironische Bezeichnung für ein Frauenhinterteil, das aus der Fassung zu geraten scheint; Stinkfott, Rappelfott - Personenbezeichnungen, die die vorangestellten Eigenschaften als in extremem Maße vorhanden herausstellen wollen; mitti Fott inne Poofe legen - mit dem Hintern im Bett ausruhen, schlafen.

Förtchen sind ein traditionelles Gebäck in Teilen Norddeutschlands, insbesondere der schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Küche, das besonders zur Weihnachtszeit und zu Silvester gebacken wird. Förtchen werden in einer speziellen Pfanne mit kugelrunden Vertiefungen auf dem Herd in Fett ausgebacken.

Mit der Frankatur (auch Freimachung oder Frankierung) werden die Bestandteile des Beförderungsvertrages bezeichnet, die zwischen Auftraggeber und Beförderer festlegen, wer die Kosten für die Beförderung einer Sendung trägt. Zusätzlich gibt die Frankatur Hinweise auf den Ort der Verbringung. Einige Logistikdienstleister erweitern die Frankatur mit Hinweisen zu Final Mile Services. Vor der Einführung von Briefmarken musste die Zustellung von Briefen vom Empfänger bezahlt werden (ähnlich wie heute noch bei der Nachnahmezustellung von Paketen) – falls nicht der Absender schon bei der Einlieferung die Beförderungsgebühr bezahlt und den Brief damit für den Empfänger frei gemacht hatte.

Der Frankfurter Kranz ist eine ringförmige Buttercremetorte. Er besteht aus mehreren Böden aus Sand-, Wiener- oder Biskuitmasse, ist mit Buttercreme gefüllt und bestrichen und mit Krokant eingestreut.

aus einer Erweiterung von →Franz(e) mit dem Suffix -mann gebildeter Familienname. Die Bedeutung >Franzose< ... oder auch französischer Soldat im Ersten Weltkrieg.

Ein Franzose (auch Engländer) ist die umgangssprachliche Bezeichnung für einen verstellbaren Schraubenschlüssel.

Als Frauenzimmer, damals frawenzymer, bezeichnete man an den Höfen des 15. Jahrhunderts den gesamten Hofstaat einer adligen Hausherrin sowie ihre Gemächer.
Seit dem 17. Jahrhundert wird der Begriff auch auf einzelne Frauen angewandt. So lautet eine bekannte Moritat: Sabinchen war ein Frauenzimmer.

Der Begriff der Freibank wurde im späten Mittelalter geprägt und bezeichnet den 1553 durch eine bairische Landesverordnung freigegebenen Verkauf von Fleischwaren durch zunfts- und ortsfremde Metzger (nichtzünftigen Freimeister oder Freibankmetzger). Um dem Zunftmonopol der Zunftmetzger im 15. und 16. Jahrhundert entgegenzuwirken, boten sie ihre Waren unter dem Satze an. Ihre Verkaufstische (Freibänke) mussten dabei mindestens drei Schritte von den Zunftbänken der Zunftmetzger abseits stehen. Im 20. Jahrhundert war die Freibank eine Einrichtung zum Verkauf minderwertigen, aber nicht gesundheitsschädlichen Fleisches, das in der Fleischbeschau als bedingt tauglich eingestuft wurde. Freibankfleisch stammte aus Schlachtung von Tieren, die eigentlich nicht für die Schlachtung bestimmt waren, das heißt die z. B. durch Unfälle, Notschlachtungen etc. zu Tode gekommen waren. Die Preise waren hier durchgehend niedriger als in den übrigen Verkaufseinrichtungen. Die Verwertung älterer Tiere war möglich, aber nicht die Regel, sondern es wurden mehr jüngere Tiere verarbeitet, die verunglückt waren oder deren tierärztliche Behandlung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll war. Die veterinärmedizinischen Untersuchungen für Fleisch, das in der Freibank verkauft wurde, waren aber erheblich gründlicher als bei allen Normalschlachtungen. Dadurch war es möglich, Fleisch in hervorragender Qualität zu minimalem Preis in der Freibank zu erwerben. Im Zuge der Industrialisierung der Tierproduktion, der fallenden Erzeuger- und Verbraucherpreise gibt es heute keinen Markt mehr für Freibankfleisch, der letzte Betrieb in der Bundesrepublik (Buchloe im Allgäu) stellte deshalb seine Arbeit Ende 2006 ein.

mniederd., mhd. (md.) vrīer]: (veraltend) jemand, der um ein Mädchen freit. Freien wurde gleichbedeutend mit heiraten genutzt. Der Ausdruck Auf Freiersfüßen war ein anerkennender Spruch für einen Mann, der sich auf Brautschau befand.
Hingegen wird heute als Freier im Jargon der Prostitution eine Person bezeichnet, die für sexuelle Dienstleistungen bezahlt.

mhd. (md.) vrīāt(e), zu → freien (veraltet): Brautschau: Zur Freite gehen. Freien wurde gleichbedeutend mit heiraten genutzt.

Die Légion étrangère, deutsch Fremdenlegion, ist ein Großverband des französischen Heers, in dem Freiwillige aus über 150 Nationen als Zeitsoldaten dienen. Die Fremdenlegionäre sind in ihrem Mannschaftskern aus dem nichtfranzösischen Ausland angeworben. Im Sinne des Völkerrechts gelten sie als reguläre Soldaten der französischen Armee.

Esswaren; Verpflegung, Fressalien für unterwegs. Herkunft: Zu fressen, gebildet nach Viktualien, wohl ursprünglich Studentensprache.

Als Fresswelle wird das sich in den Nachkriegsjahren in der Bundesrepublik Deutschland rasant entwickelnde Bedürfnis nach hochwertigem und reichhaltigem Essen bezeichnet. Damit einher ging in weiten Teilen der Bevölkerung ein Hang zum Übergewicht und eine soziale Akzeptanz desselben. Ursache dieser Entwicklung war die zum Ende des Zweiten Weltkriegs und während des Wiederaufbaus Mitte der 1940er Jahre gemachte Erfahrung der Entbehrung des Nötigsten, die nun mit den allgemein steigenden Einkommen und rapide verfallenden Preisen des deutschen Wirtschaftswunders kontrastierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg als Folge der erlittenen Entbehrungen wurden die Brötchen immer üppiger mit Aufschnitt belegt →Brötchen mit Schleppe (siehe auch: Fresswelle)

auch Kaiser Wilhelm, mundartlich für Unterschrift setzen, unterschreiben: Nun setz schon deinen Kaiser Wilhelm drunter.

Der Friesennerz (auch: Ostfriesennerz) ist die metaphorisch-ironische Bezeichnung für eine Regenschutzbekleidung, die ungefähr zwischen 1970 und 1985 beliebt war. Es handelt sich dabei ursprünglich um eine dauerhaft wasserdichte Textilie für Berufsfischer und den Segelsport (Ölzeug).

Unter der Losung Kampf dem Kohlenklau begann in Deutschland am 7. Dezember 1942 eine Propagandaaktion zur Einsparung von Brennstoffen. In der Nachkriegszeit blieb die Figur weiterhin populär, diesmal ging es allerdings um den Diebstahl von Kohlen aus Zügen oder Lastwagen, um die ärgste Not zu lindern. Der Kölner Kardinal Joseph Frings hat in seiner Silvesterpredigt 1946 das Organisieren als in Notzeiten entschuldbaren Mundraub dargestellt, woraus der Volksmund das Wort fringsen ableitete.Quelle: Wikipedia.de

In der DDR wurden Dauerlutscher entsprechend als Fruchtstielbonbon bezeichnet.

frugal ist ein Januswort, welches in einem Sinn konträr zu seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet wird:
[1] schlicht, spärlich, karg (wird meist in Hinblick auf Speisen verwendet),
[2] umgangssprachlich: aufwendig, gut, reichlich.

Vermittlungsdame für Telefongespräche, das Fräulein stöpselte nach Abfrage die beiden Fernsprechteilnehmer zusammen.

Der Fuchs war auch ein kupfernes, rötliche schimmerndes 3 Pfennigstück, welches in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Westfalen, besonders in Münster, Hamm und Soest und seit 1750 auch in Düsseldorf, und zwar hier im Wert eines 1/4 Stübers, ebenso von 1764 bis 1767 im kurkölnischen, geprägt wurde. Es wurde in diesem Zusammenhang gerechnet auf Heller und Fuchs (genau und spitz abgerechnet), daher wohl auch der Pfennigfuchser.
Ruhrpottslang, Fünfzigpfennigstück: Wenne ne Schabracke heiraten tuss, is die Mark nur noch en Fuchs wert.

Der Fuchsschwanz ist eine Handsäge, die ihre Steifigkeit durch eine entsprechende Blattdicke und -breite erhält. Er besitzt keinen verdickten Rücken wie etwa die Feinsäge.

Degen mit breiter Klinge. Die Fuchtel in der Wendung unter jemandes Fuchtel stehen jemandem demütig gehorchen (müssen) ist eigentlich ein zum Fechten verwendeter Degen, der eine breite, stumpfe Klinge hat. Gebildet wurde das Wort, das im heutigen Deutschen noch in Wendungen wie wild mit den Armen herumfuchteln anzutreffen und frühnhd. auch als fochtel belegt ist, im 16. Jahrhundert aus dem Verb vehten fechten, das seinerseits von ahd. bzw. altsächs. vehtan stammt. Die Bedeutung der Wendung ergibt sich daraus, dass man beim Militär als Straf– und Disziplinarmaßnahme Schläge mit einer flachen Klinge verabreicht bekam. So wurde Fuchtel zum Synonym für Herrschaft.

Das Fuder, auch mit Fuhre oder Fahrt bezeichnet war ein Volumenmaß für Flüssigkeiten und feste Stoffe.
Abgeleitet ist das Fuder von der Fuhre (Ladung), die ein zweispänniger Wagen laden konnte. Das Fuder hatte je nach Region etwa 800 bis 1800 Liter. Üblicherweise bestand das Fuder aus 12 Eimern, wobei dieses Maß absolut nichts mit den heutzutage Üblichen Fünf- bzw. Zehn-Liter-Plastikeimern zu tun hat.

Eine Fuhre bezeichnet die Ladung, die ein zweispänniger Wagen laden konnte; abgeleitet von Fuder. Ein Fuder hatte je nach Region etwa 800 bis 1800 Liter. Üblicherweise bestand das Fuder aus 12 Eimern, wobei dieses Maß absolut nichts mit den heutzutage üblichen Fünf- bzw. Zehn-Liter-Plastikeimern zu tun hat. Heute versteht man darunter den eigentlichen Transport zwischen Verladen und Entladen.

Als Funzel (vermutlich eine Ableitung des 18. Jahrhunderts auf -sel zu Funke oder im 17. Jahrhundert aus frühneuhochdeutsch voncksel, Zündstoff, vereinfacht) wird umgangssprachlich abwertend eine schlecht brennende Lampe bezeichnet bzw. eine Lampe, die nur sehr wenig Licht spendet, also eine sehr schwache Lichtquelle. Davon abgeleitet bedeutet funzelig etwa dämmrig, schummrig, aber auch klein und daher schlecht zu benutzen, oder/und auch Dinge von schlechter Qualität (leicht zerbrechlich oder umständlich in der Handhabung). Metaphorisch verwendet bildet Funzel einen ironischen Gegensatz zu Fackel.
Im Technikerjargon wird Funzel scherzhaft als Bezeichnung für Rundfunksender schwacher Leistung oder für Füllsender verwendet.
Der Satiriker Jochen Petersdorf nannte seine Beilage zum Eulenspiegel Funzel. Abendblatt für trübe Stunden. Die Leipziger Funzel ist ein bekanntes, 1976 gegründetes Kabarett.
Im Schwäbischen bezeichnet man auch eine alte hässliche Frau als Funzel. Quelle: Wikipedia.org.

Fußmatte oder Rost vor der Tür zum Abtreten des Schmutzes, übertragen: Person als Sündenbock missbrauchen.

Das Füllschriftverfahren wurde in der Zeit von 1944 bis 1948 von Eduard Rhein (1900-1993) entwickelt, am 8. Juni 1949 wurde ihm dafür ein Patent unter der Nummer DBP 966210 erteilt. Das (stereotaugliche) Verfahren bildet eine der Grundlagen für die Langspielplatte. Zusammen mit der schmalen Mikrorille ermöglicht die Füllschrift eine Spieldauer von bis zu 25 Minuten pro Seite.

aus dem Mittelhochdeutschen vüerbaz für vorwärts, weiter. Beispiel: So ritt ich fürbaß in die aufsteigende Dämmerung hinein [Storm Aquis submersus 3,239]